Der Peugeot 108 bringt gute Voraussetzungen für ein gelungenes Auto mit: Er wird in Kolín gebaut, von einem japanischen Motor angetrieben und trägt ein schickes französisches Kleid. Er entstand aus einer globalen Kooperation, die drei Fahrzeuge der kleinsten A-Klasse hervorbrachte, die sich praktisch nur optisch unterscheiden: Toyota Aygo, Citroen C1 und eben der Peugeot 108. Unser Testwagen war wie üblich das bestausgestattete verfügbare Exemplar. Einschließlich Stoffdach, Klimaautomatik und teurerem Infotainment (was im Grunde bereits die gesamte Aufpreisliste darstellt) kostete er vernünftige 335 Tausend Kronen. Das seit 2014 in dieser Ausführung produzierte Auto erhielt zu Beginn dieses Jahres eine leichte Modernisierung. Die wichtigste Änderung ist der die Abgasnorm EURO 6.2 erfüllende Motor, hinzu kommen eine bessere Smartphone-Anbindung und das erwähnte Stoffdach. Der Grundpreis liegt weiterhin bei erfreulichen 240 Tausend Kronen – bereits darin ist eine recht ordentliche Ausstattung enthalten, die den meisten Käufern in dieser Fahrzeugklasse genügen dürfte.

Mit einer Länge von 3.470 mm und einem Radstand von 2.340 mm gehört das elegant wirkende Auto zu den kleinsten und günstigsten Modellen. Karg ausgestattet ist es deshalb keineswegs. Aufgrund der stetig steigenden gesetzlichen Sicherheitsanforderungen ist selbst die einfachste Version durchaus respektabel – 6 Airbags, ABS, ESP oder TPMS gehören inzwischen auch in dieser Klasse zum Standard. Dieses Modell bietet darüber hinaus eine Klimaanlage, Sitzheizung und eine Rückfahrkamera.
Zur Wahl steht ein einziges Triebwerk – ein Einliter-Benzin-Dreizylinder mit 72 PS und 93 Nm, dessen kombinierter Verbrauch erfreuliche 4.2 Liter beträgt. Gegen einen moderaten Aufpreis von 18 Tausend ist er auch mit Automatik erhältlich, wobei der Verbrauch (theoretisch) nur um ein Zehntel steigt. Mir gefiel allerdings das Schaltgetriebe sehr gut, das ebenso wie der Motor von Toyota stammt. Das Fünfganggetriebe und die Kupplung, mit der es bedient wird, überzeugen durch angenehm kurze Wege, und sämtliche Gänge lassen sich sehr leicht einlegen. Die längere Übersetzung fordert in Verbindung mit dem kleinen Hubraum allerdings bereits bei etwa einhundert Kilometern pro Stunde ihren Tribut: Das Auto beschleunigt dann nur noch widerwillig. Als besonders temperamentvoll lässt es sich zwar auch zuvor nicht bezeichnen, doch ab diesem Tempo kann das bereits die Verkehrsteilnehmer in der Umgebung stören – vor allem jene hinter einem. Immerhin lässt sich die Marke von einhundert sogar im zweiten Gang nach ca. 12.5 Sekunden erreichen, was dem Standard dieser Kategorie vollkommen entspricht. Bei 130 km/h dreht der Motor mit 3900 Umdrehungen, damit seine Kraft wenigstens zur Überwindung des Luftwiderstands reicht, wenn schon nicht für größere Steigungen. Bei niedrigen Drehzahlen profitiert das Triebwerk von seiner Konstruktion. Dank der gleichmäßigen Kraftentfaltung ermöglicht es wunderbar sanftes Anfahren, das bei Turbomotoren mit ihrem abrupten Leistungseinsatz gerade in dem Drehzahlbereich, der beim Schleifenlassen der Kupplung und Anfahren genutzt wird, deutlich schwieriger ist. In dieser Hinsicht bieten Saugmotoren im Stadtverkehr klare Vorteile. Anders als der 1.0 TSI benötigt dieser Motor zur Erfüllung der Abgasnorm EURO 6.2 zudem keinen Partikelfilter. Auf seine ungerade Zylinderzahl weist lediglich das Geräusch im Leerlauf hin; die Laufruhe ist in jedem Fahrzustand problemlos. Wir wissen nun, dass die Fahrleistungen für den normalen Betrieb mit einem unbeladenen Fahrzeug ausreichen – aber auch kein bisschen mehr. Mehr als gemächliche Beschleunigung bietet der Motor nicht, häufig muss gleich um mehrere Gänge zurückgeschaltet werden. Von einem kleinen Saugmotor ist das allerdings zu erwarten. Besonderes Lob verdient hingegen das Fahrwerk. Auf normalen Straßen ist es angenehm komfortabel, ohne so weich zu sein, dass das Auto nach dem Anhalten nachschwingt oder sich in Kurven übermäßig neigt. Auf das Fahrwerk ist ebenso Verlass wie auf die Bremsen mit Hill-Hold-Funktion, die das Anfahren am Berg erleichtert.

Von außen fällt bei dieser Variante TOP! vor allem das ungewöhnliche Stoffdach auf. Es könnte ein überzeugendes Verkaufsargument sein, schließlich besitzt etwa auch der stilvolle Fiat 500 ein ähnliches Dach, das ihm ausgezeichnet steht. Auch dem Peugeot steht es gut, doch bereits eine kurze Fahrt zeigt, dass sich die 30 Tausend sinnvoller investieren lassen. Das geöffnete Dach mag bei langsamer Fahrt außerhalb geschlossener Ortschaften angenehm sein, ansonsten dürfte es meiner Meinung nach meistens geschlossen bleiben – bereits oberhalb von 60 km/h sind das Windschott und die Außengeräusche insgesamt deutlich zu hören. Wer im Stau steht, wird statt Sonne im Nacken und Abgasen eher den Innenraumfilter und die Klimaanlage zu schätzen wissen, die den Tag spürbar angenehmer machen. Dasselbe gilt bei großer Hitze. Hinzu kommt das schlechter ablesbare Infotainment-Display, in dem sich der Himmel spiegelt – Gründe gibt es also genug. Abgesehen vom Dach fallen vorn der massive Kühlergrill und die insgesamt wuchtige Front auf, an die sich eine unverhältnismäßig kleinere Motorhaube samt Motorraum anschließt. Am Heck wartet eine verlängerte, abgedunkelte Ganzglasklappe mit einer clever integrierten Gepäckraumabdeckung.
Nach dem Einsteigen ist der Fahrer von zahlreichen glänzenden Flächen umgeben, während das sympathische, lederbezogene Lenkrad positiv auffällt. Das Kombiinstrument entspricht der Ausrichtung des Autos: Zentral sitzt ein Instrument mit großem Tachometer, in dessen Mitte sich Bordcomputer und Außentemperaturanzeige befinden. Eine Motortemperaturanzeige fehlt vollständig. Der Drehzahlmesser ist als Skala von eins bis sieben ausgeführt und gegen einen kleinen Aufpreis erhältlich. Die Mittelkonsole erinnert ein wenig an einen traurigen Roboter und wirkt ausgesprochen massiv. Die zahlreichen freien Flächen verstärken diesen Eindruck zusätzlich. Gut gelöst ist die um die Innentemperaturanzeige gruppierte Bedienung der Klimaautomatik. Darüber sitzt ein überraschend ausgereiftes Infotainmentsystem, das der üblichen Kritik an misslungenen Navigationslösungen den Boden entzieht, denn selbst in der höchsten Ausstattung bietet der Hersteller keine Navigation an. Dafür besitzt es eine hohe Auflösung, unterstützt Multi-Touch und gibt nicht vor, mehr zu sein, als es ist. Das verdient Lob – dadurch kostet dieses kleine System nur 10 Tausend, lässt sich hervorragend und intuitiv bedienen, und die Navigation starte ich einfach auf dem Smartphone, das sich sehr schnell per Bluetooth verbinden ließ. Alternativ gibt es CarPlay, das schon in Kürze auch Waze unterstützen soll. Mit Android Auto funktioniert schließlich alles optimal – Spotify, Waze, Telefon und eine sehr gute Sprachsteuerung sämtlicher Funktionen. Die Zukunft ist da :-) Vor dem Bildschirm befindet sich eine abgeschrägte Fläche, auf der sich die Hand bequem abstützen lässt, sodass man anschließend nur noch mit dem Finger die großen Symbole auf dem Display treffen muss. Zusätzlich gibt es einige physische Tasten – für die Lautstärke und den Wechsel des Kontexts. Insgesamt funktioniert das Infotainmentsystem für diese Fahrzeugklasse überdurchschnittlich gut, und der Hersteller verlangt dafür kein "Vermögen.

Ansonsten entspricht die Qualität der Kunststoffe selbstverständlich dem Preis. Vorn ist ausreichend Platz vorhanden, hinten hingegen eher nicht. Ungewohnt wirkt die Heckscheibe, die sich nur zwanzig Zentimeter hinter dem Kopf des Passagiers befindet. Über 20 cm zusätzliche Kopffreiheit würde man sich dagegen freuen, denn der ohnehin knappe Raum wird durch den Dachantrieb weiter eingeschränkt. Der 190 Liter große Kofferraum fasst genau so viel Gepäck, wie ein Mensch auf einmal tragen kann. Ich weiß nicht, ob bei der Volumenangabe auch das riesige Fach unter dem Boden berücksichtigt wurde, in das meiner Einschätzung nach ein vollwertiges Reserverad passen würde. Stattdessen befindet sich dort lediglich eine Kunststoffschale mit Werkzeug. Was für eine Platzverschwendung. Die Sicht aus dem Fahrzeug ist hervorragend. Nur die etwas kräftigere A-Säule und die auf gleicher Höhe angeordneten Außenspiegel überraschten mich bei der ersten Fahrt, da sie gemeinsam eine größere verdeckte Fläche erzeugen.

Abschließend muss ich sagen, dass ich von einem derart günstigen Auto nicht so viel Gegenwert erwartet hätte. Lenkung, Schaltung, Bedienelemente und Fahrverhalten wirken allesamt ausgereift und gelungen. Überrascht hat mich der Verbrauch, der sich nach einigen Hundert km bei einem noch nicht eingefahrenen Auto auf 4.5 Liter einpendelte. Zugegeben, es hätte keinen Sinn ergeben, das Fahrzeug unnötig zu quälen, und ich fuhr überwiegend so, wie es dem Charakter dieses Autos entspricht. Lob verdienen das ausgereifte Infotainmentsystem ohne Navigation und die vernünftige Aufpreispolitik. Auf das Stoffdach würde ich definitiv verzichten: Sein Nutzen ist stark eingeschränkt, und es sieht zweifellos besser aus, als es im Alltag Vorteile bringt. Die vorderen Passagiere haben keinen Grund zur Klage, die hinteren lassen Sie besser zu Hause.
Was mir gefallen hat:
gut ausgestattetes Auto für gutes Geld
zuverlässige und bewährte Technik mit EURO 6.2
Umfang und Preise der Sonderausstattung
Was mir nicht gefallen hat:
Fahrleistungen des Motors
sehr beengte Platzverhältnisse im Fond
billig wirkender Schaltknauf