Der Chrysler Pacifica ist ein Dinosaurier im besten Sinne des Wortes — ein großer amerikanischer Van, der sich weigert, im Zeitalter der SUV-Dominanz auszusterben. Auf dem tschechischen Markt begegnet man ihm ausschließlich als Import aus den USA, dennoch findet er jedes Jahr Dutzende Käufer. Wie schlägt er sich gegen die europäische Konkurrenz, und warum macht der Saugmotor-V6 so süchtig? Bewertung 77/100 basierend auf 6 Testberichten aus aller Welt.
Der Pacifica erschien 2016 als Nachfolger des legendären Town & Country — jenes Autos, das im Grunde das Minivan-Segment erfunden hat. In den neun Jahren am Markt durchlief er eine schrittweise Weiterentwicklung: Die ersten Modelljahre (2017) hatten noch kein Apple CarPlay, 2018 kam die Smartphone-Unterstützung per kabelgebundenem Uconnect 4 hinzu, und 2020 bot Chrysler endlich Allradantrieb an. Ein grundlegendes Facelift kam 2021 — neues Infotainment Uconnect 5 mit 10,1-Zoll-Display, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, FamCam-Kamera und die luxuriöse Ausstattungslinie Pinnacle.
Im Frühjahr 2026 stellte Chrysler das zweite Facelift für das Modelljahr 2027 vor, mit komplett überarbeiteter Front (vertikale LED-Scheinwerfer, beleuchteter Kühlergrill im „piano keys“-Design), neuem Chrysler-Logo an Front und Heck sowie optionalem Blue-Agave-Nappaleder-Interieur. Die Technologiepakete Family Tech und Theater lassen sich neu unabhängig voneinander kombinieren, und das Sicherheitssystem Safety Sphere ergänzt eine blinkeraktivierte Totwinkelkamera. Bestellungen laufen seit März 2026, Auslieferungen ab Sommer. Die Plug-in-Hybridversion wird für 2027 nicht mehr angeboten.
Auf dem tschechischen Markt wird der Pacifica über spezialisierte Importeure amerikanischer Autos verkauft — eine Übersicht finden Sie auf der Modellseite. Wenn Sie einen Import aus den USA erwägen, bieten wir einen kompletten Importservice an — von der Fahrzeugauswahl über den Transport bis zur Zulassung in Tschechien.
| Jahr | Was neu hinzukam | Was blieb |
|---|---|---|
| 2017 | Völlig neues Modell, Nachfolger des Town & Country. PHEV-Variante (33 Meilen elektrische Reichweite). Uconnect 3 (8,4"). | — |
| 2018 | Apple CarPlay und Android Auto (kabelgebunden) über Uconnect 4. Mit Appearance Package. | Motor 3.6 V6, Stow ‚n Go, PHEV |
| 2020 | Allradantrieb (AWD) erstmals im Angebot. Voyager als Budget-Alternative. | Motor, CarPlay (kabelgebunden), Stow ‚n Go |
| 2021 (Facelift) | Uconnect 5 (10,1"), kabelloses CarPlay/AA, FamCam, USB-C, Ausstattungslinie Pinnacle (Nappaleder, Harman/Kardon). | Motor 3.6 V6, AWD, Stow ‚n Go, PHEV |
| 2024 | Neue Farben, kleinere Ausstattungsanpassungen. 78 Zulassungen in Tschechien — historisches Maximum. | Alles aus dem Facelift 2021 |
| 2027 (Facelift) | Neue Front (vertikale LEDs, beleuchteter Kühlergrill), neues Chrysler-Logo, Blue-Agave-Interieur, Totwinkelkamera. PHEV gestrichen. | Motor 3.6 V6, AWD, Stow ‚n Go, Uconnect 5 |
Das Design des Pacifica ist für einen amerikanischen Minivan überraschend elegant — die abgerundete Silhouette mit Chromakzenten und LED-Scheinwerfern wirkt nicht wie ein typischer „soccer mom van“. Mit einer Länge von 5 189 mm und einem Radstand von 3 089 mm ist er deutlich größer als alles, was man üblicherweise auf europäischen Straßen antrifft. Die Breite von über zwei Metern erfordert in engeren Straßen Aufmerksamkeit, vermittelt auf der Autobahn aber das Gefühl eines Flaggschiffs.
Unter der Haube arbeitet ein 3,6-Liter-Saugmotor V6 Pentastar mit 214 kW (287 PS) und einem Drehmoment von 355 Nm, gepaart mit einem Neungang-Automatikgetriebe. Auf dem Papier nichts Revolutionäres — in der Praxis überrascht der Motor jedoch mit Laufruhe und einem kultivierten Klang, der mit den groben amerikanischen V6-Motoren vergangener Zeiten nichts gemein hat. Die Leistung ist für ein zwei Tonnen schweres Fahrzeug ausreichend, und auf der Autobahn fühlt sich der Pacifica souverän an.
Komfort ist eine Stärke — die Federung schluckt Unebenheiten zuverlässig, und auf glatten Streckenabschnitten läuft der Wagen leise. Die Lenkung ist dagegen das schwächste Glied: stumpf, mit minimaler Rückmeldung. In Kurven verhält sich der Pacifica genau so, wie man es von einem zweieinhalb Tonnen schweren Minivan erwarten würde — ohne Drama, aber auch ohne Fahrfreude. Top Gear lobte dennoch das „überraschend gute dynamische Verhalten angesichts des Minivan-Stigmas.“
Was die Bremsen betrifft, wies der Rezensent von The Drive bei der Hybridversion auf ein „vages und unvorhersehbares“ Bremsverhalten hin — bei der reinen Benzinvariante ist die Situation besser, doch auch sie zählt nicht zu den Benchmarks.
| Motor | Leistung | Drehmoment | Antrieb | Verbrauch (komb.) | Preis ab |
|---|---|---|---|---|---|
| 3.6 V6 FWD | 214 kW (287 PS) | 355 Nm | Vorderrad | 10,2 l/100 km | 60.000 € |
| 3.6 V6 AWD | 214 kW (287 PS) | 355 Nm | 4×4 | 10,7 l/100 km | 65.100 € |
Der reale Verbrauch im kombinierten Betrieb liegt je nach Fahrstil und Stadtverkehrsanteil bei etwa 10–12 l/100 km. Auf der Autobahn bei konstanter Geschwindigkeit sinkt er auf angenehme 7–8 l/100 km. Für ein über zwei Tonnen schweres Fahrzeug mit Saugmotor-Sechszylinder ist das ein solides Ergebnis.
Die Plug-in-Hybridversion (PHEV) mit einer kombinierten Leistung von 194 kW und einer elektrischen Reichweite von über 50 km wurde in Europa nicht verkauft, und Chrysler hat ihre Produktion für 2027 endgültig eingestellt. Falls Sie sie dennoch als Gebrauchtwagen importieren möchten, bedenken Sie, dass der Hybrid auf das ikonische Stow ‚n Go-Umklappen der zweiten Sitzreihe verzichten muss — die Batterie beansprucht den Bodenraum.
Eine interessante Alternative zum Hybridantrieb ist die Umrüstung auf LPG. Der 3.6-Pentastar-Motor ist für den Gasbetrieb geradezu ideal — er nutzt eine klassische Mehrpunkteinspritzung (MPI), benötigt keine Anpassung der Ventilsitze, und am Markt gibt es erprobte Kalibrierungen von Herstellern wie BRC, ALEX oder Prins. Die Umrüstung kostet in Tschechien etwa 1.450 €–1.860 €.
Und gerade der Pacifica hat für LPG einen einzigartigen Vorteil: Ringtanks lassen sich im Stow ‚n Go-Bereich unter der zweiten Sitzreihe unterbringen. Zwei Tanks mit einem Gesamtvolumen von 58–68 Litern passen in die Bodenvertiefungen, die sonst zum Umklappen der Sitze dienen. Die Sitze bleiben voll funktionsfähig, Sie verzichten lediglich auf die Möglichkeit, sie in den Boden zu klappen — dafür erhalten Sie eine Reichweite von etwa 400–470 km mit Gas, ohne Kofferraumverlust.
Bei einem üblichen LPG-Preis von rund 0,79 €/l und einem Benzinpreis von rund 1,49 €/l–1,57 €/l sinken die Betriebskosten um etwa ein Drittel — von ca. 18,6 € auf 11,8 € pro 100 km. Aktuell (April 2026) sind die Benzinpreise aufgrund der geopolitischen Lage am Ölmarkt vorübergehend höher, sodass die Ersparnis durch LPG noch deutlicher ausfällt. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 15 000 km amortisiert sich die Umrüstung in etwa zwei Jahren. Für eine Familie, die mit dem Pacifica mehr Kilometer fährt, geht es noch schneller.
Der Pacifica ist in erster Linie ein Familienauto — und darin brilliert er. Drei Sitzreihen für sieben Insassen, elektrisch verschiebbare seitliche Schiebetüren, das Stow ‚n Go-System mit Umklappen der zweiten und dritten Reihe in den Boden. Der Kofferraum bietet 915 Liter hinter der dritten Reihe und wächst nach dem Umklappen aller Sitze auf enorme 2 478 Liter an. Das ist mehr als bei den meisten Transportern.

Die Vordersitze sind bequem und in den höheren Ausstattungen (Pinnacle) mit gestepptem Nappaleder bezogen. Das Armaturenbrett wirkt nach heutigen Maßstäben veraltet — analoges Kombiinstrument, ein robustes Lenkrad und das Uconnect-Infotainment, das zwar zuverlässig funktioniert, bei dem die Generationsunterschiede jedoch deutlich sind: Die Modelljahre 2017 hatten überhaupt kein Apple CarPlay, 2018–2020 bieten es kabelgebunden über Uconnect 4, und erst ab dem Facelift 2021 steht es kabellos auf dem 10,1-Zoll-Uconnect 5 zur Verfügung. Beim Gebrauchtwagenkauf ist es daher entscheidend zu wissen, welches Modelljahr man kauft. In der Topausstattung Pinnacle erhält man ein 19-Lautsprecher-System von Harman/Kardon mit 25-cm-Subwoofer, zwei 10-Zoll-Bildschirme für die Fondpassagiere mit Blu-ray-Player und Streaming, einen integrierten Staubsauger und sogar Kissen für die Fondreihe.
Die Verarbeitungsqualität ist ein kontroverses Thema. Die oberen Bereiche des Armaturenbretts und der Türverkleidungen wirken ordentlich, aber die weiter unten platzierten Kunststoffe sind hart und billig — was bei einem Auto für knapp 66.300 € verstimmt. Die Rezensenten sind sich einig, dass der Innenraum zwar praktische Lösungen im Stil eines „amerikanischen Simply Clever“ bietet, die Materialqualität jedoch hinter der europäischen Konkurrenz zurückbleibt.
Das Uconnect-Infotainment ist ein Paradox — funktional zuverlässig, aber gestalterisch zurückgeblieben. Die Bedienung ist intuitiv, physische Klimabedienelemente sind erhalten geblieben (was eigentlich ein Plus ist), doch das Fehlen eines digitalen Kombiinstruments wirkt 2026 anachronistisch. FamCam — eine Kamera im Dachhimmel über den hinteren Sitzreihen mit Bildübertragung auf das vordere Display — ist dagegen eine clevere Funktion, die viele Eltern zu schätzen wüssten.
Das System Uconnect Theater für die Fondpassagiere mit eigenen Bildschirmen, HDMI-Eingang und Streaming-Apps zählt zu den besten Rear-Seat-Entertainment-Systemen am Markt. Kabelloses Laden des Telefons, USB-C-Anschlüsse in jeder Reihe und ein WLAN-Hotspot ergänzen die Ausstattung um Konnektivität.
Der Chrysler Pacifica erhielt von der amerikanischen NHTSA die Gesamtbewertung 5 von 5 Sternen und wurde vom IIHS mit dem Top Safety Pick ausgezeichnet. Euro NCAP hat den Pacifica nicht getestet — auf dem europäischen Markt wird er offiziell nicht verkauft. Zur Serienausstattung gehören adaptiver Tempomat, automatische Notbremsung, Totwinkelüberwachung, Spurhalteassistent und in höheren Ausstattungen ein 360°-Kamerasystem. Ein Airbag-System inklusive seitlicher Curtain-Airbags, die alle drei Sitzreihen abdecken, ist Standard.

Die Zuverlässigkeit des Pacifica ist gemischt. Der 3.6-Pentastar-V6-Motor ist ein bewährtes Aggregat mit Millionen gefahrener Kilometer weltweit, doch das polnische Portal Autokult weist in seiner Gebrauchtwagenübersicht auf typische Probleme hin: kleinere elektrische Defekte, das Risiko einer Verschmutzung der Ölpumpe, ruckartige Schaltvorgänge des Neungang-ZF-Automatikgetriebes und Geräusche des Steuertriebs bei älteren Exemplaren.
Daten aus dem TÜV-Report oder von Consumentenbond gibt es für den Pacifica nicht — ein amerikanisches Auto außerhalb des europäischen Marktes schafft es nicht in diese Tests. Die Garantie beträgt standardmäßig 3 Jahre / 60 000 Meilen (ca. 96 000 km), die Serviceintervalle liegen bei 16 000 km. Ersatzteile müssen aus Übersee bestellt werden, was Reparaturen verlängert und die Kosten erhöht. Spezialwerkstätten für amerikanische Autos haben die meisten Verschleißteile auf Lager.
Die Preise für den neuen Pacifica beginnen bei 60.000 € für die FWD-Version und 65.100 € für AWD (Preise von März 2026). Auf dem Gebrauchtwagenmarkt bewegen sich die Preise zwischen 17.400 € für die Modelljahre 2017 (ohne Apple CarPlay, kabelgebundenes Uconnect 3), über 26.900 € für Vor-Facelift-Exemplare 2019–2020 (kabelgebundenes CarPlay, ohne AWD-Option) bis zu 40.600 € für Facelift-Exemplare ab 2022 mit kabellosem CarPlay und Uconnect 5. Beim Gebrauchtwagenkauf lohnt es sich, mindestens auf das Modelljahr 2021 zu zielen — das Facelift brachte einen deutlichen technologischen Sprung.
Die tschechischen Zulassungszahlen zeigen, dass der Pacifica auf dem tschechischen Markt eine überraschend starke Position hat. 2024 wurden 78 Exemplare zugelassen — historisches Maximum — davon 75 Gebrauchtimporte und 3 Neuwagen. 2025 waren es in 9 Monaten 44 Exemplare, davon 17 Neuwagen. Das sind Zahlen, die mit einigen offiziell verkauften Modellen vergleichbar sind. Von den Neuzulassungen entfielen 82 % auf Firmenwagen — der Pacifica ist als Familien-Flottenfahrzeug beliebt.
Prag dominiert mit 47 % der Zulassungen, gefolgt von Pilsen und Brünn. Die AWD-Variante macht den Großteil der Neuverkäufe aus (9 von 17 im Jahr 2025), was Sinn ergibt — Käufer eines Minivans für knapp 66.300 € greifen logischerweise zur Vollausstattung mit Allradantrieb. Importeure lassen einen Teil der Fahrzeuge als Demo- und Vorführwagen zu, sodass die tatsächlichen Kundenverkäufe etwas geringer ausfallen.
Direkte Konkurrenz für klassische Minivans gibt es in Europa kaum — das Segment wird von SUVs beherrscht. Die nächstliegenden Alternativen sind der VW Multivan (eher ein Transporter mit Pkw-Interieur), der VW ID. Buzz (elektrisch, kleiner) oder große siebensitzige SUVs wie der Kia EV9.
| Chrysler Pacifica | VW Multivan | VW ID. Buzz | Kia EV9 | |
|---|---|---|---|---|
| Preis ab | 60.000 € | 51.800 € | 51.300 € | 66.300 € |
| Antrieb | 3.6 V6 / 214 kW | 2.0 TSI / 150 kW | Electric / 210 kW | Electric / 160–283 kW |
| Verbrauch | 10,2 l/100 km | N/A | 20,9 kWh/100 km | 19–22 kWh/100 km |
| Kofferraum | 915 / 2 478 l | N/A | N/A | 333 / 807 l |
| Sitze | 7 | 7 | 7 | 7 |
| Länge | 5 189 mm | 4 973 mm | 4 712 mm | 5 010 mm |
Ausführlicher Vergleich aller vier Modelle in unserem Vergleichstool
Der Pacifica bietet eindeutig den meisten Stauraum und dank Stow ‚n Go die praktischste Innenraumvariabilität. Darin schlägt ihn kein europäischer Konkurrent. Der VW Multivan ist schmaler und kultivierter, der ID. Buzz kompakter und elektrisch, der Kia EV9 technologisch am fortschrittlichsten — aber keiner von ihnen bietet einen ebenen Laderaum von über 2,4 m³.

Der Pacifica ist ein Auto für Familien, die maximalen Platz und Variabilität benötigen. Wenn Sie regelmäßig fünf oder mehr Personen befördern, mit viel Gepäck in den Familienurlaub fahren oder sperrige Gegenstände transportieren müssen, bietet der Pacifica eine Lösung, die in Europa konkurrenzlos ist. Mit der Umrüstung auf LPG sinken zudem die Betriebskosten deutlich — und das neue Facelift 2027 mit moderner Front und verbesserten Technologien bringt den Pacifica wieder ein gutes Stück voran.
Wenn Sie ein kultivierteres Fahrverhalten und ein dichtes Servicenetz suchen, ist der Volkswagen Multivan mit seinem dichten Servicenetz die logischere Wahl. Wenn Technologie und elektrischer Antrieb für Sie Priorität haben, bietet der Kia EV9 für einen ähnlichen Preis mehr. Aber wenn Sie einen klassischen Minivan mit Sechszylinder, Stow ‚n Go-Sitzen und sieben Plätzen wollen, die für Erwachsene wirklich funktionieren — der Pacifica ist auf dem tschechischen Markt die einzige Antwort.