Test: BMW X4 M40d – unerwartet vielseitig

Jiří Zelinka, 23. April 2019

Die Zeiten, in denen alle SUV maximal praktisch sein mussten, liegen wohl endgültig hinter uns, wie gerade die neuen Kreationen der Premiumhersteller beweisen. Zugleich ist allerdings auch eine Zeit angebrochen, in der sich alle SUV ziemlich ähnlich sehen und neue, mutigere Designideen eine Seltenheit sind. Natürlich lässt sich der Sinn eines fast zwei Tonnen schweren Coupés mit mehr als 20 cm Bodenfreiheit ziemlich leicht infrage stellen. Doch das wäre schade, denn bei der Wahl des neuen X4 werden vor allem irrationale Beweggründe entscheiden, und da treten sachliche Argumente in den Hintergrund. Stil, Eindruck vom Innenraum und Gefühl am Steuer lassen sich nur schwer rational beschreiben, machen den X4 für mich aber genau zu dem Auto, das ich haben möchte, obwohl ich eigentlich überhaupt nicht weiß, warum. Was genau hat mich also angesprochen? Womit hat mich der X4 überzeugt? Und welchen Sinn ergibt ein Dieselmotor in einem luxuriös-sportlichen und nicht für jeden erschwinglichen Fahrzeug? Diese und viele weitere Fragen beantworte ich heute...

 Test des BMW X4 M40d

Design - eine Kontroverse, die Aufmerksamkeit weckt

Optisch ist der X4 ein sehr interessantes Auto: Manchen gefällt das Design nicht, andere bewundern es. Nahezu sicher ist jedoch, dass es jedem auffällt. Die Form des Fahrzeugs zieht die Blicke auf sich, und der Generationswechsel hat ihm sehr gutgetan, vor allem am Heck. Das Kennzeichen wanderte von der Heckklappe nach unten und schuf so eine große, einheitliche Fläche ohne überflüssige Designelemente – etwas, das man bei heutigen Autos nicht allzu oft sieht. Dadurch kommen die schönen Rückleuchten besonders gut zur Geltung. Wie bei aktuellen BMW üblich, sind sie stark dreidimensional modelliert: Ihr unterer Teil ragt um einige gute Zentimeter heraus und zieht sich vom Heck weit in die Fahrzeugseiten hinein. 

Von vorn ist es dagegen gar nicht so schwer, den X4 mit dem X3 zu verwechseln. Der Kühlergrill weist dieselben Elemente auf, wobei die „großen Nieren“ im Mittelpunkt stehen. Dahinter verbirgt sich eine aktive Luftstromsteuerung, die sich erst öffnet, wenn der Motor gekühlt werden muss. Neben einem schnelleren Aufwärmen verbessert das auch die Aerodynamik. Das Auto kam auf 19-Zoll-Winterrädern, die für meinen Geschmack vielleicht etwas zu vernünftig wirken. Auf dem tschechischen Markt ist diese Motorisierung serienmäßig mit 20-Zoll-Rädern ausgestattet; gegen einen Aufpreis von ca. 30 Tausend tschechischen Kronen sind 21-Zoll-Räder erhältlich, die am Auto noch eine Stufe besser aussehen. Andererseits passten die dunklen Räder wirklich gut zur weißen Lackierung. Insgesamt spielt beim neuen BMW X4 alles genau so zusammen, wie es soll – ich würde sagen: ausgesprochen gefällig.  

 Test des BMW X4 M40d

BMW versteht sich auf Innenräume

Wenn ich auf etwas nichts kommen lasse, dann ist es das bis ins letzte Detail durchdachte Interieur moderner BMW. Beim Kombiinstrument begnügte sich BMW nicht mit einem einfachen Display, wie es die meisten Hersteller tun. Stattdessen befinden sich davor Einfassungen für Tachometer, Drehzahlmesser, Tankanzeige und Kühlmitteltemperatur. Gerade dadurch wirken die digitalen Instrumente nicht billig und behalten zugleich sämtliche Vorteile eines digitalen Cockpits. Bei jeder Interaktion mit dem Infotainmentsystem von BMW habe ich das Gefühl, dass sich jemand wirklich Gedanken darüber gemacht hat. Es vermittelt mir einen ähnlichen Eindruck wie etwa die Produkte von Apple: Alles befindet sich dort, wo man es erwartet, funktioniert einfach und kommt ohne unnötig lange Animationen aus. Dazu gehören wohl auch Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass Ihnen die Tankanzeige mehr Kraftstoff im Tank anzeigt, wenn Sie den Fahrmodus wechseln oder den Verbrauch senken. Schließlich ist für den Fahrer die Reichweite wichtiger als die Anzahl der Liter, die zufälligerweise in fast allen Modi ebenfalls bei der Tankanzeige eingeblendet wird.

Das Fahrzeug war außerdem mit einem automatischen Parkassistenten ausgestattet, der nicht nur Gas und Bremse bedient, sondern auch selbstständig die Fahrstufen wechselt. Der Fahrer muss lediglich den gewünschten Parkplatz auswählen und die Parktaste gedrückt halten. Das funktioniert hervorragend: Für das Querparken in kleinere Lücken fährt das Auto bewusst weiter seitlich heran und richtet sich anschließend durch schrittweises Vorfahren gerade aus. Dabei achtet es sogar darauf, dass das Fahrzeug im Verhältnis zu den anderen Autos richtig positioniert ist. Im X4 erschien mir dieser Assistent erstmals wirklich nützlich. Er ließ sich leicht aktivieren, arbeitete schnell und hatte die Abmessungen dank seiner Sensoren besser im Blick als ich während des einwöchigen Tests.

Der gesamte Innenraum war zudem mit rotem Merino-Leder aus dem Programm BMW Individual ausgestattet, was ihm zusätzliche Exklusivität verleiht. Die Sitze besitzen ein schönes Muster, sind sehr bequem und bieten soliden Seitenhalt, eignen sich allerdings eher für schmalere Staturen. Andererseits lassen sich ihre Seitenwangen pneumatisch anpassen, weshalb ich davon ausgehe, dass das „Gewichtslimit“ nicht besonders streng ausfällt. Hinten gibt es überraschend viel Bein- und Kopffreiheit. Man sitzt dort lediglich recht aufrecht, damit die Passagiere unter den höheren Teil des Daches passen. Ebenfalls überraschend ist der unerwartet geräumige Kofferraum mit 525 Litern Volumen. Zum Vergleich: Der 3er Gran Turismo bietet 5 Liter weniger, der riesige 5er Touring nur knapp 50 Liter mehr. Für diese Art von Fahrzeug ist das zwar keine entscheidende Disziplin, dennoch ist es gut zu wissen, dass Ihre Golfausrüstung ins Auto passt und Sie auf der Fahrt in die Berge die Coupé-Optik nicht mit einer unansehnlichen Dachbox verschandeln müssen.

 Test des BMW X4 M40d

Motor: sechs Zylinder, zwei Turbos, 240kW

Für den X4 sind zwei Topmotorisierungen erhältlich: M40d und M40i. Beide sind Sechszylinder mit 3 Litern Hubraum. Der Benziner leistet 20 kW mehr und besitzt einen Turbolader weniger, erreicht aber denselben Beschleunigungswert bis Tempo einhundert: 4.8 Sekunden. Die Benzinversion konnte ich nicht fahren, der Dieselmotor hat mich jedoch wirklich begeistert, vor allem mit seiner Vielseitigkeit. Im Komfortmodus fährt er leise und kultiviert, auch die Reaktion auf das Gaspedal fällt etwas gelassener aus, was bei alltäglichen Fahrten angenehm ist. Genial ist allerdings der Fahrmodus „Adaptive“, der anhand des Fahrerverhaltens einschätzt, wie Sie fahren möchten. Dabei soll er sogar Daten des Navigationssystems berücksichtigen und so die ideale Balance zwischen Komfort- und Sportmodus ermitteln. In diesem Modus war ich die meiste Zeit unterwegs, und er funktioniert wirklich gut. Allerdings ist der Unterschied bei der Agilität gegenüber dem Sport Plus-Modus weiterhin relativ groß.

Was die Fahreigenschaften betrifft, wurden diese bis zu einem gewissen Grad von der Kombination aus Winterreifen und höheren Temperaturen beeinflusst. Trotzdem war deutlich zu spüren, dass das Fahrwerk zum Besten gehört, was ein Straßen-SUV bieten kann. Mit dem höheren Fahrzeuggewicht kommt es ordentlich zurecht. Bei schnellen Schwerpunktverlagerungen in engeren Kurven kann es die Gesetze der Physik jedoch nicht überlisten, auch wenn sich der 4x4-Antrieb redlich darum bemüht. Erfreulich ist auch der Verbrauch, der selbst bei zügigerer Fahrweise bei etwa acht Litern bleibt. Im längerfristigen Durchschnitt sind sogar weniger als 7 l/100 km möglich – nicht, dass dies bei dieser Art von Auto besonders wichtig wäre. Zumindest die größere Reichweite mit einer Tankfüllung dürfte aber selbst bei deutschem Autobahntempo jeden freuen. Gerade dank Motorisierungen wie dem M40d würde ich wieder einmal behaupten, dass der Diesel nicht tot ist. Für ein relativ großes Auto (und SUV), wie der X4 zweifellos eines ist, ergibt Diesel als Kraftstoff für mich weiterhin mehr Sinn. BMW hat ihn zudem nahezu perfektioniert: Er kann nach wie vor sehr sparsam und kraftvoll sein, bietet zugleich hervorragende Elastizität und starken Durchzug und räumt vor allem mit nahezu allen Mythen über den rauen oder „nagelnden“ Lauf von Motoren auf, die denselben Kraftstoff verbrennen. Am meisten überraschte mich die bereits erwähnte Vielseitigkeit. Der X4 M40d lässt sich sowohl schnell und unterhaltsam als auch komfortabel oder sparsam fahren und bewältigt all das souverän, als wäre es jeweils sein eigentlicher Hauptzweck.

 Test des BMW X4 M40d

Fazit

Insgesamt ist der X4 für mich eine große Überraschung. Äußerlich wirkt er wie ein zwar sehr schönes Auto, das jedoch weder praktisch noch vielseitig sein kann. Ich muss allerdings gestehen, dass mich der X4 während des Tests wirklich für sich gewonnen hat. Konkret sind es der geräumige und schöne Innenraum, der riesige Kofferraum und der ausgesprochen vielseitige Motor, der pfeilschnell, bei Bedarf aber auch sehr leise und unauffällig ist – für ein Auto im täglichen Einsatz geradezu ideal. Mit seinem Äußeren hebt er sich von der Masse ab, und auf tschechischen Straßen ist er noch immer selten genug, dass sich Passanten nach ihm umdrehen. Wenn Sie also ein Auto suchen, das Aufmerksamkeit erregt und dessen Fahreigenschaften seiner Marke würdig sind, ist der X4 eine ideale Wahl. Beeilen Sie sich nur, bevor sich das herumspricht...

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