Heute gönnen wir uns eine Pause von heißen Neuheiten und schauen uns ein Modell an, das ein kleines Facelift erhalten hat, uns ansonsten aber bereits seit sechs Jahren begleitet. Die Rede ist vom T-Roc, der sich in der SUV-Hierarchie von Volkswagen zwischen T-Cross und Tiguan einordnet.

Zunächst versuchen wir, eine knifflige Frage zu klären. Wenn Sie sich für ein kleines SUV interessieren, fällt Ihr Blick gewiss auf den Škoda Kamiq, den Ford Puma, den Seat Arona, den Renault Captur oder den Yaris Cross. Von diesen Autos gibt es in letzter Zeit geradezu eine Flut. Wenn Sie Ihr Wunschauto nach dem gebotenen Raum beurteilen, werden Sie vermutlich auf die Länge schauen, die in dieser Klasse bei rund 4,2 Metern liegt. Und vielleicht überrascht es Sie, dass auch der von uns getestete T-Roc in diese Gruppe fällt, obwohl er sogar einen kürzeren Radstand als Kamiq oder Captur hat. Ein Blick in die Preisliste holt Sie dann auf den Boden der Tatsachen zurück, denn kurz könnte man meinen, der deutsche Hersteller sei verrückt geworden. Doch ganz so einfach ist es nicht. Durch das fieberhafte Bemühen der Hersteller, die Fahrzeuge zu strecken und möglichst viel Platz anzubieten, sind die kleinen SUVs dem T-Roc innerhalb weniger Jahre über den Kopf gewachsen – obwohl er ursprünglich eine Klasse höher angesiedelt war. Das zeigt auch, dass die Fahrzeuglänge bei der Klassifizierung nicht mehr entscheidend ist. Der T-Roc soll erwachsener, luxuriöser und hochwertiger sein. Schließlich basiert er auf der MQB-A1-Plattform, genau wie etwa Golf und Superb. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Was 2017 bei einem SUV noch begeisterte, muss 2022 nicht mehr beeindrucken.

Also los. Vor uns steht ein T-Roc in der Basisausstattung Life, die ab 27.200 € erhältlich ist. Bei unserem Exemplar ist der 1.5 TSI mit genau 2.480 € der größte Aufpreisposten. Gegenüber dem Basis-Dreizylinder 1.0 TSI mit 81 kW erhalten Sie mit dem 1.5 TSI einen Zylinder mehr, einen sehr kultivierten Lauf und 29 kW zusätzliche Leistung – insgesamt 110 kW. Ein Blick in die Preisliste zeigt jedoch, dass die Basisausstattung durchaus reichhaltig ist. An Bord sind Zwei-Zonen-Klimaautomatik, automatisches Einparken, Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfer, Skidurchreiche und geteilte Sitze. Kurz gesagt: Es wird Ihnen an wenig fehlen. Die Preisliste macht damit deutlich, dass es bei den höheren Ausstattungslinien vor allem um Ästhetik und Erscheinungsbild geht. Funktional ist dieses Exemplar bereits ziemlich gut aufgestellt. Auch wenn unser Wagen mit einigen Extras am Ende die Grenze von 33.100 € überschritten hat, und das ist tatsächlich nicht wenig.

Ich greife nach dem Griff der vertraut geformten Tür und nehme in dem sprichwörtlich perfekten deutschen Innenraum Platz. Mir gefällt, was ich sehe, mir gefällt der Gesamteindruck, die Sitzposition und wie angenehm der schön dicke Lenkradkranz in der Hand liegt. Etwas enttäuschend ist die Gestaltung des Kombiinstruments mit seinem unschönen, kontrastarmen Display. Je kontrastärmer die Anzeige ist, desto stärker kontrastiert das allerdings mit dem Preisschild. Bei genauerem Hinsehen entdecke ich eine Vielzahl einfacherer Kunststoffe und einen recht gewöhnlichen Sitzstoff. Ich möchte nicht vergleichen, muss es aber. Wenn Sie etwa aus einem Captur in dieses Auto steigen, werden Sie vermutlich nur staunen. Aber: Noch ist nicht alles verloren. Deutsches Design war nie vordergründig schön, dafür vor allem zeitlos und dauerhaft. Und das gilt hier ganz sicher. Ein Blick auf das Heck bestätigt, dass dieses Auto dem Zahn der Zeit recht gut widersteht. Zeitlos wirkt auch die vorherige Generation des Infotainments, die schnell und flüssig arbeitet. Dann fahren wir mal los.

Unter der Haube arbeitet der bekannte Vierzylinder-Benziner 1.5 TSI. Bei Journalisten ist er vor allem wegen seines etwas lahmen Charakters nicht besonders beliebt. Andererseits wird er für seinen niedrigen Verbrauch, seine technische Reife und seine unglaubliche Laufkultur geschätzt. Diesen Motor hatten wir auch in einer gedrosselten Version im Seat Leon, doch im T-Roc leistet er 110 kW und 250 Nm. Damit beschleunigt er in etwa 8,5 Sekunden auf hundert und soll ungefähr 6 Liter Benzin verbrauchen. Schnell zeigt sich, dass sich diese „Lahmheit“ sehr positiv auf das einfache Anfahren und die lineare Kraftentfaltung im Alltag auswirkt. Anders als bei den Einliter-Dreizylindern, bei denen plötzlich die gesamte Kraft anliegt und Anfahren oder Rückwärtsfahren Feingefühl erfordert, wirkt hier dank des größeren Hubraums und der Motorkraft schon vor dem Einsetzen des Turbos alles viel natürlicher.

In Verbindung mit der angenehmen Schaltung zeigt sich zunehmend, wie komfortabel dieses Auto zu fahren ist. Die hervorragend abgestimmten Dämpfer übertragen fast keine Geräusche in den Innenraum, und der leise Innenraum selbst bei Autobahntempo von 130 km/h bestätigt ebenfalls, dass dies mehr als ein kleines SUV ist. Auf 18-Zoll-Rädern bietet er den idealen Kompromiss zwischen Fahrkomfort und Stabilität. Eine kleine Überraschung ist die günstigere Verbundlenker-Hinterachse bei diesem 110-kW-Motor. Bei VW war diese Leistung bislang die Grenze für den Einsatz der raffinierteren Einzelradaufhängung. Angesichts der Fahrwerkssteifigkeit ist das mit Blick auf künftige Servicekosten vielleicht am Ende sogar ein Vorteil. Die Schaltung lässt sich wunderbar bedienen, der Motor ist ganz leicht hörbar – gerade so, dass man nach Gehör schalten kann.

Das ideal abgestimmte Fahrwerk funktioniert in der Stadt ebenso gut wie außerhalb. Auf der Autobahn dreht der T-Roc bei rund 2600 Umdrehungen, verbraucht dabei aber etwa 7,5 Liter. Hier machen sich die größere Bodenfreiheit und der insgesamt höhere Aufbau etwas bemerkbar. Selbst ein so legendärer Motor wie der 1.5 TSI erreicht hier keinen wundersamen Verbrauch. Und mit wundersam meine ich beispielsweise unter 6 Liter – das gelang in keinem Fahrmodus. Der Gesamtverbrauch lag bei etwa 7 Litern, also rund einen Liter höher als bei Leon oder Golf mit diesem Motor. Stark vereinfacht gesagt zahlen Sie auf der Strecke von Prag nach Teplice 1,7 € mehr dafür, dass Sie in Prag bequem einsteigen und in Teplice bequem aussteigen. Denn das ist im normalen Betrieb mehr oder weniger der Hauptvorteil eines höher gebauten Autos.

Was bleibt zum Schluss? Der T-Roc ist ein typischer Vertreter eines VW. Ein Design, das nicht begeistert, aber der Zeit sehr gut standhält. Ein Innenraum, der hervorragend verarbeitet und angenehm zu bedienen ist, einen aber nicht vom Hocker haut. Die Fahreigenschaften sind großartig für den Alltag, fahrdynamisch ist er jedoch nicht ganz ideal. Kurz: Der T-Roc ist in allem sehr gut, aber in nichts ausgesprochen hervorragend. Auf dem tschechischen Markt könnte es etwas schwierig sein, seinen höheren Preis gegenüber gleich großen Fahrzeugen zu rechtfertigen, die jedoch eine Klasse tiefer angesiedelt sind. Ein Blick auf die Verkaufszahlen zeigt jedoch, dass sich der T-Roc gut verkauft. Sie wissen nun, weil Sie Autohled lesen, dass sich hinter diesem Preis ein Fahrzeug aus einer höheren Klasse verbirgt. Ein weiterer Vorteil ist die ältere Generation des Infotainments. Aus meiner Sicht lautet die entscheidende Frage, ob Ihnen nicht ein rund 10% günstigerer und deutlich sparsamerer Golf ebenso gute Dienste leisten würde. Unbestritten bleibt jedoch, dass der T-Roc ein zuverlässiger Begleiter mit ausgezeichneter, funktionaler Technik ist. Er fährt sich komfortabel, die Ergonomie ist ausgezeichnet.