Im Jahr 1996 wurde die erste Generation der modernen Octavia auf den Markt gebracht – der erste Škoda, der von Anfang an unter Konzernregie entwickelt wurde. Selbst der größte Optimist hätte kaum vorhersagen können, dass der Škoda Octavia ein Vierteljahrhundert später bereits in seiner vierten Generation erscheinen würde, ohne in seiner gesamten Existenz die Spitzenplätze der Verkaufscharts zu verlassen. Die neue Octavia haben wir daher mit enormen Erwartungen zum Test übernommen: Wie sehr ist es in Mladá Boleslav gelungen, die langjährige Geschichte des Modells zu nutzen und die phänomenale Basis um moderne Elemente der automobilen Gegenwart zu bereichern?

Noch bevor wir zum eigentlichen Auto kommen, spürt man das Bestreben nach einem deutlichen Generationswechsel schon an der Form des Fahrzeugschlüssels. Aus einem rein praktischen Werkzeug, wie es bei Škoda bisher üblich war, ist ein repräsentatives Accessoire in schwarzem Hochglanz geworden. Wie widerstandsfähig die Mechanik und wie langlebig die Oberflächenbeschichtung ist, wird die Zeit zeigen. Im äußeren Design finden sich zweifellos Elemente, die alle Fahrzeuge der aktuellen Škoda-Produktion verbinden, etwa der sechseckige Kühlergrill, scharf geschnittene Frontscheinwerfer oder die Rückleuchten. Diese greifen geschmackvoll in die Heckklappe hinein und verbreitern das Heck des Fahrzeugs im Vergleich zum Vorgänger optisch deutlich. So wie die vier Frontscheinwerfer zum Symbol des Facelifts der dritten Octavia-Generation wurden, ist das Erkennungsmerkmal der vierten Generation das zweispeichige Lenkrad (mit Ausnahme des RS, der das traditionelle dreispeichige erhält). Vom Vorgänger der Octavia „geblieben“ ist der gut in der Hand liegende Lenkradkranz, die untere Speiche beschränkt sich jedoch nur auf eine Andeutung. Den Anspruch, aktiv an der Gestaltung des Fahrerarbeitsplatzes mitzuwirken, repräsentieren neu die verchromten Drehregler am Lenkrad, die im Vergleich zur älteren Ausführung stärker in Richtung der Daumen des Fahrers hervortreten.

Die traditionelle Waffe der Octavia, mit der sie die Konkurrenz stets unfehlbar geschlagen hat, ist der riesige Kofferraum. Meine übliche Verlegenheit wegen der geringen Höhe aufgrund des doppelten Ladebodens wird hier durch die Entdeckung eines vollwertigen Ersatzrads voll ausgeglichen. Tiefe Seitentaschen, tadellose Polsterung, das Umklappen der Rücksitzlehnen per seitlichem Hebel – die praktischen Eigenschaften behält die Octavia zweifellos bei. Ein Schritt nach vorne gegenüber dem Vorgänger ist die robuster wirkende Laderaumabdeckung, die sich auf zwei Arten öffnen lässt – nur zur Hälfte oder klassisch komplett. Ein interessantes funktionales Extra ist außerdem die variable Aluminium-Trennwand.

Bei der Klimaautomatik ist das natürlich völlig in Ordnung, da man sie praktisch nur einmal einstellen muss und sich dann nicht mehr darum kümmern muss, bei der manuellen Klimaanlage verhält es sich hingegen genau umgekehrt - die Phrase “Okay Laura”, die den Sprachassistenten aufruft, werden Sie in diesem Fall sehr gut eintrainiert haben, bei der Ausstattung Active lässt sich die Klimaautomatik nicht einmal gegen Aufpreis bestellen. Ebenso lässt sich das oft diskutierte und für viele Fahrer unangenehme Start-Stopp-System nicht mehr einfach mit dem berühmten „meistgenutzten“ Knopf ausschalten, und hier hilft auch Laura nicht. Die Octavia punktet dagegen mit einer effektvollen Leiste unter dem Display, auf der man entweder mit einem Finger die Radiolautstärke regeln oder mit zwei Fingern etwa in die Karte zoomen kann.


Die Beschreibung der Fahreindrücke muss ich mit einem Lob für die ausgefeilten Fahreigenschaften des getesteten Kombis beginnen. Ich weiß nicht, welchen Anteil das gegen Aufpreis erhältliche adaptive Fahrwerk DCC an diesem guten Gefühl hat, aber in diesem Kapitel finde ich keinen Kritikpunkt. Unebenheiten filtert die Octavia mit der Grazie eines eine Klasse luxuriöseren Fahrzeugs, ohne dass dies negative Auswirkungen auf die Fahrsicherheit bei schneller Kurvenfahrt hätte.
Der Vierzylinder-Benzinmotor 1.5TSI wird es als Nachfolger des außergewöhnlich gelungenen 1.4TSI nicht nur bei der motorsportbegeisterten Öffentlichkeit jemals leicht haben. Wenn wir uns vom Vergleich lösen, stellen wir fest, dass der Motor bereits ab sehr niedrigen Drehzahlen bereitwillig zieht, als ausgesprochen dynamisch würde ich ihn allerdings erst bei Drehzahlen um die viertausend Umdrehungen bezeichnen, dann erst glaubt man den soliden Werten von 110kW Leistung und 250Nm Drehmoment. Die Zylinderabschaltung funktioniert wie gewohnt hervorragend, von diesem Werkzeug zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs erfährt man praktisch nur durch die Anzeige im Kombiinstrument. Das manuelle Sechsganggetriebe ergänzt den Motor passend, das Schalten ist leicht und präzise. Den angegebenen kombinierten Verbrauch von 4,8l/100km konnten wir naturgemäß nicht erreichen. Dennoch müssen Sie sich wegen des Verbrauchs des Benzin-Vierzylinders keine Sorgen machen, im alltäglichen Betrieb lassen sich problemlos Werte erreichen, die 7l/100km nicht überschreiten.

Der neuen Octavia lässt sich nichts Wesentliches vorwerfen. Es handelt sich um ein Fahrzeug, das kompromisslos sowohl die Rolle eines repräsentativen Firmenwagens als auch die einer familientauglichen Kutsche mühelos ausfüllen kann. Potenzielle Interessenten erwarten sicherlich ungeduldig die Erweiterung der Preisliste um weitere Motorisierungen sowie die Einführung der bereits angekündigten Derivate RS, Scout, G-TEC oder iV.