
Der SsangYong Torres ist eine ziemlich große Überraschung. Während die Designsprache bisher eher unauffällig, ja fast gewöhnlich war, will der Torres in diesem Bereich nicht mehr übersehen werden. Es kommt ein Auto mit einem eigenständigen Design. Nun ja, eigenständig. Von vorne sieht der Torres wirklich hübsch aus, und man fragt sich, ob er uns vielleicht gerade deshalb gefällt, weil wir hier so viele Elemente finden, die wir von anderen Fahrzeugen kennen – etwa den Kühlergrill vom Jeep, die Gestaltung der vorderen und hinteren Leuchten ähnlich dem Range Rover, die gerade Motorhaube und die hinteren Kunststoffpaneele, als wären sie dem Defender wie aus dem Gesicht geschnitten. Insgesamt wirkt es aber sehr gelungen. Von der Seite fällt das eigenartig geknickte Dach auf, das stark mit der geraden Linie der Türen kontrastiert. Große 20-Zoll-Räder mit ausladenden Kunststoff-Radlaufverbreiterungen brechen die große Seitenfläche auf. Von hinten ist es immer noch eine etwas ungewöhnliche Exotik. Das rein dekorative Kunststoffformteil soll an ein fünftes Rad erinnern. Schade, dass darin nicht etwa ein abschließbares Fach oder etwas Ähnliches untergebracht ist, das seine Existenz rechtfertigen würde. Merkwürdig wirkt auch der große Türgriff, der andeutet, dass sich die Tür seitlich öffnen könnte, doch in diesem Griff verbirgt sich der elektronische Schalter für den klassischen, nach oben schwenkenden Öffnungsmechanismus der Heckklappe. Aber es handelt sich keineswegs um ein x-beliebiges SUV von der Stange, die Optik ist wirklich interessant und wird vielen Menschen auffallen.

Auch innen ist es nicht schlecht. Auf den ersten Blick sehen wir eine klassische Anordnung des Armaturenbretts ohne große Extravaganzen. Auffallend sind drei Displays und ein großes Lenkrad. Bei näherer Betrachtung stellen wir jedoch fest, dass die Displays weder eine besonders gute Grafik noch eine hohe Darstellungsqualität bieten. Sie wirken etwas billig – sowohl das vor dem Fahrer als auch das zentrale. Und wenn ich schon „billig“ sage, greife ich gleich ein Thema auf. In dieser höchsten Ausstattungslinie mit Automatikgetriebe und Allradantrieb kostet der Torres fast eine Million Kronen. Hier reden wir nicht über ein Auto für eine halbe Million, sondern über das Doppelte. Und für so viel Geld darf man durchaus hohe Ansprüche stellen. Diese werden wir also auch in unserem Test anlegen. Zurück zum Display. Das vor dem Fahrer ist bereits das dritte SUV in Folge (nach MG und Kia), das kein klassisches Display besitzt, sondern eine Art Schablone, in der die Zahlen von Tacho und Drehzahlmesser angezeigt werden. Das eigentliche Display ist relativ klein und zwischen den „Rundinstrumenten“ platziert. Die Orientierung darin fällt recht leicht, und das Display bietet die grundlegenden Bordcomputer-Daten.

Das zentrale Display protzt mit einer allzu simplen blau-schwarzen Grafik. Es bietet aber CarPlay und Android Auto, womit seine Funktion ziemlich klar ist. Ein aufmerksames Auge entdeckt noch ein drittes Display auf Höhe des Schalthebels. Das sieht wirklich hochwertig aus – für die Klimaanlagensteuerung gibt es hier ein eigenes Display, ähnlich wie etwa bei Audi. Meiner Meinung nach ist das jedoch von allen möglichen Lösungen die schlechteste. Es ist nämlich diese unglückliche Kombination, dass man den Knopf nicht blind treffen kann und gleichzeitig nach unten schauen muss, wodurch man die Straße vor sich komplett aus den Augen verliert. Wenn wir sonst so oft die Klimasteuerung per Display kritisieren, dann meist bei einem Display, das sich auf Höhe des oberen Armaturenbretts befindet. So kann man auf das Display tippen und die Straße trotzdem noch peripher im Blick behalten. Hier ist das nicht der Fall. Hier gibt es für die Sitzbelüftung einen kleinen Knopf, der eine Animation auslöst (wenn auch recht flüssig), an deren Ende ich endlich die Intensität der Belüftung oder Heizung einstellen kann. Und darauf soll ich die ganze Zeit schauen? Für mich eine ziemlich zweckfreie Lösung. Wenn man schon dieses Display hat, hätte man das direkt über Tasten für Belüftung und Sitzheizung lösen können, statt es noch auf einen weiteren Bildschirm zu animieren.

So, jetzt habe ich mich richtig in Rage geredet. Der Rest wird glücklicherweise besser. Man sitzt auf ledernen, zwar vielseitig verstellbaren, aber leider ziemlich kurzen Sitzflächen. Hier fehlt definitiv die Möglichkeit einer Sitzflächenverlängerung. Ansonsten saß ich eigentlich ganz gut. Nur das Gefühl der Größe des Fahrzeugs verschwindet nicht so einfach. Mit dem Wählhebel lege ich D ein, und das klassische sechsstufige Wandlerautomatikgetriebe setzt das große Fahrzeug in Bewegung. Ungewöhnlich groß ist das Lenkrad, ungewöhnlich ist auch die riesige Motorhaube, die man ständig vor sich sieht. Unter der Haube verbirgt sich derselbe 1,5-Liter-GDI-Turbo-Vierzylinder-Benzinmotor. Im Torres hat der Hersteller ihn auf 120 kW, also 163 PS, abgestimmt. Dem 1,5-Liter-Hubraum hilft natürlich der Turbolader. Das Drehmoment beträgt 280 Nm in einem breiten Bereich von 1.500 bis 4.000 U/min.

Was die Fahreigenschaften betrifft, ist es wohl das, was man erwartet. Gut. Diesem Fahrzeug angemessen. Auch auf den 20-Zoll-Rädern wirkt das Auto nicht allzu hart, dennoch hätte ich nichts gegen kleinere Felgen einzuwenden. Zumal es sich um ein Modell mit Allradantrieb handelt, und so große Räder auch im leichteren Gelände leicht verkratzt werden. Dank des Automatikgetriebes von Aisin fährt der Torres geschmeidig an und ruckelt nicht. Die klassischen schwierigen Disziplinen (wie langsames Rückwärtsfahren bergauf) meistert er recht ordentlich. Fast altmodisch wirken lediglich die sechs Gangstufen. Das bedeutet, dass die Drehzahlsprünge zwischen den Gängen größer ausfallen als üblich und der Motor etwas höher gedreht werden muss, damit er nach dem Schalten in dem Bereich liegt, in dem er sich wohlfühlt. Und überraschenderweise fühlt er sich schon bei niedrigen Drehzahlen wohl. Der Motor versucht, sich bei etwa 2.000 Touren zu halten, und ihm liegt vor allem eine ruhige Fahrweise, bei der er genug Kraft hat und nicht allzu hoch drehen muss.

Es ist erstaunlich, wie ruhig und leise dieser Motor sein kann. Oft merkt man praktisch nichts von ihm. Bemerkbar macht er sich allenfalls an der Tankstelle, denn im Stadtverkehr muss man mit einem Verbrauch von über 10 Litern rechnen. Das ist schlicht der Tribut für ein großes Auto, die Getriebekonstruktion, aber auch den Allradantrieb. Auf der Autobahn begnügt er sich dann mit 9 Litern, außerhalb der Autobahn mit rund 8 Litern. Diese Verbrauchswerte fallen bei SsangYong-Fahrzeugen traditionell etwas höher aus, vor allem weil das Getriebe den Motor nicht untertourig hält, weniger Gangstufen hat und natürlich auch alle Kardanwellen des Allradantriebs mitdreht. An den Herstellerangaben lässt sich hervorragend ablesen, wie Automatikgetriebe und Allradantrieb den Verbrauch erhöhen. Die Basisversion mit Frontantrieb und Schaltgetriebe hat einen Normverbrauch von 8 Litern. Zahlt man für die Automatik auf, steigt der Durchschnittsverbrauch um einen halben Liter auf 8,5. Ergänzt man die Ausstattung um Allradantrieb, steigt der Durchschnitt um weitere einen halben Liter auf glatte 9 Liter. Das entspricht in etwa auch dem von uns gemessenen Endverbrauch. Man muss allerdings wirklich vorausschauend fahren. Dem Torres wird zweifellos schaden, dass er nicht mit einem Dieselmotor erhältlich ist.
