Wenn Sie zur besseren Gesellschaft gehören möchten, die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge von Toyota und das meisterhafte japanische Design Sie beeindrucken, hat Lexus einige Modelle für Sie parat. Eines der beliebtesten ist das Modell NX, das im vergangenen Jahr in der zweiten Generation auf den Markt kam. Es bietet zahlreiche Verbesserungen: Unter der Haube unterstützt ein stärkerer Elektromotor den Verbrennungsmotor, der Verbrauch wurde optimiert, das Infotainment ist neu und die Ausstattungsmerkmale wurden erweitert. Schauen wir es uns also genauer an.

Obwohl der Lexus NX im SUV-Angebot der Marke Lexus die mittlere Position einnimmt (zwischen UX und RX), entspricht seine Außenlänge fast exakt der des größten heimischen Škoda-Modells, dem Kodiaq. Das nur zum Größenvergleich. Aber an den Kodiaq kommen wir noch heran. Nun zurück zum NX. Der typische, riesige Kühlergrill nimmt einen Großteil der Front ein und kontrastiert mit den schmalen Tagfahrleuchten. Das verleiht dem Lexus ein völlig unverwechselbares Gesicht, dessen Bewertung allerdings recht subjektiv ist. Von der Seite fallen uns die großen 20-Zoll-Räder und die dynamisch wirkende Silhouette auf. Von hinten überzeugt die Gestaltung der Rückleuchten sowie die subtile Wirkung des Fahrzeugs. Innen erwartet Sie ein ziemlich intensives Erlebnis. Die wunderschönen, in hellem Leder ausgeführten Sitze werden durch einen Dachhimmel in derselben Farbe ergänzt. Nicht zu übersehen ist der riesige 12-Zoll-Bildschirm mit der neuen Infotainment-Generation. Diesen haben wir erstmals im winzigen Toyota Aygo X gesehen, aber hier ist das eine ganz andere Liga. Zum Beispiel habe ich das auf Here-Karten basierende Navigationssystem gerne genutzt, und es hat mit aktuellen Informationen mein Vertrauen gewonnen. Von der Mittelkonsole ist die Touchpad-Steuerung verschwunden, sodass wir dort den Wählhebel, Getränkehalter und eine großzügige Armlehne finden.


Für Wohlbefinden an Bord dieses teuersten Exemplars sorgt zudem das Premium-Audiosystem Mark Levinson mit 17 Lautsprechern sowie eine Palette der besten Assistenzsysteme und Ausstattungsmerkmale, die man heute in Fahrzeugen finden kann - ein hervorragendes Head-up-Display, adaptiver Tempomat, belüftete Sitze oder Sprachsteuerung. Bei den letzten beiden bleiben wir kurz stehen. Die Sitze bieten weder eine Massagefunktion noch eine ausziehbare Sitzfläche. Wenn wir schon bei einem Auto für 1,9 Millionen sind, denke ich, dürfen wir uns ruhig einiges wünschen und relativ kritisch sein. Was die Sprachsteuerung betrifft, funktioniert sie insgesamt gut, nur die Selbstsicherheit der Dame im Armaturenbrett hat mich oft zum Lachen gebracht. Nachdem ich per Sprachbefehl eine Adresse eingegeben hatte, ertönte aus der Zauberkiste, “ich habe genau das gefunden, was Sie wollten” und auf dem Bildschirm erschienen Ergebnisse, die in eine ganz andere Stadt führten, als ich wollte. Aber wie bei jeder Frau muss man auch mit dieser erst ein wenig sprechen lernen, dann funktioniert es gut.

Unter der Haube verbirgt sich ein atmosphärischer 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner, der im Atkinson-Zyklus arbeitet und dadurch sehr sparsam sein kann. Die größte Änderung ist die Leistungssteigerung des Elektromotors im Getriebe auf 134 kW. In der Allradvariante 4×4 E-FOUR wird dieser noch durch einen kleinen Elektromotor an der Hinterachse ergänzt, der mit 40 kW unterstützt und dadurch den Allradantrieb ermöglicht. Zusammen mit dem Benzinaggregat, das 139 kW leistet, haben wir unter dem Gaspedal eine ordentliche Systemleistung von 179 kW (244 PS). Das Fahrzeug beschleunigt in 7,7 Sekunden auf hundert und soll laut WLTP-Norm 5,7-6,4 l auf hundert Kilometer verbrauchen. Für ein 1,9 Tonnen schweres Fahrzeug sind das sehr schöne Werte. Glauben Sie ihnen? Glauben Sie ruhig!

Wir nehmen auf den Ledersitzen Platz und starten per Knopfdruck. Das elektrisch verstellbare Lenkrad und der elektrisch verstellbare Sitz fahren heran. Mit dem kleinen Fahrstufenwähler legen wir D ein, und der Lexus NX setzt sich lautlos in Bewegung. Von den ersten Metern an reagiert er sanft, vor allem aber sofort auf Gasbefehle. Der verstärkte Elektromotor kann einen Großteil der Arbeit erledigen, ohne dass der Verbrennungsmotor zugeschaltet werden muss. Und wenn dieser doch zugeschaltet wird, muss er nicht sofort auf hohe Drehzahlen gejagt werden. Das ist wohl die größte Veränderung gegenüber der Vorgängergeneration, die bei jeder größeren Leistungsanforderung ein monotones Geräusch aus dem Maschinenraum “entfaltete” und damit von Luxus recht weit entfernt war. Bei der Stadtfahrt spürt man das straffere Fahrwerk und die großen Räder. In den herrlich leisen Innenraum dringen Eindrücke vor allem vom Fahrwerk. Hier hätten Sie von Lexus vielleicht etwas Besseres erwartet. Schuld daran sind sicher die großen 20-Zoll-Räder – serienmäßig sind es nämlich 18-Zoll-Räder, und mit denen bekommt man meiner Meinung nach das, was man erwartet. Doch das Fahrwerk zeigt sich außerorts von seiner besten Seite: Dort ist es straff und sicher, und Schlaglöcher werden plötzlich sehr gut gedämpft. Es neigt sich nicht in Kurven und lässt sich auch ein zügigeres Tempo gefallen. Der Motor schnurrt meist nur leise vor sich hin, nur beim Durchtreten des Gaspedals bis zum Bodenblech steigt seine Drehzahl hoch an. Aber dank des verstärkten Elektromotors kommt das eher selten vor - nur bei Anforderung der Maximalleistung. Neben Zuverlässigkeit und sofortiger Gasreaktion zeichnen sich die Hybridsysteme von Toyota auch durch einen hervorragenden Verbrauch aus. Solche Verbrauchswerte, wie wir sie beim Toyota Camry oder Yaris Cross gemessen haben, sieht man anderswo wirklich nicht.

Und auch hier sind sie beachtlich. Außerorts verbraucht er im Normalfall nur 5,5 Liter auf hundert Kilometer. Das ist unglaublich. Ähnliche Werte erreicht man mit ein wenig Mühe auch in der Stadt. Auf der Autobahn sind es rund 8 Liter, dort wirken die auf das Fahrzeug einwirkenden Kräfte schon unerbittlich. Aber ich muss sagen, mit solchen Verbrauchswerten habe ich nicht gerechnet. Als ich meinen Test des vorherigen NX lese, habe ich damals geschrieben: “7 Liter sind bei konstanter Außerortsfahrt erreichbar. Bei einer Kombination aus kürzeren Stadt- und Überlandfahrten sind es 8, auf der Autobahn 8,5, eher 9 Liter, bei Einhaltung der Tempolimits”. Das ist ein sehr großer Sprung zwischen den Generationen. Ganz zu schweigen von der Geräuschkulisse, denn die vorherige NX-Generation hat ihren Verbrennungsmotor deutlich häufiger strapaziert. Auch der akustische Komfort auf der Autobahn hat sich stark verbessert. Der Windgeräuschpegel ist selbst auf der Autobahn hervorragend, alle Assistenzsysteme funktionieren einwandfrei, hier gibt es wirklich nichts zu bemängeln, und Lexus liefert genau das, was man von ihm erwartet. Er fährt ruhig, leise, bietet ausreichend Leistung und ist ein wunderschönes Fahrzeug mit gutem Verbrauch.

Jetzt kommen wir zum Kodiaq. Der natürliche Konkurrent jedes Modells ist die heimische Marke. Wenn man sich die Verkaufsstatistiken ansieht, ist es unglaublich, wie erfolgreich der Kodiaq ist. Von außen ist er ähnlich groß, eine sehr gut ausgestattete Version liegt preislich auf dem Niveau der mittleren NX-Ausstattung. Der teuerste Kodiaq liegt bei knapp 1,5 Millionen und bietet genau 1 kW Leistung mehr. Völlig daneben liegt der Kodiaq beim Verbrauch, der in der Stadt locker doppelt so hoch ist, außerorts ein paar Liter höher. Wo der Kodiaq den NX hingegen deklassiert, ist der Innenraum. Der NX wirkt relativ klein und bietet im Kofferraum 300 Liter weniger. Und falls Sie sagen, der Kodiaq sei nicht repräsentativ genug, in der Ausstattung Laurin&Klement ist er es. Und falls Sie sagen, das Fahrgefühl im Lexus sei besser, die DCC-Dämpfer im Kodiaq überzeugen Sie vom Gegenteil, vor allem in der Stadt. Aber Lexus ist Lexus, während den Kodiaq als Firmenwagen jede zweite Firma mit vielen Management-Ebenen fährt.

Der Lexus ist genau das Auto, das seine Käufer erwarten. Einzigartig, extravagant, schön, leise, sparsam und zuverlässig. Er bietet zahlreiche Ausstattungsstufen in einer breiten Preisspanne. Er kann auch mit Allradantrieb ausgestattet werden. Ein klarer Vorteil ist sicher, dass die Basisversion rund 1,1 Millionen kostet, sodass Sie schon für so viel (heute eigentlich ganz übliches) Geld ein großes SUV von Lexus fahren können, statt einer von unzähligen Fahrern eines Flotten-Kodiaq zu sein.