Der Mitsubishi Eclipse Cross ist ein weiteres Produkt aus der Modewelle sportlicher SUVs, die sich mit dem Namen des traditionellen Coupés Eclipse und dem modernen Wort Cross als sportliches Nutzfahrzeug inszenieren wollen – und zwar nicht nur mit ihrem Namen, sondern auch mit der Marketingbehauptung, das Auto „lasse die Betrachter hinter sich, damit sie über seine steil geneigte Heckscheibe sinnieren können“. Und gerade dieses Heck ist auf den ersten Blick der kontroverseste Teil des Autos, sodass man wohl kaum eigens darauf hinweisen muss. Ich rede nicht lange um den heißen Brei herum: Mein Fall ist es nicht. Vorreiter in dieser Klasse coupéartiger SUVs ist BMW mit dem X6; dort sieht es zumindest nach etwas aus (wirkt sich dafür aber auf die Praktikabilität aus). Aber hier? Viele Rundungen, horizontale Linien, zu stark hervorstehende Ecken und der um jeden Preis erkennbare Versuch zu zeigen, dass dies kein gewöhnliches SUV ist, sondern nicht nur der Name sportlich klingt, sondern auch alles andere – deshalb muss es irgendwie ein Coupé sein, obwohl es hoch baut. Den Rest des Autos finde ich recht sympathisch: Die Front im sogenannten Dynamic-Shield-Stil und auch die seitliche Silhouette sind interessant, originell und definitiv ein Pluspunkt für dieses Auto. In der SUV-Modellpalette der Marke rangiert der Eclipse Cross in der Mitte: Er ist um 110 mm größer als der ASX und um 290 mm kürzer als der Outlander und bietet damit für eine durchschnittliche Familie ein praktisches Verhältnis aus vernünftiger Länge und Nutzwert.

Die Kombination aus Zweiradantrieb, Benziner und Schaltgetriebe sieht man im SUV-Segment gar nicht so häufig – meist handelt es sich eher um eine Marketingausstattung für den „Preis ab“, während Varianten mit Diesel, Automatik und 4x4 den Preis ebenso wie das Fahrzeuggewicht deutlich erhöhen. Die gesamte SUV-Welle ist ausgesprochen zwiespältig: Ich verzichte auf Fahreigenschaften, Komfort und Verbrauch und in vielen Fällen damit auch auf einen samtig laufenden Benzinmotor. Dafür bekomme ich ein (besseres) Sicherheitsgefühl, bequemeres Einsteigen, ein höheres Fahrwerk, das kaum jemand beziehungsweise nur selten nutzt, und dazu einen dröhnenden Diesel. Doch hier nicht – angeboten wird ausschließlich ein Benzinmotor! Und ein sehr guter! Eineinhalb Liter Hubraum, 163 PS, Turboaufladung und MIVEC (Mitsubishi Innovative Valve timing Electronic Control). Er kombiniert die Möglichkeiten des Turboladers mit einer variablen Ventilsteuerung. Und das Ergebnis? Es überzeugt. Neben großartigem Durchzug ab 2 Tausend Umdrehungen, hervorragenden 2,5 Tausend Umdrehungen auf der Autobahn und einem insgesamt recht guten Verbrauch von etwa 7-7.5 Litern (in der Stadt 9) bietet er eine Beschleunigung auf Landstraßentempo in rund 10 Sekunden – gefühlt sogar schneller, was am raueren und lauteren Motorsound sowie am häufigen Zerren am Lenkrad liegt. Probleme hatte ich beim Anfahren: Die kurze, straffe Kupplung führte zusammen mit dem raschen Drehmomentanstieg bei etwa zwei Tausend Umdrehungen dazu, dass ein sanftes Anfahren nur äußerst selten gelang. Danach ist jedoch alles eitel Sonnenschein – die Gänge lassen sich wunderbar schalten, praktisch unabhängig davon, welcher Gang gerade eingelegt ist; bei 90 im sechsten Gang genügt es, in den dritten zurückzuschalten, und das Auto stürmt wie von der Tarantel gestochen los. Das Turboloch fällt im Vergleich zu heutigen Fahrzeugen nicht aus dem Rahmen, und auf einer guten Straße fährt das Auto leise und ruhig. Auch bei Geschwindigkeiten oberhalb der Autobahnlimits.

Wenn das Anfahren erst einmal gelungen ist, „bleiben“ wir gleich beim Fahren – auf den Rädern im Format 225/55 R18 ist das Auto hart. Und zwar so hart, dass ich wohl lieber die gewöhnlicheren R16-Felgen wählen würde, obwohl selbst die 18-Zöller angesichts der wuchtigen Karosserie in der Seitenansicht keineswegs besonders groß wirken. Erschütterungen und Geräusche dringen ziemlich stark in den Innenraum, sodass eine längere Fahrt auf den Landstraßen Mittelböhmens nicht angenehm war. Viele Menschen kaufen ein SUV in der Annahme, dass ein solches, gewissermaßen geländegängiges Auto kaputte Straßen (logischerweise) komfortabler bewältigt. Doch das ist nicht der Fall – der höhere Schwerpunkt und die aus Sicherheits- und Marketinggründen erforderlichen berechenbaren Fahreigenschaften bewirken zusammen mit modernen, attraktiven großen Felgen genau das Gegenteil. Auf einem Feldweg wird die Fahrt dann regelrecht zum Rodeo. Auf glattem Asphalt hingegen ist das Ganze ein Schwanengesang, doch solche Straßen sind in Tschechien eine bedrohte Art. Die Lenkung ist angenehm und straff, die Bremsen sprechen bissig an. Mein traditioneller Test des Bremsassistenten durch abruptes Lupfen des Gaspedals und kurzes Antippen der Bremse (keine Vollbremsung) löste hier eine völlig unerwartete Vollbremsung aus, sodass mir der Schweiß ausbrach und ich es kein weiteres Mal versuchte.

Nun, nachdem ich unbeabsichtigt angehalten habe, sehen wir uns endlich um. Ein moderner Innenraum mit genügend Ablagen, hier und da das Festhalten an mehrere Jahrzehnte alten Tasten – all das weist das Fahrzeug eindeutig als Japaner aus. Ein angenehmes Lenkrad, eine ansprechende Grafik der Instrumente, ein sympathisch wirkendes Infotainment und eine gefällige Klimabedienung. Das passt. Die Sitzposition lässt sich einfach einstellen; ich persönlich würde den Sitz gern noch weiter absenken und hinter einer höheren Brüstung des Armaturenbretts sitzen, doch tiefer geht es nicht. Nach oben lässt er sich hingegen beträchtlich verstellen, was für zierliche Frauen ein Pluspunkt ist, die man häufig am Steuer solcher Autos sieht. Dadurch ist die Rundumsicht ausgezeichnet und wird auch von den riesigen Außenspiegeln ohne asphärische Wölbung nicht beeinträchtigt.

Die weitere Erkundung des Innenraums liefert konkrete Erkenntnisse – das Infotainment (Radio, Bluetooth, Navigation, CD) ist gar nicht so schlecht und reagiert sofort. Multitouch beherrscht es zwar nicht, dafür ist die Bedienung ziemlich kompliziert, insbesondere der Wechsel zwischen den Bereichen: Zwischen Navigation und Musik über Bluetooth kann man nicht einfach mit den seitlichen Tasten wechseln (wie man erwarten könnte), sondern muss zunächst auf Home gehen und dort eine Option auf dem Touchscreen auswählen. Perfekt funktionieren hingegen sowohl die Kopplung des Telefons als auch die Musikwiedergabe über Bluetooth. Die TomTom-Navigation hat ihre besten Jahre hinter sich, und einige Bedienfehltritte (etwa kleine Schaltflächen in den Bildschirmecken) sind in dieser Branche heute glücklicherweise eine bedrohte Art. Außerdem arbeitet sie nicht mit RDS zusammen und schickte mich deshalb prompt in einen Stau. Ach, diese Navigationssysteme. Man bezahlt ein Vermögen dafür und steht im Stau, statt rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Die durch einen horizontalen Spoiler – wie man ihn etwa vom Honda Civic kennt – geteilte Sicht nach hinten ist nachts überhaupt nicht praktisch, denn bei abgeblendeter Stellung des Rückspiegels verdeckt dieser Spoiler genau die Leuchten des nachfolgenden Autos, sodass man beispielsweise auf der Autobahn ein Fahrzeug hinter sich ziemlich leicht übersehen kann. Das gefiel mir ganz und gar nicht. Der untere Glasstreifen kann dagegen beim Einparken nützlich sein, doch unser Testwagen war mit einer Parkkamera samt Sensoren ausgestattet. Auf dem Bildschirm wurde sogar der Abstand zum Auto in Zentimetern einschließlich Dezimalkomma angezeigt, und zwar in derselben Schriftart, die in den 90. Jahren bei Videokameras verwendet wurde. Ein Hauch Vergangenheit :-)

Eine weitere Besonderheit ist das Bordmenü zwischen den Instrumenten – es wird über Tasten am Armaturenbrett bedient, ist ziemlich umständlich zu handhaben und hinter dem Blinkerhebel verborgen. Zudem steht es nur auf Englisch zur Verfügung, sodass sämtliche Systemmeldungen englisch sind (in unserem tschechischen Landstrich recht schade und für ältere Menschen etwas problematisch). Anzeigen lassen sich dort klassische Funktionen wie das Zurücksetzen des Reifendrucks, die Reichweite, das Wartungsintervall, der Verbrauch, die Ökobewertung und die zurückgelegte Strecke. Dabei erscheint stets nur eine Angabe, obwohl rundherum genügend Platz vorhanden ist.

Telefon, Lautstärke und Tempomat lassen sich auch über das Lenkrad bedienen, obwohl die Position des Tempomaten auf der rechten Seite etwas unpraktisch ist, wenn der Fahrer seine Hand auf dem Knie der Beifahrerin liegen hat.
Auch der Wechsel auf die Rücksitze bedeutet keinen großen Kompromiss. Die Sitze mit ihren kürzeren Lehnen lassen sich um 20 cm verschieben und ziemlich weit neigen. Das ist eine absolut großartige Sache, die jedes Auto haben sollte, das praktisch sein möchte. Schließlich befördert man manchmal mehr Menschen und ein anderes Mal mehr Gepäck. Über dem Kopf gibt es genügend Platz, und ab der zweiten Hälfte des Verstellbereichs gilt das auch vor den Knien. Zwischen den Passagieren verläuft nur ein kleiner Mitteltunnel, sodass in jeder Richtung reichlich Platz vorhanden ist. Die Abmessungen von 4 405 mm Länge und 2 670 mm Radstand lassen auch ausreichend Platz für Gepäck erwarten – je nach Position der Rücksitze sind es 341 bis 448 Liter. Vor Langfingern lässt sich der Inhalt mit einer etwas windigen Laderaumabdeckung verbergen, allerdings nur, wenn die Lehnen vollständig umgeklappt und die Sitze nach hinten geschoben sind.

Vor dem abschließenden Urteil stellt sich die Frage, wer die Zielgruppe eines Autos ist, das (in dieser Ausstattung) in Tschechien für knapp 29.000 € vor allem ein originelles Heck, ein nichteuropäisches Design sowie die traditionelle Zuverlässigkeit und den Stil einer japanischen Marke bietet. Sind es junge Menschen? Dafür ist das Auto ziemlich teuer. Sind es Menschen mittleren Alters? Dafür ist der Kofferraum wohl nicht groß genug (gemessen an den Verkaufszahlen von Kombis mit 500+ Litern). Sind es ältere Menschen? Dafür ist es zu sportlich (sowohl optisch als auch im Fahrverhalten). Somit weiß ich es eigentlich nicht. Das Auto kann eine bestimmte Kundengruppe ansprechen, die ein extravaganteres Fahrzeug sucht, der Marke treu ist oder sich vom Motor beziehungsweise vom CVT-Getriebe begeistern lässt. Was die Praktikabilität betrifft, ist die verschiebbare Rückbank großartig, doch die bieten auch andere Autos dieser Klasse. Ansonsten habe ich ein wenig das Gefühl, dass sich der durchschnittliche Nutzer eher anderweitig umsehen wird. Interessenten würde ich auf jeden Fall empfehlen, das Auto vor allem auf schlechteren Straßen Probe zu fahren und Extras wie Navigation, Panoramadach, Allradantrieb oder CVT-Getriebe sorgfältig abzuwägen.
Was mir gefiel:
der Benzinmotor und sein Verbrauch
die praktische verschiebbare Rückbank
das unkonventionelle Erscheinungsbild
Was mir nicht gefiel:
die viel zu harte Fahrwerksabstimmung
die Bedienung des Infotainments
der höhere Preis