Das Design der ersten Juke-Generation lässt sich mit keinem anderen Wort als verrückt beschreiben. Es hielt sich stolze 9 Jahre in der Produktion, bis es 2019 von der zweiten Generation abgelöst wurde, die Sie gerade vor sich sehen. Das Design wurde etwas gezähmt, ist aber nach wie vor ungewöhnlich und definitiv originell. Vor allem die Front wirkt ziemlich wild, fügt sich aber eigentlich gut in die Designsprache der Marke ein, die sich durch schmale Tagfahrlicht-Streifen auszeichnet, die an die verchromten Teile des Kühlergrills anschließen. Die runden Hauptscheinwerfer bilden eine Art dreizackigen Stern. Und genau diese verleihen dem Juke sein unverwechselbares Aussehen.

Der Juke stammt aus der gemeinsamen Allianz mit Renault, und so teilt er sich neben der mit dem Captur geteilten Fahrzeugplattform auch einige Antriebseinheiten, darunter den heute getesteten Hybridantrieb, den wir bereits im Renault Clio getestet haben. Der Vorteil dieser Hybridantriebe liegt auf der Hand - in der Stadt senken sie den Verbrauch deutlich, und die sofortige Unterstützung des Elektromotors sorgt für ein Fahrerlebnis, das dem eines Elektroautos ähnelt, allerdings ohne die Notwendigkeit, das Fahrzeug aufzuladen. Andererseits schlägt sich diese Technik, vor allem bei kleinen Autos, ziemlich deutlich im Preis und im Kofferraumvolumen nieder. Beim Juke ist das nicht anders.

Wenn Sie den Juke für ein kleines Auto halten, dann glauben Sie mir, das stimmt so nicht ganz. Das kompakte, rundliche Design verbirgt eine Länge von 4,2 Metern. Das ist genau wie beim Škoda Kamiq oder dem Toyota Yaris Cross. Und das werden auch die beiden größten Konkurrenten sein. Der Kamiq tritt in diesem Wettbewerb eher formal an, da er weder einen Hybridantrieb noch ein so wildes Design bietet. Beim Yaris Cross sieht die Sache schon anders aus. Er bietet sowohl ein extravagantes Design als auch den bekannten Hybridantrieb. Und preislich liegen diese beiden auch ähnlich. Der Grundpreis des Juke in der Ausstattung Jubileum liegt bei hervorragenden 499.41,0 €. Bei dem von uns getesteten Hybrid liegt der Grundpreis mit der Ausstattung N-Connecta bei 30.200 €. Um 52 Tausend weniger kostet diese Ausstattung mit dem Ein-Liter-Turbomotor und Automatikgetriebe. So viel zahlen Sie also für den Hybridantrieb drauf. Zudem verlieren Sie 68 Liter Kofferraumvolumen und müssen sich mit 354 Litern begnügen. Auch das ist kein schlechter Wert. Doch nicht nur anhand des Radstands wird klar, dass es innen, auch in der zweiten Reihe, recht großzügig zugeht. Nur ist der Kofferraum für ein Familienauto vielleicht etwas klein. Aber das betrifft nicht nur den Juke. Erwähnenswert ist, dass Sie unter dem Boden ein Not-Reserverad finden, was heutzutage nicht mehr ganz üblich ist.

Unter der Haube steckt ein technisch interessanter Antrieb, der von einem einzigartigen Multimode-Getriebe gesteuert wird. Der saugmotorische Benzinmotor mit 1.6 Liter Hubraum leistet 94 PS und 148 Nm. Das ist nicht viel. Doch ihm hilft ein Elektromotor mit 48 PS, vor allem aber mit 205 Nm. Zusammen leisten beide Einheiten 143 PS und 353 Nm. Das reicht für eine Beschleunigung von null auf hundert in 10,1 Sekunden. Der Juke soll laut WLTP-Norm 4,4 bis 4,6 Liter auf hundert km benötigen. Der Vorteil des Hybrids liegt nicht nur im Verbrauch, sondern vor allem in dem großen Anteil an Fahrten mit elektrischer Energie, der sofortigen Reaktion aufs Gaspedal dank des starken Elektromotors und der leisen Fahrt über weite Strecken. Der Hersteller behauptet, dass man „bis zu 80 % der Fahrzeit in der Stadt im Elektroantriebsmodus zurücklegen kann“. In der Realität ist es eher die Hälfte der Zeit, aber auch das ist schön.

Beide Einheiten, beziehungsweise zwei Elektromotoren und ein Verbrennungsmotor, sind zusammen durch eine ungewöhnliche Konstruktion aus zwei Getrieben verbunden. Im Grunde handelt es sich um ein Vierganggetriebe, das mit dem Verbrennungsmotor verbunden ist, und ein Zweiganggetriebe für den Elektromotor. Interessant ist, dass es keine klassische Kupplung gibt, sondern die Synchronisierung der Motordrehzahl mit dem Getriebe durch einen der Elektromotoren erfolgt, der die Drehzahl exakt trifft, sodass keine Kupplung nötig ist.

Während der Hybrid mithilfe des Elektromotors vor allem bei Stadtgeschwindigkeiten schnell losschießt und dabei ruhig auch mal mit dem Vorderrad durchdreht, machen ihm außerhalb der Stadt die Fähigkeiten des Saugmotors etwas zu schaffen, vor allem aber die langen Übersetzungen des Vierganggetriebes, das etwas zögerlich wirkt und unter Volllast schnell die Puste ausgeht (weil die Batterie an Energie verliert). Vor allem, wenn Sie auf langen Autobahnsteigungen das Autobahntempo halten wollen. Am Berg wird die Batterie leer sein, aber bergab lädt sich das Auto wieder auf, sodass der Juke auf den Geraden danach völlig mühelos dahinschießen kann. Auf der Autobahn verliert sich der Juke nicht, doch sein eigentliches Revier liegt vor allem abseits davon.

Und das vor allem in der Stadt. Diesen „Tritt“ vom Elektromotor beim ersten Durchtreten des Gaspedals erwarten Sie von einem Auto dieser Klasse wirklich nicht. Mir hat gefallen, wie schnell der Juke aus der Kreuzung herausschießt. Diese ersten paar Sekunden der Beschleunigung sind absolut großartig. Es war nie ein Problem, schnell einzuscheren oder zügig eine Kreuzung zu überqueren. Während Autos mit klassischem Automatikgetriebe darauf warten, dass der Turbo den Ansaugtrakt unter Druck setzt und das Getriebe dann den richtigen Gang findet, entfällt hier all das. Das Gefühl eines Elektroautos wird durch die etwas schwächere Geräuschdämmung des Verbrennungsmotors leicht getrübt. Nach ein paar Minuten völlig geräuschloser Fahrt macht sich ein leichtes Brummen des Motors bemerkbar, der durch die Stromerzeugung und den Antrieb belastet wird. In der Stadt steht die völlig geräuschlose Fahrt so im Kontrast zu einer langsamen Fahrt mit brummendem Motor.

Die letzte Schwäche des Juke fürs Fahren in der Stadt ist die relativ straffe Federung. Selbst auf Winterrädern mit vernünftiger Seitenwandhöhe der 17-Zoll-Reifen ist es in der Stadt vielleicht schon etwas zu hart. Ich kann es mir bei den aufpreispflichtigen 19-Zoll-Rädern kaum vorstellen. Wie so oft wird die Steifigkeit des Fahrwerks bei zügigerer Fahrt zum Vorteil, wenn das Fahrwerk geschmeidig wird. Nach dem kürzlich getesteten Cupra Leon ist das ein weiteres Auto, bei dem die Fahrwerkssteifigkeit für mich nicht so recht zu einem Motor passt, der vor allem in der Stadt zu Hause ist und dessen Vorteil des niedrigen Verbrauchs sich vor allem bei zurückhaltender Fahrweise zeigt. Im Vergleich zum kleinen Clio mit demselben Antrieb liegt der Verbrauchsanstieg bei etwa einem halben Liter in jedem Fahrmodus. In der Stadt fährt man mit etwa 5 Litern, auf der Autobahn haben wir 6,5 gemessen. Die Endabrechnung lag nach etwa sechshundert km bei genau 6 Litern.

Optisch ist der Juke wirklich gelungen. Von außen wirkt er klein, doch innen überrascht er mit Geräumigkeit und einem umfangreichen Ausstattungsangebot. Auf Carplay, eine beheizte Frontscheibe, ein beheiztes Lenkrad oder beheizte Sitze müssen Sie nicht verzichten. Im Auto sitzt man sehr gut, und der Einstieg fällt leicht. Genau deshalb mögen die Menschen SUVs so sehr. Über den Hybrid würde ich wohl nicht wegen seiner Kraftstoffersparnis nachdenken, sondern wegen des Fahrgefühls. Dieses ist wirklich unkompliziert, die Reaktionen aufs Gaspedal sind unmittelbar, und der Antrieb verhält sich sehr geordnet und erwachsen. Rechnen Sie dazu noch die sehr gute Verarbeitung des Interieurs und das gelungene, originelle Design, und Sie haben ein gelungenes Auto.