Dongfeng BOX – wenn sich ein Elektroauto nach seiner Form benennt

Dongfeng BOX – wenn sich ein Elektroauto nach seiner Form benennt

karolinar, 18. November 2025

Als der Schlüssel zum Dongfeng BOX bei uns in der Redaktion ankam, hielt ich mir die Hoffnung auf frischen Wind im Segment der erschwinglichen Elektroautos offen. Schon der Name „BOX“ wirkt ein wenig wie „na ja, es ist eben ein Auto mit einer kastenförmigen Form“, was mich darauf vorbereitete, keinen sportlichen Charmeur zu erwarten. Trotzdem – nachdem ich den Wagen ein paar Tage lang gefahren bin, muss ich sagen, dass der erste Eindruck… gemischt war. Auf der einen Seite hat mich das Auto überrascht, auf der anderen Seite hat es für mich persönlich nicht ganz dorthin gepasst, wo ich es einordnen würde.

Der Dongfeng BOX gibt sich keine Mühe, etwas vorzutäuschen – und vielleicht wirkt er gerade deshalb so, wie er wirkt. Schon aus der Ferne ist klar, dass es hier nicht um elegante Linienführung ging, sondern um rein funktionale Geometrie. Die Proportionen? Eine Länge von rund 4 m, 1,8 m Breite und etwa 1,5 m Höhe – also ein Mix zwischen Kei-Car und modernen urbanen Crossovern wie dem Kia Soul oder dem Honda e:Ny1. Die Linien des Wagens sind eher kantig, aber mit sanften Rundungen versehen, was eher sympathisch als plump wirkt. Man spürt die „Box-Optik“, aber nicht im Extrem – ein kantiges Heck, eine kurze Schnauze und fast senkrechte Flanken. Unser Testwagen war hell lackiert mit kontrastierendem schwarzem Dach und schwarzen Außenspiegeln, was dem Auto optisch mehr Leichtigkeit verlieh. Dadurch wirkt der BOX nicht wie ein anonymes chinesisches Elektroauto, sondern eher wie ein Stilobjekt, das ein jüngeres Publikum ansprechen will. Andererseits – trotz des Versuchs, einen „Urban-Cool“-Vibe zu erzeugen, wirkt er von vorne etwas schmalbrüstig. Das LED-Tagfahrlicht ist markant, aber die gesamte Lichtsignatur gehört nicht zu jenen, die man sich merkt.

Der Innenraum als solcher – beim Einsteigen überkommt einen kein luxuriöser Wow-Effekt wie bei einer Premiummarke, aber der Platz ist überraschend gut. Ich saß mit guter Rundumsicht am Lenkrad, der Sitz war nicht brettartig hart, und manche Flächen wirkten wirklich hochwertiger (z. B. der abgesteppte Streifen auf dem Armaturenbrett). Andererseits spürte ich, als ich einige Kunststoffteile berührte (etwa den unteren Bereich des Armaturenbretts, die Türverkleidungen u. Ä.), den Unterschied zu teureren Autos – geringere Materialstärke, weniger Weichheit. Von außen wirkt der Wagen breiter, als es dem Eindruck üblicher städtischer Elektroautos entsprechen würde – und dieses Gefühl bestätigt sich auch im Innenraum. Im Fond gibt es genug Platz, aber nicht so viel, dass man sich wie in einem „großen“ Familienauto fühlt.

Die Materialien im BOX sind für seinen Preis und sein Segment – städtisches Elektroauto – überdurchschnittlich, aber sie sind nicht so hochwertig wie bei Autos zum doppelten Preis. Wenn Sie realistische Erwartungen haben, werden Sie zufrieden sein: Das Auto wirkt hochwertiger, als es dem „niedrigen“ Preis entsprechen würde. Wenn Sie ein bis ins Detail gehendes Premium-Gefühl erwarten, werden Sie kleine Kompromisse finden.

Der Kofferraum bietet in der Grundkonfiguration 326 Liter, was für den üblichen Einkauf oder eine kleinere Sportausrüstung ausreicht. Durch das Umklappen der Rücksitze wächst das Volumen auf bis zu 945 Liter, sodass das Auto auch einen Wochenendausflug mit größerem Gepäck bewältigt. Die Ladekante ist angenehm niedrig und der Kofferraum ausreichend breit, sodass das Beladen bequem ist. Der einzige kleine Nachteil ist, dass die umgeklappten Sitze keinen völlig ebenen Boden ergeben, was den Transport sperrigerer Gegenstände erschweren kann.

Infotainment

Der Dongfeng BOX bietet eine recht standardmäßige Ausstattung im Sinne eines erschwinglichen Elektroautos, aber mit einigen Überraschungen. Das Armaturenbrett ist recht übersichtlich, die Bedienelemente sind weder extrem minimalistisch noch super-luxuriös. Ein Touchscreen durchschnittlicher Größe, ordentliche Grafik – kein High-End-Niveau wie bei Mercedes, aber für den alltäglichen Gebrauch ausreichend. Laut Herstellerangaben steht ein Touchscreen mit 12,8″ Diagonale zur Verfügung. Die Bedienung gängiger Funktionen – Radio, Navigation, Mobilkonnektivität – funktioniert ohne größere Schwierigkeiten. Leider bemerkte ich in der Testausstattung gelegentliches „Lag“ beim Wechsel zwischen den Bildschirmen – bei einem so „neuen“ Modell durchaus überraschend.

Was Apple CarPlay und andere Multimedia-Funktionen betrifft: In einigen europäischen Anzeigen für die Version „Premium Edition 42 kWh“ wird angegeben, dass „Apple CarPlay/Android Auto“ zur Ausstattung gehört. Bei meinem Test des Fahrzeugs wurden jedoch weder CarPlay noch Android Auto standardmäßig unterstützt – angeblich muss man dafür eine externe „Box“ installieren. Grundfunktionen wie DAB-Radio, Bluetooth oder kabelloses Laden des Telefons bietet der Box.

Was echte Besitzer sagen

Der Dongfeng BOX (auch Nammi Box) wird in Norwegen, Singapur, Südafrika und Malaysia verkauft. Als eines der günstigsten Elektroautos auf dem Markt zieht er preissensible Käufer an – und deren Erfahrungen sind gemischt.

Was überzeugt hat

Ein norwegischer Rezensent hat bei Supercar Blondie das günstigste neue Elektroauto Norwegens getestet und bewertet das Preis-Leistungs-Verhältnis als außergewöhnlich für die urbane Mobilität. Malaysische Besitzer auf Zigwheels sind zufrieden — beide Bewertungen fallen positiv aus.

Was stört

Euro NCAP vergab nur 3 Sternebeim Frontalaufprall versagten mehrere Punktschweißungen an der A-Säule, der Kopfairbag des Fahrers hatte nicht genug Druck, und die Struktur des Armaturenbretts gefährdete die Beine der Insassen. Das ist ein gravierender Sicherheitskompromiss.

Die Klimaanlage arbeitet unberechenbar — die südafrikanische Business Day beschreibt, dass das System unabhängig von der Einstellung wahllos heizt oder kühlt. Das Audiosystem ist schwach, und für einen ordentlichen Klang muss die Lautstärke fast auf das Maximum gestellt werden. Android Auto und Apple CarPlay fehlen — das Telefon lässt sich nur über einen Drittanbieter verbinden, wobei man dabei nicht gleichzeitig Radio hören kann.

Die Ladekompatibilität mit öffentlichen Ladestationen ist unzuverlässig — ein südafrikanischer Tester verbrachte 20 Minuten an einer Ladesäule in einem Einkaufszentrum, bevor das System meldete, dass sie offline sei.

Service

Dongfeng hat in Tschechien keinerlei Servicenetz, und das europäische Vertriebsnetz steckt noch in den Kinderschuhen. Für potenzielle Besitzer bedeutet das eine vollständige Abhängigkeit vom Import von Ersatzteilen aus China.

Fahreigenschaften und Verbrauch/Reichweite

Kommen wir zum Kern der Sache – wie sich der Dongfeng BOX auf der Straße verhält, welche Fahreigenschaften er hat und was in puncto Verbrauch und Reichweite aus ihm herauszuholen ist.

Zu den technischen Daten: ein Motor mit 70 kW (≈ 95 PS) Leistung und 160 Nm Drehmoment. Es stehen laut verfügbaren Quellen zwei Batteriekapazitäten zur Verfügung – 31,4 kWh (Version E1) und 42,3 kWh (Version E2/E3). Die Reichweite nach dem chinesischen CLTC-Standard wird mit bis zu 430 km für die größere Batterie angegeben. Doch wie sah das in meiner realen Praxis aus? Nicht ganz wundersam.

Gefühlt kämpft das Auto ein wenig mit erhöhtem Luftwiderstand und Seitenwind – höhere Karosserie, breitere Spur – in Ordnung, aber nicht ideal. Die Kabinenlautstärke bei höherer Geschwindigkeit war deutlicher zu hören, als mir lieb war. Die Fahrstabilität war nicht schlimm, aber bei intensiverem Kurvenfahren fehlt der festere „Sitz“ auf der Straße und die Sicherheit, die man bei teureren Autos hat.

Das Fahren in der Stadt ist recht entspannt, der Wagen wirkt ruhig, die Beschleunigung ist kein Sprint – wenn Sie an der Ampel zügig loswollen, stellen Sie fest, dass der Elektromotor zwar gut anspringt, aber bei dieser Leistung ist es kein sofortiger „Schuss“ wie bei sportlichen E-Autos. Im normalen Verkehr haben Sie keine Probleme, mitzuhalten, aber als ich aus der Stadt auf einen schnelleren Abschnitt oder ein anderes Tempo wechselte, begann sich der Unterschied zwischen meinen Erwartungen und dem, was das Auto wirklich kann, zu zeigen. Die Dämpfung von Unebenheiten ist durchschnittlich – größere Schlaglöcher oder Unebenheiten spürt man deutlich im Rücken. Sicherlich spielte dabei eine Rolle, dass es sich nicht um ein Premiummodell handelt.

Im kombinierten Fahrbetrieb habe ich einen Durchschnitt von etwa 15–18 kWh/100 km im normalen Modus (Stadt plus Landstraße) gemessen. Das ist ordentlich, aber nicht bahnbrechend. Wenn Sie schneller auf der Autobahn oder auf schnelleren Straßen fahren, beginnt der Verbrauch deutlicher zu steigen – 20 kWh/100 km sind kein Extrem, aber zu erwarten, dass Sie mit der größeren Batterie im normalen Betrieb 430 km schaffen – das leider nicht. Die reale Reichweite lag eher bei 280–320 km, je nach Fahrstil, Wetter und Heizung/Klimaanlage. Wenn Sie also die Version mit 42,3 kWh hätten, rechnen Sie mit einem Mittelwert von rund 300 km – das ist für den Stadt- und Vorstadtgebrauch in Ordnung, aber bei längeren Ausflügen gibt Ihnen das das Gefühl, das Nachladen bereits im Voraus planen zu müssen. Die Herstellerangabe von 30 Minuten für das Laden von 30–80 % gilt unter optimalen Bedingungen. In der Praxis: an einer öffentlichen 50-kW-Ladesäule bedeutete das etwa 25–30 Minuten, bei schwächerem Andrang nichts Dramatisches, aber es ist nicht „garantiert 30 Minuten“.

Fahrerisch ist der BOX funktional, im Stadtverkehr geschickt und für den normalen Alltagsgebrauch angenehm. Aber wenn Sie viele Kilometer auf Autobahnabschnitten zurücklegen oder ein „sportliches“ Erlebnis oder eine ultra-lange Reichweite erwarten – dann wird es Kompromisse geben.

Preis in Tschechien

In Tschechien liegt der Neupreis für die BOX-Version aktuell (laut Anzeigen) bei etwa 21.200 € für die 31,4-kWh-Version. Für die Version mit 42,3 kWh bewegen sich die Preise irgendwo um 23.300 €–23.900 €. In der immer reicher werdenden Elektroauto-Palette ist das ein relativ erschwingliches Fahrzeug – die meisten Konkurrenten sind unvergleichlich teurer. Andererseits handelt es sich um ein relativ neues Fahrzeug einer Marke, die bei uns nicht ganz Mainstream ist – ein Faktor, den der Käufer im Hinterkopf behalten sollte (Servicenetz, Ersatzteile, Wiederverkaufswert usw.). Das ändert sich aber allmählich.

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