Der Stellantis-Konzern erwägt laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, Batterie- und Antriebstechnologie seines chinesischen Partners Leapmotor bei seinen europäischen Marken Fiat, Opel und Peugeot einzusetzen. Sollte eine Vereinbarung zustande kommen, wäre es das erste Mal, dass ein großer westlicher Autohersteller eine chinesische Fahrzeugarchitektur und Software für in Europa verkaufte Modelle nutzt.
Die Gründe dafür sind rein wirtschaftlicher Natur. Stellantis wies für das Jahr 2025 einen Nettoverlust von 22,3 Milliarden Euro aus — den ersten Jahresverlust seit der Entstehung des Konzerns durch die Fusion von PSA und FCA im Jahr 2021. Hauptursache war eine Abschreibung in Höhe von 25,4 Milliarden Euro im Zusammenhang mit der Neubewertung der Elektromobilitätspläne.
CEO Antonio Filosa erklärte, das Unternehmen habe „das Tempo der Energiewende überschätzt“ und müsse sein Geschäftsmodell „neu ausrichten“. Stellantis stellt sich nun auf ein ausgewogenes Portfolio aus Elektroautos, Hybriden und Verbrennungsmotoren um — ähnlich wie Ford oder General Motors.
Laut dem Portal Electrive sind drei Szenarien im Gespräch. Das erste ist die Integration einzelner Komponenten — Elektromotoren, Batterien oder Steuergeräte — in bestehende Stellantis-Plattformen. Die zweite Variante ist die Übernahme der gesamten Plattform Leap 3.5, auf der der Leapmotor B10 basiert. Die dritte und radikalste Möglichkeit ist eine reine Umbenennung (Badge Engineering): Der B10 würde unter der Marke Opel verkauft.
Gerade Opel gilt Spekulationen vom Oktober 2025 zufolge als mögliche Testmarke für diesen Ansatz.

Warum gerade Leapmotor? Der Vergleich zweier SUV im selben Segment zeigt, wo die chinesische Technologie die Nase vorn hat.
| Parameter | Leapmotor B10 | Opel Frontera Electric |
|---|---|---|
| Batterie | 67,1 kWh (LFP) | 44 kWh |
| Leistung | 160 kW (215 PS) | 83 kW (113 PS) |
| Reichweite (WLTP) | etwa 400 km | 305 km |
| 360°-Kamera | ja | nein |
| Beheizte und belüftete Sitze | ja | nein |
| Ungefährer Preis in Europa | ab 34 000 € | ab 28 990 € |
Der Frontera ist günstiger, bietet aber eine deutlich schwächere Ausstattung und Leistung. Sollte Stellantis die Plattform des B10 übernehmen und unter einer eigenen Marke einsetzen, könnte der Konzern die technischen Daten des chinesischen Fahrzeugs zu einem ähnlichen Preis anbieten — ohne die Kosten einer eigenen Entwicklung.
Stellantis investierte im Jahr 2023 1,5 Milliarden Euro und erwarb einen Anteil von 51% an Leapmotor International, einem Gemeinschaftsunternehmen für Vertrieb und Produktion außerhalb Chinas. Leapmotor behält 49 % sowie die Verantwortung für die Fahrzeugentwicklung, die weiterhin in China erfolgt.
Die Produktion in Europa hat bereits begonnen. Im polnischen Stellantis-Werk in Tychy werden die Modelle T03 und C10 montiert. Eine weitere Produktion soll noch in diesem Jahr im spanischen Zaragoza anlaufen. Gerade die lokale Fertigung ist entscheidend — die EU verschärft die Anforderungen an die Herkunft von Komponenten für den Zugang zu Fördermitteln für Elektroautos.
Im 4. Quartal 2025 verkaufte Leapmotor in Europa mehr als 17 000 Fahrzeuge. Das Netz wuchs auf mehr als 800 Verkaufs- und Servicestandorte.
Die Gespräche befinden sich allen Quellen zufolge in einem frühen Stadium, und der Abschluss einer Vereinbarung wird frühestens für Ende 2026 erwartet. Die Hindernisse sind nicht nur technischer Natur. Die US-Behörden verschärfen die Vorschriften für Software und Konnektivität von Fahrzeugen mit chinesischer Technologie. Stellantis, das in den USA die Marken Jeep, Ram und Dodge verkauft, müsste sicherstellen, dass chinesische Software und Telematik nicht in die US-Modelle gelangen.
Auch der Datenschutz ist eine offene Frage. Die europäischen Vorschriften für die Verarbeitung von Fahrzeugdaten werden verschärft, und die chinesische Herkunft der Software könnte bei Regulierungsbehörden und Kunden auf Widerstand stoßen.
Leapmotor trat im Jahr 2025 über die Gruppe Emil Frey in den tschechischen Markt ein, die die Marke auch in der Slowakei, Slowenien, Ungarn und Kroatien vertritt. Angeboten werden die Modelle T03 (Elektro-Stadtauto) und C10 (Familien-SUV).
Sollte Stellantis die Leapmotor-Plattform tatsächlich bei Fiat, Opel oder Peugeot einsetzen, könnte dies den Kunden in Tschechien erschwinglichere Elektroautos mit chinesischer Technologie unter bekannten europäischen Marken bringen. Die Verkäufe chinesischer Autos in Tschechien stiegen im Jahr 2025 um 68 %, und dieser Trend dürfte sich fortsetzen — wobei chinesische Technologie künftig auch in europäischem Gewand auftreten wird.