BMW gibt nach Mercedes Level 3 auf. Tesla plant FSD in Europa für 99 Euro pro Monat

BMW gibt nach Mercedes Level 3 auf. Tesla plant FSD in Europa für 99 Euro pro Monat

Jiří Zelinka, 26. Februar 2026

BMW hat bestätigt, dass das Facelift der 7er-Reihe ohne autonomes Fahren der Stufe 3 kommt. Der deutsche Hersteller folgt damit Mercedes, der das System Drive Pilot Ende Januar 2026 aus dem Angebot der S-Klasse genommen hat. Laut Auto Plus nennt BMW mangelndes Kundeninteresse und einen zu engen Nutzungsrahmen als Grund. Zur gleichen Zeit berichtet Auto Plus jedoch, dass Tesla plant, sein Full-Self-Driving-System in Europa zu starten — für 99 Euro pro Monat.

6 000 Euro für ein paar Minuten im Stau

Der BMW Personal Pilot L3 wurde im März 2024 als Sonderausstattung für 6 000 Euro in der 7er-Reihe eingeführt. Das System nutzte LiDAR und ermöglichte vollautomatisiertes Fahren bis 60 km/h auf Autobahnen mit baulich getrennten Fahrtrichtungen. Der Fahrer durfte in diesem Moment legal das Lenkrad loslassen und sich dem Lesen oder Filmeschauen widmen. Die deutsche Gesetzgebung erlaubt dies seit 2022.

Doch 6 000 Euro für die Möglichkeit, im Stau die Hände vom Lenkrad zu nehmen, erwiesen sich als zu viel. Laut Electrive stellte BMW einen „unzureichenden Kundennutzen" fest und wird das System aus dem für Ende April 2026 erwarteten Facelift der 7er-Reihe streichen.

Mercedes gab als Erster auf

Mercedes brachte Drive Pilot noch früher auf den Markt — bereits 2021 für die S-Klasse und den EQS. Ende 2024 erhielt der Hersteller von der deutschen Regulierungsbehörde sogar die Genehmigung, die Höchstgeschwindigkeit des Systems von 60 auf 95 km/h zu erhöhen. Doch auch das änderte nichts am geringen Käuferinteresse. Das im Januar 2026 vorgestellte Facelift der S-Klasse bietet Drive Pilot nicht mehr an.

Beide Marken kommen damit zum gleichen Schluss: Die Technologie funktionierte, der gesetzliche Rahmen existierte, doch der Markt reagierte nicht darauf. Die Kundschaft der 7er-Reihe und der S-Klasse — theoretisch am wenigsten preissensibel — hatte kein Interesse an dem System.

Level 2+ als pragmatische Alternative

Anstelle von Level 3 setzen beide Autohersteller auf ein fortschrittliches Level 2+. BMW integriert in das Facelift der 7er-Reihe den Autobahn Assistant — ein System, das bereits im neuen iX3 angeboten wird als Teil eines Pakets für 1 450 Euro. Der Fahrer kann bei Geschwindigkeiten bis 130 km/h die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber die Straße im Blick behalten und jederzeit bereit sein, die Kontrolle zu übernehmen. Das System schafft sogar den Spurwechsel allein durch einen Blick in den Rückspiegel.

Mercedes setzt MB.Drive Assist Pro ein — ein mit der Navigation verknüpftes Level-2+-System, das teilautomatisiertes Fahren „von Tür zu Tür" verspricht. Verfügbar sein wird es sowohl im Facelift der S-Klasse als auch in der neuen CLA. Beide Lösungen kosten nur einen Bruchteil des Preises von Level 3 und funktionieren unter einem breiteren Spektrum an Bedingungen.

Tesla: anderer Ansatz, gleiches Ziel

Während die europäischen Premiummarken zurückrudern, plant Tesla den Start von Full Self-Driving in Europa. Laut Not a Tesla App haben Analysten im Code der europäischen Tesla-Websites versteckte Elemente gefunden, die auf eine Testphase und ein monatliches FSD-Abonnement hinweisen. Der Preis soll 99 Euro pro Monat betragen.

Tesla verfolgt eine regulatorische Strategie über Artikel 39 der EU-Vorschriften, der es einzelnen Mitgliedstaaten erlaubt, fortschrittliche Systeme im Ausnahmeverfahren zu genehmigen. Eine Schlüsselrolle spielt die niederländische Behörde RDW (Rijksdienst voor het Wegverkeer). Laut Teslarati hat Tesla in den Niederlanden mehr als eine Million Testkilometer in 17 EU-Ländern zurückgelegt.

Tesla Model Y 2025 mit Full-Self-Driving-Technologie
Tesla plant den Start von FSD in Europa in Form eines monatlichen Abonnements. Foto: Tesla

Sobald ein Staat das System genehmigt, können die anderen EU-Mitgliedstaaten die Ausnahme nach dem Prinzip der gegenseitigen Anerkennung übernehmen. Die Niederlande gelten dank ihres pragmatischen Umgangs mit Innovationen als wahrscheinlichstes erstes Land.

Der entscheidende Unterschied zu BMW und Mercedes: Tesla FSD ist formal weiterhin Level 2. Der Fahrer muss den Verkehr beobachten und bereit sein einzugreifen — er darf rechtlich nie aufhören, den Verkehr zu beobachten. Das System bewältigt das Fahren jedoch in einem wesentlich breiteren Spektrum an Situationen als ein klassischer adaptiver Tempomat mit Spurhalteassistent.

System Stufe Max. Geschwindigkeit Hände vom Lenkrad Augen von der Straße Preis
BMW Personal Pilot L3 † Level 3 60 km/h ja ja 6 000 €
Mercedes Drive Pilot † Level 3 95 km/h ja ja ~5 000 €
BMW Autobahn Assistant Level 2+ 130 km/h ja nein 1 450 €
Mercedes MB.Drive Assist Pro Level 2+ n/a ja nein n/a
Tesla FSD (geplant) Level 2 ohne Limit nein nein 99 €/Monat
Ford BlueCruise Level 2+ 130 km/h ja nein Teil der Ausstattung
† System aus dem Angebot genommen. Übersicht der in Europa verfügbaren oder geplanten Assistenzsysteme.

Tesla verkauft FSD in Tschechien nicht, doch die Infrastruktur wächst

Tesla bietet in Tschechien Autopilot und Enhanced Autopilot an, FSD ist bislang jedoch nicht verfügbar. Sollte Tesla in den Niederlanden die Zulassung erhalten und die gegenseitige Anerkennung in Kraft treten, enthält die tschechische Gesetzgebung bisher kein Hindernis, das die Aktivierung verhindern würde — Level-2-Systeme benötigen keine spezielle nationale Ausnahme wie Level 3.

Für tschechische Fahrer ist die praktische Auswirkung überschaubar: BMW und Mercedes ziehen sich von einer Technologie zurück, die sie ohnehin nicht kaufen konnten. Tesla wird möglicherweise bald eine Funktion anbieten, die sich in Tschechien aktivieren lässt — für etwa den Preis einer Tankfüllung im Monat.

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