Volkswagen wird der erste große westliche Automobilhersteller sein, der ein von einem chinesischen Unternehmen entwickeltes System für autonomes Fahren einsetzt. Laut einer internen Mitteilung des XPeng-Chefs He Xiaopeng vom 24. Februar 2026, die CnEVPost veröffentlicht hat, wird der deutsche Konzern der erste kommerzielle Kunde von VLA 2.0 — der zweiten Generation einer Plattform für autonomes Fahren, die XPeng als Alternative zu den Lösungen von Tesla und Waymo entwickelt.
VLA 2.0 (Vision-Language-Action) ist ein KI-Modell, das aus einer Kombination visueller Daten und einer sprachlichen Beschreibung der Situation Fahrmanöver ableitet. Ziel ist es, die Abhängigkeit von manuell geschriebenen Regeln und HD-Karten zu verringern. Das System läuft auf einer Plattform mit eigenen Turing-Chips und einer angegebenen Rechenleistung von 2 250 TOPS. In der Robotaxi-Version verbaut XPeng vier Turing-Chips mit einer Gesamtleistung von 3 000 TOPS.
XPeng gibt an, VLA 2.0 mit 100 Millionen Aufzeichnungen aus dem realen Straßenverkehr trainiert zu haben. Das soll eine dreizehnfache Verbesserung beim Fahren durch enge Gassen, Reaktionen auf Verkehrszeichen ohne HD-Karten und die Erkennung von Gesten anderer Verkehrsteilnehmer ermöglichen. Laut XPeng zielt das System auf die Stufe SAE L4 ab — also auf das Fahren ohne notwendige Eingriffe des Fahrers in abgegrenzten Gebieten und unter definierten Bedingungen.

Die Entscheidung für den Kauf chinesischer Technologie zum autonomen Fahren ist eine direkte Folge der Probleme bei der Softwaresparte Cariad. Diese hat seit ihrer Gründung im Jahr 2020 Milliarden Euro verschlungen und Verzögerungen bei wichtigen Konzernprojekten verursacht. Die personellen Konsequenzen reichten bis in die Führungsetage — Herbert Diess verlor im Jahr 2022 seinen Posten als Konzernchef, wobei die Probleme bei Cariad einer der Faktoren waren. Volkswagen investierte im Jahr 2023 700 Millionen Dollar in XPeng und erwarb einen Anteil von 4,99%, um gemeinsam Elektroautos für den chinesischen Markt zu entwickeln.
Die Zusammenarbeit wurde seitdem ausgeweitet. Beide Unternehmen arbeiten an der gemeinsamen elektrischen und elektronischen Architektur CEA (China Electronic Architecture), die als Basis für alle chinesischen Modelle des Konzerns dienen soll. Laut ArenaEV soll Volkswagen auch den Turing-Chip von XPeng übernehmen und sich damit bei seinen chinesischen Modellen deutlich stärker auf eine zugelieferte Lösung als auf eine Eigenentwicklung stützen.
VLA 2.0 wird zunächst in zwei gemeinsam entwickelten Elektroautos für den chinesischen Markt eingesetzt; das erste davon soll ein mittelgroßes SUV sein. Laut Auto Plus könnte die Technologie später auch in Verbrennern und Plug-in-Hybridmodellen auf Basis der CEA-Plattform zum Einsatz kommen.
Ob VLA 2.0 auch in europäische Volkswagen-Modelle gelangt, wurde bislang nicht bestätigt. Der chinesische Markt ist beim autonomen Fahren deutlich weiter als Europa — dort ist es üblich, dass Elektroautos fortschrittliche Assistenzsysteme serienmäßig anbieten. In Europa setzen sich Funktionen zum freihändigen Fahren erst langsam durch — der Ford Kuga erhält das BlueCruise-System, während sich BMW laut Auto Plus von seinen Plänen für Level 3 in Europa abwendet.
| Parameter | XPeng VLA 2.0 | Tesla FSD |
|---|---|---|
| Rechenleistung | 2 250 TOPS (Herstellerangabe) | ~144 TOPS (HW4) |
| Autonomiestufe | Ziel L4 (abgegrenzte Gebiete) | L2+ (Fahrer überwacht) |
| HD-Karten erforderlich | Nein | Nein |
| Verfügbarkeit in Europa | Noch nicht | Noch nicht |

Für XPeng ist die Vereinbarung mit Volkswagen der Beleg dafür, dass die eigene Technologie auch außerhalb der eigenen Modellpalette einen kommerziellen Wert besitzt. Das Unternehmen hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: eine Million im Ausland verkaufte Elektroautos bis zum Jahr 2030. Neben der Technologie für autonomes Fahren entwickelt XPeng auch ein Robotaxi, dessen Serienproduktion laut Electric Vehicles noch in diesem Jahr beginnen soll.
XPeng schlägt damit einen ähnlichen Weg ein wie Li Auto mit dem Modell L9 Livis, bei dem das chinesische Unternehmen auf eine außergewöhnlich hohe Rechenleistung als Wettbewerbsvorteil setzt. Der Unterschied besteht darin, dass XPeng seine Technologie nun auch an westliche Hersteller verkauft.
XPeng gehört zu den chinesischen Marken, die tatsächlich in Tschechien vertreten sind. Den Vertrieb übernimmt Hedin Distribution CZ mit Sitz in Brünn; angeboten werden die Modelle G6, G9 und P7. VLA 2.0 wurde für die europäischen Versionen der XPeng-Modelle bislang nicht angekündigt — das System ist in erster Linie für China bestimmt, und der Einsatz von L4 stößt in der EU auf gesetzliche und homologationsrechtliche Hürden.
Volkswagen spielt als Eigentümer von Škoda zugleich eine Schlüsselrolle auf dem tschechischen Markt. Sollte sich VLA 2.0 in China bewähren und die Regulierung den Einsatz zulassen, könnten tschechische Autofahrer der Technologie in einem Modell des Konzerns begegnen — eine Bestätigung von Volkswagen oder Škoda gibt es bislang jedoch nicht.