Von allen Autos dieses Sommers habe ich mich am meisten auf den Toyota Prius gefreut. Schönes Design, schöne Farbe, interessante Technik und vor allem endlich wieder ein Auto mit "normalem" Zuschnitt. Und jetzt steht er vor mir. Dieser schöne, gelbe, flache Prius mit der hammerhaiartig geformten Frontmaske, dem Solarpanel auf dem Dach, 223 PS unter der Haube. Ein Auto, das sich nur in geringen Stückzahlen verkaufen wird, aber zweifellos eines der besten Autos, die wir dieses Jahr in den Händen hatten. Also los geht's.

Es fasziniert mich immer wieder, wie viel Menschen bereit sind zu opfern, nur damit sie bequem in ihr SUV einsteigen können und ein scheinbares Sicherheitsgefühl haben – im Tausch gegen höheren Verbrauch, mehr Lärm, oft weniger Innenraum und vor allem opfern sie so viel vom Fahrerlebnis und vom bequemen Sitzen. Ja, es gibt SUVs, die gut fahren, aber die erhöhte Sitzposition hinter dem Lenkrad ist trotzdem einfach nicht natürlich. Und ja, es gibt Hybride, die sparsam fahren, aber auf der Autobahn holt einen die Physik trotzdem ein. Zum Glück gibt es aber noch normale Pkw. Und dann unnormale Pkw. Zum Beispiel den Prius.

Vor uns steht ein Wagen mit eleganter Karosserie und einer Länge von 4599 mm mit klassischem Liftback-Heck. Dieses verbirgt mit 284 Litern ein relativ bescheidenes Kofferraumvolumen, weil unter dem Boden ein recht großer Akku mit 13,6 kWh Kapazität sitzt, mit dem der Prius im rein elektrischen Modus bis zu 110 km weit kommt. Der Antrieb, bezeichnet als 2.0 Plug-in Hybrid (223 PS) e-CVT, entspricht dem typischen Aufbau der Toyota-Hybride. Bei Plug-in-Hybriden kommt dabei ein sehr starker Elektromotor zum Einsatz, der parallel zum Verbrennungsmotor angebunden ist. Der Verbrenner leistet 122 kW bei 6 000 U/min, sein elektrischer Bruder bringt es auf 120 kW. Die Systemleistung liegt bei 164 kW und ermöglicht dem Prius einen Sprint von null auf hundert in 6,8 Sekunden. Im kombinierten Modus soll er 0,5 Liter auf hundert km verbrauchen. Das ist eine eher fragwürdige Berechnung mit voller Batterie. Aber nicht nur der theoretische Wert ist beeindruckend, auch der praktische ist erstaunlich. Praktisch jede Fahrt habe ich mit einem Verbrauch von rund 4,8 Litern auf hundert km beendet (ohne zusätzliche elektrische Energie). Auf der Autobahn verlangt der Prius dann etwa 6 Liter. Im rein elektrischen Modus verlangt der Prius etwa 14 kWh auf 100 km und kommt mit der Batterie locker 80 km weit. Das greife ich hier etwas vor, aber es passte gerade gut.

Ich setze mich in die sehr tief über dem Boden angebrachten Sitze. Vor mir liegt ein Interieur, das in keiner anderen Toyota seinesgleichen hat. Die Architektur mit dem Instrumentendisplay oberhalb des Lenkrads funktioniert hier sehr gut. Das tiefe Armaturenbrett kaschiert die extrem geneigte Frontscheibe. Alles liegt schön griffbereit, alles hat seine eigenen Bedienelemente. Der Tasten am Lenkrad sind vielleicht sogar zu viele. Die Sitze sind bequem und sogar belüftet. Klasse. Das Koppeln der mobilen App ist eine Sache von Sekunden, dann kann es losgehen. Der starke Elektromotor reagiert sehr willig aufs Gaspedal, und der Prius drängt rein elektrisch nach vorn. Das nutze ich vor allem in der Stadt, außerorts schalte ich in den Hybridmodus um. Das hat Toyota wohl am besten gelöst, wie es nur geht. Sobald ich in den Hybridmodus umschalte, hört die elektrische Reichweite auf zu sinken. Das können weder die Stellantis-Fahrzeuge noch die des VW-Konzerns. Auch deshalb ist die Reichweite mit der Batterie so groß.

Der elektrischen Reichweite hilft noch eine Besonderheit auf die Sprünge: das Solardach. Der Hersteller gibt an, dass es täglich Energie für bis zu 10 km Fahrt erzeugen kann. An den Augusttagen war es eher die Hälfte, 4-5 km pro Tag. Das ist relativ wenig. Aber im Monat können es schon rund 100 km sein. Und was, wenn dies erst die erste Generation ist und in der zweiten schon ein Panel auf der Motorhaube dazukommt und es dann vielleicht 200 km im Monat sind? Ist das immer noch lächerlich wenig? Und was, wenn 10 000 Autos mit dieser Technik ausgestattet sind – das sind 2 Millionen km, die "aus dem Nichts" gewonnen wurden. Ich finde das ziemlich gut.

Das Fahren im Elektromodus ist dank des starken Elektromotors mit dem Fahren in einem Elektroauto vergleichbar, selbst bei kräftigerer Beschleunigung muss der Verbrennungsmotor nicht zugeschaltet werden, wie es bei den kürzlich getesteten Full-Hybriden C-HR und LBX der Fall ist. Die stromlinienförmige Karosserie sorgt zudem dafür, dass der Prius bis zu hohen Geschwindigkeiten keine Probleme mit hohem Luftwiderstand hat und seine Pferdestärken angemessen zur Geltung bringen kann. In Kurven spürt man den sehr niedrigen Schwerpunkt, und auf den relativ schmalen 195-mm-Reifen hält der Prius gut die Spur. Dank ihres niedrigen Profils lässt er sich hervorragend lenken und folgt dem Gaspedal wunderbar, fast so, als hätte er vorne ein Sperrdifferenzial. Die Platzierung der schwereren Batterie im Heck sorgt zudem für eine hervorragende Gewichtsverteilung und ein tolles Unterdrücken von Untersteuern. Man wäre überrascht, wie wendig und spaßig der Prius auf Landstraßen ist. Ich war es jedenfalls. Ich hatte eher ein Auto erwartet, das von Grund auf auf Effizienz ausgelegt ist und sich an ökologisch denkende Käufer richtet, so wie es der ersten Generation vor fast drei Jahrzehnten gelungen ist.


Der Prius ist ein fantastisches Auto, man mag kaum glauben, dass es sich um einen Toyota handelt. Zu der traditionell starken technischen Seite hat er zudem einen riesigen Sprung in den Bereichen gemacht, in denen er bislang leicht hinterherhinkte – Design und Elektronik. Die Leute drehen sich auf der Straße nach seinem Design um, die Elektronik funktioniert hervorragend, inklusive autonomem Einparken, das riesige Display hat eine schöne Auflösung und steckt voller cleverer technischer Lösungen. Einfach das beste Auto des Jahres.