Es gibt Autos als Quelle des Vergnügens, über die wir so gerne schreiben, und dann gibt es Autos als Transportmittel, bei denen es vor allem darauf ankommt, was der Betrieb und die Anschaffung den Besitzer kosten. Und der von uns getestete i10 mit dem literstarken Saugmotor mit 49 kW Leistung gehört zur zweiten Gruppe. Das ändert nichts daran, dass wir ihn uns mit Vergnügen genauer ansehen.
Einen Liter-Saugmotor hatte ich noch nie zum Test. Und er kommt nur zwei Wochen, nachdem ich 202 kW im i30N genießen durfte. Mit seinen 3670 mm ist der i10 zudem eines der kleinsten Autos. Und mit einem Basispreis von 229 Tausend auch eines der günstigsten. Ausstattungsseitig handelte es sich um die Version Style, also die höchste, der Motor war jedoch der Basismotor. Es sollte eine Woche wie jede andere werden - Sommerwochenende, Ausflug zu zweit. Nichts, was der i10 nicht bewältigen könnte. Doch der Zufall wollte es, dass der i10 eine ziemlich vollgepackte Woche erlebte, die ihn ordentlich auf die Probe stellte.

Nach dem Fußball hatte ich keine Lust mehr, mit dem Rad durch Prag zu fahren, also rief ich mir eine Mitfahrgelegenheit. Meiner Freundin stand der i10 in der Top-Ausstattung Style sehr gut. Die Kombination aus schwarzem Dach, großen Rädern und kirschrotem Lack verlieh diesem Fahrzeug aus den unteren Sphären einen gewissen Charme, sodass sie mich gerne abholen kam. In den Passat passt ein Fahrrad problemlos, weil er über einen Meter länger ist. Und hier? Den Spott meiner Mitspieler habe ich mit dem Beweis entschieden gekontert, dass das Mountainbike auch ohne Abnehmen des Hinterrads in den i10 passt. Vorne musste ich mich etwas einschränken, aber das Rad war verstaut. Hauptsache, ich muss nicht selbst treten.

Überall Hitze, was machen wir also? Wir fahren ans Wasser! Zwei Personen, Zelt, Stühle, Schlafsäcke, Isomatten, Kleidung und etwas zu essen. Alles nahm der 252 Liter fassende Kofferraum insgesamt ganz ordentlich auf, nur wenig musste in den Fußraum der Fondpassagiere. Die erste längere Fahrt, die das Leistungsdefizit des beladenen Autos offenbart, das in der Stadt kaum stört. Zum Glück lässt sich das Fünfganggetriebe sehr leicht schalten und hat auf seinem Weg nur geringe Widerstände. Und das ist gut so. Denn schalten muss man - und zwar viel. Jede Steigung bedeutet, dass dem Motor die Puste ausgeht. Man muss zurückschalten und die Drehzahl über 3000 halten. Das heißt, den vorherigen Gang bis etwa 4500 auszudrehen und schnell den nächsthöheren einzulegen. Ein Vergnügen, wenn man den Motor versteht, man merkt, dass er sich abmüht, und man nicht auf den Schaltassistenten hört, der stur den fünften Gang empfiehlt, wenn kaum der dritte reicht. Und das ist vielleicht das größte Problem - der Motor packt so einiges, aber es braucht viel Fingerspitzengefühl beim Fahren und im Umgang mit der Drehzahl, beziehungsweise einen klügeren Schaltassistenten, den es hier nicht gibt. Nach Tábor kamen wir an, ein Verkehrshindernis waren wir nicht. Nur das Einfädeln auf die Schnellstraße im Freitagsverkehr war ein wenig Adrenalin. Trotz des unsanften Umgangs mit dem Motor lag der Verbrauch knapp unter 5 Litern. Und 5 Liter zeigte auch der Langzeitzähler bei Übernahme des Autos an. Was fast unglaublich ist angesichts dessen, welche Drehzahlen der Motor durchmachen muss und wie oft er die Maximalleistung abgibt. Auf der Autobahn dreht er bei 130 km/h zwar 4000 Umdrehungen, ist dabei aber kaum zu hören. Ich habe trotzdem eine etwas niedrigere Geschwindigkeit gewählt. Knapp über 120 km/h, da fährt es sich besser - vor allem was den Komfort an Bord betrifft. Der Zeitunterschied am Ziel ist bei diesem Geschwindigkeitsunterschied vernachlässigbar.

Auf dem Rückweg nahmen wir einen weiteren Passagier mit Gepäck nach Prag mit, und noch eine Person sprang dazu, weil sie zum Startpunkt unserer Kanuexpedition mitgenommen werden musste. Passe ich auch noch bei euch rein? Klar, komm, du passt rein, kein Problem. Die Zuladung des i10 erreichte so etwa 340 kg (laut Fahrzeugschein sind 380 kg zulässig). Und das Fahrzeuggewicht stieg von 1030 kg auf 1300 kg. Aber die Motorleistung blieb weiterhin bei 49 kW und das Drehmoment weiterhin bei 96 Nm. Aber es geht voran. Der Motor muss noch ein Stück höher ausgedreht werden. Und der Schaltassistent ist ratlos. In Tábor kommen wir mit einem Verbrauch knapp über 5 Litern an, setzen den Passagier ab, zu dritt fahren wir weiter nach Prag. Dort kommen wir mit einem Verbrauch von 4,3 Litern auf hundert an. Das will mir nicht in den Kopf.

Am Sonntag kehrten wir zur Abwechslung zu viert von Cínovec zurück. Also praktisch die ganze Zeit über die D8. Tempo um die 120 km/h, im Auto herrscht für seine Größe insgesamt ein recht angenehmer akustischer Komfort, am meisten kommt der Lärm von den Rädern und den Mädels in der zweiten Reihe :-) Aber selbst die haben überraschenderweise bemerkt, dass sie vor den Knien immer noch Platz haben, obwohl das Auto so klein ist. Wenn das jemandem auffällt, der mit Autos sonst nichts am Hut hat, dann muss das schon etwas heißen. Die ganze Zeit lief die Klimaanlage auf voller Stufe (draußen waren es 29 Grad) und nach einer Stunde Fahrt waren wir zu Hause bei einem Verbrauch von 4,7 Litern.


Für 369 Tausend ist nicht alles rosig - der Motor ist wirklich schwach. Man muss sich an die ungleichmäßige Kraft der Kupplungsbetätigung gewöhnen und daran, dass das Auto unter 3000 Umdrehungen nicht beschleunigt. Dieser Motor reicht für das heutige beschleunigte Tempo schlicht kaum aus. Dann ist da noch die Sache, dass der Hyundai i20 in der Grundausstattung nur 10 Tausend teurer ist und Komfort sowie eine eine Klasse größere Kofferraumgröße bietet. Das Erscheinungsbild des i10 verderben die verchromten Türgriffe, die kirmesmäßig wirken und deren Handhabung den Preis des Fahrzeugs verrät. Das Material der Sitze ist nicht besonders angenehm, es ist ein grober, etwas plastikhafter Stoff. Aber etwa die Formgebung und die Materialien des Armaturenbretts oder die Einstellung der Sitzposition hinter dem Lenkrad sind absolut ohne Vorbehalt, ebenso die Ablagefächer und das Infotainment.

Es ist keine Kunst, mit einem Auto über 100 kW zu fahren. Die Kunst ist es, mit einem Auto mit halber Leistung zu fahren. Dem Motor zuzuhören, sich nicht zu scheuen, ihn auszudrehen, und dann einen Gang einzulegen, bevor das Auto anfängt, langsamer zu werden. 4500 Umdrehungen beim Zwischengas zu treffen und am Berg den dritten Gang einzulegen. Das ist Kunst. Das ist "auch der Weg kann das Ziel sein". Wenn das nichts für Sie ist, würde ich den i10 mit diesem Motor nicht empfehlen, denn Sie werden sich abmühen und für den umgebenden Verkehr eine Last sein. Und wenn ich also am Anfang schrieb, dass dies kein Fahrerauto ist, dann war das vielleicht nicht ganz richtig. Der i10 ist mehr Fahrerauto, als so manches, das sich so gibt. Ich war überrascht, wie viel Komfort- und Sicherheitsausstattung der i10 in der Ausstattungsstufe Style bietet. Ich würde sogar sagen, dass die Ausstattung Smart für 299 Tausend ausreichend wäre. Ich war angenehm überrascht vom Fahrverhalten wie auch beim Tanken, als der Verbrauch für die ganze Tankfüllung selbst unter den oben genannten Bedingungen bei 4,7 Litern auf hundert Kilometer lag. Was sonst sollte man von einem Auto erwarten als niedrige Betriebs- und Anschaffungskosten, wenn man „nur“ ein Transportmittel sucht?