Der Seltos ist 4 430 Millimeter lang und schließt im Markenportfolio die Lücke zwischen dem kleineren Stonic und dem größeren Sportage. Er basiert auf der verstärkten K3-Plattform mit einer steiferen Karosserie und ordnet sich designmäßig in die aktuelle Modellfamilie der Marke ein: kantige Formen, vertikale Tagfahrleuchten und die Frontmaske erinnern an die Elektromodelle EV5 und EV9, nur in kleinerem Maßstab. Er wirkt robuster und erwachsener als die meisten Konkurrenten, die auf runde Linien setzen. Die kantige Form steht dabei nicht im Widerspruch zur Physik: Ein cw-Wert von 0,31 ist für eine so geformte Karosserie ein ordentlicher Wert, zu dem auch die von Elektroautos bekannten versenkten Türgriffe beitragen. Produziert wird er in Südkorea, von wo auch die Fahrzeuge für Europa kommen.


Die Fahrwerksabstimmung ist eindeutig: Der Seltos will komfortabel sein, nicht sportlich. Die weich abgestimmte Federung schluckt Schlaglöcher und Querfugen mühelos, und auf der Autobahn wirkt das Auto satt und ruhig. Die Lenkung ist leichtgängig und präzise, bietet aber wenig Rückmeldung. In schnellen Kurven neigt sich die Karosserie merklich, und das Auto animiert nicht zu einer zügigen Fahrweise. Das britische Autocar hat es treffend zusammengefasst: Die Federung bügelt Schlaglöcher wunderbar glatt, doch auf Landstraßen reißt der Seltos den Fahrer nicht mit.
Eine wichtige Nachricht für europäische Kunden: Das hier ist kein einfach umgelabeltes asiatisches Auto. Das Fahrwerk für Europa wurde in Schweden im Wintertest erprobt, und Kia hat die Lenkung in Spanien mit Fokus auf Stabilität bei Autobahngeschwindigkeiten kalibriert, wie auto motor und sport berichtete. Das Ergebnis ist ein vorhersehbares, sicheres Verhalten mit leichtem Untersteuern am Limit. Die Geräuschdämmung gehört zu den besseren im Segment, die vorderen Fenster haben Doppelverglasung, und selbst bei 130 km/h kann man sich in der Kabine normal unterhalten.
Der einzige Motor, den man derzeit in Tschechien kaufen kann, ist der aufgeladene Vierzylinder 1.6 T-GDi mit einer Leistung von 132 kW (180 PS) und einem Drehmoment von 265 Nm. Zur Wahl stehen ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb oder echter Allradantrieb mit Kupplung zwischen den Achsen. Je nach Version schafft er den Sprint auf 100 km/h in 8,8 bis 9,2 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 208 km/h. Das Automatikgetriebe schaltet auch im Stop-and-Go-Verkehr geschmeidig, was bei Doppelkupplungsgetrieben keine Selbstverständlichkeit ist. Der reale Verbrauch der Benzinversion liegt bei rund sieben Litern auf hundert Kilometer, also etwa einen halben Liter über dem angegebenen kombinierten Wert.
Das Video ist auf Englisch.
Das Motorenangebot ist vorerst spartanisch, das wird sich aber ändern. Bis Ende 2026 kommt der Vollhybrid nach Tschechien: ein 1,6-Liter-Saugbenziner mit Elektromotor und einer Systemleistung von 154 PS mit Frontantrieb, oder 178 PS mit elektrischem Allradantrieb e-AWD, bei dem die Hinterräder von einem eigenen Elektromotor angetrieben werden. Es handelt sich um den ersten Hybrid-Kia mit dieser Technik und zugleich den ersten, der V2L kann, also die Stromversorgung externer Geräte über eine Steckdose im Fahrzeug. In Italien wird der Hybrid bereits verkauft, und erste europäische Tests haben einen realen Verbrauch von rund fünf Litern auf hundert Kilometer ergeben, ein Wert auf dem Niveau des Hybrid-Toyota. Für Fahrer, die hauptsächlich in der Stadt unterwegs sind, dürfte es sinnvoller sein, auf den Hybrid zu warten.
Die Kabine ist der größte Trumpf dieses Autos. Das Armaturenbrett wird von einem Panorama-Display mit drei Bildschirmen dominiert: einem 12,3-Zoll-Instrumentendisplay, einem 5,3-Zoll-Touchscreen für die Klimaanlage und einem 12,3-Zoll-Infotainmentsystem mit dem System ccNC, das Over-the-Air-Updates unterstützt. Kia hat der Mode, alles in die Touch-Ebene zu verbannen, glücklicherweise nicht nachgegeben, Grundfunktionen werden über physische Tasten bedient, und die Klimaanlage hat ein eigenes Bedienfeld. Das wirkt modern, lässt sich aber trotzdem während der Fahrt blind bedienen.

Die Materialqualität ist allerdings ein Bereich, in dem Kia sichtbar gespart hat. Hartplastik gibt es in der Kabine reichlich, und das polnische Autokult schrieb nach der Besichtigung des Fahrzeugs, man merke „sofort, dass es sich um ein günstigeres Modell im Vergleich zum bekannten Sportage handelt“. Die Verarbeitung ist dennoch solide, nichts knarzt, und das Design kaschiert das Plastik teilweise.
Beim Platzangebot gehört der Seltos zur Spitze seiner Klasse. Hinten gibt es dank des langen Radstands und des verlängerten Heckhangs so viel Beinfreiheit wie in einer höheren Fahrzeugklasse, und die Rücksitzlehnen lassen sich in einem Bereich von 24 Grad verstellen, sodass Passagiere auf der Autobahn die zweite Reihe zur Liege umbauen können. Der einzige Kritikpunkt betrifft die Kopffreiheit, die für größere Personen im Fond knapp werden könnte. Der Kofferraum bietet 536 Liter, nach dem Umklappen der Sitze 1 511 Liter, und verfügt über einen höhenverstellbaren doppelten Ladeboden. Das ist mehr als beim Karoq (521 l), dem Nissan Qashqai und dem Hyundai Kona. Der Seltos kann einen Anhänger mit bis zu 1 300 kg ziehen.
Die Ausstattung entspricht dem, was man von koreanischen Marken gewohnt ist: kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, ein digitaler Schlüssel im Smartphone, induktives Laden und in den höheren Ausstattungslinien ein Harman-Kardon-Soundsystem, 360-Grad-Kameras oder die von den Elektromodellen der Marke übernommene Star-Map-Beleuchtung. Der Autobahn-Fahrassistent HDA2 kann selbstständig die Spur wechseln, und der adaptive Tempomat arbeitet fließend bis zum vollständigen Stillstand.
Kia hat in den Seltos auch einen auf ChatGPT basierenden Sprachassistenten integriert, der natürliche Konversation beherrscht, und das Infotainmentsystem kann im Stand Videostreaming abspielen. Eine praktische Idee sind die AddGear-Halterungen in der Kabine, an denen sich eine Handyhalterung, ein Taschenhaken oder zusätzliche Ablagefächer befestigen lassen. Die USB-C-Anschlüsse laden mit bis zu 100 W, sodass man daran auch ein Notebook aufladen kann.
Eine Schwäche sind die nach der GSR2-Norm vorgeschriebenen Assistenzsysteme. Die Geschwindigkeits- und Aufmerksamkeitsüberwachung aktiviert sich bei jedem Start neu, und wer sie ausschalten möchte, muss das immer wieder über das Display tun. Kia bietet zumindest eine Abkürzung über die Sterntaste am Lenkrad, lästig bleibt es aber trotzdem. Dasselbe Manko haben heute die meisten Neuwagen, der Seltos ist da leider keine Ausnahme.
Euro NCAP hat die neue Generation des Seltos bisher noch nicht getestet, auf eine Crashtest-Bewertung müssen wir also noch warten. Zur Serienausstattung gehören eine autonome Notbremsung mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, ein aktiver Spurhalteassistent, eine Totwinkelüberwachung, eine Querverkehrswarnung beim Rückwärtsfahren und eine Ausstiegsassistenz, die die Türen vor einem vorbeifahrenden Radfahrer blockiert. Die indische Version des Fahrzeugs erhielt bei der dortigen Bharat-NCAP-Bewertung die vollen fünf Sterne mit einem Rekordergebnis, die europäische Spezifikation kann sich jedoch unterscheiden, sodass wir daraus für unseren Markt keine Schlüsse ziehen.
Für eine Zuverlässigkeitsbewertung ist es bei diesem Neuling auf dem Markt noch zu früh, der Seltos taucht in den europäischen Pannenstatistiken logischerweise noch nicht auf. Die Marke als Ganzes schlägt sich aber nicht schlecht: Im aktuellen TÜV Report gehört der verwandte Sportage im Alter von zwei bis drei Jahren mit einer Mängelquote von 4,0 Prozent zu den zehn zuverlässigsten Autos seiner Altersklasse, und die Zufriedenheit der Kia-Besitzer liegt in niederländischen Umfragen langfristig bei über acht von zehn Punkten. Die erste Generation des Seltos, die in Europa nicht verkauft wurde, weist außerhalb unseres Kontinents außerdem dokumentierte Laufleistungen von über 200 000 Kilometern ohne größere Defekte auf. Die Übertragbarkeit dieser Erfahrungen ist jedoch begrenzt, die zweite Generation basiert auf einer neuen Plattform.
Die wichtigste Sicherheit bleibt somit die Werksgarantie von 7 Jahren oder 150 000 km, wobei in den ersten drei Jahren keine Kilometerbegrenzung gilt. Das ist neben Toyota (an Service gebunden) die längste Standardgarantie auf dem Markt und ein deutliches Argument gegenüber dem Karoq und dem T-Roc mit ihrer zweijährigen Garantie. Reale Erfahrungen von Besitzern der zweiten Generation fehlen bislang, das Modell ist noch zu kurz auf dem Markt; sobald sie vorliegen, ergänzen wir diesen Test.

Wir haben einen Blick ins Fahrzeugregister geworfen: Im Juni 2026 kamen in Tschechien die ersten 12 neuen Seltos hinzu, und ausnahmslos alle sind Vorführwagen. Drei davon registrierte der Importeur Kia Czech selbst, den Rest Händler von Prag bis Ostrava. Echte Kunden warten also noch, was bei einem Modell, das erst seit ein paar Tagen verkauft wird, normal ist; das tatsächliche Marktinteresse zeigen erst die Zulassungsstatistiken im Herbst. Das Segment, in das der Seltos eintritt, wird in Tschechien vom Karoq mit 11 475 Zulassungen im Jahr 2025 dominiert, der Sportage kam im vergangenen Jahr auf 2 345 Stück und der Hyundai Kona auf 1 353. Für Kia, dessen tschechische Verkäufe dieses Jahr im Jahresvergleich zurückgehen, ist der Seltos eine wichtige Verstärkung.
Aus der Tabelle wird deutlich, wo der Seltos punktet: Für weniger Geld als Karoq und T-Roc bekommt man eine um mehr als die Hälfte höhere Leistung des Basismotors, den größten Kofferraum und die längste Garantie. Einen detaillierten Vergleich des Seltos mit allen drei Rivalen finden Sie in unserem Vergleichstool.
Wer ein geräumiges Familien-SUV sucht, einen starken Benzinmotor ohne Elektrifizierung möchte und eine siebenjährige Garantie zu schätzen weiß, für den ist der Seltos derzeit eine der vernünftigsten Wahlen im Segment. Er ergibt auch Sinn für das Ziehen eines Anhängers oder Fahrten in die Berge, denn die Kombination aus 180-PS-Benziner und echtem Allradantrieb bietet in dieser Preisklasse kaum jemand. Wer hauptsächlich in der Stadt fährt und auf den Verbrauch achtet, sollte bis Ende des Jahres auf den Hybrid warten. Und wer von einem Auto eine lebendige Lenkung und Fahrspaß auf Landstraßen erwartet, findet das anderswo, etwa im Ford Puma oder im Cupra Formentor. Der Seltos ist ein Auto für Menschen, die nach dem Kauf ihre Ruhe haben wollen. Und genau so fährt er sich auch.