Der Megane E-Tech ist Renaults Einsatz für die Zukunft elektrischer Autos für den Massenmarkt. Zunächst einmal muss man den Mut würdigen, heute ein Elektroauto zu bauen, das kein SUV ist. Davon gibt es nicht allzu viele. Ebenso mutig ist es, einen Namen zu verwenden, der jahrelang mit der unteren Mittelklasse von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verbunden war. Auch davon gibt es nicht viele. So haben wir hier eine völlig neue Generation des Renault Megane, die kompakte Abmessungen hat und aus vielen Gründen ein überraschend interessantes Auto ist. Schauen wir ihm also genauer auf die Zähne.

Der neue Megane wartet mit dreihundert Patenten, einer völlig neuen Plattform, einer Länge von nur 4,2 Metern und einem recht interessanten Gewicht von rund 1,6 Tonnen auf. Es gibt zwei Batteriegrößen und zwei Leistungsvarianten. Wir hatten die größere 60-kWh-Batterie mit 160 kW Leistung. Der Elektromotor liefert 300 Nm und beschleunigt in 7,5 Sekunden auf hundert. Der Hersteller gibt eine Reichweite von bis zu 450 km im WLTP-Zyklus an. Geladen werden kann mit bis zu 130 kW, und der Megane bietet sogar einen 22-kW-Onboard-Lader, der für relativ schnelles Laden an „langsamen“ Ladestationen ein großer Trumpf dieses Autos sein kann. Was bleibt bei den Daten noch? Der Preis. Der Megane beginnt knapp unter einer Million für die schwächere Variante mit kleinerer Batterie. Diese stärkere Version mit größerer Batterie liegt bei rund 1,2 Millionen, ähnlich wie die meisten Autos dieser Kategorie.

Optisch ist das Auto wirklich schön. Sogar in diesem Schwarz, in dem gewöhnlich viele Designdetails untergehen. Vorn fallen das riesige Logo, die originelle Lichtsignatur mit sehr schmalen Scheinwerfern und die im Verhältnis zur Verglasung der Kabine recht massive Frontpartie auf. Von der Seite beeindrucken die hohe Karosserielinie in Verbindung mit großen Rädern sowie die relativ geringe Höhe der verglasten Seitenfläche. Das Auto sieht wirklich aus wie aus futuristischen Filmen à la Black Mirror. Hinten gibt es eine schöne Leuchtengrafik und eine kleine Heckscheibe, durch die man nicht besonders viel sieht. Im Innenraum findet sich ein neues Konzept, der Hersteller rühmt sich mit 0,7 m2 Displayfläche. Diese Fläche bilden zwei riesige Bildschirme mit wunderschön feiner Grafik. Ausfahrbare Türgriffe vorn und hinten im Fensterrahmen versteckte Griffe zeichnen die Silhouette nur noch weiter zu einem gestalterisch klaren Schmuckstück. Ein ähnliches Auto wird Ihnen auf der Straße nicht begegnen.

Die Sitzposition ist sehr niedrig, die Beine sind weit nach vorn gestreckt und das Lenkrad lässt sich sehr nah zum Körper heranziehen. Die Position ist großartig. Der Fahrer hat alles Nötige griffbereit, die Klimasteuerung ist hervorragend gelöst, das Infotainment ist großartig (darauf komme ich noch zurück) und auch die Ablagemöglichkeiten sind hervorragend. Einen Kritikpunkt habe ich: Mit dem Lenkrad verdecke ich den oberen Teil des Displays, genau dort, wo die Navigationshinweise erscheinen. Etwas weniger gelungen ist auch die Vielzahl von Hebeln und Tasten für die rechte Hand. Neben der klassischen Wischerbedienung gibt es den Fahrtrichtungswahlhebel und eine kombinierte Radiobedienung mit einer Reihe von Tasten. Dann gibt es noch die rechte Wippe zur Rekuperationssteuerung und eine Reihe von Tasten am Lenkrad. Nun, was soll ich sagen, in dieser Woche habe ich mich nicht daran gewöhnt. Weniger begeistert von den Platzverhältnissen im Megane dürften möglicherweise die Passagiere vorn und hinten sein. Sie müssen mit einem etwas höheren Boden leben, in dem die Batterien untergebracht sind. Vorn ist der Sitz tief montiert und die Beine des Beifahrers sind recht angewinkelt. Hinten können die Passagiere ihre Füße wiederum nicht unter die Sitze schieben und haben deshalb nicht den Komfort, den der Radstand vermuten ließe.

Also los. Mit dem Hebel wähle ich D und setze mich lautlos in Bewegung. Der Megane vermittelt ab den ersten Metern einen angenehm straffen Eindruck, schluckt aber zugleich größere Unebenheiten leise und souverän. Die Sicht nach hinten ist schlechter, doch es steht auch ein elektronischer Spiegel mit Kamera zur Verfügung. Vielleicht das Erste, was mich überraschte, waren die recht großen Außenspiegel für ein so kleines Auto. Das Zweite, das mir auffiel, ist die sehr direkte Lenkübersetzung. Angenehm ist die Möglichkeit, die Rekuperation mit Wippen hinter dem Lenkrad zu regulieren. Der Megane hat Frontantrieb, was in dieser Kategorie jedoch keine Ausnahme ist. Ein unbestreitbarer Vorteil dieser Lösung ist viel Platz im Kofferraum (440 Liter), der Nachteil ist aber die Übertragung der Antriebskräfte über die Vorderräder. Zügiger mit eingeschlagenen Rädern an einer Kreuzung auf nasser Fahrbahn loszufahren bedeutet daher stets durchdrehende Räder. Das wird Ihnen etwa ein Enyaq mit seinem Heckantrieb nicht antun. Aber es ist eben ein Geben und Nehmen.

Auch dem Infotainment widme ich einen besonderen Absatz. Ich muss sagen: Mit dem, was im Megane steckt, hat Renault der gesamten Mainstream-Konkurrenz gezeigt, wo es langgeht, und niemand kommt auch nur in die Nähe. Die Displays halte ich zwar für etwa 3x größer als nötig, denn das vor dem Lenkrad ist eine Bühne für ungenutzten Raum und das Hauptdisplay zeigt wiederum etwas unnötig die Karte eines halben Landkreises. Ich muss keinen halben Landkreis sehen. Doch der Austausch der TomTom-Navigation gegen Google Maps ist ein so großer Schritt nach vorn, dass andere ihn noch sehr lange aufholen werden. Sie brauchen praktisch keine Smartphone-Spiegelung. Man meldet sich einfach mit seinem Google-Konto an, installiert Spotify und gibt in Google Maps ein, wohin man fahren möchte. Punkt. Anders als bei VW beginnt das Infotainment nach dem Öffnen der Autotür hochzufahren, sodass es beim Hinsetzen bereits läuft und man nicht eine halbe Minute warten muss, um die Zieladresse einzugeben. Großartig. Alles funktioniert schnell, online und sofort. Mehr will ich nicht. Die Schätzung der verbleibenden Batterie nach der Reichweite funktionierte hervorragend, ebenso die Routenplanung und das Hinzufügen von Ladestationen. Auch wenn nicht alle Stationen auf der Karte waren. Es fehlten zum Beispiel auch Stationen von ČEZ. Trotzdem hat mir diese Lösung im Megane den Atem geraubt. Ich scheue mich nicht zu sagen, dass sie sich Tesla ein wenig annähert. Etwa auch dadurch, dass beim Verstellen der elektrisch bedienten Sitze sofort die Frage auf dem Bildschirm erscheint, ob ich diese Position speichern möchte. Genau wie bei Tesla. Für mich riesige Pluspunkte. Zugleich zeigt sich: Wenn das Infotainment gut funktioniert, halten wir es für selbstverständlich – so wie ein Auto nach dem Gasgeben beschleunigt, navigiert es nach Eingabe eines Ziels. Erst wenn das nicht funktioniert, zeigt sich, wie unerquicklich das sein kann.

Natürlich interessiert uns auch der Verbrauch. Im gemischten Pendelbetrieb lag er bei 15 kWh. Ein wenig Autobahn, ein wenig Stadt, ein wenig Stadtautobahn. Das ist angenehm. Sobald die Autobahn dazukam, stieg der Durchschnittsverbrauch auf 17 kWh, reine Autobahnfahrten lagen bei rund 20 kWh. Das sind angenehme Werte und sie zeigen, dass Größe und Gewicht eine große Rolle spielen. Mit einer Batterieladung sind also zwischen 300 und 400 km möglich, bevor nachgeladen werden muss. Der Megane schafft maximal 130 kW, ungefähr bis 20 % Batteriestand, danach sinkt die Leistung linear bis auf 50 kW bei 80 %. Ein großer Vorteil ist das Laden mit 22 kW am langsamen AC-Anschluss. Das bietet kein Konkurrent. Das Fahrzeug ist mit einer Wärmepumpe ausgestattet, sodass der Verbrauch auch an kalten Herbstmorgen nicht nennenswert stieg.

Was bleibt zum Schluss? Der Megane hat überrascht. Er überraschte damit, dass er kein SUV ist, mit seinem großartigen Infotainment und letztlich auch damit, dass es an ihm nicht viel auszusetzen gibt. Er ist sehr attraktiv und bietet einen vernünftigen Verbrauch, auch wenn die Ladekurve durchaus flacher sein könnte. Manche stört vielleicht der Frontantrieb, andere werden wiederum den dadurch verfügbaren Platz im Kofferraum schätzen. Die Bedienung ist unkompliziert, die Elektronik funktioniert sehr gut, und das Fahrerlebnis gehört zur Spitze seiner Klasse.