Bewertung 80/100 · Basierend auf 9 unabhängigen Tests und Testberichten
ZEEKR ist die Premiummarke des chinesischen Geely-Konzerns — also derselben Gruppe, zu der auch Volvo, Polestar und Lotus gehören. Und genau diese Verwandtschaft sieht man dem 7X an. Das Design entstand im schwedischen Studio in Göteborg unter der Leitung eines früheren Audi-A7-Designers, und das Ergebnis wirkt selbstbewusst und aufgeräumt. Keine plakativen Effekte, nur eine klare, fließende Linie mit durchgehendem Lichtband vorne wie hinten.
Mit einer Länge von 4.787 mm, einer Breite von 1.930 mm und einem Radstand von 2.900 mm reiht sich der 7X in das Segment der elektrischen Mittelklasse-SUVs ein — direkt neben dem Tesla Model Y, dem Ford Mustang Mach-E oder dem XPeng G6. Auf den europäischen Markt kam er Mitte 2025 und basiert auf der SEA2-Plattform (Sustainable Experience Architecture) mit nativer 800-Volt-Architektur. Dieselbe Plattform nutzt in China die Limousine ZEEKR 007, deren praktisch erhöhte Version der 7X ist.

Der ZEEKR 7X ist kein Auto, das zu Kurvenfahrten einlädt. Es ist ein Auto, das Sie davon überzeugt, dass es auf diese Kurven eigentlich gar nicht ankommt, weil der Komfort auf langen Strecken wichtiger ist. Das adaptive Luftfahrwerk (serienmäßig bei der Version Privilege AWD) filtert Unebenheiten mit überzeugender Souveränität. Die Karosseriebewegungen bleiben trotz eines Gewichts von über 2.400 kg minimal.
Die Lenkung ist präzise, kommuniziert aber nur zurückhaltend mit dem Fahrer — darin sind sich praktisch alle ausländischen Tests einig. Wie das niederländische AutoWeek anmerkte, sei die Lenkung „distanziert, unabhängig vom gewählten Fahrmodus.“ Für die meisten Fahrer wird das kein Problem sein, wer aber ein Fahrerlebnis à la BMW sucht, wird enttäuscht sein.
Die Version Privilege AWD mit 475 kW (646 PS) Leistung und 710 Nm Drehmoment wirkt auf dem Papier wie eine sportliche Bestie — 0–100 km/h in 3,0 Sekunden. In der Praxis hat ZEEKR das Fahrwerk aber offensichtlich eher auf Komfort als auf scharfe Fahrmanöver abgestimmt. Das Ansprechverhalten des Gaspedals ist im Modus Comfort bewusst gedämpft, im Sport-Modus lebendiger. Die Rekuperation lässt sich leider nicht über Lenkradwippen einstellen — man muss sich durch das Infotainment klicken, was während der Fahrt sicher nicht ideal ist.
Wo der 7X glänzt, ist die Ruhe in der Kabine. Die Dämmung gegen Fahrwerks- und Windgeräusche gehört zu den besten im Segment. Auf der Autobahn bei 130 km/h kann man sich ganz normal unterhalten, ohne die Stimme zu heben — das ist nicht einmal bei manchen deutschen Premiummodellen selbstverständlich.
Der ZEEKR 7X ist in Europa in zwei Konfigurationen erhältlich:
Der Verbrauch im realen Betrieb hängt vom Fahrstil und der Temperatur ab. Auf der Autobahn bei 130 km/h sollten Sie mit 26–27 kWh/100 km rechnen, was einer realen Reichweite von rund 350–380 km bei der Version mit 100-kWh-Batterie entspricht. Im Stadtverkehr und auf Landstraßen liegt der Verbrauch bei etwa 20–22 kWh/100 km. Gegenüber dem Tesla Model Y ist der 7X rund 4–5 kWh/100 km weniger effizient — der Preis für das höhere Gewicht und die größere Stirnfläche.
Aber genau hier kommt der Haupttrumpf ins Spiel: das Laden. Mit 800-Volt-Architektur und einer Ladeleistung von bis zu 480 kW (Version Privilege AWD) ist der ZEEKR 7X eines der am schnellsten ladenden Elektroautos auf dem Markt. Praktisch bedeutet das: 10–80 % in 13 Minuten bei der Version Core (75 kWh LFP). Tests unter winterlichen Bedingungen zeigten 34,5 kWh nachgeladen in nur 9 Minuten, sogar ohne Batteriervorheizung. Das ist eine Leistung, die die Dynamik des Reisens mit einem Elektroauto völlig verändert.

Das Interieur ist der Bereich, in dem der ZEEKR 7X am meisten überrascht. Nappaleder am Lenkrad, an den Türverkleidungen und den Sitzen, weiche Materialien am Armaturenbrett, enge Spaltmaße und ein solider haptischer Eindruck — all das erzeugt eine Atmosphäre, die man eher von Volvo oder BMW erwarten würde. Das niederländische Portal AutoRAI bezeichnete das Interieur als „paradepaardje“ (Paradepferd) des gesamten Fahrzeugs.
Die Sitze der Version Privilege bieten Heizung, Belüftung und eine Massagefunktion mit echtem Kneten — nicht nur eine vibrierende Attrappe, wie es bei günstigeren Elektroautos üblich ist. Die Rücksitze verfügen über eine elektrisch verstellbare Lehnenneigung und eine eigene Sitzheizung. Der Raum im Fond ist dank des Radstands von 2.900 mm überdurchschnittlich groß — selbst Passagiere über 185 cm haben ausreichend Knie- und Kopffreiheit.
Der Kofferraum fasst 539 Liter, unter dem Boden verbergen sich weitere Staufächer. Vorne gibt es einen Frunk mit 66 Litern (42 l bei der AWD-Version), in den das Ladekabel passt. Ein praktisches Detail: Der Dachträger trägt 75 kg, und die Anhängerkupplung schafft einen gebremsten Anhänger mit bis zu 2.000 kg — unter den Elektro-SUVs in diesem Segment ein überdurchschnittlicher Wert.
Der zentrale Bildschirm mit einer Auflösung von 3,5K ist scharf und schnell — angetrieben vom Qualcomm-Snapdragon-8295-Chip reagiert er ohne Verzögerung. Das System ist logisch aufgebaut und bietet ab Werk kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, einen WLAN-Hotspot sowie kabelloses Laden des Telefons.
Das optionale Head-up-Display mit erweiterter Realität projiziert Navigationspfeile direkt auf die Straße in einem virtuellen 34-Zoll-Bild. Das Soundsystem mit 23 Lautsprechern (bei der Version Privilege) gehört zu den besten im Segment. Es fehlt jedoch eine deutsche Lokalisierung des Bordsystems — Menü und Sprachsteuerung sind auf Englisch oder Tschechisch, was für manche Käufer ein Hindernis sein kann.
Die Fahrassistenten werden vom Nvidia-Orin-X-Chip mit einer Rechenleistung von 508 TOPS angetrieben. In der Praxis ist das System aber nicht fehlerfrei — der adaptive Tempomat bremst manchmal aggressiv vor stehenden Fahrzeugen an Abzweigungen, und die akustischen Warnungen der Assistenten sind unangenehm intensiv. ZEEKR verspricht laufende OTA-Updates, die das Verhalten schrittweise verbessern sollen.
Der ZEEKR 7X erhielt im Euro-NCAP-Test die maximalen 5 Sterne (2025) mit einer Bewertung von 91 % für erwachsene Insassen, 90 % für Kinder, 78 % für Fußgänger und 83 % für Assistenzsysteme. Ein interessantes Detail: Der 7X ist mit einem automatischen Fensterbrecher für den Fall des Untertauchens im Wasser ausgestattet — der Schalter befindet sich unter der Armlehne des Fahrers.
Die Serienausstattung umfasst 8 Airbags, ein autonomes Notbremssystem (AEB), das Fußgänger und Radfahrer erkennt, einen Spurhalteassistenten und eine Totwinkelüberwachung. Die Karosseriekonstruktion nutzt hochfesten Stahl und Aluminiumteile für eine optimale Verteilung der Aufprallenergie.
Der ZEEKR 7X ist erst seit Mitte 2025 auf dem europäischen Markt, weshalb es für eine Bewertung der Langzeitzuverlässigkeit noch zu früh ist. Daten von TÜV Report oder Consumentenbond liegen bislang nicht vor — das Modell hat schlicht noch nicht das für diese Statistiken erforderliche Alter erreicht.
Was wir aber wissen: ZEEKR bietet 5 Jahre / 100.000 km Fahrzeuggarantie und 8 Jahre / 200.000 km Batteriegarantie. Optional lässt sich die Garantie auf bis zu 10 Jahre erweitern. In Tschechien übernehmen Verkauf und autorisierten Service das Unternehmen EVOO Centrum elektromobility mit Standorten in Kladno und Ostrava. Für eine Marke, die in Europa erst ihr Netz aufbaut, ist die fünfjährige Garantie ein wichtiges Vertrauenssignal.
Aus den bisherigen Erfahrungen der Besitzer zeichnen sich zwei kleinere Probleme ab: gelegentliches Phantombremsen des adaptiven Tempomaten und intermittierende Probleme bei der Bluetooth-Kopplung von Apple-Geräten. Rückrufaktionen zum 7X wurden bislang keine ausgerufen (Achtung, nicht zu verwechseln mit dem Modell 001, bei dem es in China einen Rückruf wegen der Batterien gab). Dem elektrischen Shooting Brake ZEEKR 001 haben wir einen eigenen Testbericht gewidmet.
Tschechische Zulassungen: ZEEKR hat in Tschechien bislang keinen großen Kundenstamm. Im Jahr 2025 wurden 13 Exemplare des 7X zugelassen — allerdings, Achtung, alle als von Firmen importierte Gebrauchtwagen, kein einziges Neufahrzeug. Der offizielle Verkauf über EVOO Centrum begann erst vor kurzem. Die gesamte Marke ZEEKR hatte 2025 in Tschechien nur 31 Zulassungen (13× 7X, 9× X, 8× 001, 1× 7). Alle 31 Fahrzeuge wurden von Firmenkunden zugelassen, überwiegend in Prag (38 %) und Zlín (31 %). Zum Vergleich — chinesische Marken insgesamt wachsen in Tschechien schnell, aber ZEEKR steckt noch in der Anfangsphase.
Detaillierter Vergleich aller vier Modelle in unserem Vergleichstool →
Aus der Tabelle geht klar der Hauptvorteil des ZEEKR 7X hervor: Die Ladeleistung von 360 kW (bei der AWD-Version bis zu 480 kW) ist mit deutlichem Abstand die beste im Segment. Tesla bietet 250 kW, XPeng 215 kW und Ford lediglich 150 kW. In der Praxis bedeutet das, dass die Ladepause von 10 auf 80 % beim ZEEKR 13 Minuten dauert — beim Ford müssen Sie mit fast 40 Minuten rechnen.
Auf der anderen Seite hat das Tesla Model Y einen deutlich größeren Kofferraum (822 l vs. 539 l), einen niedrigeren Verbrauch und eine größere Reichweite. Und vor allem — einen deutlich niedrigeren Preis. Der XPeng G6 bietet dann einen interessanten Kompromiss als chinesische Alternative mit niedrigerem Preis und günstigerem Verbrauch.
Der ZEEKR 7X wird auf den globalen Märkten seit der zweiten Hälfte des Jahres 2024 verkauft, sodass erste Langzeiterfahrungen gerade erst eintreffen. Aus Australien (dem wichtigsten Exportmarkt) liegen jedoch bereits solide Daten vor: CarsGuide testete 932 km in zwei Monaten, auf der Website CleanTechnica teilt ein Besitzer seine Erfahrungen nach 2.000 km, und Carsales führte einen Autobahntest Sydney–Melbourne durch.
Die Interieurqualität wird einhellig gelobt — weiche Materialien auf praktisch jeder Oberfläche, kein Knarzen oder Klappern, die Türen schließen mit einem überzeugenden Klang. Ein Besitzer, der von einem Mercedes GLC umgestiegen ist, stellt fest, dass das Innere des 7X „nicht gut für eine chinesische Marke ist — es ist einfach gut“. Das Laden dank der 800-Volt-Architektur ist der Haupttrumpf: 250 km Reichweite in 7 Minuten an einer kompatiblen 350-kW-Ladesäule, 10–80 % in 16 Minuten. Eine Autobahnreichweite von 500–550 km bei 110 km/h mit Klimaanlage (Version Long Range RWD) besteht auch auf längeren Strecken. Der Platz auf den Rücksitzen wird als „Meisterstück an Praktikabilität“ mit elektrisch verstellbarer Lehnenneigung beschrieben.
Phantombremsen des kamerabasierten Tempomaten (ohne Radar) ist die schwerwiegendste Beschwerde. Ein australischer Besitzer berichtet von zwei abrupten Verzögerungen von 60 auf 30 km/h, als das System ein stehendes abbiegendes Fahrzeug erkannte. Ohne Radar ist der adaptive Tempomat im dichten Verkehr weniger zuverlässig als bei der Konkurrenz. Mehr dazu im Überblick Probleme, die Besitzer chinesischer Autos weltweit melden.
Bluetooth und Konnektivität sind ein chronisches Problem — Bluetooth trennt sich zufällig und erfordert eine manuelle Neukopplung über die Telefoneinstellungen. Das Zugangssystem über ein Android-Telefon (Walk-up Unlock) funktioniert Berichten zufolge seit über einem Jahr nicht zuverlässig, ohne behoben zu werden.
Alles über den Touchscreen: Lüftungsrichtung, Handschuhfach, Spiegel, Klimaanlage — ohne physische Alternative. Der linke Rand des 16-Zoll-Displays wird zudem teilweise vom Lenkrad verdeckt, sodass die Schnellzugriffstasten nicht sichtbar sind.
Die automatischen Türen funktionieren an Hängen nicht zuverlässig, die Hinderniserkennung übersieht Objekte in Fensterhöhe, und gelegentlich öffnen sie sich von selbst. Das Einparkassistent wird in Foren als „praktisch unbrauchbar — wahnsinnig langsam“ beschrieben.
Die Klimaanlage benötigt bis zu 5 Minuten, bis sie kalte Luft bläst — das Problem wird durch das schwarze Interieur ohne ausreichende Scheibentönung verstärkt.
Den Vordersitzen fehlt seitlicher Halt: In Kurven rutscht der Fahrer zur Seite, und das linke Knie stößt an die Mittelkonsole.
Mechanische Defekte sind bislang selten, aber die Serviceinfrastruktur ist neu und unausgereift. Bei einem Besitzer trat ein Fehler des Luftfahrwerks auf („Suspension fault. Reduce speed. Contact Zeekr“), den der Händler direkt an die ZEEKR-Zentrale in China eskalieren musste. Ein OTA-Update konnte in einem Fall nicht drahtlos zugestellt werden, und der Besitzer musste zur manuellen Installation in die Werkstatt. Die ersten 1.000 australischen Käufer erhielten eine verlängerte 7-jährige Garantie, die Standardbedingungen sind 5 Jahre auf das Fahrzeug und 8 Jahre/160.000 km auf die Batterie.
Wenn Sie ein Elektro-SUV mit Premium-Interieur suchen und nicht bereit sind, die Preise von BMW oder Mercedes zu zahlen, ist der ZEEKR 7X derzeit einer der besten Käufe auf dem Markt. Das außergewöhnlich schnelle Laden macht ihn zur idealen Wahl für Fahrer, die häufig lange Strecken zurücklegen und keine Zeit an der Ladesäule verbringen möchten.
Wenn für Sie maximale Effizienz und niedriger Verbrauch Priorität haben, bleibt das Tesla Model Y die bessere Wahl. Und wenn Sie ein Fahrerlebnis suchen — ein scharfes Lenkverhalten, präzise Rückmeldung und das Gefühl der Verbindung zur Straße —, schauen Sie sich anderswo um, etwa beim BMW iX3.
Der ZEEKR 7X ist ein Auto für alle, die Komfort, Technologie und Verarbeitungsqualität wollen. Es ist ein Auto, das Sie dazu bringt, Ihre Vorurteile gegenüber chinesischen Marken zu überdenken. Und mit fünfjähriger Garantie und autorisiertem Service in Tschechien ist er endlich auch eine praktisch machbare Wahl.