Stellantis investiert in die Modernisierung von Motoren italienischer Herkunft und rüstet sie für die Euro-7-Norm. Laut Informationen von Al Volante und ItalPassion könnte es sich um eine historische Wende handeln: Die französischen Marken des Konzerns könnten auf Motoren aus der italienischen FCA-Schmiede umsteigen.
Emanuele Cappellano, Europachef von Stellantis, bestätigte bei einem Treffen mit dem italienischen Industrieministerium Investitionen in Motoren der GSE-Baureihe (Global Small Engine), bekannt unter dem Handelsnamen FireFly. Der Dreizylinder 1.0 FireFly, der den Fiat 500 Hybrid und den Panda antreibt, wird für die ab November 2027 geltende Euro-7-Norm angepasst.
Die GSE-Motoren entstanden noch unter dem Dach von FCA, vor der Fusion mit PSA. In Europa werden sie im italienischen Termoli gefertigt, wo auch die Doppelkupplungsgetriebe eDCT für die Mild-Hybrid-Modelle des Konzerns produziert werden.

Die Entscheidung ist nicht nur Industriepolitik. Laut Branchenquellen, die von ItalPassion zitiert werden, hat der 1.2-PureTech-Dreizylinder von PSA mechanische Probleme, die tiefer gehen als der notorisch bekannte Riemen. Der Motor soll wichtige Komponenten schneller verschleißen, und mit den höheren Drücken und Temperaturen der Euro-7-Norm könnten sich diese Probleme noch verschärfen.
Der FireFly ist konstruktiv neuer, und seine robusteren Komponenten sollen eine bessere Basis für das kommende Jahrzehnt der Verbrennungsmotoren bieten. Die Anpassung des PureTech an Euro 7 würde dagegen Millionen Euro kosten – bei ungewissem Ergebnis hinsichtlich der Lebensdauer.
Neben dem Erhalt des FireFly bereitet Stellantis auch ein einheitliches Antriebsaggregat für das mittlere Segment vor. Der neue 1.6-Turbo-Vierzylinder mit der internen Bezeichnung EP6 (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen älteren Prince-Motor) feierte laut Al Volante sein Debüt im neuen Jeep Cherokee für den US-Markt und wird in Europa als Plug-in-Hybrid in Modellen auf der STLA-Medium-Plattform erscheinen — Citroën C5 Aircross, Jeep Compass und weiteren Modellen.
Das neue Aggregat ersetzt die bisherige Dopplung: sowohl den aktuellen 1.6 PSA als auch die GSE-Motoren mit 1,3 und 1,5 Litern Hubraum, die nach dem Produktionsende des Fiat 500X und des Jeep Renegade nur noch im Alfa Romeo Tonale verblieben sind. Stellantis wechselt damit von zwei parallelen Mittelklasse-Motorenfamilien zu einer einzigen.
Für größere Fahrzeuge auf der STLA-Large-Plattform entsteht der zwei Liter große Vierzylinder GME-T4 Evo — eine Weiterentwicklung des Motors aus dem bisherigen Alfa Romeo Giulia und Stelvio. Er wird sowohl als Hybrid- als auch als Plug-in-Variante angeboten und soll neben den neuen Generationen dieser Modelle auch in weiteren Fahrzeugen auf der STLA-Large-Plattform zum Einsatz kommen.
In der Hinterhand gibt es auch den drei Liter großen Reihensechszylinder-Biturbo Hurricane-T6 mit bis zu 550 PS, der bislang nur in amerikanischen Dodge- und Jeep-Modellen eingesetzt wird. Sein Einsatz in Europa wurde von Stellantis jedoch wiederholt abgelehnt.
Sollten sich die Pläne bestätigen, könnte dies laut ItalPassion den Umstieg des gesamten europäischen Stellantis-Angebots auf Motoren italienischer Herkunft bedeuten. Peugeot 208, 308, 2008, 3008, aber auch Opel Corsa, Astra, Mokka oder Modelle von Citroën würden Antriebseinheiten aus der ehemaligen FCA-Schmiede erhalten.
Bei der Gründung von Stellantis im Jahr 2021 wurde erwartet, dass die PSA-Technologie dominieren würde. Einige Jahre lang war das auch so. Der langsamere Umstieg auf Elektroautos hat jedoch die Haltbarkeit und die Betriebskosten von Verbrennungsmotoren wieder ins Spiel gebracht — und dort hat laut internen Einschätzungen die italienische Seite die Nase vorn.
Teil der umfassenderen Strategie ist auch die Rückkehr des Diesels in das europäische Angebot, die Stellantis am 17. Februar angekündigt hat. Die neuen Dieselmotoren sollen ebenfalls italienischer Herkunft sein, mit einem 48-Volt-Mild-Hybrid-System und einem Doppelkupplungsgetriebe eDCT.
Für tschechische Kunden wird der Wandel schrittweise, aber real erfolgen. Der Peugeot 308 SW mit dem Motor PureTech 1.2 wird in Tschechien ab 710.000 Kronen verkauft. Genau dieser Motor könnte in den kommenden Generationen durch den italienischen FireFly oder dessen Nachfolger ersetzt werden.
Opel Corsa startet in Tschechien ab 399 990 Kč, der Frontera ab 499 990 Kč — beide Modelle verwenden derzeit PSA-Motoren. Der Übergang zu Euro 7 im Jahr 2027 wird der entscheidende Meilenstein sein, an dem sich zeigt, ob die italienischen Aggregate tatsächlich die Rolle der französischen übernehmen.