Kompakter Hatchback mit 467 Litern Kofferraumvolumen. So etwas beherrscht nur der Autohersteller Škoda. Die Scala ist seit 2019 bei uns und bekam in diesem Frühjahr ein kleines Facelift. Wie üblich gab es ein paar kleine Design-Änderungen, einige Komfortmerkmale kamen hinzu, aber vor allem verbergen sich unter der Haube die neuen Generationen des Dreizylinder-1.0-TSI und des Vierzylinder-1.5-TSI, der zentralen Antriebseinheiten des gesamten Konzerns. Wir haben zum Ein-Liter-Motor gegriffen, da er wohl die häufigste Wahl der Kunden sein wird.

Die Scala bin ich schon ein paar Mal gefahren, und an ihren Qualitäten zweifle ich nicht. Sie gehört zu der Fahrzeugkategorie, die ich am liebsten mag - der kompakte Hatchback. Ein ideales Verhältnis von Länge, Nutzwert, Fahreigenschaften, Komfort und Betriebskosten. Von allem genau richtig viel. Nur mögen viele Leute diesen Dreizylinder nicht. Über sie liest man in den Kommentaren oft, sie seien höchstens für den Rasenmäher geeignet. Und das ist Unsinn. Jeder weiß doch, dass der Rasenmäher elektrisch sein sollte. Und unsere Erfahrungen mit diesem Motor sind ganz anders. Außerdem bringt das Downsizing auch eine Reihe von Vorteilen. Mit kleinen Motoren sind die Autos leicht, der Motor erwärmt sich schnell, heizt schnell im Innenraum. Die Kraft im mittleren Drehzahlbereich ist völlig ausreichend, und wenn man will, verbrauchen sie auch wenig. Das sind nämlich genau die Parameter, auf die es den Käufern solcher Autos ankommt. Wir hatten schon viele Tests mit Ein-Liter-Motoren, vom Saugmotor 1.0 MPI in der Fabia, über die schwächere Version mit 1.0 TSI 70 kW mit Handschaltung, ebenfalls in der Fabia. Die erste Ausfahrt mit dem 1.0 TSI war vor vier Jahren im Octavia, den Ein-Liter hatten wir auch im Ford Focus oder im Hyundai Bayon. Ob es einem gefällt oder nicht, es handelt sich um Mainstream-Motoren. Für diejenigen, denen das nicht gefällt, hat jeder Hersteller einen stärkeren Motor im Angebot, meist einen Vierzylinder. Beim Focus zum Beispiel nicht mehr, aber bei der Fabia schon.

Schon die erste Generation des Dreizylinder-Motors 1.0 TSI war technisch auf der Höhe. Er hatte variable Steuerzeiten für Ein- und Auslassventile, einen Einspritzdruck von bis zu 350 bar, den Miller-Verbrennungszyklus mit höherer Verdichtung und einen Turbolader mit variabler Turbinengeometrie (VTG). In der Evo2-Version gibt es einen neuen Turbolader, der eine höhere Abgastemperatur und eine Leistungssteigerung in einem breiteren Drehzahlbereich ermöglicht. Der 1,0-TSI-Motor leistet in der 85-kW-Variante (115 PS) 4 kW (6 PS) mehr als der vorherige Motor und steht bereits 500 U/min früher zur Verfügung, wobei der Bereich der Höchstleistung breiter ist. Der Drehzahlbereich für das maximale Drehmoment von 200 Nm wurde im oberen Drehzahlbereich um weitere 500 U/min erweitert.

Das klingt alles hervorragend. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Wir haben die 85-kW-Variante mit dem manuellen Sechsganggetriebe getestet, im Angebot ist auch die Version mit DSG-Automatik. Der erste Start. Das Auto zittert während der kurzen Aufwärmphase leicht, aber nach kurzer Zeit schnurrt der Dreizylinder bereits vor sich hin und macht sich nicht mehr bemerkbar. Bis zum Anfahren. Denn dieser Motor hat die Charakteristik der geliebten TDI-PD-Motoren. So ein Nichts-brutaler-Schub-Nichts. Und damit gibt es beim Anfahren ein kleines Problem. Von Leerlaufdrehzahl bis etwa 2.000 U/min ist mit diesem Motor wenig anzufangen. Er hat wenig Lust, aber man kommt trotzdem in Fahrt. Das vermittelt dem Fahrer allerdings das Gefühl, etwas kräftiger aufs Gas treten zu müssen, damit es vorangeht. In diesem Moment überquert die Drehzahlmessernadel die Zweitausendermarke, und der Dreizylinder wird wild. Es schiebt sich fast 200 Nm hinein (obwohl das Drehmomentmaximum erst bei 3000-3500 U/min liegt), und bevor man den Fuß vom Gas nehmen kann, schießt das Auto nach vorn. Es wirkt ein bisschen wie eine ruckartige Fahrt. Dazu rät der Schaltassistent genau so, dass er einen bei jedem Gangwechsel um dieses Erlebnis nicht bringt. Und man muss sich zusätzlich an eine kleine Verzögerung der Gasannahme gewöhnen (kein Turboloch).


So, den Motor haben wir hinter uns, wie steht es um den Rest des Autos? Tadellos! Die Scala erfüllt in dieser Hinsicht alles, was ich von ihr erwartet habe. Man sitzt angenehm darin, das überarbeitete Klimapanel ermöglicht nun die komplette Bedienung über Tasten, die vorherige Infotainment-Generation arbeitet flott. Platz gibt es überall reichlich, darin ist die Škoda einfach unerreicht. Im Kofferraum sind unglaubliche 467 Liter, auch wenn in unserer Ausstattung ziemlich viel davon von diversen Simply-Clever-Extras „belegt“ wurde, auf die ich zugunsten des Kofferraumvolumens wohl verzichten würde. Auch auf der Rückbank ist vor den Knien reichlich Platz. Wir sprechen hier immerhin von einem Hatchback mit 4362 mm Länge, damit das klar ist. Die Scala bietet neu eine ganze Ladung an Ausstattung. Am meisten überrascht und erfreut haben mich die LED-Matrix-Scheinwerfer, das riesige Glasdach mit elektrischem Rollo (das nicht einmal der Enyaq hat) oder das virtuelle Pedal zum elektrischen Öffnen der Heckklappe. Das sind Komfortmerkmale, die ich von einem Facelift nicht erwartet hätte. Die schönen Sitze und die hervorragende Ergonomie sind da nur noch das i-Tüpfelchen.

Fahrmäßig ist es eine typische, moderne Škoda. Genau nach meinem Geschmack abgestimmt, und den Fahrkomfort kann man über die Raddimension feintunen. Auf 17-Zoll-Felgen war das Auto gerade richtig, ein klein wenig straffer, aber nicht hart, ich würde wohl trotzdem bei den 16-Zoll-Rädern bleiben. Der Vorteil dieses schönen Kompromisses bei der Steifigkeit ist, dass man sie in Kurven treiben kann, während sie einem in der Stadt nicht die Seele durchschüttelt und das Kind ruhig weiterschlafen kann. Genau das erwarte ich von einem Auto. Optisch ist es Geschmackssache, mir gefällt die Schlichtheit, ein hübsches Detail ist die Heckklappe mit dem verlängerten Glas. Im Heck verbarg sich außerdem eine elektrisch klappbare Anhängerkupplung.


Was zum Abschluss? Aus meiner Sicht ist das ein hervorragendes Auto, über die Jahre bewährt, jetzt zur Perfektion geschliffen. Mit seinem Platzangebot, den Fahreigenschaften und der Lenkung wird es Ihnen Freude bereiten. Probieren Sie aber unbedingt den Ein-Liter-Motor aus, ob er Ihre Tasse Tee ist, denn es wäre schade, sich ein so großartiges Auto durch einen Motor zu verderben, der einem nicht zusagt.