Škoda Kodiaq 2.0 TSI L&K – für jeden etwas, für niemanden etwas

Jan Nemrava, 22. März 2022

Das größte SUV des heimischen Herstellers hat vor ein paar Monaten ein Facelift erhalten, und so ist es Zeit, es auszuprobieren. Zum Test trat eine blaue Schönheit auf 20-Zoll-Rädern in der luxuriösen Ausstattung Laurin&Klement mit einem Konzernjuwel unter der Haube an. Selbstverständlich sind dabei das Automatikgetriebe DSG, Allradantrieb und ein satter Preis. Wenn schon Luxus, dann richtig.

Der Kodiaq misst in der Länge 4687 mm und bietet im Kofferraum unglaubliche 835 Liter, sodass sich der Kodiaq in die Rolle eines großvolumigen Transporters fügt, der Sie über Straße und Gelände bringt. Ich glaube allerdings nicht, dass SUVs dieser Größe unbedingt wegen ihrer Fähigkeiten gekauft werden, sondern weil es einfach modern ist. Und das so sehr, dass der Kodiaq im Jahr 2022 das siebtmeistverkaufte Auto ist. Das hat seine Vorteile – zum Beispiel im späteren Angebot an Gebrauchtwagen –, aber auch Nachteile – dass wir ihnen auf der Straße wirklich täglich reichlich begegnen. Aber nicht der Version Laurin&Klement. Diese galt schon immer als die luxuriöseste. Mit feinen Design-Details und ein paar Emblemen hebt sich dieser Kodiaq wirklich noch ein Stück ab. Dazu hat der Hersteller unter der Haube einen leisen Zweiliter-Benziner versteckt, damit Sie nicht wegen Klappern und Gestank von zu Hause losfahren müssen. In einem solchen Auto darf natürlich ein hervorragender Allradantrieb und selbstverständlich das samtige Automatikgetriebe DSG nicht fehlen. Jetzt müssen Sie nur noch für 1,3 Millionen Kronen ins Sparschwein greifen und in den Aufzug steigen, der in die Etagen der höheren Gesellschaft fährt.

Der Kodiaq hat ein Facelift durchlaufen, das ihn ein wenig abgerundet und seine Linien etwas gemildert hat, und von vorne wirkt er jetzt etwas dezenter. Das ändert nichts daran, dass es sich immer noch um ein großes Auto mit einem Radstand handelt, der nur 5 cm kleiner ist als beim Superb. Dank der größeren Innenraumhöhe ist der Kodiaq geräumiger, allerdings um den Preis einer aufrechteren Sitzposition am Lenkrad. Diese ist meiner Meinung nach auf längeren Strecken weniger bequem. Innen finden wir ein klassisch angeordnetes, massives Armaturenbrett mit zwei digitalen Displays, getrennter Klimaanlagenbedienung und ein Interieur in weißem Leder. Hervorragend sind die Ledersitze, die beheizt und belüftet sind, im Paket Komfort Top sogar mit Massage. Wir finden hier eine Tastenbedienung am Lenkrad und vor allem noch die vorherige Generation des Infotainmentsystems MIB 2, also nicht jenes, das wir im neuen Octavia finden. Und das ist meiner Meinung nach gut so. Alles ist ordentlich angeordnet, für alles gibt es hier Tasten, einfach herrlich. Nicht weniger schön sind die Sitze in der zweiten Reihe. Sie sind beheizt, ihre Lehnen lassen sich neigen und sie sind unabhängig verschiebbar, sodass ich hier verstehe, dass in ihrer hintersten Position vor den Knien fast 20 cm Platz sind. Wenn man sie ganz nach vorne schiebt, ist vor den Knien immer noch Platz, aber der Kofferraum hat sich in eine bodenlose Grube verwandelt. Einfach herrlich.

Ich wecke den Motor per Knopfdruck, der sicherlich zu den Konzernschätzen zählt. Ein Benzin-Zweiliter TSI mit 140 kW. Er zeichnet sich durch niedrigen Verbrauch, angenehmen Leistungseinsatz sowie -verlauf und auch einen (an)genehmen Klang aus. Nun, wir werden sehen, was er hier zeigt. Der Hersteller verspricht zwar einen Verbrauch von 7,8 bis 8,4, aber ein Blick auf den Langzeitverbrauch des gerade übernommenen Autos zeigt einen Wert knapp unter 10 Litern. Es ist die Frage, ob man dafür den Motor verantwortlich machen soll oder die 1,8 Tonnen, die 1,7 Meter Höhe, den Allradantrieb, das Automatikgetriebe und die 235 mm breiten Winterreifen auf den 20-Zoll-Rädern. Eher Letzteres. ABER! Schon nach den ersten Kilometern bestätigt sich, wie angenehm es sich mit diesem Motor fährt und wie gut er mit dem DSG-Getriebe harmoniert. Die Drehzahl versucht niedrig zu bleiben und einen höheren Gang bei etwa 2 Tausend Umdrehungen einzulegen. Wenn ein wenig Beschleunigung nötig ist, lässt es den eingelegten Gang und schaltet später, damit die Drehzahl nach dem Schalten nicht unter zwei Tausend fällt. Die Übergänge zwischen den Gängen sind fließend, praktisch nicht spürbar. Die 320 Nm sind zwar von 1500 bis 4100 Umdrehungen verfügbar, aber über 2 Tausend fühlt sich der Motor offensichtlich wohler. Nur ausnahmsweise muss das Getriebe nach dem richtigen Gang suchen und kurz überlegen. Das passiert etwa beim Abbiegen oder beim Heranfahren an eine Kreuzung mit plötzlichem Anfahren. Dank der Aufladung zeigt der Motor sein Bestes im mittleren Drehzahlbereich, und in den höchsten Drehzahlen hat er dann kein Ass mehr im Ärmel. Man könnte von 140 kW vielleicht sogar noch mehr Wumms erwarten. Das ist aber eher ein subjektives Gefühl aufgrund der Geräuschdämmung, der Sitzhöhe und der Abschottung von der Welt ringsum, denn der Hersteller verspricht eine Beschleunigung auf hundert in 7,5 Sekunden. Wenn Ihnen das zu wenig ist, beschleunigt die RS-Version mit 180 kW noch eine Sekunde schneller. 

Neben den positiven Eindrücken von der Abstimmung zwischen Getriebe und Motor habe ich nach den ersten Kilometern auch ein sehr gutes Gefühl beim Fahrwerk. Selbst auf so großen Rädern ist es genau so, wie ich es von Škoda erwarte. Weich und leise. Vor Schlaglöchern sind wir wirklich gut isoliert. Die aufpreispflichtigen DCC-Dämpfer lassen sich im Modus Komfort noch weicher oder im Modus Sport härter einstellen. Ohne beide lässt es sich sicher gut leben, die Grundeinstellung ist ein angenehmer Kompromiss. Nach den ersten Kilometern in der Stadt hält sich der Verbrauch bei rund 10 Litern, nach dem Warmlaufen des Motors nähert er sich 9 Litern. Zeit, die Stadt zu verlassen. Auf der Autobahn überrascht die hervorragende Stabilität nicht, der Motor dreht bei rund 2100 Umdrehungen, und erst knapp bei 130 km/h beginnt man Windgeräusche rund um die Karosserie im Bereich der Frontscheibe zu hören. Der Motor ist unhörbar, die Reifengeräusche minimal. Selbst von den 235 mm breiten Winterreifen. Herrlich. Bei der Fahrt auf der Autobahn mit konstanter Geschwindigkeit sinkt der Tankstand ebenfalls um rund 9 Liter, und das war auch der resultierende Testverbrauch, knapp unter 9 Litern. Das ist keine ganz billige Fahrt, aber es ist eben ein großes Auto. Eines, wie es sich alle wünschen.

Ein SUV gehört nicht nur auf die Straße. Leichtes Gelände meistert der Kodiaq dank der Bodenfreiheit von 192 mm völlig mühelos, Sorgen wird sich eher der Fahrer um die schöne Frontstoßstange machen. Im Offroad-Modus ist der Allradantrieb besser darauf vorbereitet, Herausforderungen zu begegnen, die ihm auf trockenem Untergrund vermutlich nicht einmal im Geringsten zu schaffen machen. Das Getriebe mit den nasslaufenden Kupplungen hat kein Problem damit, die Kupplungen leicht durchrutschen zu lassen und eine sichere, langsame Fahrt zu ermöglichen. Hervorragend ist das 360°-Kamerasystem rund um das Fahrzeug, das in hoher Auflösung und hohem Kontrast zeigt, was vor dem Auto und daneben passiert, und dabei hilft, die Karosserie zu schützen. 

Bis hierher war eigentlich alles sehr gut. Der Kodiaq kam ohne größere Schwächen fast bis zum Ende des Tests durch. Und dann kommt das „aber“. Wenn man Konzernautos ein gewisses Maß an Sterilität vorwirft, dann ist das große, schwere SUV von Škoda ihr König. Aus meiner Sicht ist es ein hervorragender Transporter, aber ich bin mir nicht sicher, ob es Ihnen Spaß machen wird, ihn zu fahren. Dank der Höhe über der Fahrbahn haben Sie auch keine große Lust, sich in Kurven zu stürzen, der Motor ist sehr leise und das Getriebe übermäßig folgsam, der Fahrer ist dabei so etwas wie das „fünfte Rad am Wagen“. Sie werden vor allem seine Folgsamkeit, Ungezwungenheit und einfache Bedienung schätzen. Aber wie es scheint, ist genau das, was viele Menschen von einem Auto wollen. Also warum sollte Škoda ihnen kein solches Auto geben. 

Der Grundpreis liegt derzeit bei 863 Tausend, die Version L&K kostet in dieser Motorisierung 50.700 €, mit Aufpreisen etwa 56.400 €. Aber dabei sprechen wir über eine Standheizung, eine beheizte Frontscheibe, automatisches Einparken und viele weitere Ausstattungen, auf die man wahrscheinlich verzichten kann. Es reicht Ihnen die Version Style, die um ein paar hunderttausend günstiger ist. Der Zweiliter-TSI kann in der 140-kW-Version recht sparsam sein, aber mit dem Kodiaq hat er ziemlich zu tun, und schon der Betrieb wird nicht wenig Geld kosten, sodass wohl ein Teil der Käufer bei dem Zweiliter-Diesel landet, der im Schnitt zwei Liter weniger verbraucht, aber kein solcher Leisetreter sein wird. 

90%
BEWERTUNG

Stärken

  • Ergonomie der Bedienung
  • Abstimmung von Motor und Getriebe
  • Platz im Kofferraum und für die Insassen
  • Fahrkomfort

Schwächen

  • macht beim Fahren keinen Spaß

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