Wenn Sie viele Dinge über eine weite Strecke transportieren müssen, kommt Ihnen für diese Aufgabe vielleicht die Škoda Octavia Combi mit Dieselmotor als ideales Auto in den Sinn. Mir ging es genauso, und so habe ich diesen Firmenflotten-Liebling für den nächsten Test in Dienst gestellt. Die Octavia ist nicht nur in den Verkaufsstatistiken beliebt. Wir haben bereits den Einliter-Motor, die Plug-in-Hybridversion iV sowie die RS-Version getestet. Und jetzt ist auch der Diesel an der Reihe, der uns auf unserer Reise in die Berge begleiten wird. An Bord sind vier Männer, vier Paar Ski und alles, was dazugehört. Eine Zuladung von fast vier Zentnern. Also los geht's.

Vor uns steht eine rote Octavia Combi in der Sportline-Ausstattung mit dem Zweiliter-Dieselmotor, der 110 kW, vor allem aber 360 Nm im Bereich von 1 600–2 750 U/min leistet. Von null auf hundert km/h beschleunigt sie in 8,8 Sekunden und verbraucht laut Hersteller im kombinierten WLTP-Zyklus 4,4 bis 4,8 Liter Diesel auf hundert Kilometer. Auf dem Papier ist das damit der sparsamste Antrieb der Octavia mit Automatikgetriebe. Die Sportline-Ausstattung umfasst neben ein paar Extras auch Sportsitze mit integrierter Kopfstütze, LED-Matrix-Scheinwerfer, vor allem aber ein um 15 mm tiefergelegtes Fahrwerk. Eine große Überraschung war seine Geschmeidigkeit auf den großen 18-Zoll-Rädern, aber dazu komme ich noch. Der etwas geringere Abstand zwischen Rad und Kotflügel hat der Octavia auch optisch enorm gutgetan! Von den Sportsitzen bin ich etwas zwiegespalten. Sie sitzen angenehm, sind aber so massiv, dass man von den Rücksitzen aus schlecht daran vorbeisieht, und gegenüber den klassischen Sitzen bieten sie nur etwas besseren Seitenhalt. In dieser konkreten Innenraumausführung störte mich außerdem die glänzende Kunststoffleiste, die sich quer über das Armaturenbrett zieht – bei den zuvor getesteten Modellen gab es sie nicht. Dort war entweder eine matte helle Leiste (Einliter und iV) oder eine matte Carbon-Imitation (RS).

Das erste Hindernis beim Verstauen des Sachenbergs im Kofferraum sind die verschiedenen Simply-Clever-Lösungen – ähnlich wie im Fabia-Test gibt es davon auch hier reichlich, und sie beanspruchen so manchen Liter der 640, die wir heute dringend brauchen werden. Einen Teil davon nehmen wir also heraus, und sie fahren nicht mit uns nach Österreich. In die Skidurchreiche passen problemlos vier Paar Ski, und dank der Länge der Octavia enden sie knapp an der Kante der Rücksitzbank. Die Ladung sichern wir an den Verzurrösen so, wie es nicht nur die österreichischen Gesetze verlangen. Klasse. Der elektrisch betätigten fünften Tür gefällt mein Kofferraum-Tetris zwar nicht besonders, aber es reicht, sich beim Schließen lässig dagegenzulehnen, und schon kann es losgehen. Ich wecke das Dieselherz, und bei dem hörbaren Klappern frage ich mich, ob das eine gute Wahl war. Zum Glück beruhigt sich alles, sobald das Auto fährt und der Motor sich etwas erwärmt. Mich wiederum erwärmt der Blick auf die Langzeit-Verbrauchsanzeige, auf der eine 6 steht. Das ist schön. Ich bin gespannt, welche Werte ich erreichen werde.

Persönlich stehe ich Dieselmotoren in Pkw etwas zurückhaltend gegenüber, denn die heutigen modernen Benzin-Turbomotoren (oder Hybride) erreichen ähnliche Dynamik und ähnlichen Verbrauch, sodass sich der Aufpreis für den Diesel nur schwer rechtfertigen lässt. Wenn Sie nicht viele Zehntausende Kilometer pro Jahr zurücklegen, gefällt Ihnen der Benziner vielleicht besser, weil er schneller warm wird, leiser ist, mehr Fahrspaß bietet, vor allem aber leichter und günstiger ist. Der 1.5 eTSI etwa schafft rund 6 Liter und bietet dieselbe Dynamik. Und diese Ruhe an Bord! Ergibt der Diesel also überhaupt noch Sinn? Beginnen wir mit einem kleinen Vergleich mit dem erwähnten 1.5 eTSI. Leistungsmäßig sind die Autos identisch, beide haben 110 kW, beide ein Siebengang-DSG und beide ähnliche Beschleunigungswerte (sogar 0,2 Sekunden zugunsten des eTSI). Die Diesel-Octavia ist knapp 100 kg schwerer, was sich auf die Agilität auswirken kann (und tut). Einfluss hat natürlich auch die Wahl der Felgengröße bzw. der Aufpreis für die DCC-Dämpfer. Auf der anderen Seite steigt beim Benzinmotor der Verbrauch bei Autobahngeschwindigkeiten deutlich schneller, und auch mit Zuladung kommt er etwas schlechter zurecht. Also höre ich auf, den Diesel in Worten schlechtzumachen, und mache mir mit ihm die Hände schmutzig.

Nach knapp tausend Kilometern, größtenteils auf der Autobahn, inklusive einiger Tausend Höhenmeter, zeigt der Bordcomputer des beladenen Wagens einen Wert von 5 Litern auf hundert Kilometer. Der 45-Liter-Tank würde damit locker für 900 km reichen. Das klingt gar nicht schlecht. Auf der Autobahn zieht der TDI wunderbar durch, die Automatik nutzt seine Kraft schon bei niedrigen Drehzahlen, bei 130 km/h dreht er mit knapp 2 000 U/min, und selbst auf sehr leisem Asphalt ist der Motor praktisch nicht zu hören. Ob ich den Diesel da unnötig schlechtgeredet habe? Der Travel Assist führt das Auto präzise und reagiert sanft auf den Verkehr um uns herum. Ein absolut unschätzbarer Helfer sind die LED-Matrix-Scheinwerfer, die bei langen Nachtfahrten einen unglaublichen Beitrag zu Komfort und Sicherheit leisten. Kaum etwas trägt mehr zur Sicherheit bei als gute Sicht. Als ich den Zähler zurücksetze, erreicht die Octavia zwischen Budějovice und Písek nach 60 km bei flüssigem Verkehr genau 4 Liter auf hundert. Und auch das klingt gar nicht schlecht.

In dieser roten Farbe und der Sportline-Ausstattung ist die Octavia ein ansehnliches Auto – schwarze Kühlermaske, schwarze Schriftzüge, große Aero-Vega-Felgen, tiefergelegtes Fahrwerk und eine schöne Lichtsignatur der teuersten Scheinwerfer vorne und hinten. Kombi bedeutet längst nicht mehr ein möglichst lang gezogenes Dach und eine steile Heckscheibe. Aber über Design und Nutzwert wurde in den anderen Tests schon genug geschrieben, also machen wir weiter mit der Fahrprobe dieser Kutsche. Wie fährt es sich mit ihr?

Gleich nachdem ich das Auto abgeholt hatte, haben wir es ordentlich beladen, sodass ich keine Gelegenheit hatte, es leer zu testen. Es ist die erste Octavia im Test ohne die aufpreispflichtigen DCC-Dämpfer, und mich überraschte, wie weich sie selbst auf den 18-Zoll-Rädern ist, erst recht mit dem tiefergelegten Fahrwerk. Bei Beladung nur mit Personen ohne Gepäck verhält sich das Fahrwerk am angenehmsten, weil der schwere Bug ausgeglichen wird. Nach dem Beladen mit Gepäck wippt das Heck schon merklich. Das ist aber nichts Dramatisches. Auch die „gewöhnliche“ Verbundlenkerhinterachse stört mich nicht weiter, die 225 mm breiten Räder bieten mehr als genug Haftung. Von einem Sportline-Fahrwerk hätte ich aber vielleicht deutlich weniger Bewegungen erwartet. Wie verhält sich so ein Auto auf den einfachen 16-Zöllern? Das müssen wir wohl in einem anderen Test herausfinden.

Nach tausend Kilometern habe ich meine Freunde „losgeworden“ und konnte die Fahrt mit leerem Auto „genießen“. Sofort überraschten mich zwei Dinge – wie stark man auf diesem weichen Fahrwerk plötzlich den schweren Dieselmotor am Wippen der Frontpartie spürt und wie sich manchmal Vorder- und Hinterteil unterschiedlich aufschaukeln. Und genau das war der Moment, in dem ich per Flashback an den Anfang zurückversetzt wurde und darüber nachdachte, um wie viel angenehmer der Benzinmotor für den Nutzer ist, nicht nur wegen der Leichtfüßigkeit der Front. Auf der anderen Seite ist die Unempfindlichkeit des TDI gegenüber Fahrweise, Geschwindigkeit oder Beladung bewundernswert. Auch die Dynamik hat nicht so deutlich gelitten, wie sie es bei einem Benzinmotor tun würde. Das alles weiß ich. Aber wie der Benzinmotor Richtung 6 000 Umdrehungen loslegt, wie fröhlich er sich dreht, wie groß der nutzbare Drehzahlbereich ist – das ist doch einfach schön. Fehlt Ihnen, den „Dieselfreunden“, das nicht? Also nehmen wir uns beim nächsten Mal den Einliter-TSI vor und probieren aus, wie sich dieser mein Dreizylinder-Held mit so einer Ladung schlägt. Auch wenn ich vor dem Autobahnverbrauch den Hut ziehe, hat sich meine Meinung wirklich nur ein wenig geändert. Denn nicht jede Fahrt beginnt und endet in einem bis unters Dach vollgepackten Auto auf der Autobahn.

Abschließend – die Octavia ist ein großartiges Auto, geräumig, leise, sowohl technisch als auch bei der Elektronikausstattung ausgereift. Der Umfang der angebotenen Assistenzsysteme ist beeindruckend. Sie wird insgesamt mit 18 verschiedenen Antrieben angeboten, sodass jeder je nach Budget und Bedürfnissen die passende Wahl treffen kann. Auch wenn Dieselmotoren von den Abgasvorschriften hart getroffen werden, bieten die aktuellen nach wie vor die sprichwörtliche Sparsamkeit und den Zug eines Brauereigauls, und dafür ziehe ich vor ihnen den Hut.