Peugeot 508 SW – Eleganz und Komfort

Jan Nemrava, 5. Juli 2021

Der Peugeot 508 SW ist ein stilvoller Kombi, der Komfort und Praktikabilität in einem schönen französischen Gewand vereint. Zum Test steht uns eine Version mit dem 1.6 PureTech Benzinmotor mit 225 PS und Automatikgetriebe in der höchsten Ausstattungslinie zur Verfügung. Diese bietet zum Beispiel auch eine Spezialität wie die Nachtsicht.

Ein extravagantes Fahrzeug in Rot mit einer originellen Lichtsignatur lässt sich auf der Straße nicht verwechseln. Mit dem schönen Design im französischen Stil – mit Tigerkrallen-Leuchten, rahmenlosen Fenstern, ausgestellten Kotflügeln, abfallender Dachlinie und geringerer Höhe – handelt es sich um ein außergewöhnlich interessantes Fahrzeug. In der Länge misst er 4778 mm, in der Höhe aber nur 1420 mm. Optisch geht der Peugeot in der Mittelklasse keineswegs unter, im Gegenteil, er ist ihr Schmuckstück. Konkurrenz kann ihm wohl nur der Arteon Shooting Brake machen. In der Ausstattungslinie GT zeigt sich das Maximum dessen, was man in einen Peugeot „hineinpacken" kann. Zum Beispiel Nachtsicht, punktuelle Massagesitze, Voll-LED-Scheinwerfer, adaptiver Tempomat mit Spurhalteassistent, Panoramadach oder vollautomatisches Einparken.

Auf Stil wird hier nicht nur außen, sondern auch innen Wert gelegt. Nach dem Platznehmen auf den Ledersitzen spielt der Peugeot erneut die Design-Karte und punktet mit der Attraktivität seines unkonventionellen Interieurs. Doch es geht nicht nur um oberflächliche, reine Effekthascherei! Über dem winzigen Lenkrad befindet sich das digitale Kombiinstrument i-Cockpit, das für Modelle dieser Marke so charakteristisch ist und einen besseren Blick auf die Instrumente bietet. Überall hochwertige Materialien, einschließlich der Verkleidung der Mittelkonsole, die an schwarzes mattes Holz erinnert. Die bequemen Sitze bieten vielfältige Einstellmöglichkeiten, einschließlich Sitzflächenverlängerung und Höhenverstellung der Kniestütze sowie eine optionale Massagefunktion. Die ersten Eindrücke sind nur positiv.

Unter der Haube befindet sich der bekannte PureTech-Benzin-Turbomotor mit 1.6 Liter Hubraum, 225 PS und 300 Nm. Mit Automatikgetriebe, einer Beschleunigung von 7,3 Sekunden auf hundert und einem Gewicht von 1500 kg könnte der Benzinmotor ein Rezept für hohen Verbrauch sein. Doch dem ist nicht so. Der Hersteller gibt den WLTP-Verbrauch mit 7,1 bis 7,8 Litern auf hundert Kilometer an. Und das liegt sehr nahe an dem Verbrauch, den auch wir gemessen haben. Klar, in der Stadt ist es kein Problem, sich der 10-Liter-Marke zu nähern, aber auf der Autobahn kommt der 508 locker mit einem Verbrauch von unter 8 Litern aus. Bei Überlandfahrten beginnt der Wert dann problemlos bei 7. Den Test haben wir mit einem Verbrauch von knapp über 8 Litern beendet, auf der Langzeitanzeige leuchtete dann ein um einen halben Liter höherer Wert. 

Noch kurz zum Fahrkomfort – der Motor harmoniert gut mit dem Getriebe und kann seine Newtonmeter bei niedrigeren Drehzahlen gut nutzen, auch wenn ein abruptes Durchtreten des Gaspedals nach einer kurzen Verzögerung gelegentlich zu hektischem Zurückschalten führt. Hier muss man sich erst ein wenig an die Reaktionen des Getriebes gewöhnen und es nicht immer zum Herunterschalten zwingen. Angenehm ist die Lenkung mit dem kleinen Lenkrad, und die großen 19-Zoll-Räder sorgen zusammen mit dem adaptiven Fahrwerk für ein hervorragendes Fahrgefühl und sehr sichere Fahreigenschaften, die der Peugeot mit seinem sportlichen Auftreten und 225 PS andeutet. Das Umschalten der Fahrmodi beeinflusst die Einstellung von Lenkung, Getriebe, Gasannahme und Dämpfern. Der Unterschied zwischen Sport und Komfort ist hinsichtlich der Fahrwerkshärte nicht groß, und das Fahrwerk bleibt auch auf den großen 19-Zoll-Rädern weich. Der 508 SW wurde am häufigsten mit dem Superb verglichen, aber als ich versuchte, ein wenig auf Landstraßen zu fahren, fragte ich mich, ob er nicht eigentlich eher der neuen Octavia RS näherkommt. Ein Blick in die Preisliste und die Abmessungen zeigt, dass der 508 von den Maßen her genau zwischen den beiden Škodas liegt, preislich aber sehr nahe an der Octavia RS. Ich muss jedoch sagen, dass ich, genau wie bei der Octavia RS auf gleich großen Rädern, auch hier von der Weichheit des Fahrwerks überrascht war, gleichzeitig aber auch von seinen Fähigkeiten. Der Peugeot ist zwar noch etwas schaukeliger, aber dafür sind die 235 mm breiten Reifen Michelin Pilot Sport 4 so gut, dass ich keinen Moment das Gefühl hatte, die Kontrolle oder die Traktion zu verlieren. Beide Autos sind für ausgelassenes Landstraßenfahren schon relativ groß, und beide sind eher waschechte „Gran Turismos". Etwas Wildheit verdirbt hier auch das Automatikgetriebe mit hydrodynamischem Wandler, das plötzliche Drehmomentstöße auf Räder und Motor glättet, und der Motor, der bei niedrigen Drehzahlen anfangs etwas unauffällig ist, hat aber schon bei rund 3 Tausend Umdrehungen genug Kraft für eine ordentliche Beschleunigung, sodass man ihn eigentlich nicht in hohe Drehzahlen treiben muss. 

Einen Kritikpunkt habe ich bei der Bedienung des Tempomaten über den Hebel unter dem Lenkrad, der überhaupt nicht sichtbar ist, aber eine ganze Reihe von Funktionen vereint, die man auswendig lernen und blind ertasten muss. Geschwindigkeit erhöhen/verringern, Abstand erhöhen/verringern, Tempomat pausieren, ihn einschalten und schließlich noch das erkannte Verkehrsschild in die Geschwindigkeitsbegrenzung übernehmen. Etwas zu viele Funktionen für etwas, das man gar nicht sieht, man kann sich aber natürlich daran gewöhnen. Andererseits verdient seine Funktionsweise durchaus Lob – manchmal ruckelt er zwar etwas oder bremst unvorsichtig ab, aber er kann das Fahrzeug über lange Kilometer führen. Wenn wir schon bei der Kritik sind – das Kamerasystem wirkt in seiner Auflösung recht veraltet, auch wenn es seine Funktion gut erfüllt, und ich würde eine Auto-Hold-Funktion für einfacheres Halten an Kreuzungen begrüßen.

Andererseits muss ich die Nachtsicht hervorheben, die ein großartiger Helfer ist und Fußgänger auf der Fahrbahn lange erkennt, bevor sie die Augen des Fahrers erfassen. Das System bleibt nicht von gelegentlichen Fehlalarmen verschont, ist aber für lange Fahrten außerhalb von Ortschaften ein zuverlässiger Helfer. Die Massagesitze massieren mit ihrem Modus „Katzenpfoten" den Rücken des Fahrers, aus den Focal-Lautsprechern erklingen angenehme Töne (auch wenn das optionale Audiosystem noch etwas besser klingen könnte), der Motor arbeitet leise, und der adaptive Tempomat hält das Fahrzeug in der Spur und ausreichend weit entfernt von anderen Fahrzeugen. Genau das ist der Moment, in dem der Peugeot den besten Eindruck hinterlässt. Mit seiner großartigen Fähigkeit, große Distanzen ohne großen Aufwand, ohne hohen Kraftstoffverbrauch und in absoluter Stille zu bewältigen.

Im Vergleich zum Liftback sollte der Kombi dank seiner Transportfähigkeiten deutlich praktischer sein. Beim Peugeot ist das nicht ganz der Fall. Der Kofferraum, wenn auch schön regelmäßig geformt, fasst 530 Liter, nur 50 Liter mehr als der Liftback. Der Superb, der hierzulande zweifellos der größte Konkurrent sein wird, hat 660 Liter, die erwähnte Octavia, die kleiner ist, hat 640 Liter. Das Problem ist, dass der Kofferraum, obwohl lang und breit, relativ flach ist. Während der Superb unter dem doppelten Boden noch jede Menge Platz bietet, hat der 508 keinen doppelten Boden, beziehungsweise befindet sich darunter nur noch ein Reifenreparaturset. Der Peugeot ist jedoch ein Designjuwel, bei dem der Vergleich mit den zweckmäßig gebauten Fahrzeugen des VW-Konzerns vielleicht nicht ganz fair ist. Es kommt darauf an, wo Ihre Prioritäten liegen, denn der 508 SW hat viele andere Trümpfe, mit denen er Kunden überzeugen kann. Wenn das Kofferraumvolumen nicht das entscheidende Kriterium für Sie ist, probieren Sie eine Fahrt damit aus, und wenn Sie die richtige Farbe wählen, besitzen Sie ein echtes Schmuckstück, nach dem sich die Leute auf der Straße umdrehen werden. 

93%
BEWERTUNG

Stärken

  • Exterieur- und Interieurdesign
  • Fahrkomfort und Akustik
  • Abstimmung von Automatikgetriebe und Motor
  • Vernünftiger Verbrauch
  • Platz für die Passagiere

Schwächen

  • Schwächere Elektronik (Kameras, Infotainment)

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