Honda Jazz E:HEV – Elektrifizierung des Benzinmotors

Honda Jazz E:HEV – Elektrifizierung des Benzinmotors

Jan Nemrava, 29. März 2021

Der Honda Jazz ist ein kleines Stadtauto, das auf nur 4 Metern Länge eine Geräumigkeit und Praktikabilität bietet, die kein anderes Auto mit Verbrennungsmotor bieten kann. Eine geräumige und luftige Kabine mit hervorragender Sicht nach vorne, praktische Rücksitze und ein ausreichend großer Kofferraum mit niedriger Ladekante. Und in der Stadt verbraucht er knapp über 4 Liter Kraftstoff. Klingt das nicht nach dem idealen Alltagsauto?

Zwilling ist nicht gleich Zwilling

Als wir vor ein paar Monaten den Jazz Crosstar E:HEV zum Test hatten, habe ich kein Geheimnis daraus gemacht, dass mir die Optik des „gewöhnlichen“ Jazz mit seinen einfachen Linien und Formen ohne die verkleidete – vermeintliche SUV – Optik viel sympathischer ist. Zu den Scheinwerfern, die dem Auto ein fast comichaftes Gesicht verleihen, passen die glatten Formen der Seite und der Front einfach besser. Also haben wir uns für den Test auch das hübschere der beiden Geschwistermodelle geliehen. Auch wenn jedes Modell im Design auf ein anderes Segment abzielt, ändert das nichts daran, dass sich die Autos technisch und in den Abmessungen sehr ähneln (in der Höhe unterscheiden sie sich nur um 3 cm, hauptsächlich durch die Dachreling und die Bodenfreiheit), sodass dieser Test etwas überflüssig erscheinen könnte. Doch jede Woche bringt etwas andere Bedingungen für den Autotest mit sich, sodass ich die Chance hatte, weitere Kleinigkeiten zu bemerken, die mir beim Crosstar entgangen waren.

Zum Aufwärmen stellen wir den Jazz noch einmal vor. Unter der Motorhaube arbeitet ein Hybridantrieb mit einer kleinen Batterie und einem Saugmotor mit einer Gesamtleistung von 80 kW und 253 Nm, wobei Honda für den Jazz keine andere Antriebsvariante anbietet. Zur Auswahl stehen also nur die Ausstattungslinie und die Farbe. Dieser Antrieb hat jedoch eine Besonderheit: Die meiste Zeit über arbeitet der Verbrennungsmotor als Stromgenerator für den Elektromotor. Schauen wir uns das also genauer an. 

Die Elektrik spielt die erste Geige

Der Hybridantrieb mit einer 0,8-kWh-Batterie, einem 80-kW-Elektromotor und einem 1,5-Liter-Saugmotor mit 72 kW Leistung ist für den Jazz ein völlig ausreichendes Antriebsaggregat. Das Ergebnis ist zwar eine eher durchschnittliche Dynamik mit einer Beschleunigung auf hundert km/h knapp unter 10 Sekunden, aber vor allem ein sehr niedriger Benzinverbrauch. Nur 4.8 Liter nach der WLTP-Norm. Dank des Elektromotors bietet der Jazz zudem dank der unmittelbaren Reaktion des Elektromotors Wendigkeit in der Stadt. Das System namens Intelligent Multi Mode Drive verfügt im Jazz über drei Modi. Elektroantrieb: Der Lithium-Ionen-Akku versorgt den Antriebselektromotor direkt. Die zweite Möglichkeit ist der Hybridantrieb: Der Verbrennungsmotor liefert Energie an den Generator, der sie wiederum an den Antriebselektromotor weitergibt. Und drittens der konventionelle Antrieb: Der Benzinmotor ist über eine Sperrkupplung direkt mit den Rädern verbunden, und die Antriebskraft wird direkt vom Motor auf die Räder übertragen. Dieser Modus aktiviert sich bei etwa 70 km/h, wobei dann eine Besonderheit ins Spiel kommt – eigentlich ein Einganggetriebe mit einer Übersetzung, die dem sechsten Gang eines klassischen Getriebes entspricht. Die Modi lassen sich nicht beeinflussen, und ihre Übergänge sind praktisch nicht wahrnehmbar. Wie funktioniert das in der Praxis? Sehr gut.

In der Stadt König

In der Stadt behält der Jazz dank des Elektromotors dank dessen schneller Reaktion aufs Gaspedal ein ideales Fahrverhalten bei. Eine solche Beschleunigung beim Einfädeln in den Kreisverkehr oder beim Einordnen in den Verkehr ist beim Jazz mehr als ausreichend und führt oft nicht einmal zu dem gefürchteten Hochdrehen des Motors, das sich durch ein unangenehmes Geräusch aus dem Bereich vor den Insassen bemerkbar macht. Der Verbrauch in der Stadt bleibt auch bei kürzeren Strecken und Winterbetrieb zwischen 4,2 und 4,5 Litern. Hier zeigt sich der unbestreitbare Nutzen der Elektrifizierung und des gesamten MMD-Ensembles. Es ist erstaunlich, wie oft er rein elektrisch fahren kann und wie ausreichend die Dynamik allein des Elektromotors ist. Da es in der ersten Woche der strengen Regierungsmaßnahmen nicht viele Ziele gab, bewegte ich mich hauptsächlich in der Stadt. Und dort überraschten mich mehrere Dinge: Nach einem Kaltstart belastet der Jazz den Motor mit der Stromerzeugung, was aus zwei Gründen gut ist: Erstens ist das der beste Weg, um den Motor möglichst schnell aufzuwärmen und sowohl ihm als auch der Besatzung möglichst schnell thermischen Komfort zu verschaffen, und zweitens ermöglicht eine volle Batterie innerhalb weniger Dutzend Sekunden, den Motor abzuschalten, sodass man, wenn man etwa nur ein paar hundert Meter zum Einkaufen fährt, praktisch mit einem einzigen Start auskommt. Beim Stehen an der Kreuzung läuft der Motor nur wegen der Kabinenheizung – sobald man das Gebläse ausschaltet, verstummt der Motor.

Auch auf der Autobahn gut

Außerorts steigt der Verbrauch dann nur um einen halben Liter, auf der Autobahn steigt er etwas mehr, aber es ist kein Problem, mit rund 5,5 Litern zu fahren. Insgesamt lag der kombinierte Verbrauch auf der 200 km langen Testroute mit einem Autobahnanteil von 70 % bei 4,7 Litern. Im Winterbetrieb und auf Winterreifen. Das ist ein mehr als guter Wert. Der Honda kam dabei der praktisch nicht vorhandene Verkehr etwas entgegen. Auf der Autobahn bei konstanter Geschwindigkeit ist der Jazz ausreichend leise, seine Assistenten erleichtern das Fahren, sowohl der adaptive Tempomat als auch der aktive Spurhalteassistent funktionieren recht zuverlässig. Aus dem Auto hat man eine hervorragende Rundumsicht, seine luftige Kabine vermittelt das Gefühl eines viel größeren Autos. Weder beim Blick auf die Rücksitze, wo eine durchschnittlich große Person noch 15 cm Kniefreiheit vor sich hat, noch beim Blick in den Kofferraum würde man diesem Auto tatsächlich 4 Meter Länge zutrauen. Dazu hat Honda noch Trümpfe wie die Magic Seats versteckt, bei denen sich die Sitzflächen hochklappen und an die Rückenlehne anlegen lassen. Oder das intelligente Sitzumklappsystem, bei dem sich die Sitzfläche zusätzlich nach unten verschiebt und nach dem Umklappen der Rückenlehne ein völlig ebener Boden entsteht – ohne dass, wie sonst üblich, ein Zwischenboden nötig wäre. Der ganze Trick beruht darauf, dass der Benzintank unter die Vordersitze verlegt wurde, sodass der dadurch entstehende Raum unter den Rücksitzen, wo sich der Tank normalerweise befindet, effektiv genutzt werden kann. Als Sahnehäubchen wirkt dann die extrem niedrige Ladekante des Kofferraums, die sich etwa auf Kniehöhe befindet, sodass das Hochheben der Einkäufe in den Kofferraum viel einfacher ist als bei manchen SUVs bis auf Hüfthöhe.

Auch wenn die optischen Unterschiede gering sind, ist es kaum zu glauben, wie viel die längs verlaufende Dachreling und ein paar Kunststoffteile an Stoßfängern und Kotflügeln ausmachen, wenn beide Varianten dann bei Honda in Jarov nebeneinanderstehen. Der Jazz Crosstar wirkt erwachsener und macht nicht so einen comichaften Eindruck wie der normale Jazz, aber wie ich zu Beginn des Artikels schon geschrieben habe, gefällt mir der „gewöhnliche“ Jazz besser. Und auf das Zubehörpaket Functional Finesse, das die Kunststoffteile an der Seite und ein paar silberne Applikationen vorne und hinten hinzufügt, würde ich definitiv verzichten. Designtechnisch passt das nicht so recht und es wirkt nicht so, als hätten sie irgendeine Schutzfunktion. Ebenso war ich von den Kunststoffabdeckungen der Leichtmetallfelgen nicht begeistert, aber das sind nur kleine Schönheitsfehler. Sie trüben keineswegs das großartige Gefühl der Handlichkeit und vor allem des einfachen Manövrierens mit dem Fahrzeug. Das praktisch senkrechte Heck birgt nicht nur einen Kofferraum mit 304 Litern Volumen, sondern lässt sich beim Einparken auch leicht in seinen Abmessungen einschätzen. Das erleichtern zudem die Rückfahrkamera und die Parksensoren. 

Eine großartige Wahl!

Im Innenraum gibt es vielleicht etwas unpraktische, aber sehr ansprechende helle Sitze mit einem sehr angenehmen Stoffbezug und guter Verarbeitung. Auf dem Armaturenbrett, dessen Tiefe fast einen halben Meter beträgt, befinden sich zwei Displays – eines ersetzt die klassischen Rundinstrumente, wobei ich hier die Menge der angezeigten Informationen bemängeln muss – es sind schlicht etwas zu viele. Das mittlere Display hingegen hat sehr schmale Rahmen, ist angenehm kontrastreich und schnell – die werkseitige Infotainment-Oberfläche wirkt etwas schlicht und veraltet, aber dank der Möglichkeit der Smartphone-Spiegelung ist das kein großes Problem. 

Der Honda Jazz nimmt in der Klasse der Kleinwagen eine ziemlich einzigartige Position ein. Mir fällt kein ähnliches Kleinwagenmodell ein, das auf so kleiner Fläche so viel bieten würde. Wenn von Kleinwagen die Rede ist, denkt jeder an Fabia, Peugeot 208 oder Toyota Yaris. Dabei kann man doch so viel mehr bekommen! Die Topausstattung für 23.500 € wirkt etwas teurer als in dieser Klasse üblich, aber wenn man sich die teureren Varianten der anderen Fahrzeuge ansieht, ist der Preis eigentlich mehr als gut.

95%
BEWERTUNG

Stärken

  • Sehr sparsamer Motor
  • Geräumige Kabine bei geringer Länge
  • Zuverlässig funktionierende Elektronik
  • Hervorragende Übersicht
  • Niedrige Ladekante

Schwächen

  • Motorgeräusch bei hoher Belastung

In diesem Artikel erwähnt

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