Diesen Vergleichstest hatten wir schon ziemlich lange geplant, und ich will nicht verschweigen, dass es vom Gedanken bis zur Umsetzung eigentlich keinerlei Diskussion brauchte. Ich will damit sagen: Für uns war es fast so etwas wie eine Pflicht, diese beiden Autos miteinander zu vergleichen. Man könnte beinahe meinen, wir hätten SUV besonders gern oder hätten uns, Gott bewahre, dem SUV-Boom angeschlossen, durch den etwa die früher so klassische untere Mittelklasse längst nicht mehr so viel Aufmerksamkeit bekommt.
Sicher ist nur, dass wir heutigen Crossovern nicht voreingenommen mit Verachtung begegnen. Unter ihnen gibt es zudem auch solche, die unser Interesse verdienen. Als wir vor einiger Zeit die ersten Einzeltests des Honda CR-V und des Toyota RAV4 in den Hybridversionen veröffentlichten, versuchte mir Kollege Jirka zu erklären, was für großartige „Stadt-Crossover“ das seien, und ich verstand es einfach nicht. Die Verbindung dieser beiden Wörter hielt ich bis vor Kurzem für ein Oxymoron, und erst mit der Zeit, vor allem dank dieses Vergleichstests, habe ich verstanden, dass der Gedanke des Kollegen vielleicht gar nicht so falsch ist.
Heute stehen sich also zwei sehr traditionelle Vertreter des prall gefüllten C-SUV-Segments gegenüber, beide mit sehr ähnlichen Abmessungen und auch mit demselben Grundkonzept des Antriebsstrangs. Einen Hybrid hätte ich bei SUVs noch vor ein paar Jahren fast für ein Unwort gehalten – heute ist er aber Realität und mit Blick auf die neuen EU-Emissionsgrenzen sogar erstaunlich nachvollziehbar und reichlich vertreten. Wer kann bestehen? Werden wir überhaupt einen klaren Sieger haben, wenn sich zwei so ähnliche Autos gegenüberstehen?

Die Meinung zur Arbeit von Designern ist meistens eine ziemlich subjektive Angelegenheit. Es ist daher kaum möglich, Ihnen an dieser Stelle ein klares Ergebnis des Designvergleichs dieser beiden SUV mitzuteilen. Ich persönlich bin der Meinung, dass beide Autos gestalterisch gelungen sind, auch wenn beide Marken in diesem Fall recht unterschiedlich an die Sache herangegangen sind, und das, obwohl beide aus Japan stammen.
Den CR-V würde ich mir erlauben, als etwas „bauchiger“ und wuchtiger zu bezeichnen, was vor allem der ziemlich untypische Kühlergrill bewirkt. Das Heck ist bei Honda dann schon eher eine Frage des individuellen Geschmacks. Es wirkt ebenfalls recht groß, mir persönlich passen die schmalen, länglich nach oben gezogenen Leuchten und die große, leere Fläche der Heckklappe aber irgendwie nicht ganz.
Der Toyota ist auf den ersten Blick ein völlig anderes Auto als seine Vorgängergeneration. Ich selbst würde sogar behaupten, dass es ein komplett anderes Auto ist, das zudem deutlich gewachsen ist, vor allem optisch. Ich muss zugeben, dass ich mich an das neue Design des RAV4 ziemlich lange gewöhnen musste und es am Anfang sogar abgelehnt habe. Es dauerte aber nicht lange, bis ich die Arbeit der Designer lieben gelernt habe. Besonders schön ist er zudem in Kombination mit perlweißem Lack. Was die Farbe angeht, funktioniert genau dieselbe Kombination auch beim Honda hervorragend, wir haben jedoch das komplette Gegenteil verglichen: schwarzen Metallic-Lack, der bei dem großen SUV im Fall des Honda ohne abgedunkelte hintere Scheiben etwas „billig“ wirkt. Das ist aber wiederum eher eine Frage des Geschmacks. In dieser Ausführung gehen Sie damit jedenfalls etwas besser in der Masse unter.
Beide Autos sind außerdem mit recht großen Rädern ausgestattet – 18“ –, die optisch erstaunlicherweise nicht einmal übertrieben groß wirken (schade). Im Duell der hinteren Partien, die für so manchen erwachsenen Menschen wichtig sind, gewinnt für mich der Toyota – er wirkt einfach etwas glatter und stimmiger.

Auch das Duell im Innenraum ist ein interessantes Thema, und obwohl beide Autos auf dem Papier sehr ähnlich wirken, sind sie innen verschieden. Der Toyota gibt sich sehr luxuriös, und in den meisten Fällen ist das keine bloße Show. Angenehm sind die Materialien, das Leder und auch die Verarbeitung. Der schwebende Bildschirm des Audiosystems gilt heute als modern, und ich kann das durchaus verstehen.
Der spielt meiner Meinung nach nicht allzu sehr etwas vor, auch wenn in der höheren Ausstattung 13 Tasten am Lenkrad für sich sprechen. Geschmackssache ist die recht massive Mittelkonsole – bisher habe ich in meinem Umfeld aber niemanden gefunden, dem sie nicht zusagen würde. Die gesamte Verarbeitung des Innenraums wirkt auf den ersten Blick einfacher, aber keineswegs billiger. In der Einfachheit liegt meiner Meinung nach nämlich auch Schönheit, und genau das gilt beim Honda.
Mir gefällt auch das Audiosystem, das in der letzten Generation nicht mehr besonders kompliziert ist und sich dank CarPlay / AndroidAuto (Vergleich) vom ersten Tag nach der Übernahme an ohne größere Komplikationen nutzen lässt. Fast hätte ich das Kombiinstrument vergessen – das ist bei beiden heute getesteten Fahrzeugen digital gelöst, oder besser gesagt halbdigital. Ein Teil der Instrumente / Anzeigen ist also weiterhin analog und hat klassische Zeiger.
Der Toyota bietet in diesem Fall mehr Individualisierung, Grafiken und ein größeres zentrales Display des Kombiinstruments, der Honda ist erneut einfacher, und auch wenn der digitale Drehzahlmesser und Tacho wie aus einer anderen Galaxie wirken können, ist er mir persönlich angenehmer. Ich sage Ihnen gleich, warum. Die Farbkombinationen, vor allem Blau und grelles Grün, sind beim Toyota nämlich nicht für jeden etwas, und das größte Problem mit dem Kombiinstrument habe ich bei direktem Tageslicht, wenn selbst die maximale Helligkeit schlicht nicht ausreicht. Der Honda liefert Ihnen offen gesagt nicht so viele „nützliche“ Informationen, mich persönlich stört das aber nicht allzu sehr. Ich möchte jetzt nicht übermäßig kritisch sein, erwähne aber noch einen wesentlichen Mangel eines der Autos: Eines hat nämlich selbst in einer Ausstattung für mehr als eine Million Kronen keinen höhenverstellbaren Beifahrersitz. Fast möchte man fragen, wie das bei Toyota jemandem nicht einfallen konnte.
Der letzte Unterschied liegt auch in der Bedienung des Fahrstufenwählers. Während dem Toyota der klassische Automatik-Wählhebel nicht fehlt, hat Honda in den Hybridversionen des CR-V schlicht und einfach ein paar Tasten eingebaut, mit denen der Schalthebel ersetzt wurde. Ich kann und will wohl nicht beantworten, welche Lösung die bessere ist. Der RAV4 liefert aber zusätzlich einen Fahrmodus-Wähler, in dem neben normal, ECO und SPORT auch TRAIL nicht fehlt. Zumindest gibt er sich damit so, als sei ihm Gelände nicht fremd – da die Hinterräder jedoch nur von einem Elektromotor angetrieben werden, und obendrein nur von einem von zweien, sollten Sie in diese Richtung keine großen Leistungen erwarten.
Ich persönlich würde die Wirksamkeit des Allradantriebs bei beiden Autos vor allem beim Anfahren im Schnee, bei Nässe und auf staubigen Wegen sehen. Für klassisches Gelände und längere Expeditionen würde ich sie trotzdem nicht wirklich einplanen.


Auch wenn das Grundkonzept des Antriebs bei beiden Fahrzeugen gleich ist, gibt es darin dennoch gewisse Unterschiede. Zuerst muss erwähnt werden, dass Toyota, vielleicht auch dank seiner langjährigen Praxis mit Hybriden, grundsätzlich den stärkeren Antriebsstrang zur Verfügung hat. In seinem Fall besteht dieser aus einem 2,5-Liter-Vierzylinder und zwei Elektromotoren, die Systemleistung beträgt damit 163 kW, was zumindest eine sehr ordentliche Portion ist. Der Zweieinhalbliter macht sich aber auch beim Preis der Haftpflicht- und Kaskoversicherung bemerkbar, die beim Honda mit dem Zweiliter wahrscheinlich ein kleines Stück günstiger ausfallen wird.
Gleichzeitig profitiert der neue RAV4 auch von einer größeren Batterie, was bei einem klassischen HEV ohne externes Laden zwar nebensächlich erscheinen mag, es in der Praxis aber sicher nicht ist. Auch der Honda setzt auf einen atmosphärischen Vierzylinder, seiner hat jedoch „nur“ zwei Liter und liefert gemeinsam mit den Elektromotoren „nur“ 135 kW an alle vier Räder. Und es wären keine Japaner, wenn die Saugmotoren, ergänzt um die elektrischen, die Leistung nicht über ein e-CVT-Variatorgetriebe an die Räder schicken würden. Dieses sind wir als relativ anspruchsvolle Redakteure vielleicht gerade noch in Hybriden bereit zu tolerieren – nirgendwo sonst hat es uns bislang überzeugt, und wir würden immer lieber die manuelle Alternative wählen, die hier natürlich nicht zur Verfügung steht.
Gegen ein CVT kann man jedenfalls vieles einwenden, ein Hybrid kompensiert das Hochdrehen des Motors in vor allem akustisch unangenehme Höhen aber teilweise mit der Kraft des Elektromotors, und genau das sollte im Toyota aufgrund der Leistung etwas besser sein. Die Überraschung: Ist es nicht. Im Übrigen sprechen alle Tabellenwerte offen für den Toyota – Beschleunigung und Verbrauch, vielleicht nur die Höchstgeschwindigkeit ist bei beiden Wagen gleichermaßen elektronisch auf 180 km/h begrenzt. Nebenbei: Das ist nicht viel, oder?
Und damit kommen wir eigentlich zur größten Schwäche des Hybridantriebs in größeren, genauer gesagt höheren Fahrzeugen. Es ist gerade schnelles Fahren oder ein dynamischer Stil, was dem Hybrid generell nicht besonders liegt. Einst habe ich gesagt, dass man beim Hybrid den Sinn im Unsinn suchen muss. Das klingt böse, ist aber gar nicht böse gemeint. Es geht eher um unseren eingeübten Fahrstil. Wenn Sie daran gewöhnt sind, möglichst konstant und gleichmäßig zu fahren, braucht der Hybrid im Grunde fast das Gegenteil: Dank Rekuperation bremst ein Hybrid gern und beschleunigt gern. Bei konstanter Geschwindigkeit hat er kaum eine Chance, die Batterie zu laden und umgekehrt wieder etwas Energie aus ihr zu nutzen.
Sagen wir, dass Sie eine Fahrt an der Grenze der Tempolimits mit dem Honda 6,8 l/100 km kostet und mit dem Toyota einige Zehntel mehr, was umso interessanter ist, als der Honda in den Tabellen fast einen Liter durstiger ist. Vom Gefühl her ist der Toyota erst bei Vollgas lebhafter, dann dringt aber erwartungsgemäß ein ziemlich unangenehmes Geräusch / Lärm des atmosphärischen Vierzylinders in die Kabine, der per CVT in Höhen gedreht wird, von denen man wegen des fehlenden Drehzahlmessers kaum eine Vorstellung hat. Beim Honda ist es natürlich genauso. Meine Empfehlung lautet daher: Fahren Sie mit einem Hybridfahrzeug nicht schnell…
Kehren wir aber zurück zu den Fahreigenschaften. Ich muss anerkennen, dass beide Autos für heutige Verhältnisse angenehm weich sind. Es handelt sich um keine hüpfenden SUV, auch wenn bei den Fahrwerkseigenschaften erneut leicht der Honda führt, dessen Vorzüge wir schließlich auch in den Einzeltests bewertet haben. Insgesamt geht es aber um gelungene moderne SUV, deren Sinn ich nachvollziehen kann. Während ich zu Beginn dieses Vergleichstests über ein modernes Hybrid-SUV noch geschmunzelt habe, verachte ich jetzt keines der beiden mehr, die vor mir stehen.

Vielleicht wiederhole ich mich schon, doch ich glaube immer noch, dass Sie mein Spruch „auch heute war die Entscheidung überhaupt nicht einfach“ nicht langweilt. Am Anfang habe ich mich, denke ich, so gegeben, als stünden vor mir sehr ähnliche Autos, und im Verlauf des Artikels wurde mir irgendwie klar, dass sie keineswegs austauschbar sind. Während bei Toyota der Hybrid für die meisten Kunden wohl die klare Wahl sein wird, denn diese Marke steht schließlich auf modernen Hybridsystemen, werden bei Honda die meisten zumindest über einen konventionellen Motor nachdenken.
Es war aber ganz objektiv der letzte kleine Punkt auf unserer heutigen Reise, der über den endgültigen Sieger entschieden hat. Vor allem das etwas komfortablere Fahrwerk, der unprätentiöse und besser gedämmte Innenraum, das bessere Audiosystem, der leicht niedrigere Preis und am Ende auch ein Hybridsystem, das im Gegensatz zum zweiten Kandidaten die Erwartungen übertroffen hat – all das sprach für den Honda CR-V, der heute vielleicht sogar ein wenig überraschend das große Hybridduell gewinnt. Ein deutlicher Sieg ist es jedoch nicht. Es gibt Parameter, in denen wiederum der Toyota gewinnt: etwa die maximale Leistung oder die längere Nutzung des elektrischen Fahrens dank größerer Batterie, das JBL-Soundsystem oder der etwas größere Kofferraum. Vom Gefühl her hätten wir zwischen den beiden Kandidaten aber keinen Unterschied von 25 kW erwartet, und so gewinnt am Ende mit knappem Vorsprung tatsächlich der Honda CR-V.
Honda CR-V 2.0 i-MMD Hybrid 4WD Executive
Pluspunkte:
Minuspunkte:
Toyota RAV4 2.5 Hybrid AWD Selection
Pluspunkte:
Minuspunkte: