BMW zeigte auf dem Rundkurs der 24 Stunden von Le Mans eine Studie, die einen Vorgeschmack geben soll, wie die zukünftigen Hochleistungsmodelle der M Division aussehen und fahren werden. Das Fahrzeug heißt BMW M Concept Neue Klasse und laut dem Hersteller handelt es sich nicht nur um eine reine Designstudie - es ist ein recht konkreter Ausblick auf den ersten rein elektrischen M3, der um das Jahr 2027 auf den Markt kommen soll.
BMW hat die Premiere zum Langstreckenrennen terminiert, bei dem gleichzeitig der Prototyp BMW M Hybrid V8 antritt. Das Concept steht damit zwischen zwei Welten: Es übernimmt Elemente aus dem Motorsport und zeigt gleichzeitig, wohin sich der serienreife elektrische M entwickeln wird. Wie bei Concepts üblich können sich die endgültigen technischen Daten noch ändern, aber BMW nannte diesmal überraschend viele Zahlen.
Der Antriebsstrang trägt die Bezeichnung BMW M eDrive und besteht aus vier Elektromotoren, je einem pro Rad. Dadurch kann das System Antriebskraft und Bremsung an jedem einzelnen Rad vollständig individuell steuern. Die Gesamtleistung soll laut BMW 1.000 PS übersteigen (über 735 kW), was den elektrischen M3 zum stärksten Serien-M in der Markengeschichte machen würde.
Die Energie liefert ein Akku, der auf der Neue-Klasse-Architektur der sechsten Generation (Gen6) mit zylindrischen Zellen und einem 800-V-System basiert. Die Nettokapazität soll 100 kWh übersteigen, und das Paket ist laut Hersteller speziell für M abgestimmt - das heißt, es soll wiederholte Volllastentnahmen auf der Rennstrecke ohne thermischen Einbruch verkraften. Die höhere Spannung verkürzt zudem die Schnellladezeit. BMW setzt so konsequent auf die 800-V-Architektur, dass das Unternehmen deshalb auch die Rückkehr eines Range Extenders ablehnt.
| Parameter | BMW M Concept Neue Klasse (laut Hersteller) |
|---|---|
| Antrieb | BMW M eDrive, 4 Elektromotoren (1 pro Rad) |
| Systemleistung | über 1.000 PS (über 735 kW) |
| Architektur | Neue Klasse Gen6, 800 V |
| Akku | zylindrische Zellen, Nettokapazität über 100 kWh |
| Dynamiksteuerung | Heart of Joy + M Dynamic Performance Control |
| Vorderachse | abkoppelbar (für reinen Hinterradantrieb) |
| Serienversion | elektrischer M3, erwartet um 2027 |
Der Schlüssel zu den Fahreigenschaften soll ein zentraler Hochleistungscomputer sein, den BMW Heart of Joy nennt. Er vernetzt Antrieb, Bremsen, Lenkung und Rekuperation zu einem einzigen System, und die Software M Dynamic Performance Control verteilt darüber das Drehmoment auf die einzelnen Räder. BMW gibt an, dass der Computer Eingaben rund zehnmal schneller verarbeitet als die heutigen Steuergeräte der Marke.
Ein interessantes Detail ist die abkoppelbare Vorderachse. Damit will BMW auch bei einem Fahrzeug mit vier Motoren den traditionellen „Hinterradcharakter" des M erhalten - bei gemäßigter Fahrt wird die Vorderachse für geringeren Verbrauch abgekoppelt, auf der Rennstrecke wird hingegen der Allradantrieb vollständig aktiviert. Die gleiche Logik der Kraftverteilung verknüpft die Marke auch mit Fahrerassistenzsystemen der neuen Generation, die an Serienmodellen der Neuen Klasse erprobt werden.
Das Design des Concepts folgt laut BMW nur einem Leitprinzip: Funktion geht vor Form. Das markanteste neue Element ist das gelbe Tagfahrlicht M Yellow in den Hauptscheinwerfern, das zum Erkennungsmerkmal zukünftiger M-Modelle werden soll. Es verweist auf GT-Rennfahrzeuge und auf den genannten Prototyp M Hybrid V8 aus Le Mans, wo Gelb eben die Renntechnik kennzeichnet.

Vordere und hintere Stoßfänger erhielten eine sogenannte Trimaran-Struktur - eine dreiteilige Konstruktion, inspiriert von den Rümpfen schneller Segelboote. In den äußeren Bereichen sitzen dreidimensionale Track Lights, ein weiteres neues Lichtsignet für künftige M-Modelle. Das Heck schließt ein markanter Ducktail-Spoiler ab, der laut BMW den Anpressdruck an der Hinterachse erhöht, sowie ein großer Diffusor. Die Motorhaube erhält eine ausgeprägte V-Form, die gleichzeitig zur Kühlung des elektrischen Antriebs beiträgt.

Die Kabine ist laut BMW maximal abgespeckt und ganz auf den Fahrer fokussiert. Die Insassen halten vier neu entwickelte Schalensitze, deren Tragstruktur aus Naturfaserverbundwerkstoffen besteht. Vor dem Fahrer befindet sich ein Panorama-Display, ergänzt durch einen zentralen Bildschirm. Das Lenkrad ist mit Nubuk bezogen, der Fahrer wird von roten Fünfpunkt-Gurten im Sitz gehalten, und weitere rote Details betonen die Schaltwippen und den Gangwahlhebel. Die Materialien kombinieren Bathurst-Blau und Berry-Rot mit einem Strickgewebe auf dem Armaturenbrett mit sechseckiger Hintergrundbeleuchtung.

Entscheidend ist der Zeitplan. Der elektrische M3 existiert bislang nur als Concept und soll um das Jahr 2027 auf den Markt kommen. Bis dahin hält BMW den Verbrenner-M3 (G80) mit Reihensechszylinder am Leben - ab Juli 2026 erhält er zudem die neue Vorkammer-Zündtechnologie „M Ignite", um die kommende Norm Euro 7 zu erfüllen. Der Verbrenner-M3 wird in Tschechien ab 2.485.600 Kč angeboten (vollständige Spezifikationen BMW M3), sodass Fans des klassischen M nicht sofort auf den aufgeladenen Reihensechszylinder verzichten müssen.
Die elektrische Neue-Klasse-Ära hat BMW in Tschechien bereits eingeläutet - das erste Serienmodell auf derselben Plattform ist das SUV iX3, das dort ab 1.843.000 Kč startet. Das M Concept Neue Klasse deutet an, dass dieselbe Technik (800-V-Architektur, zylindrische Akkus, Heart-of-Joy-Computer) auch in die scharfen M-Modelle Einzug halten wird. Wie viel der elektrische M3 kosten und welche genauen Leistungsdaten er bieten wird, hat BMW jedoch noch nicht kommuniziert - heute handelt es sich um eine Studie, nicht um einen Preiskatalog.