Toyota RAV4 PHEV – jede Menge PS, Allrad, SUV und Gratis-Parken in Prag. Geht da noch mehr?

Jan Nemrava, 13. Dezember 2022

Den Toyota RAV4 kennen wir vor allem für seinen ausgereiften Hybridantrieb. Doch auch Toyota ist der emissionsvorteilhaften Plug-in-Hybrid-Modewelle nicht entgangen. So hat man dem 2,5-Liter-Benzinmotor an jeder Achse einen Elektromotor spendiert und den RAV4 damit mit frischem Elan versehen. Von null auf hundert schafft es der RAV4 jetzt in sechs Sekunden. Das ist bei einem SUV aber typischerweise nicht das wichtigste Auswahlkriterium, schauen wir uns also den Rest des Autos an.

So. Was gibt es noch. Von außen erkennt man den RAV4, der schon 4 Jahre bei uns ist. In dieser Version ergänzt um aerodynamische Anbauteile und Schwellerverbreiterungen. Diese Anbauteile sollte man eher als optisch betrachten, weder die Leiste auf der Motorhaube noch die „Fensterspoiler“ haben wirklich Einfluss auf den Fahrkomfort. Die Schwellerverbreiterungen erleichtern kleineren Personen vielleicht das Einsteigen, verringern aber die Bodenfreiheit, und wenn man den Schweller nicht nutzen will und direkt auf den Boden tritt, macht man sich garantiert schmutzig. Ansonsten fällt in dieser dunklen Farbe die komplizierte Front nicht so sehr auf, die zum Beispiel in Weiß wie ein Stormtrooper wirkt. Innen beeindruckt vor allem die hervorragende Rundumsicht dank leicht nach hinten versetzter Spiegel und schlanker Säulen. Das Armaturenbrett wirkt auf den ersten Blick hochwertig und elegant, auf den zweiten Blick eher zweckmäßig und einfach. Der Infotainment-Bildschirm ragt in den Raum hinein, sodass der Fahrer ihn ständig im Blick hat. Das kann bei vielen Autos ein Plus sein, bei Toyota eher nicht – das Infotainment ist die größte Schwäche des Autos, es ist veraltet und man findet sich darin schwer zurecht. Zum Glück gehören CarPlay und Android Auto zur Ausstattung, sodass man mit der Oberfläche des veralteten Systems praktisch kaum in Berührung kommt. Die Innenraumtemperatur wird über riesige Drehregler eingestellt, sodass man wegen CarPlay praktisch nicht ins Toyota-System wechseln muss.

Platz gibt es überall reichlich, auch im Kofferraum, der 520 Liter bietet. Die Ausstattung ist in dieser Version praktisch das Maximum, es fehlt weder die beheizte Frontscheibe, der adaptive Tempomat, das Aufpreis-Soundsystem von JBL, belüftete Sitze noch das Head-up-Display. Wobei das beim Nissan Qashqai zum Beispiel schärfer und optisch ansprechender war. An Ausstattung ist wirklich alles dabei, was einem einfällt. Die mobile App zur Heizungssteuerung, deren Aktivierung auch per Fernbedienung möglich ist. Das hat mir sehr gut gefallen und ist für Toyota eine sehr originelle Lösung. Es reichte, die Heizung auf dem Weg zum Auto einzuschalten, und schon nach einer Minute, in der man die Sachen einlädt, blies warme Luft im Innenraum. Es ist in dieser Ausstattung ja auch ein Auto für 1,5 Millionen. Da muss schon einiges an Extras dabei sein.

Ein paar Worte zum Verbrauch. Der lässt sich bei PHEV-Autos nur sehr schwer messen, daher haben wir es so genutzt, wie ein solches Auto genutzt werden sollte. In der Stadt immer elektrisch, außerhalb der Stadt immer im Hybridmodus. Man muss sagen, dass die Bedienung bei Toyota in dieser Hinsicht die beste ist, die ich bisher gesehen habe. Während VW/Stellantis entweder einen reinen EV-Modus oder einen Hybridmodus haben, bei dem man aber trotzdem langsam die geladene Energie verliert, hat Toyota das so intuitiv wie möglich gelöst. Der Hybridmodus bewahrt einfach die Energie, der EV-Modus fährt nur mit dem Akku. Es wird nichts auf dem Display herumgeklickt, kein eSafe mit der Option, wie viele Kilometer erhalten bleiben sollen. Ein Knopf, und los geht's. Dadurch konnten wir problemlos 100 % elektrisch in der Stadt und 100 % hybrid außerhalb fahren. In der Stadt verlangte der Toyota für seine Dienste rund 20 kWh (die 70 elektrischen Kilometer sind also realistisch), und im Hybridmodus verlangte er 8 Liter Benzin auf der Autobahn und 7 Liter außerhalb der Autobahn. Das ist für ein solches Auto ebenfalls recht vernünftig.

Von Vorteil ist, dass das Auto auch im Hybridmodus lebendig ist, ein Energiemangel in den Akkus wirkt sich nicht auf die Dynamik aus. Angenehm ist, dass sich der RAV4 oft auf die Kraft der Elektromotoren verlässt und der großvolumige Motor auch spürbar aushelfen kann. So bleibt der Motor auch bei zügigerer Beschleunigung im mittleren Drehzahlbereich und stört mit seinem konstanten Geräusch kaum. Erst bei Anforderung der vollen Leistung dringt ein hochdrehendes, nicht besonders mitreißendes Geräusch in die Kabine. Aber dann sprechen wir schon vom Vollgas und den 300 PS, die aus dem Stall gelassen wurden. Das ist sicher keine Alltagssituation. Sehr gut gefielen mir die unmittelbaren und konstanten Reaktionen, die zum Beispiel der erwähnte Peugeot 3008 Hybrid4 nicht bietet. Bei ihm spürt man deutlich das Zuschalten der verschiedenen Antriebsarten und das Schalten des Getriebes. Hier nicht. Man tritt aufs Gas, man fährt. Sofort. Unabhängig vom Ladestand, unabhängig von der Geschwindigkeit oder dem Modus. Diese Beschleunigung, etwa beim Auffahren auf die Autobahn, ist wirklich beeindruckend!

Ein richtiges SUV ist nicht nur zum Fahren auf der Straße da. Der Allradantrieb, das höhergelegte Fahrwerk und die Trail-Taste laden dazu ein, auszuprobieren, wie die Elektronik im Gelände zurechtkommt. Und man muss sagen: gut. Fehlende Traktion an den Rädern wird durch Abbremsen und Umverteilung auf die andere Seite ausgeglichen, dorthin, wo der Untergrund fester ist. Schaltet man die Traktionskontrolle jedoch aus, macht das sämtliche Bemühungen der Elektronik zunichte, und die Räder drehen einfach frei durch. Es ist also besser, das dem Auto zu überlassen, außer es handelt sich ausdrücklich um eine Situation, die Schlupf erfordert. Zur Plage werden vor allem die Schwellerverbreiterungen und die Qualität des Kamerasystems, das im Gelände nicht wirklich hilft. Das Bild ist unscharf und von schlechter Qualität. Andererseits helfen die feinfühlige Leistungsdosierung der Elektromotoren und die guten Böschungswinkel ziemlich stark. Mit guten Winterreifen werden im Gelände vor allem Ihre Sorgen um die schönen Kunststoffteile der Karosserie eine Einschränkung sein, weniger die Tatsache, dass der RAV4 es nicht schaffen würde.

Auf der Straße bietet der RAV4 sehr angenehme Fahreigenschaften – überrascht hat mich, wie gut er Unebenheiten dämpft und gleichzeitig, wie wenig er sich in Kurven neigt und wie spät die Untersteuerung sowie das Gefühl einer schweren Front einsetzen. Darin ist der RAV auch nach all den Jahren hervorragend, ebenso in der Akustik. Diese ist bei der PHEV-Version dank zusätzlicher Dämmmasse und weiterer Verbesserungen deutlich besser als beim normalen RAV4. 

Was bleibt zum Schluss. Wie so oft sind diese Topmodelle, für die der Hersteller so viel Geld verlangt, in der Regel nicht schlecht. Der RAV4 hat den Geschmack der Kunden ziemlich gut getroffen, sowohl mit seinem Aussehen als auch mit dem größeren Akku, der längere elektrische Fahrten ermöglicht. Positiv bewerte ich die Art der Bedienung von Hybrid- und Elektromodus, die kein Herumklicken auf dem Display oder großes Nachdenken erfordert. Die Kritik am Infotainment und an der Kameraqualität überrascht nicht, aber das ist so ein Dauerbrenner. 

90%
BEWERTUNG

Stärken

  • Komfort und Platzangebot
  • gut funktionierender Hybridantrieb
  • große Batterie
  • vernünftiger Verbrauch
  • Ausstattungsangebot

Schwächen

  • höherer Preis
  • veraltetes Infotainment

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