Die chinesische Automobilindustrie hat sich in den letzten zehn Jahren bis zur Unkenntlichkeit verändert. Marken wie BYD, Xpeng oder Geely bauen heute technisch ausgereifte Autos, die mit etablierten europäischen und amerikanischen Produkten konkurrieren. Das Kopieren westlicher Designs ist damit aber nicht verschwunden — und manche Fälle sind wirklich dreist. Autoblog.nl hat eine Übersicht der acht auffälligsten chinesischen Klone der letzten Jahre zusammengestellt.
Xpeng ist durchaus in der Lage, eigenständiges Design zu entwerfen — das Modell P7 beweist das. Beim neuen SUV GX (2026) haben sich die Designer offenbar in Solihull inspirieren lassen. Das Seitenprofil ist nahezu identisch mit dem aktuellen Range Rover: die Dachlinie, die Fensterproportionen, die Form der hinteren Säulen. Front und Heck unterscheiden sich, doch im Profil ist die Ähnlichkeit so offensichtlich, dass sie selbst Laien auffällt.
Dabei verkauft Xpeng in Europa über den Distributor Hedin die Modelle G6, G9 und P7+ — und versucht, sich als Technologiemarke zu positionieren. Eine Kopie des Range Rovers hilft diesem Bemühen kaum.

Der jüngste Fall, der diese Übersicht überhaupt ausgelöst hat. Der SAIC Z7 übernimmt vom Porsche Taycan nicht nur die groben Proportionen — er kopiert auch Details wie die Form der Scheinwerfer, die Linie der Seitenschweller oder das Heck im Sport-Turismo-Stil. Ausführlicher haben wir den SAIC Z7 in einem eigenen Artikel analysiert. Die Premiere findet am 31. März 2026 statt.

Retro-Geländewagen ähneln sich naturgemäß, doch der Geely Galaxy Cruiser (2025) überschreitet die Grenze der bloßen Inspiration. Kantige Formen, die abgeschrägte Motorhaube, die charakteristischen Boxen an den Seitenwänden — alles verweist auf den Land Rover Defender. Dabei besitzt Geely Lotus und einen Anteil an Volvo, verfügt also über eigene Designkapazitäten. Umso überraschender, dass man zur Kopie gegriffen hat.

Der BAIC BJ40 wird seit 2014 gebaut und läuft bis heute vom Band. Türscharniere, das abnehmbare Dach, die Form der Kotflügel — alles verweist auf den Jeep Wrangler. Das Einzige, was sich BAIC selbst ausgedacht hat, sind die eckigen Scheinwerfer. Der Kühlergrill wiederum erinnert an neuere Jeep-Generationen. Im Gegensatz zu den meisten Klonen in dieser Übersicht wird der BJ40 auch in Europa verkauft. In Tschechien startet er bei 1 092 000 Kč.

Songsan blieb nicht bei modernen Autos stehen — man griff zu einem Klassiker. Der SS Dolphin (2021) ist eine Replik des Chevrolet Corvette C1 aus den fünfziger Jahren. Statt eines amerikanischen V8 sitzt unter der Haube jedoch ein Plug-in-Hybridsystem mit 1,5-Liter-Vierzylinder. Das Ergebnis wirkt etwas absurd: die Karosserie eines legendären Sportwagens mit dem Antrieb eines Stadt-Hatchbacks.

Volkswagen selbst hat den Käfer schon zweimal wiederbelebt, doch Ora ging gleich zurück in die Sechzigerjahre. Der Punk Cat (2021) hat verchromte Stoßstangen, runde Formen und die Proportionen des ursprünglichen Käfers. Der Hauptunterschied? Der Punk Cat hat fünf Türen und ist elektrisch. Als Concept sah er exakt aus wie ein Käfer — in die Serienproduktion ging er schließlich unter dem Namen Ballet Cat mit kleinen Anpassungen. Ora (GWM) verkauft in Tschechien dagegen das Modell Funky Cat — das hat ein eigenständiges Design.

Der Toyota Land Cruiser der Baureihe 200 diente als Vorlage für den Hengtian L4500 (2021). Im Gegensatz zu den meisten Klonen hat er aber immerhin einen passenden Motor — einen 4,6-Liter-V8. Hengtian ist ein chinesischer Hersteller von Militär- und Nutzfahrzeugen, sodass die Kopie des Land Cruiser als robuster Geländewagen in seinem Portfolio zumindest einen gewissen Sinn ergibt.

Der kurioseste Fall der ganzen Übersicht. Dreame, ein chinesischer Hersteller von Saugrobotern, stellte 2026 das Elektroauto-Concept Nebula Next 01 vor. Als Vorlage diente der einzigartige Bugatti Brouillard — ein exklusives One-off-Coupé, das in nur einem Exemplar entstand. Dreame übernahm nicht nur die Formen, sondern behielt sogar die Farbe bei. Für den Besitzer des Originals, den niederländischen Sammler Michel Perridon, muss das ein verwirrendes Erlebnis sein.

| Chinesischer Klon | Jahr | Kopiert | Verkauft in Europa? |
|---|---|---|---|
| Xpeng GX | 2026 | Range Rover | Noch nicht |
| SAIC Z7 | 2026 | Porsche Taycan | Nein |
| Geely Galaxy Cruiser | 2025 | Land Rover Defender | Nein |
| BAIC BJ40 | 2014 | Jeep Wrangler | Ja (auch in Tschechien) |
| Songsan SS Dolphin | 2021 | Chevrolet Corvette C1 | Nein |
| Ora Punk Cat / Ballet Cat | 2021 | VW Beetle / Käfer | Nein (aber Ora Funky Cat schon) |
| Hengtian L4500 | 2021 | Toyota Land Cruiser 200 | Nein |
| Dreame Nebula Next 01 | 2026 | Bugatti Brouillard | Nein (Concept) |
Von der gesamten Übersicht wird in Tschechien offiziell nur ein einziger Klon verkauft: der BAIC BJ40 (ab 1 092 000 Kč). Ora (GWM) bietet auf dem tschechischen Markt zwar das Modell Funky Cat an, das hat aber mit keiner der Kopien aus dieser Übersicht zu tun — es handelt sich um ein eigenständiges Design. Xpeng ist auf dem tschechischen Markt zwar über den Distributor Hedin mit den Modellen G6, G9 und P7+ präsent, doch der umstrittene GX kommt vorerst nicht hierher. Die übrigen Klone — SAIC Z7, Geely Galaxy Cruiser oder Songsan SS Dolphin — werden in Europa nicht verkauft und werden es wohl auch nicht werden. Der Dreame Nebula bleibt das Concept eines Haushaltsgeräteherstellers, bei dem niemand eine Serienfertigung erwartet. Eine vollständige Übersicht der in Tschechien erhältlichen chinesischen Marken finden Sie in unserem Ratgeber zu chinesischen Autos auf dem tschechischen Markt.
Das Kopieren von Designs ist kein rein chinesisches Phänomen — auch europäische und amerikanische Autohersteller lassen sich gegenseitig inspirieren. Der Unterschied liegt im Ausmaß: Während westliche Hersteller Designtrends und Proportionssprache übernehmen, kopieren manche chinesische Klone konkrete Modelle bis ins Detail. In einer Zeit, in der Marken wie BYD oder Xpeng beweisen, dass sie eigenständige und attraktive Autos entwerfen können, wirkt das Kopieren wie ein unnötiger Rückschritt.