Als wir vor anderthalb Jahren den Diesel-Peugeot Rifter zum Test hatten, fragte ich mich, wie das wohl mit einem Benzinmotor funktionieren würde und um wie viel sich das Nutzfahrzeug-Gefühl noch verringern würde. Und jetzt ist es soweit. Wir haben hier den kleinen Bruder, den Citroen Berlingo, mit dem hervorragenden 1.2 PureTech 130k-Motor, gekoppelt mit einem ebenso gelungenen automatischen Achtgang-Getriebe EAT8. Der Berlingo ist einer der letzten Mohikaner, die zusammen mit dem C4 SpaceTourer versuchen, das aussterbende MPV-Segment über Wasser zu halten, auch wenn in diesem Fall die Ausstattungslinie XTR mit dem höhergelegten Fahrwerk und SUV-Fähigkeiten auf einen aktiven Lebensstil verweist. Wie spielt das also alles zusammen?

Wenn Sie nach dem Einsteigen in ein SUV-B in der Größe eines Karoq festgestellt haben, dass dort doch nicht so viel Platz ist, sollten Sie sich vielleicht den Berlingo ansehen. Auf gleicher Länge bietet er „um einiges“ mehr Platz. Und obwohl er von einem kleinen Lieferwagen abstammt, ist vom Nutzfahrzeug-Charakter nur noch die Praktikabilität des großen Innenraums, der Schiebetüren und der aufrechten Sitzposition sowie eine direktere Lenkübersetzung geblieben. Ansonsten sieht es nach lauter Pluspunkten aus. Ein so weiches Fahrwerk wie hier erlebt man nur beim C4 Cactus, oder beim Dacia Duster. In Verbindung mit dem perfekt elastischen Motor und dem hervorragend reagierenden Getriebe sowie der besseren Rundumsicht kaschiert er die Fahrgeschwindigkeit hervorragend. Fahrbahnunebenheiten sind kein Grund, vom Gas zu gehen. Überraschenderweise ist auch die Arbeit des Fahrwerks im großen, kastenförmigen Innenraum kaum zu hören. Aber beginnen wir zunächst mit der statischen Betrachtung.

Er misst 4,40 m in der Länge (bzw. 4,75 m in der längeren Version) und 1,8 m in der Höhe. Unter der Kofferraumabdeckung bietet er 596 Liter und weitere 186 Liter in diversen Ablagefächern überall im Auto. Er hat eine erhöhte Bodenfreiheit von 188 mm, sodass er über so manche Bodenwelle hinwegkommt. Man glaubt es kaum, aber der Berlingo ist nur 2 cm länger als das kompakte SUV von Škoda und etwa 8 cm kürzer als der Tucson. In puncto Praktikabilität kann jedoch kein SUV mit dem Berlingo mithalten – zwei Schiebetüren und eine hintere Klappe ermöglichen es, alles Mögliche auf jede erdenkliche Weise zu verstauen.

Das Gesicht von Citroen passt hervorragend zum Berlingo. Die rundliche Front und die dreigeteilten Scheinwerfer brechen die notwendige Höhe der Fahrzeugfront gekonnt auf. Ein paar orangefarbene Akzente auf dem Weiß passen hervorragend zur Ausrichtung des Autos, und die schwarze Verkleidung der A- und C-Säule rundet die gelungene Gestaltung von etwas ab, das sich aufgrund seiner Form ohnehin kaum formen lässt. Im Innenraum beeindrucken der halbe Meter Kopffreiheit sowie der extrem höhenverstellbare Sitz mit einer Armlehne wie im Bus.
Das Armaturenbrett hätte einfallsreicher sein können als nur mit dieser army-grünen Kunststoffverkleidung, aber ergonomisch ist es durchaus in Ordnung. Die sehr aufrechte Sitzposition sorgt für gute Rundumsicht und erleichtert das Aussteigen erheblich. Dagegen ist die kürzere, für ein leichtes Aussteigen geneigte Sitzfläche nicht für tausend Kilometer lange Etappen gemacht. In der zweiten Reihe ist es das gleiche Lied – geradezu überflüssig viel Platz über den Köpfen und vor den Knien, verschiebbare Einzelsitze mit kürzeren Sitzflächen, die sich fast eben umklappen lassen. Und in der Mitte kein Tunnel. Einen kleinen Makel gibt es aber doch. Genau wie beim C4 Grand SpaceTourer hat der Hersteller versucht, alle drei Sitze nebeneinander vollwertig zu machen – alle haben Isofix, alle haben Verschiebung und Rückenlehnenneigung sowie identische Abmessungen. Und genau hier liegt meiner Meinung nach ein kleines Problem. Die Sitzflächen sind kurz und die Sitze schmal. Drei nebeneinander sitzende Personen haben also den bestmöglichen Komfort (im Rahmen der Möglichkeiten), aber bei nur zwei Personen ist deren Komfort nicht viel größer als bei dreien, vor allem wegen der schmalen Lehnen. Auch zu zweit sind beide Außensitzer ziemlich an die Türen gedrückt – zumindest wenn wir von Erwachsenen sprechen. Hinter den Rücksitzen klafft dann eine Mammutgrube in Form von 596 Litern Kofferraum, wo die Vorteile dieses Konzepts am deutlichsten zutage treten. Andererseits stellt sich die Frage nach der Nutzbarkeit der großen Höhe des Kofferraums oberhalb der Abdeckung.

Wie bereits erwähnt, ist der Citroen fahrdynamisch eine angenehme Überraschung – wie leise und geschmeidig er über die meisten Unebenheiten hinwegkommt. Verdienst daran haben auch die vernünftig gewählten 17-Zoll-Ganzjahresreifen Michelin CrossClimate. Und das ist eigentlich eine sehr gute Idee, um beim Reifenwechsel zu sparen und vor allem eine gewisse Geländetauglichkeit zu haben. Der Berlingo kann keinen Allradantrieb haben, aber mit seiner erhöhten Bodenfreiheit und einer sehr klugen Schlupfregelung schafft er gerade auf diesen „Halbwinter“-Reifen erstaunlich viel, auch dort, wo so mancher Allradler auf Sommerreifen bereits das Handtuch werfen würde. Etwa auf nassem Gras. Zudem war das getestete Modell mit dem optionalen Grip Control ausgestattet, das mithilfe verschiedener Elektronikeinstellungen die Traktionskontrolle der Vorderräder noch weiter unterstützen soll. Aus meiner Erfahrung ist sein Spielraum jedoch ziemlich begrenzt. Zumindest beim Anfahren.

Unter der Haube „schnurrt“ sehr angenehm der bekannte und sehr gute Motor 1.2 PureTech mit 130 PS und 230 Nm, der dem 1400 kg schweren Nutzfahrzeug eine überdurchschnittlich gute Dynamik verleiht, mit einer Beschleunigung von knapp über 10 Sekunden auf 100 km/h. Das Getriebe „quetscht“ aus dem Motor heraus, was geht, und bietet ab 1500 Umdrehungen überraschende Dynamik, ohne dass es beim Durchtreten des Gaspedals wild zurückschalten müsste. Sein Zusammenspiel mit dem Motor halte ich für hervorragend abgestimmt. Wenn doch nur der Antriebsstrang im kürzlich getesteten Karoq so gut funktionieren würde. Dank der acht Gänge findet man beim Fahren immer den passenden Gang, und auf der Autobahn kommt er mit 2,500 Umdrehungen und einem recht angenehmen Reisekomfort aus. Interessant war auch der Verbrauch. Bei der Übernahme des Autos zeigte der Langzeitzähler 7,6 Liter. Mir gelang es fast nicht, unter 7 Liter zu fahren. Stadtverkehr im Stop-and-go bedeutete bei vernünftiger Fahrweise 8 Liter. Das Fazit ist also einfach – man fährt zwischen 7 und 8 Litern, denn auf der Autobahn benachteiligt den Berlingo dann etwas seine Stirnfläche. Aber diese Werte bewegen sich immer noch im Rahmen des „guten Benehmens“. Hier würde ich schätzen, dass der Unterschied zum Diesel mehr als den obligatorischen einen Liter ausmacht, auch wenn wir laut meinen Notizen den Rifter (bei winterlichen Bedingungen) mit einem Wert von über 7 Litern Diesel auf hundert zurückgegeben haben. Das möchte ich aber nicht direkt vergleichen.

Der Berlingo verfügte über eine Reihe elektronischer Helfer, die (wie wir wissen) nicht an das Niveau von Premiumherstellern heranreichen. Da dieses Modell keinen adaptiven Tempomaten hat, gibt es nichts zu beanstanden. Also beschwere ich mich nicht – Klimaautomatik, Totwinkelerkennung, schlüsselloses Entriegeln, Sitzheizung, Kollisionswarner und sogar ein Head-up-Display. Der Kollisionswarner ist etwas ängstlich, wer also ein cholerischer "Dränger" ist, mit dem wird sich der Berlingo nicht gut verstehen. Was will man mehr.
