Der IONIQ 5 war ein Pionier des eigenständigen Hyundai-Designs und kam gleichzeitig mit beeindruckenden Lade- und Leistungswerten auf den Markt, zu einer Zeit, als außer Tesla kaum jemand so etwas bieten konnte. Er kam 2021 auf den Markt, also vor vier Jahren. Das klingt nicht nach langer Zeit, aber in der Welt der Elektroautos ist das eine überraschend weite Reise in die Vergangenheit. Damals kämpfte der Enyaq noch mit etlichen Kinderkrankheiten – von der Ladegeschwindigkeit bis zum unausgereiften Infotainment –, und dazu kam ein Auto mit einem unglaublichen Design und der Fähigkeit, mit einer Leistung von 220 kW zu laden.

Doch seitdem hat sich viel verändert. Škoda hat den Enyaq bis zur Perfektion verfeinert, Stellantis verfügt über eine neue Plattform mit großen Batterien (das Modell 5008 kann bis zu 96 kWh haben), und auf dem Markt gibt es eine Reihe neuer Autos – etwa den neuen Tesla Model Y – sowie Hersteller wie BYD, die mit Elektroautos große Pläne und viel Erfahrung haben. Den IONIQ 5 hatten wir 2022 im Test und er hat uns sehr gut gefallen. Im vergangenen Jahr haben wir auch den IONIQ 6 mit seinem fantastischen Design und hervorragendem Verbrauch getestet, der jedoch beim Fahrkomfort etwas enttäuschte. Wie schlägt sich also der IONIQ 5 nach drei Jahren? Schauen wir es uns an.

Der IONIQ 5 wirkt klein, ist es aber definitiv nicht. Viereinhalb Meter Länge und ein Radstand von drei Metern ergeben ein ordentliches Stück Auto – von den Abmessungen her handelt es sich um ein Fahrzeug der Mittelklasse. Von außen wirkt er in Mattweiß, als wäre er gemalt worden, und sieht wie ein Design-Juwel aus. Die Verarbeitung mancher Details und vor allem die Ideen wirken wie aus einer anderen Welt, aber nicht alles ist perfekt. Der untere Teil der Stoßfänger (in unserer Farbkombination) wirkt jedoch etwas eigenartig, fast schon gewöhnlich.

Der Innenraum wirkt wie ein Wohnzimmer: überall helles, duftendes Leder, ein riesiges Panoramadach, elektrisch verschiebbare Rücksitze, überall ausreichend Platz und Komfort. Die Vordersitze lassen sich in eine Entspannungsposition inklusive Beinstütze legen, aber die Ausführung des Blinkerhebels wirkt wie aus einem Kinderspielzeug. Der IONIQ 5 rühmt sich zwar eines Frunks (vorderer Kofferraum), dieser öffnet sich jedoch über denselben Zughebel unter dem Armaturenbrett wie bei einem gewöhnlichen Verbrenner.


Einen weiteren Beweis liefert aber auch die Fahrt selbst. Der Innenraum ist herrlich leise, das Fahrwerk ist weich abgestimmt, mag aber überraschenderweise keine schlechten Straßen und ist dank der weichen Dämpfer empfindlich gegenüber Unebenheiten im Asphalt. Ist die Straße kaputt, wird das Auto nervös. Das ist etwas, das mir früher nicht aufgefallen ist. Entweder habe ich mich also verändert, oder die Konkurrenz hat ihre Fahrzeuge so weit verbessert, dass der IONIQ 5 nicht mehr so eine Bombe ist. Eine dritte Möglichkeit ist, dass sich das mit der Modellpflege 2024 geändert hat – die Pressemitteilung erwähnt nämlich, dass das Modell über eine „verstärkte Karosserie und neue Dämpfer“ verfügt –, sodass es möglich ist, dass sich tatsächlich etwas geändert hat, allerdings nicht zum Vorteil unserer Straßen.

Was natürlich nach wie vor fasziniert, ist die Leistung. Die Kraft steht sofort und praktisch jederzeit zur Verfügung. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,3 Sekunden kann man sich vielleicht noch vorstellen, den plötzlichen Tritt beim Durchtreten des Gaspedals schon weniger. Der Allradantrieb funktioniert gut, definitiv vorhersehbarer als bei Fahrzeugen des VW-Konzerns, wo die Vorderräder erst nach dem Durchdrehen der Hinterräder eingreifen. Beim IONIQ 5 wird bei aktiviertem Sportmodus der Antrieb der Vorderachse durchgehend zugeschaltet, wodurch sich das Verhalten beim Herausbeschleunigen aus Kurven besser einschätzen lässt. Mit einer Ladeleistung von bis zu 260 kW steckt der IONIQ 5 die deutsche wie auch die französische Konkurrenz weiterhin locker in die Tasche. Von 10 % auf 80 % lädt er in 18 Minuten. Der Verbrauch entspricht dem Durchschnitt: außerorts verlangt er 16 kWh, auf der Autobahn 22 kWh, im Testdurchschnitt waren es knapp 19 kWh. Man kann also mit einer Reichweite von über 400 km rechnen, bevor eine Ladesäule gesucht werden muss.


Im Kofferraum finden wir rund 500 Liter Ladevolumen, was für ein so großes Auto kein schlechter Wert ist – vor allem, weil sich der Motor unter dem Boden befindet, wodurch der Kofferraum relativ flach ausfällt. Der drei Meter lange Radstand verspricht jedoch vor allem für die Rücksitze Komfort. Diese lassen sich elektrisch verschieben und in der Lehne neigen – etwas, das bei diesem Fahrzeugtyp absolut ungewöhnlich ist. Dank des verglasten Dachs und des hellen Interieurs fühlt man sich hinten wirklich wie im Wohnzimmer.

Was bleibt zum Schluss? Der IONIQ 5 hat in diesen paar Jahren nicht viel von seinem Charme verloren, ist aber auch nicht wesentlich günstiger geworden – ein Blick in den Test von 2022 zeigt sehr ähnliche Preise. Doch die Konkurrenz hat sich um Lichtjahre weiterentwickelt, weshalb ich zu behaupten wage, dass aus dem einst überdurchschnittlichen Fahrzeug heute nur noch ein leicht überdurchschnittliches geworden ist.