Nissan X-Trail – für eine Million mit einzigartigem Hybrid, das ist ein Angebot, das man nicht ablehnt

Nissan X-Trail – für eine Million mit einzigartigem Hybrid, das ist ein Angebot, das man nicht ablehnt

Jan Nemrava, 25. Juli 2023

Der Nissan X-Trail der vierten Generation punktet mit relativ konservativen Formen, hochwertigen Materialien, vor allem aber mit dem Hybridsystem e-Power mit seinem einzigartigen Verbrennungsmotor. Die Antriebstechnologie kombiniert das unmittelbare Ansprechverhalten und die Laufruhe eines Elektroautos mit der Reichweite eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Unter dem Gaspedal haben Sie die gleiche komfortable Bedienung wie bei Elektroautos, müssen sich aber keine Sorgen um ausreichend Energie machen. Den e-Power-Antrieb haben wir bereits im Herbst im Qashqai getestet, schauen wir uns also an, wie er sich in einem eine Klasse größeren Fahrzeug schlägt. Zum Test steht uns die niedrigste Ausstattungslinie N-Connecta zur Verfügung, die man gewöhnlich ab 1,1 Millionen bekommt, jetzt aber in der Ausstattung Powerline noch einmal um 100 Tausend Kronen günstiger. Und das ist für ein solches Auto mit derart teurer Technik unter der Haube ein sehr guter Preis.

Der X-Trail wirkt auf den ersten Blick massiv. Der große Kühlergrill und die horizontal geteilten Scheinwerfer unterstreichen diese Wuchtigkeit noch. Der X-Trail hebt sich aus der aktuellen Produktion des japanischen Herstellers nicht nur durch seine Abmessungen ab, sondern auch durch relativ konservative Formen. Im Vergleich zum wilden Juke, Qashqai oder Micra ist gerade diese Teilung der Hauptscheinwerfer der größte Ausreißer. Ansonsten ist der X-Trail von der Seite und von hinten eigentlich sehr konservativ. Hinten gibt es nicht einmal eine besonders ausgefeilte Lichttechnik. Auch keine scharfen Kurven und Kanten wie beim Qashqai. Das Fahrzeug in der niedrigsten Ausstattungslinie kommt mit den Tücken der Straße auf Reifen der Größe 235/60R18 völlig problemlos zurecht, und ich denke, dass die Optik dadurch auch nicht grundlegend gelitten hat. Innen ist das Fahrzeug leise, und dank des Aufpreises für das Panorama-Schiebedach ist es innen hell und luftig. Das Dach lässt sich auch öffnen, verfügt aber ebenso über ein Rollo, sodass man es an einem heißen Tag abdunkeln kann, was sehr praktisch ist. 

Die Ähnlichkeit zum Qashqai im Innenraum ist dagegen kein reiner Zufall. Das Erste, was mir nach dem Öffnen der Tür auffällt, sind die Materialien an den Türen. Die Kombination aus dem ungewöhnlichen dunkelbraunen oberen Türbereich, der farblich zum oberen Teil des Armaturenbretts passt, und dem Stoff wirkt sehr elegant, und das sogar in dieser niedrigsten Ausstattungslinie. Die Form des Armaturenbretts und des Lenkrads unterscheidet sich praktisch nicht vom Qashqai. Und das ist gut so. Der hervorragend platzierte Infotainment-Bildschirm, darunter die separate Klimabedienung, die schön und funktional ist. Ein angenehmes Lenkrad, an dem mich die hohe Verarbeitungsqualität des Herstellerlogos fasziniert hat. Die Mittelkonsole wirkt dank des kleinen Wählhebels aufgeräumt, aber die Getränkehalter hätten etwas mehr Sorgfalt verdient. Sie verfügen über keinerlei Fixierung oder Arretierung für eine kleinere Dose, was in dieser Kategorie nicht erfreut. Vielleicht wäre auch ein Rollo schön gewesen, das diese Halter für jene abdecken könnte, die es im Auto gerne ordentlich haben. Ansonsten gibt es genügend Ablagemöglichkeiten, und natürlich auch genügend Platz. Die Sitze sind bequem, aber angesichts der Kategorie, in der wir uns befinden, vermisst man sowohl die Sitzbelüftung als auch eine verlängerbare Sitzfläche.

Eine starke Karte spielt der X-Trail in der zweiten Reihe aus. Die Türen öffnen sich in einem Winkel, wie ich ihn anderswo noch nicht gesehen habe, was das Einsteigen und den Umgang mit Kindersitzen sehr erleichtert. Ein weiterer Trumpf sind die verschiebbaren Rücksitze und natürlich ein geradezu überreichliches Platzangebot für die Beine der Passagiere, das sich durch die erwähnte Verschiebung selbstverständlich verringern lässt, um deutlich mehr Gepäckraum zu gewinnen. Dieser beträgt in der Standardkonfiguration 575 Liter. Wie viel es bei maximal nach vorne geschobenen Sitzen ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, aber der Kofferraum verlängert sich um beachtliche 22 Zentimeter. Auf jeden Fall ist dieser Grundwert im Vergleich zum größten Konkurrenten, das wird natürlich der Škoda Kodiaq sein, nicht gerade der größte. Der Kodiaq bietet deutlich höhere 835 Liter, wenn Sie also solche Volumina benötigen, ist das sicherlich eine Schwachstelle des X-Trail. Das liegt am e-Power-Antrieb, der für seine Funktion deutlich mehr Komponenten benötigt, die sich gerade im hinteren Teil des Fahrzeugs verbergen, wo der Kodiaq diese zusätzlichen Liter bieten kann.

Was das Antriebsaggregat betrifft, ist es ein weiteres Ass im Ärmel. Den hervorragend funktionierenden seriellen Hybrid können Sie in zwei Konfigurationen bekommen. Mit 150 kW und nur Frontantrieb oder mit 157 kW und Allradantrieb. Auf hundert beschleunigt der X-Trail in 8 bzw. 7 Sekunden mit dem stärkeren Allradmodell. Bei einem kombinierten WLTP-Verbrauch von 5.8-6.2 l/100km bzw. 6.4-6.7 l/100km für die Allradversion. Schöne Werte für ein 1.8-Tonnen-Auto, finden Sie nicht? Ich verrate Ihnen, dass das keine unrealistischen Verbrauchswerte sind! Es ist kein Problem, außerorts unter 6 Liter zu kommen, auf der Autobahn genehmigt sich der X-Trail 8 Liter. Dort verliert der serielle Hybrid etwas von seinen Vorteilen. Trotzdem lag der Gesamtverbrauch während der Leihdauer knapp über 6 Litern. In der Stadt zeigen sich dagegen die Vorteile dieser Anordnung am deutlichsten, denn dort ist der X-Trail wirklich sparsam, und Sie werden dort ohne Weiteres eine Zahl sehen, die mit einer 5 beginnt. Aber als größten Vorteil des Hybrids bewerte ich nach wie vor die Benutzerfreundlichkeit - das Fehlen eines Getriebes bedeutet, dass nach dem Durchtreten des Gaspedals auf nichts gewartet wird und der X-Trail unabhängig von der Situation sofort lossprintet. Die Energie der 1.73 kWh großen (kleinen) Batterie wird von einem Benzin-Dreizylinder mit Turbolader und einer einzigartigen technischen Lösung ergänzt, die es ermöglicht, die Verdichtung des Brennraums zu verändern. In der Praxis merkt man vom Motor aber praktisch nichts. Nur wenn der Elektromotor ihn bei der Stromerzeugung stark belastet, ertönt unter der Haube ein sympathisches Brummen. Das ist der größte Vorteil gegenüber dem Hybrid von Toyota, dessen Saugmotor auf hohe Drehzahlen getrieben werden muss. Kurzum, das gesamte System von Nissan ist hervorragend abgestimmt und funktioniert erstklassig.

Fahrerisch überrascht der X-Trail nicht. Er ist genau so, wie man es von einem großen SUV erwartet. Innen ist er sehr leise, auf Gasbefehle reagiert er spritzig, und die 330 Nm lassen das Fahrzeug in jeder Situation wirklich beeindruckend beschleunigen. Die höheren Reifenflanken dämpfen Unebenheiten gut, gleichzeitig ist der X-Trail stabil. Man sieht aus dem Auto gut heraus, und das Kamerasystem hilft beim Einparken. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich beim sehr aktiven Spurhalteassistenten, der nicht nur in die Lenkung eingreift, sondern (das habe ich anderswo noch nicht gesehen) auch das Gas wegnimmt. Ähnlich wie beim Qashqai habe ich auch einen kleinen Kritikpunkt bei der Geschmeidigkeit des Tempomaten bei Eingriffen des Fahrers - etwa wenn Sie 130 km/h fahren und kurz beschleunigen möchten und dann einfach das Gas loslassen und das Auto bei 130 km/h weiterfahren lassen wollen. Bei diesen Übergängen zuckt der X-Trail etwas. Aber das ist eine ziemliche Kleinigkeit bei einem ansonsten wunderbar abgestimmten Auto. 

Für eine Million Kronen in  der Aktionsausstattung Powerline ist das ein hervorragender Preis für so teure Technik unter der Haube. Batterie, Elektromotor, ein hochentwickelter Turbomotor mit Direkteinspritzung - all das sind teure Komponenten. Wenn wir den X-Trail mit dem Kodiaq vergleichen, bekommen Sie diesen für eine Million mit dem 1.5 TSI und DSG, und das ist eine Motorisierung, die sich mit e-Power nicht vergleichen lässt. Viele Leute werden nach einem Dieselmotor Ausschau halten, den bietet der Hersteller beim X-Trail nicht an. Der relevante Vergleich mit der Diesel-Version des Kodiaq ist jedoch bei der Version e-Power e4orce mit Allradantrieb möglich. Auch dafür müssen Sie beim Kodiaq mit 100 Tausend mehr rechnen. 

90%
BEWERTUNG

Stärken

  • vielseitiges Auto
  • Anordnung des Interieurs
  • verschiebbare Rücksitze
  • sparsamer Hybridantrieb
  • schnelles Ansprechverhalten des Gaspedals

Schwächen

  • nicht mit Dieselmotor erhältlich
  • geringeres Kofferraumvolumen

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