Toyota hat ihr beliebtestes Modell in ein SUV-Gewand gesteckt und kann sich damit im Segment der Kompakt-SUV um Kunden bemühen, die heute eher zum Karoq oder Tucson greifen würden. Man muss sagen, dass Toyota in diesem Segment viel zu bieten hat. SUVs von Toyota haben meist sehr gute Fahreigenschaften, einen ausgereiften Allradantrieb, und ihre Hybride erreichen unglaublich niedrige Verbrauchswerte – und das sogar bei den Allradvarianten. Wie das im Leben so ist, hat alles seinen Preis. Und den hat auch der Toyota Corolla Cross. Der Hersteller verlangt für ein gut ausgestattetes Modell über eine Million Kronen. Schauen wir uns also an, ob man bei einem solchen Auto zugreifen sollte oder sich lieber woanders umsieht.

Der Grund für die Entstehung dieses neuen Modells ist recht einfach. Toyota fehlte ein Kompakt-SUV. Da die Fahrzeuge mit jeder Generation wachsen, entsteht darunter Platz, der mit einem neuen Modell gefüllt werden kann. Eine ähnliche Länge wie der neue Corolla Cross erreichte der RAV4 vor zwei Generationen. Aktuell bietet Toyota also den Yaris Cross mit 4180 mm, den Corolla Cross mit 4460 mm und den RAV4 mit 4600 mm an. Mit wem der Corolla Cross konkurrieren wird, habe ich bereits in der Einleitung geschrieben. Direkter Konkurrent wird der kürzlich getestete Hyundai Tucson sein, der ebenfalls einen Vollhybrid anbietet. Natürlich bleibt auch der heimische Škoda Karoq nicht außen vor. Dieser wird zwar nicht mit Hybridantrieb angeboten, kann aber mit Allradantrieb und Dieselmotor ausgestattet werden und kostet ähnlich viel. Bei beiden Fahrzeugen lassen sich nur schwer Fehler finden, und im Gegensatz zu Toyota bieten sie eine relativ breite Auswahl an Antriebseinheiten. Toyota hat zwei, beide in Kombination mit dem e-CVT-Getriebe.

Also los geht's. Wir beginnen mit dem Design. Das ist wohl die größte Überraschung. Der Hersteller, der so hübsche Autos wie den Yaris Cross, den Supra, den RAV4 oder auch die klassische Corolla-Limousine baut, kommt hier mit einem Fahrzeug, das in diesem so umkämpften Segment zumindest nicht heraussticht. Von hinten sicher nicht. Hier fehlt jede Art von Designidee, und der Kontrast etwa zum Tucson könnte kaum größer sein. Schade, dass das Auto von außen praktisch nicht an die klassische Corolla erinnert. Innen ist es schon besser, dort ist die Ähnlichkeit mit der Corolla dagegen groß. Wir finden hier die gleiche Architektur des Armaturenbretts, die gleiche Klimabedienung und das gleiche Lenkrad. Wodurch sich das Cross-Modell unterscheidet, ist die neue Infotainment-Generation, die ich schon vor ein paar Wochen im Lexus NX gelobt habe. Ich mochte die Arbeit der Navigation und ihr Zusammenspiel mit der Sprachsteuerung sehr, und in dieser Woche habe ich nach langer Zeit erstmals wieder nicht Google Maps über Apple CarPlay gespiegelt genutzt, auch wenn diese Möglichkeit natürlich besteht.

Was das Platzangebot betrifft, ordnet sich der Corolla Cross im Mittelfeld ein. Vorne werden Sie sich bestimmt nicht beschweren, hinten ist vor den Knien ebenfalls Platz vorhanden, wenn auch kein Überfluss. Der Kofferraum hat keinen doppelten Boden und ist recht flach. Bei der stärkeren Hybridvariante mit Allradantrieb fasst er relativ bescheidene 390 Liter. Auch wenn ich rein optisch sagen würde, dass es mehr ist. Das ist ein kleines Problem all dieser Hybride und auch ein wichtiger Grund, warum der Corolla in dieser Ausstattung eher kein Familienauto wird. 85 Liter mehr Kofferraumvolumen bietet der schwächere Hybrid mit Frontantrieb. Man muss sagen, dass Hybridsysteme und Allradantrieb unabhängig von der Marke Kofferraumplatz kosten. Etwas unglücklich gelöst ist die Rollo-Abdeckung des Laderaums, mit der ich ständig zu kämpfen hatte. Unglücklich wirkt auch die Farbpalette, die 5 Grautöne, 2 Rottöne, 3 Weißtöne, Schwarz und Blau umfasst. Es fehlt eine Pastellfarbe, wie sie zum Beispiel beim Karoq erhältlich ist.

Der Corolla Cross ist das erste Modell, in dem das Hybridsystem der fünften Generation zum Einsatz kommt. Und gerade die Ausgereiftheit dieser Hybrideinheit wird sicher der größte Anreiz sein. Nicht nur die gesteigerte Leistung des Elektromotors, nicht nur die Möglichkeit des Allradantriebs, sondern vor allem der sagenhafte Verbrauch. Der Hersteller verspricht 5,1 bis 5,4 Liter nach WLTP-Norm, dazu noch einen recht ansehnlichen Beschleunigungswert von 0 auf 100 in 7,5 Sekunden! Die Systemleistung beträgt 146 kW. Wichtig ist auch die Leistung des Elektromotors, die 83 kW beträgt, hinten unterstützt zusätzlich einer mit 30 kW. Dadurch sind die Reaktionen auf das Gaspedal nicht nur sofort da, die Leistung reicht auch aus, um Sie angenehm zu beschleunigen und Raum für die Zuschaltung des Verbrennungsmotors zu schaffen. Dessen Zuschaltung erfolgt völlig unmerklich. Man tritt einfach aufs Gas und hat so viel Leistung zur Verfügung, wie man braucht. Tritt man das Gaspedal ganz durch, ertönt das typische Brummen des Saugmotors, das etwas störend ist. Ein großer Fortschritt ist jedoch, dass dies nicht bei jeder Leistungsanforderung geschieht. Der Corolla Cross schafft im Idealfall sogar ein paar Kilometer rein elektrisches Fahren, bevor er den Motor wieder kurz zuschaltet, um die Batterie etwas nachzuladen. Praktisch in allen Modi (außer im Autobahnmodus) ist der Motor etwa die Hälfte der Zeit außer Betrieb. Der Verbrauch ist dann wie aus einem Traum. In der Stadt ist es kein Problem, auf 4 Liter zu kommen, außerorts 5 Liter völlig problemlos, auf der Autobahn werden Sie bis zu 6,5 Liter auf hundert sehen. Das ist wirklich großartig. Dabei kann Ihnen zusätzlich die App MyT helfen, die Ihre Fahrweise auswertet und Tipps gibt, wo und wie Sie sich verbessern können. Im Vergleich zum letzte Woche getesteten Tucson ist er nicht nur sparsamer, sondern die Arbeit des Hybridsystems auch deutlich besser.

Auf der Straße verhält er sich, dem guten Ruf der Marke entsprechend, angenehm, in der Stadt ist er etwas straffer und vom Fahrwerk her vielleicht lauter, als es sich gehören würde, aber ansonsten hält er an der Tradition eines sehr fähigen Fahrwerks fest, das sich außerorts auszahlt. Dabei hilft auch die Mehrlenker-Hinterachse. Der Corolla Cross neigt sich kaum und drückt auch nicht aufs Vorderrad. Der Hybrid als solcher lädt nicht wirklich zu zügiger Fahrweise ein, auch nicht, wenn man ihn in den Sport-Modus schaltet. Unter der Haube stecken zwar fast 200 PS, unter dem Gaspedal schnelle Reaktionen des Elektromotors, aber das Gefühl, irgendwie vom Antriebsstrang entkoppelt zu sein, wird einen dabei nicht ganz los. Das von uns getestete Exemplar war zusätzlich mit Allradantrieb ausgestattet. Dieser wird über den hinteren Elektromotor realisiert, sodass ihn die Elektronik so steuern kann, wie es nötig ist. So hilft er zum Beispiel bei jedem Anfahren. Von größeren Geländeabenteuern hielt mich das Auspuffrohr ab, das die Bodenfreiheit ziemlich einschränkt (siehe Foto). Ein unbestreitbarer Vorteil ist der geringe Bauraum und der minimale Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch.
