In unserem heutigen Test dreht sich alles vor allem um die Freude am Fahren. Zum Test steht uns nämlich ein fantastischer Fiesta ST zur Verfügung. Unter der Haube leistet er 200 PS, an der Vorderachse verfügt er über ein selbstsperrendes Differenzial, er punktet mit gelungenen Sitzen und einer sehr sportlichen Lenkung. Ein großer Vorteil sind die kompakten Abmessungen und eine Fahrwerksabstimmung, dank derer der Fiesta auf tschechischen Landstraßen wie von Sinnen fliegen kann. Das kleine Auto hat aber noch weitere Vorteile. Neben der Wendigkeit und dem Gewicht, die sich positiv auf die Fahreigenschaften auswirken, braucht es auch nicht so viel Leistung, und all das wirkt sich nicht nur auf das Fahrerlebnis, sondern auch auf den Preis aus. Beim Fiesta gilt also nicht unbedingt, dass ein Hot Hatch teuer sein muss. Weder in der Anschaffung noch im Unterhalt.

Der Fiesta hat ein leichtes Facelift erhalten, beim von uns getesteten Modell ST betrifft das vor allem den vorderen Bereich, der nun auch Scheinwerfer mit LED-Matrix-Technologie umfasst. Der Fiesta bleibt weiterhin ein Auto mit einer nüchternen Karosserie, die frei von großen gestalterischen Ausschweifungen ist. Von hinten rettet die Situation ein Spoiler, ein Diffusor und zwei Auspuffendrohre zusammen mit dem großen ST-Schriftzug. Von der Seite fallen vor allem die 18-Zoll-Räder und die rot lackierten Bremssättel auf. Dank geschmackvoller Details wirkt der Fiesta unauffällig, ist aber dennoch klar von seinen schwächeren Geschwistern zu unterscheiden.

Ich öffne die Tür und setze mich hinein. Im Gegensatz zur Vorgängerversion, die Recaro-Sitze hatte, erwarten mich nun große Sportsitze von Ford Performance (übrigens dieselben wie im Focus ST), ansonsten gibt es gegenüber der zivilen Version nicht allzu viele Änderungen. Das Armaturenbrett erinnert in seiner Architektur an den Focus, einschließlich einiger Tasten und Bedienelemente. Im Gegensatz zum Focus hat der Fiesta seine Klimaanlagen-Bedientafel nicht verloren und bietet weiterhin die klassische Steuerung über physische Regler. Auch das Infotainmentsystem ist vom Facelift nicht verschont geblieben und reagiert insgesamt recht schnell und prompt, sogar direkt nach dem Aufwachen des Fahrzeugs. Noch ein Wort zu den Sitzen. Sie sind nicht nur für die Verhältnisse eines Kleinwagens absolut famos. Neben einem hervorragenden Seiten- und Schulterhalt bieten sie eine verlängerbare Sitzfläche, die sich anheben und neigen lässt, sowie eine pneumatische Lendenwirbelstütze. Zudem verfügen sie über eine AGR-Zertifizierung. Außerdem bleibt dahinter noch ausreichend Platz für Passagiere in der zweiten Reihe.

Per Knopfdruck starte ich den Dreizylinder-Turbomotor 1.5 EcoBoost. Dieser leistet 147 kW (200 PS) und 320 Nm in einem sehr breiten Bereich von 1600 bis 4000 Umdrehungen bei einem Fahrzeuggewicht von 1280 kg. Dadurch beschleunigt der Fiesta in 6,5 Sekunden von null auf hundert. Doch die Beschleunigung auf gerader Strecke ist nicht der Grund, warum man sich ein solches Auto ausleihen würde. Darin glänzt eher der Mustang Mach-E GT. Und es liegt auch nicht an den mit 311 Litern recht überdurchschnittlichen Kofferraum, der bei einem vier Meter langen Auto ebenfalls erfreut. Da ist der Ford Focus Combi der Rekordhalter. Der Fiesta ST ist nämlich vor allem ein Landstraßen-Bezwinger. Dank des mechanischen Sperrdifferenzials an der Vorderachse, der Außenabmessungen, der präzisen Lenkung und des straffen Fahrwerks liegen seine Ambitionen vor allem in den Kurven. Und dort liefert er ab! Schon beim ersten Anfahren, wenn ich über die harte, kurz greifende Kupplung den Dreizylinder in Bewegung setze, wird klar, dass dies kein gewöhnlicher Dreizylinder ist. Von den ersten Metern an fasziniert mich, wie sofort er schon aus niedrigen Drehzahlen heraus reagiert (etwa schon um 1500 Umdrehungen) und wie mühelos er auch aus diesen Drehzahlen beschleunigt. Im mittleren Drehzahlbereich steigert sich dann seine Leistung, und der Schub zwischen 3 und 5 tausend Umdrehungen ist grandios. Und bei höchsten Drehzahlen klingt er einfach fantastisch. Einen großen Teil dieses Spektakels macht der Auspuff aus, aus dem beim Gaswegnehmen auch das obligatorische Nachknistern zu hören ist. Aber nur ein dezentes.

Schon nach den ersten Metern wird klar, dass der Fiesta wirklich ziemlich hart abgestimmt ist. Bei langsamer Fahrt spürt man die meisten Unebenheiten im Brustkorb, der im gleichen Rhythmus vibriert wie der gesamte Fiesta. Mit zunehmender Geschwindigkeit und Energie, die die Dämpfer aufnehmen müssen, werden diese nachgiebiger und beginnen zu arbeiten. Mit dem Motor harmoniert ein gelungenes Sechsgang-Schaltgetriebe – es schaltet präzise mit angenehm langen Schaltwegen und ist eine hervorragende Ergänzung zur straffen Kupplung und der direkten Lenkung. Das Gefühl eines echten Sportwagens ist damit perfekt.

Der Fiesta überrascht wirklich mit seinem Durchzug und seiner intensiven akustischen Kulisse – man muss nicht einmal den Sport-Modus wählen, der Motor verfügt sowohl über genug Leistung als auch über eine schnelle Gasannahme. Ich taste mich vorsichtig heran, was der Fiesta erlaubt, und die Reifen im Format 205/40 R18 scheinen genug Grip zu bieten. Das Tempo steigt rasant, gleichzeitig ist der Fiesta aber sympathisch, weil er schon bei erlaubten Geschwindigkeiten Spaß machen kann. Anders als Autos wie der Civic Type R oder der Hyundai i30 N, die noch „eine Nummer mehr“ an Leistung und Grip haben und bei denen die erreichten Geschwindigkeiten schon etwas grenzwertig sind (zumindest mit dem Gesetz). Wenn ich etwas Sicherheit gewonnen habe, stelle ich fest, dass der Fiesta bei kräftigerem Gaswegnehmen leicht übersteuert, und wenn ich ihn in der Kurve etwas belaste, zieht ihn das Sperrdifferenzial nach innen. Untersteuern erlebt man dabei praktisch nie. Und das ist sehr angenehm!

Nicht überall gibt es kurvenreiche Landstraßen, also muss man erst einmal dorthin gelangen. Auf dem Weg habe ich eine Fahrt auf der Autobahn absolviert, wo sich der Fiesta ST mit 6,5 Litern begnügte. Außerorts lassen sich sogar 6 Liter erreichen. Auf der Autobahn dreht der Motor bei 3 tausend Umdrehungen, zu hören ist vor allem ein leichtes Dröhnen des Auspuffs, ansonsten ist das Auto recht kultiviert. Das aufpreispflichtige Bang Olufsen Soundsystem sorgt dann dafür, dass das leichte Dröhnen aus dem Auspuff von einer hochwertigen Audioproduktion „übertönt“ wird.

Und jetzt endlich die Abschnitte, auf die ich mich so gefreut habe. Zum ersten Mal reize ich das Auto so richtig aus. Im zweiten Gang fliegt der Fiesta wie von Sinnen. Die perfekt ansprechenden Bremsen zähmen vor der Kurve das Tempo, aus dem Auspuff ist ein Knistern zu hören, und in der Kurvenmitte können wir dem Fiesta wieder Gas geben. Das Lenkrad zuckt leicht durch den Torque Steer, und man spürt, wie hervorragend die Kraftverteilung zwischen den Vorderrädern funktioniert. Auf dem Display blinkt die Kontrollleuchte, dass es Zeit zum Hochschalten ist. Aus dem Auspuff dringt ein herrliches Dröhnen, vom Motor ein Schnurren. In enge Spitzkehren passt der Fiesta wunderbar hinein, den Großteil des Spaßes übernehmen der zweite und dritte Gang. Vielleicht würde ich eine elektronische Zwischengas-Funktion beim Herunterschalten begrüßen. So eine, wie sie der i20 N hat. Einen großen Vorteil sehe ich in der Fahrwerksabstimmung. Man muss nicht den besten Asphalt suchen, denn der Fiesta hält sich auch auf holprigem Belag. Es ist wirklich ein echtes Fahrerlebnis. Leider verschwinden die meisten dieser kurvigen Abschnitte viel zu schnell ... aber oft konnte ich nicht widerstehen, umzudrehen und sie noch einmal zu fahren ... und dann noch einmal. Das Auto beherrscht die Situation, weder Bremsen noch Leistung lassen nach, das nachgiebige Fahrwerk schüttelt einen nicht durch. Also gönnen wir uns das Ganze noch einmal.
