Das originelle Elektroauto von Hyundai erntet seit der Markteinführung nur Lob. Es gewann sogar den Titel World Car of the Year 2023 sowie die Euro-NCAP-Auszeichnung „Bestes Fahrzeug seiner Klasse“. Und diese Auszeichnungen hat es sich definitiv verdient. Mutig zu sein und bei Design und Konzept gegen den Strom zu schwimmen, erfordert Mut, den man anerkennen muss. Neben dem ungewöhnlichen Aussehen kann die stromlinienförmige Karosserie mit einem fantastischen Verbrauch punkten, der sich auf die Reichweite auswirkt. Und genau die ist bei Elektroautos das entscheidende Thema. Wenn das die Zukunft des Automobils ist, dann bin ich froh, dabei sein zu dürfen.

Elektroautos sind in ihrer Effizienz mit verbrennungsmotorisch angetriebenen Fahrzeugen nicht zu vergleichen. Selbst die besten Verbrennungsmotoren nutzen maximal ein Drittel der in fossilen Brennstoffen enthaltenen Energie. Und das ist weder besonders wirtschaftlich noch nachhaltig. Begünstigt wird das nur dadurch, dass Energie so billig ist, dass es uns nichts ausmacht, kastenförmige Autos durch die Luft zu schieben und einen Großteil der Energie einfach durch den Auspuff zu jagen. Die Form der Karosserie hat nämlich einen großen Einfluss auf die Fahreigenschaften, wobei dieser Einfluss mit zunehmender Geschwindigkeit wächst. Das wussten schon die Konstrukteure der Zwischenkriegszeit, und so haben etwa Tatra 77 oder Tatra 600 eine Karosserie, die der hier abgebildeten nicht unähnlich ist.

Doch heute herrscht Überfluss, sodass man nicht groß sparen muss. Und so sehen wir auf den Straßen riesige Kisten auf Rädern, die alles andere als ein rationaler Umgang mit Energie sind. Autos, die doppelt so viel Kraftstoff verbrauchen, nur weil es gerade modern ist, in einer hohen Schachtel zu fahren. Dafür werde ich also nicht schwärmen. Ich schwärme für Autos, die diese Effizienz fördern, statt sie auf den Kopf zu stellen. Und deshalb habe ich mich sehr auf den IONIQ 6 gefreut. Ich habe mich auf niedrigen Verbrauch, schnelles Laden und erlesenen Fahrkomfort gefreut. Was davon habe ich nicht bekommen?

Vor uns steht ein schwarzes Fahrzeug von extravagantem Erscheinungsbild, das dank seiner ungewöhnlich geformten stromlinienförmigen Karosserie, der niedrigen Front und dem doppelten Heckspoiler ein wenig an Porsche-Modelle erinnert. Ein Fahrzeug, das schon auf den ersten Blick so aerodynamisch effizient wirkt, dass es zwangsläufig sparsam sein muss. Das unterstreicht auch der beeindruckende cw-Wert von 0,21. Mir gefällt auch die durchdachte Gestaltung – an vielen Stellen taucht das Quadrat-Motiv auf. Auch dort, wo man es nicht erwarten würde. An den Lichtern, an den Türgriffen, an den Spiegeln und auch im Innenraum. Das gesamte Design verbindet funktionale und ästhetische Aspekte. Versenkte Türgriffe, Heckleuchten über die gesamte Fahrzeugbreite, eine Front, die komplett verkleidet ist und keinen Luftzutritt hat. Es ist wirklich ein wunderschönes Auto, und das Design der Hyundai-Modelle der letzten Jahre ist wirklich originell und mutig. Autos wie der IONIQ5, der IONIQ6, der Staria oder der Santa-Fe sehen auf den Werbematerialien fantastisch aus.

Die persönliche Begegnung ist schön, aber manche Elemente wirken doch etwas gewöhnlich. Das lässt sich schwer beschreiben, man muss es sehen. Das ändert aber nichts daran, dass Hyundai auf einer großartigen Erfolgswelle reitet und sich perfekt zwischen einfachen und guten Autos wie dem Hyundai i30 bis hin zu diesem Straßenkreuzer mit fast 4,8 Metern Länge und einem Einstiegspreis von einer Million Kronen positioniert.

Ich setze mich in die belüfteten Ledersitze und sehe vor allem eine Wand aus zwei Displays und ein Lenkrad ohne Herstellerlogo. Das Logo ist zwar da, nur versteckt es sich im Morsealphabet. Die Mittelkonsole dient praktisch nur zur Fensterbedienung, ansonsten ist sie komplett als Ablagefläche nutzbar, inklusive eines riesigen Fachs in ihrem unteren Bereich. Die Fahrtrichtung wird über einen recht unschönen Hebel unter dem Lenkrad gewählt. Bei Sonnenlicht spiegelt sich der silberne Rahmen der Displays in der Frontscheibe. Unter dem mittleren Display befindet sich das Klimabedienfeld. Platz gibt es überall reichlich, wie es sich gehört, fast schon unnötig viel, schließlich beträgt der Radstand 2950 mm. Das abfallende Dach kann auf der Rückbank für manche etwas einschränkend sein. Aus der zweiten Reihe hörte ich Lob für die Beinfreiheit, aber die seltsam geformte Rückenlehne zwingt einen dazu, sehr aufrecht zu sitzen.


Die Ausstattungspalette ist genau so umfangreich, wie man es erwarten würde. Vom Head-up-Display über LED-Matrix-Scheinwerfer, Notbremsung mit Fahrzeug- und Fußgängererkennung – inklusive Ausweichmanöver, Radfahrererkennung und Warnung vor Frontalkollisionen beim Linksabbiegen, beim Kreuzen von Kreuzungen und beim Spurwechsel, ferngesteuertem autonomem Einparkassistent, Premium-Soundsystem BOSE mit 8 Lautsprechern bis hin zur Möglichkeit, elektrische Geräte mit einer Leistung von bis zu 3,6 kW über das V2L-System anzuschließen. Und als Sahnehäubchen etwa ein Lenkrad mit interaktiver LED-Infografik. Was bedeutet das? Dass die LED-Pixelanzeigen im Lenkrad unter anderem Folgendes anzeigen: Fahrmodus, eingelegten Rückwärtsgang, Spracherkennung und den Ladezustand des Elektroautos. Schön, oder? Es ist einfach genau das, was man in dieser Preisklasse erwartet. Keine Kompromisse.

Fahrdynamisch ist der IONIQ 6 fast genau das, was man erwartet. Ein unglaublich leises, stabiles, sparsames Auto. Seine Karosserie gleitet leise durch die Luft, mit minimalem Bedarf an elektrischer Energie. Bremsen, Gaspedal und Lenkung lassen sich hervorragend bedienen. Der Heckantrieb schiebt das Auto schön nach vorn, und beim Rekuperieren erhöht die Bremskraft der Hinterräder die Haftung der Vorderräder, sodass das Ganze hervorragend funktioniert. Die 224 PS reichen völlig aus. Aber das Ganze hat ein großes Aber. Das Fahrwerk des IONIQ 6 ist nicht besonders komfortabel. Das war die größte Enttäuschung des gesamten Tests. Vom Aussehen her würde man einen komfortablen Grand Tourer erwarten, aber schon bei kleineren Unebenheiten wirkt das Auto ziemlich unruhig, auf holprigeren Strecken liegt es ihm gar nicht. Es hat nicht die angenehme Steifigkeit, wie sie etwa der C-HR hatte, sondern ein für die Insassen etwas störendes Rütteln. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich auf den 20-Zoll-Rädern anfühlen würde. Aber das ist praktisch der einzige Kritikpunkt (leider ein ziemlich gewichtiger) an diesem großartigen Auto.

Der IONIQ 6 ist jedoch in zwei Bereichen ein echter Champion. Der erste ist der Autobahnverbrauch, der bei etwa 19 kWh lag, kombiniert lag er bei etwa 14 kWh. Und das bedeutete eines: Es war das erste von mir getestete Elektroauto, das mein wöchentliches Pensum von rund 500 Testkilometern ohne Nachladen geschafft hätte. Ich habe es erst kurz vor der Rückgabe geladen, um die Geschwindigkeit und die Ladekurve zu überprüfen. Und dort zeigte sich der zweite Bereich, und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. An der Ladestation war ich keine 15 Minuten, in denen das Auto von 15 % auf 70 % geladen wurde. Es wurden 47 kWh nachgeladen, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 188 kW! Das ist einfach unglaublich. An einer ausreichend schnellen Station lud der IONIQ 6 durchgehend mit über 200 kW bis etwa 65 %, wo es auf 165 kW sank. Bei 70 % lud er immer noch mit 164 kW. Das übersteigt meine Vorstellungskraft.

Was bleibt zum Schluss zu sagen. Es ist ein großartiges Auto. Es ist eine Freude, es anzusehen, das Exterieur ist sehr originell, innen ist das Auto sehr leise, während der Fahrt stabil und sparsam. Aus Sicht eines Elektroautos ist es großartig, wie schnell es lädt und dass es auch V2L zur Stromversorgung von Geräten aus der Batterie bietet. Schade nur, dass es nicht etwas komfortabler ist.