Hyundai Bayon – wenn er Ihnen gefällt, gibt es nichts zu überlegen

Jan Nemrava, 1. August 2022

Wie wird sich der Nachfolger des sehr beliebten ix20 im hart umkämpften Segment der kleinen SUV schlagen? Der ix20 gewann die Herzen vieler Käufer mit seinem Preis, seinem Raumangebot und vielleicht auch seinem einfachen Design. Der Bayon knüpft nur über die Klassenzugehörigkeit an ihn an, ansonsten blieb kein Stein auf dem anderen. Sehen wir uns an, wie sich dieser extravagant gezeichnete Crossover in diesem umkämpften Segment behauptet. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass er ein ebenbürtiger Gegner für die Besten ist. 

Mit seinen 4180 mm Länge passt er genau in die Klasse kleiner SUV wie Captur, 2008, Arona, Kamiq, Yaris Cross oder Ford Puma. Fast jeder Hersteller hat hier ein Eisen im Feuer, und die Konkurrenz ist ebenso groß wie die Ansprüche der Käufer. In dieser dicht besetzten Klasse kann der Bayon einen guten Einstiegspreis, viel Platz, ein erwachsenes Fahrgefühl und eine Menge verfügbarer Extras bieten, darunter eine wirklich hochwertige Audioanlage. Der Hersteller spricht von einem kompakten SUV, tatsächlich ist es eher ein leicht höhergelegter Hatchback auf Basis des i20. Die Ähnlichkeit zeigt sich vor allem im Innenraum und in der technischen Basis, doch der Bayon unterscheidet sich im Erscheinungsbild und beim Fahrkomfort deutlich. Nach den ersten Kilometern am Steuer kam mir der Vergleich mit Peugeot 208 und 2008 in den Sinn, dort ist es allerdings genau umgekehrt. Während der 208 großartig ist, ist der 2008 meiner Meinung nach das schlechtere Auto. Bei Hyundai ist es jedoch andersherum: Während mich der i20 nicht besonders begeistert hat, hört man über den Bayon weitgehend nur Lob. 

Der schwierigste Teil des Tests wird die Beschreibung des Designs sein. Hyundai versteht es, mit sehr ungewöhnlichen Formen und originellen Sicken aufzuwarten, die den einfachen Formen der Konkurrenz meilenweit entfernt sind. Das gilt nicht nur für den Bayon, sondern etwa auch für den Tucson. Das Problem ist bisweilen, dass solche Formen schnell gewöhnlich werden oder die Zielgruppe nicht ganz treffen. Die des ix20 ist zweifellos eher konservativ. Deshalb werde ich das Design nicht bewerten, aber kennen Sie ein noch wilder gezeichnetes kleines SUV? Von vorn erinnert er ein wenig an ein Elektroauto, das Heck ist mit negativ geneigten Sicken völlig eigenständig gestaltet. Designurteile sind ganz subjektiv und werden hier wohl stark zwischen Gefallen und Nichtgefallen auseinandergehen. Innen hat der Bayon jedoch objektiv viel zu bieten. Sofort fallen die sehr bequemen Sitze, das hochwertig wirkende Armaturenbrett, viel Längsraum und der 411 Liter große Kofferraum auf. Hervorzuheben ist, dass es in dieser Klasse oft ein Kompromiss zwischen Knieraum hinten und Gepäckraum ist. Im Bayon gibt es von beidem genug, obwohl unter dem Kofferraumboden noch eine Batterie verborgen ist. Das Armaturenbrett bietet zwei große Displays, ein separates Klimabedienfeld, zahlreiche physische Tasten und eine ganze Reihe von Komfortelementen.

Per Taste wecken wir den Dreizylindermotor, legen mit dem Schalthebel der Automatik, der am ehesten an einen Spazierstock erinnert, D ein und fahren los. Die DCT-Doppelkupplung schließt die Kupplungen ohne großes Schleifen, und dank der Hilfe des Elektromotors quält sich der Verbrenner nicht lange bei niedrigen Drehzahlen wie im Fabii, sondern beschleunigt willig. Höhere Gänge legt die Automatik recht früh ein, doch dank der Laufkultur stören weder Geräusche noch Vibrationen, und auf den ersten Kilometern kann ich kaum glauben, in einem kleinen SUV zu sitzen. Unebenheiten werden für diese Klasse hervorragend gedämmt und herausgefiltert, was dem Bayon weitere Pluspunkte beschert. Aus früheren Tests von i30 und Tucson wissen wir bereits, dass die Fahrwerke von Hyundai auf Unebenheiten leise und gut abgestimmt sind, und der Bayon bestätigt das. Bisher also alles eitel Sonnenschein. Über die Lautsprecher des optionalen Bose-Systems spielt Musik in überdurchschnittlicher Qualität. 

In der Stadt verbraucht der Bayon rund 7 Liter, doch sobald wir außerhalb geschlossener Ortschaften unterwegs sind, beginnen die Verbrauchswerte problemlos mit einer 4. Auch auf der Autobahn überrascht er: Dort verlangt der Bayon rund 6 Liter, der Motor dreht etwa 3 tausend Umdrehungen, und ich staune über die Ruhe im Innenraum. Bei 130 km/h dominiert kein Geräusch, im Inneren ist nur ein angenehmes Rauschen zu hören. Mit dem Bayon fuhr ich an einem Tag fast 400 km und er überraschte mich immer wieder mit dem Komfort und der Selbstverständlichkeit, mit der er seinen Alltagseinsatz erledigte. Damit komme ich zu einer Besonderheit von Hyundai-Fahrzeugen. Ihr Design hat mich nie besonders verzaubert, und auch nach dem Einsteigen verspüre ich nicht das Bedürfnis, über Verarbeitung oder Materialqualität zu jubeln. Diese unmittelbare Begeisterung wie bei Peugeot fehlt. Entsprechend sind die ersten Eindrücke etwas neutral. Doch je mehr Zeit ich im Auto verbringe, desto mehr komme ich auf ihren Geschmack. So war es auch beim Bayon. Dieses Auto ist einfach sympathisch, ein idealer Begleiter für den Alltag.

Sie kommen mit dem Schlüssel in der Tasche, fassen den Türgriff an, und sofort wird entriegelt; Sie steigen ein, und der Motor startet gleich. Kein Warten, keine Verzögerung, kein Laden des Infotainments. Der Motor springt lautlos an, und los geht's. Das Getriebe schaltet hervorragend und bewältigt im Unterschied zu den trockenen DSG-Kupplungen des VW-Konzerns sanftes Rückwärtsfahren bergauf ebenso gut wie wilde Ampelstarts. Bei mittlerem Gas beschleunigt es schön und schaltet im Bereich des idealen Drehmomentverlaufs sanft. Kaum zu glauben, dass dies ein Einliter-Motor ist. Beim Kickdown überrascht dagegen, wie das Getriebe den Motor bis zu sechs tausend Umdrehungen drehen lässt, obwohl er immer weniger zu bieten hat und die Beschleunigung nachlässt, bis er wieder in den Drehzahlbereich fällt, in dem der Elektromotor noch hilft. Diese hohen Drehzahlen bei einem Turbomotor mit Mildhybrid sind einfach unnötig. 

Im Standardmodus Eco arbeitet das Getriebe mit dem Mildhybridantrieb ähnlich wie eTSI od VW. Beim Gaswegnehmen kuppelt es aus, der Motor verstummt und der Bayon segelt lautlos. Ein kurzer Tritt aufs Bremspedal genügt, und das Auto rekuperiert. Das verlangt vom Fahrer etwas mehr Voraussicht und ein Gefühl für die Rekuperationsarbeit. Es ist nicht für jeden: Um das Potenzial voll auszunutzen, braucht es einen ruhigen Fahrer, dem es nicht schwerfällt, sich stärker auf die Fahrt zu konzentrieren, weit vorauszuschauen und den Bayon über lange hunderte Meter bis zur nächsten Kreuzung segeln zu lassen. Es gibt aber Momente, in denen man den Ablauf nicht einschätzt oder seine Logik vergisst, und der Bayon beginnt unerwartet zu bremsen. Wie beim Puma setzt die Rekuperation erst nach einem kurzen Moment ein, weshalb sich das Verzögern etwas schaukelnd anfühlt. Diese leicht unvorhersehbare Energierückgewinnung ist damit der einzige Schönheitsfehler dieses Autos. Das ist aber nicht einmal wirklich ein Fehler des Autos: Es muss mal segeln und mal rekuperieren, und diese Entscheidung muss das Auto treffen, was nicht immer einfach ist. Manchmal liegt es eben daneben. Ich glaube, der größere Vorteil gegenüber der Kraftstoffersparnis, auch wenn der Bayon sparsam ist, sind die unmittelbare Gasannahme und die Unterstützung des Elektromotors. Wie der Bayon zwischen 2 und 4 tausend Umdrehungen beschleunigt, ist für einen Einliter-Motor wirklich beeindruckend.

Der Hyundai Bayon hat sehr angenehm überrascht. Bei der Fahrqualität liegt er meiner Meinung nach auf dem Niveau des Kamiq, bietet jedoch ein moderneres Automatikgetriebe und Mildhybridantrieb. Die Ausstattung enthält alles, was man erwartet, dazu erfreuen die hervorragend spielende optionale Audioanlage, sehr bequeme Sitze und der Fahrkomfort. Auch in günstigeren Ausstattungen erhalten Sie eine ausgezeichnete Basis für ein komfortables und leises Auto. Wenn Ihnen das Design des Bayon gefällt, gibt es also nichts zu überlegen.

98%
BEWERTUNG

Stärken

  • unkonventionelles Design
  • Geräumigkeit des Innenraums
  • Fahrkomfort
  • gut funktionierende Elektronik

Schwächen

  • unvorhersehbares Verhalten bei der Rekuperation
  • allzu kontroverses Design

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