Der Autohersteller Cupra wurde 2018 gegründet und ist bei den Verkaufszahlen ziemlich erfolgreich. Im vergangenen Jahr verkaufte die Marke über 150.000 Fahrzeuge. Ihr erstes eigenständiges Modell ist der Formentor, der mit dem VZ5-Motor beeindruckende 390 PS bietet, und nun kommt mit dem Tavascan ein Elektromodell auf den Markt, das sich neben den Born stellt. Die übrigen Modelle des Portfolios, Leon, Leon Sportstourer und Ateca, werden gleichzeitig auch im Portfolio von Seat angeboten, ihnen fehlt jedoch jener Hauch von Premium-Anspruch, den die Marke Cupra bieten möchte. Wie Sie bereits ahnen, geht es heute um den Cupra Leon, der zum Test mit dem schwächsten angebotenen Antrieb antrat und so zur Eintrittskarte in die Welt der Cupra-Modelle werden soll.

Vor uns steht ein Fahrzeug der Kompaktklasse, das sehr stark an den Seat Leon erinnert. Es handelt sich tatsächlich um einen Seat Leon, beziehungsweise um die konzerninterne Interpretation eines Kompaktwagens auf der Plattform MQB Evo – genau wie Octavia oder Golf. Ähnlich sind auch die angebotene Technik, die elektronische Ausstattung und die Verarbeitungsqualität. In diesem Fall „nistet“ sich unter der Haube der Motor 1.5 eTSI mit 110 kW ein, kombiniert mit einem Automatikgetriebe und Mild-Hybrid-Technik. Das Cupra-Logo auf der Motorhaube bedeutet vor allem, dass das Fahrzeug ein recht gelungenes optisches Facelift erhalten hat. An mehreren Stellen findet man das bronzefarbene Markenlogo, typisch für die Marke sind zudem Felgen in Bronze. Optisch unterscheidet sich der Cupra Leon abgesehen von den Felgen vor allem durch einen anderen Kühlergrill, andere Stoßfänger und kleinere Änderungen im Interieur.

In der abgedunkelten Garage begrüßt mich der Leon mit einer Animation der Rückleuchten, die zu einem durchgehenden Lichtband verbunden sind, und auch das auf den Boden projizierte Cupra-Logo fällt auf. Hübsch. Effektvoll. Ich setze mich hinein. Ich erkenne die bekannte Architektur der Konzernfahrzeuge, die die Entwickler von Cupra recht gut nachjustiert haben. Schön gestaltet ist die Grafik des Kombiinstruments und des Infotainmentsystems. Beides wird auf großen, hochwertigen Displays dargestellt. Die Sportsitze umschließen meinen Körper wunderbar, sind vielseitig verstellbar und passen mir hervorragend. Ich stelle mir das Lenkrad mit der schönen Mittelpartie und dem Herstellerlogo ein. Loben muss ich das Fehlen von Klavierlack-Applikationen, besonders in der Mittelkonsole. Etwas wenig premiumhaft wirkt der Getränkehalter ohne Begrenzung für kleine Dosen oder eine Abdeckmöglichkeit. Ansonsten ist die Mittelkonsole übersichtlich und designtechnisch aufgeräumt. Ich starte das uns nicht ganz unbekannte 1.5-TSI-Aggregat in Kombination mit dem als eTSI bezeichneten Automatikgetriebe. Das kleine „e“ steht beim Konzern für das Vorhandensein eines Mild-Hybrid-Antriebs. Das bedeutet, dass dem Verbrennungsmotor ein Startergenerator (9 kW/13 PS und 50 Nm) mit einer kleinen, unter dem Vordersitz versteckten Batterie assistiert. Einer der Vorteile dieser Platzierung ist, dass sie den Kofferraum in keiner Weise einschränkt.


Und noch ein kleiner Rückblick. Als ich zum ersten Mal den eTSI-Motor testete, war das 2020 im Golf. Corona war damals in vollem Gange, und dieser Antrieb hat mich vor allem durch seine Laufruhe und Sparsamkeit sehr für sich eingenommen. Auch beim nächsten Test, unter der Haube des Golf Variant, war ich von seiner Sparsamkeit begeistert. Im Leon zeigte der Bordcomputer bei der Übernahme 7,3 Liter für die letzten 2500 km an. Das ist also kein Wert zum Jubeln. Gleichzeitig weiß ich aber, dass dieser Antrieb vom Fahrer eine gewisse Anstrengung und vor allem ein großes Maß an Vorausschau verlangt. Der Motor läuft nämlich nur in dem Moment, in dem man beschleunigt. Sobald man das Gaspedal loslässt, verstummt der Motor, das Getriebe schaltet aus, und das Auto segelt. Berühre ich die Bremse, wird ein Gang eingelegt und der Motor beginnt zu rekuperieren. Lasse ich die Bremse los, schaltet das Getriebe aus und das Auto segelt weiter. Es ist sehr ungewöhnlich, wie oft das Auto segelt. Auf diese Weise hatten wir am Ende der Testwoche einen Verbrauch von 5,9 Litern, überwiegend bei Fahrten in der Stadt. Das ist nicht ganz schlecht. Aber es ist nichts für Choleriker. Wenn Sie einwenden, dass Sie sich beim Fahren nicht so sehr konzentrieren möchten, dann verstehe ich das – der Verbrauch wird sich dann eben anderswo bewegen.

Und jetzt geht es endlich los. Der Motor 1.5 TSI ist während der Fahrt sehr kultiviert und praktisch nicht zu hören. Dank der leichten Unterstützung durch den Elektromotor reagiert er schön auf das Gaspedal und hält die Drehzahl sehr niedrig. Solange Sie sich in der Stadt bewegen, werden Sie sich sicher über nichts beschweren – abgesehen von der oben erwähnten Notwendigkeit, beim Fahren mehr mitzudenken. Das Getriebe schaltet wunderbar geschmeidig, vom Motorstart bekommt man praktisch nichts mit. Das Auto segelt hervorragend, und es ist erstaunlich, wie viel Prozent der Zeit der Motor ausgeschaltet ist. Beim Heranrollen an eine Kreuzung und leichtem Bremsen störte mich etwas, wie das Getriebe herunterschaltet und gleichzeitig der Startergenerator bremst – und mit jedem niedrigeren Gang bremst er etwas stärker, sodass diese wechselnde Bremswirkung die Insassen leicht hin- und herwiegen lässt.

Aber es geht nicht immer nur ums Loben. Es ist nicht das erste Mal, dass mich bei der Kombination mit dem Automatikgetriebe stört, dass das Getriebe den Motor entweder bei niedriger Drehzahl abwürgt oder ihn nach kräftigerem Gasstoß in hohe Drehzahlen jagt. Dort hält es ihn dann hartnäckig bis in den höchsten Drehzahlbereich, wo der Motor bereits nachlässt und nicht besonders schön klingt. Das Warten auf den nächsten Gang erscheint dann endlos. Das Getriebe dazu zu bringen, den Motor im mittleren Bereich von 3 bis 4 tausend Umdrehungen zu halten, scheint unmöglich. Dabei läuft der Motor genau dort so schön. Ich würde sogar sagen, dass dieser mittlere Bereich die beste Seite dieses Motors zeigt. Er klingt schön und zieht schön durch. Die einzige Möglichkeit, den Motor in diesem Drehzahlbereich zu halten, ist die manuelle Bedienung über die Schaltwippen am Lenkrad. Etwas einfacher geht es mit der Wahl des S-Modus am Getriebewähler entgegen. Das Getriebe hält den Motor dann knapp über 2 tausend Umdrehungen, und der Motor lebt ordentlich auf. Der Leon bietet auch verschiedene Fahrmodi, doch da dieses Modell nicht mit den adaptiven DCC-Dämpfern ausgestattet war, geht es dabei vor allem um eine straffere Lenkung und eben den Sportmodus des Getriebes. Und statt sich durchs Menü zu klicken, ist es einfacher, auch aus dem Comfort-Modus einfach kurz am Getriebewähler zu tippen.

Und wie steht es beim Leon um die Fahreigenschaften? Die Marke Cupra ist vor allem stolz auf ihre sportlichen Ambitionen, und der Leon soll das Eingangstor in diese Welt sein. Nun, hier habe ich etwas gemischte Gefühle. Technisch ist das Auto völlig identisch mit dem Modell, auf dem es basiert, einschließlich der einfachen Hinterachse. Und auf 18-Zoll-Rädern ist der Leon etwas straffer. Mit Querfugen und anderen kurzen Unebenheiten kommt er nicht besonders gut zurecht. In meinen Augen steht diese Fahrwerkssteifigkeit in zu starkem Kontrast zu dem Basismotor, der ein regelrechtes Lämmchen ist. So leise, so ruhig, so geschmeidig und so unauffällig. Ideal für eine komfortable Fahrt. Aber fürs Sportliche ist das nicht gemacht. Die 110 kW sind ein schöner Wert, auf der Geraden beschleunigt das Auto wunderbar, dank der hervorragenden Aerodynamik merkt man es kaum und fährt trotzdem richtig schnell, dank der langen Übersetzungen schafft man alles im zweiten oder dritten Gang. Und bei höheren Geschwindigkeiten beginnt das Fahrwerk gut zu funktionieren, in der Stadt ist es dagegen etwas schwächer. Ich würde auf jeden Fall den Aufpreis für die DCC-Dämpfer in Erwägung ziehen, die das Auto schön von sportlich auf komfortabel umschalten können.

Wenn man den Leon sonntagmorgens in die Berge mitnimmt, kommen die 110 kW dort nicht mehr so gut zur Geltung. Eine deutliche Einschränkung sind die längeren Gangübersetzungen und die Schaltverzögerungen des Doppelkupplungsgetriebes DSG beim Schalten über die Wippen. Andererseits haben die Reifen sehr viel Grip, und das Auto lässt sich beim Herausbeschleunigen aus Kurven auch etwas mit dem Gas steuern. Die Bremsen reagieren wunderbar, es gibt keinen spürbaren Übergang zwischen Rekuperation und der Bremswirkung auf die Räder, sodass ihre Dosierung feinfühlig ist. Die Lenkung hat eine angenehme Übersetzung, und man muss am Lenkrad nicht bei jeder Haarnadelkurve nachfassen.

Inklusive einiger Ausflüge in die Berge lag der Endverbrauch bei 6,6 Litern auf hundert Kilometer, gerechnet über die 500 km, die wir mit dem Auto zurückgelegt haben. Das ist kein wirklich sagenhafter Verbrauchswert – 1.5-TSI-Motoren können auch ohne Mild-Hybrid-Unterstützung sehr sparsam sein. Und was bleibt am Ende zu sagen? Sollten Sie ihn wollen? Ja, sofern Ihnen das Premium-Erscheinungsbild wichtig ist und Sie eher ein Auto für den normalen Alltag suchen als für wildere Fahrmanöver. Schade um das Fehlen der DCC-Dämpfer, mit denen sich das Auto in der Stadt in ein komfortableres Fahrzeug verwandeln könnte.