Während Wasserstofftankstellen in Deutschland schließen und das Interesse an Wasserstoffautos schwindet, geht BMW den entgegengesetzten Weg. Der bayerische Autobauer hat bestätigt, dass 2028 der Serien-BMW iX5 Hydrogen auf den Markt kommt — das erste Wasserstoffauto des Konzerns im regulären Verkauf. Die dritte Generation der Brennstoffzellen wird gemeinsam mit Toyota entwickelt.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut Clean Energy Wire ist die Zahl der Wasserstofftankstellen in Deutschland innerhalb von nur zwei Jahren von über 80 auf rund 50 gesunken. Betreiber H2 Mobility hat 22 Stationen geschlossen, die für Pkw gedacht waren, und sich auf den Güterverkehr umorientiert. In den Niederlanden sind weniger als 20 Wasserstofftankstellen in Betrieb, in den USA hat Shell sämtliche Stationen geschlossen.
Der Grund ist bekannt: Fast niemand kauft Wasserstoffautos, weil es kaum Tankmöglichkeiten gibt. Und niemand baut Tankstellen, weil es keine Kunden gibt. Ein klassischer Teufelskreis, der sich nicht durchbrechen lässt. In den gesamten Niederlanden fahren nur einige Hundert Wasserstofffahrzeuge. Batterieelektrische Fahrzeuge dominieren dagegen, und die Ladeinfrastruktur dafür wächst jeden Monat.
BMW ist einer der wenigen Hersteller, die Wasserstoff nicht aufgegeben haben. Wie Autovisie berichtet, erklärte Vorstandsmitglied Joachim Post auf der Jahreskonferenz: „Wir sind überzeugt, dass diese Technologie eine weitere alternative Lösung zur Senkung der CO2-Emissionen sein kann."
Der Plan ist konkret. Laut einer BMW-Pressemitteilung beginnt die Produktion von Prototypen des Wasserstoffantriebs Mitte 2026 im Werk Dingolfing. Im Werk Landshut startet Ende Mai 2026 der Bau der Fertigungslinien für die Serienproduktion. Das Serienfahrzeug selbst — der BMW iX5 Hydrogen auf Basis der neuen X5-Generation — soll 2028 zu den Kunden kommen.
BMW entwickelt den Wasserstoffantrieb in Zusammenarbeit mit Toyota, dem größten Verfechter von Wasserstoff in der Automobilindustrie. Die dritte Generation der Brennstoffzellen soll kompakter, leistungsstärker und effizienter sein als die vorherige Version. Die Produktion der Systeme übernimmt das BMW-Werk im österreichischen Steyr.
Die Testflotte der iX5-Hydrogen-Prototypen hat bereits über eine Million Kilometer zurückgelegt — von arktischer Kälte bis zu tropischer Hitze. Toyota arbeitet unterdessen seit Jahrzehnten mit Wasserstoff — der Konzern baut das Modell Mirai und hat kürzlich experimentell Supraleitfähigkeit im wasserstoffbetriebenen GR Corolla eingesetzt, wodurch sich das Volumen des Wasserstofftanks verdoppelte.
| Parameter | Wasserstoffantrieb (FCEV) | Batterieelektrofahrzeug (BEV) |
|---|---|---|
| Tank- / Ladezeit | 3–5 Minuten | 20–40 Minuten (DC-Schnellladen) |
| Reichweite | 400–600 km | 300–600 km (abhängig von der Kapazität) |
| Infrastruktur in Deutschland | ~50 Stationen (sinkend) | Tausende Ladepunkte (wachsend) |
| Infrastruktur in Tschechien | praktisch keine | ~2.500 Ladepunkte |
| Gesamtwirkungsgrad (Well-to-Wheel) | ~30 % | ~75 % |
| Verfügbare Modelle in Europa (2026) | Toyota Mirai, Hyundai Nexo | Dutzende Modelle |
Der Hauptvorteil von Wasserstoff — schnelles Tanken — stößt auf ein Problem: Wo tankt man eigentlich? Der Gesamtwirkungsgrad „von der Elektrizität bis zum Rad" liegt bei Wasserstoff typischerweise bei rund 30 %, bei Batterien über 70 %. Die Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse und die anschließende Rückverwandlung in Strom in der Brennstoffzelle bedeutet erhebliche Verluste. Deshalb haben sich die meisten Autohersteller für Batterien entschieden.
Bezeichnend ist, wohin Deutschland seine Wasserstoffinvestitionen lenkt. Die Bundesregierung hat ein Förderprogramm über 220 Millionen Euro für den Bau von 40 Wasserstofftankstellen aufgelegt — ausschließlich für schwere Nutzfahrzeuge. Für Pkw wird nichts Neues gebaut. H2 Mobility erklärt, dass ältere Pkw-Tankstellen „den aktuellen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen nicht mehr genügen".
Im Pkw-Bereich bleibt Wasserstoff damit eher eine Wette auf die Zukunft. Bei Lkw und Bussen, wo Batterien an Gewichts- und Reichweitengrenzen stoßen, ergibt er mehr Sinn. BMW glaubt jedoch, dass Wasserstoff auch bei Pkw seinen Platz hat — zumindest als Ergänzung zur Batterie.
Für tschechische Kunden ist ein Wasserstoff-BMW vorerst eine akademische Angelegenheit. Tschechien verfügt praktisch über keine öffentliche Wasserstoffinfrastruktur. BMW unterhält im Land ein dichtes Händlernetz und verkauft hier auch batterieelektrische Fahrzeuge — ab August 2026 kommt die neue i3-Neue-Klasse-Baureihe hinzu. Der Wasserstoff-iX5 wird hierzulande aber ohne Infrastruktur nicht verkauft. Die nächstgelegenen Wasserstofftankstellen befinden sich in Österreich und Deutschland — und auch dort werden es immer weniger.