Das kleinste SUV mit dem blau-weißen Logo ist längst kein billiges Eintrittsticket in die BMW-Welt mehr. Die dritte Generation des X1 (intern U11) hat sich vom kleinen Crossover zu einem vollwertigen Familienauto entwickelt, das beim Raumangebot an den eine Klasse größeren X3 heranrückt und mit seiner Motorenpalette alles vom sparsamen Dreizylinder bis zum elektrischen iX1 abdeckt. Nach Wochen der Arbeit mit Daten aus Dutzenden europäischen Tests, redaktionellen Dauertestwagen und Erfahrungen echter Besitzer ist klar: Der X1 ist der technisch fortschrittlichste kompakte BMW aller Zeiten, doch für seine Cleverness verlangt er einige unangenehme Kompromisse. Gesamtbewertung: 82/100.
Beim Design hat der X1 die rundlichen Formen des Vorgängers verlassen und sich zur neuen Markensprache bekannt: eine aufrechte Front mit großen Nieren, schlanke LED-Scheinwerfer und scharf geschnittene Flanken geben dem Auto einen selbstbewussten Auftritt, fast wie aus dem nächsthöheren Segment. Von hinten erkennt man ihn an den schmalen dreidimensionalen Leuchten und der klaren Heckklappe, die deutlich erwachsener wirkt als früher. Mit 4500 mm Länge, 1845 mm Breite und 2692 mm Radstand zählt er zu den größeren Autos in der Klasse der Premium-Kompakt-SUV, und das merkt man vor allem innen.
Die wichtigste technische Änderung ist der Wechsel auf quer eingebauten Motor und Frontantrieb bei den Basisversionen. Puristen dürfen darüber trauern, dass der kleinste X nicht mehr auf klassischem Hinterradantrieb basiert, in der Praxis hat es dem Auto aber gutgetan: Die Kabine ist gewachsen, der Einstieg wurde einfacher, und bei den xDrive-Versionen ist Allradantrieb so selbstverständlich wie früher.

Der X1 hat sich auch als praktisches Familien-SUV das bewahrt, was man von BMW erwartet. Die Lenkung ist präzise, die Front lenkt willig ein, und die Karosserie bleibt in Kurven aufrecht, sodass ein flotteres Tempo auf Landstraßen dem Auto sichtlich Spaß macht. In dieser Hinsicht bleibt der X1 in seiner Klasse eine Referenz und lässt bequemere, aber träger reagierende Rivalen hinter sich.
Der Preis für diese Dynamik ist allerdings spürbar. Das Fahrwerk, besonders im M Sport-Paket auf 19- und 20-Zoll-Rädern, ist deutlich hart und gibt auf schlechten tschechischen Landstraßen jede Querfuge in die Kabine weiter. Auch das britische Magazin Auto Express bezeichnete die Federung des getesteten M Sport in seinem Dauertest als zu straff für normale Straßen. Wenn Sie die Familie nicht über jeden Kanaldeckel schaukeln wollen, empfehlen wir den Aufpreis für das adaptive Fahrwerk und den Verzicht auf die größten Räder.
Das zweite Fragezeichen ist das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe. Bei zügiger Fahrt schaltet es blitzschnell, beim Rangieren und Anfahren kann es aber merklich zögern, sodass das Auto kurz "nachdenkt", bevor es losfährt. Das ist kein Detail, das man mit einer Handbewegung abtun kann, wie Sie im Abschnitt über Besitzererfahrungen sehen werden.
Das Video ist auf Englisch.
Das Motorenangebot des X1 ist ungewöhnlich breit. Es beginnt mit dem Benziner sDrive18i mit 100 kW (136 PS), geht über den stärkeren sDrive20i (125 kW / 170 PS) und Dieselversionen bis zum Allradantrieb im xDrive23i (160 kW / 218 PS). Die Spitze des vernünftigen Angebots bilden zwei Plug-in-Hybride, der schwächere xDrive25e und der stärkere xDrive30e mit 240 kW (326 PS) Systemleistung, der den Sprint auf hundert in 5,6 Sekunden schafft. Darüber stehen der eigenständige scharfe X1 M35i mit 300 PS und der rein elektrische iX1, denen wir in diesem Test nur am Rand Aufmerksamkeit widmen.
| Motorisierung | Leistung | Antrieb | Verbrauch / Reichweite | Preis ab |
|---|---|---|---|---|
| sDrive18i (Benzin) | 100 kW (136 k) | Front | 7,1–6,4 l/100 km | 42.700 € |
| sDrive18d (Diesel) | 110 kW (150 k) | Front | ca. 5,0 l/100 km | 45.200 € |
| xDrive23i (Benzin) | 160 kW (218 k) | 4x4 | ca. 6,5 l/100 km | 52.800 € |
| xDrive25e (PHEV) | 180 kW (245 k) | 4x4 | el. Reichweite bis 82 km | 50.900 € |
| xDrive30e (PHEV) | 240 kW (326 k) | 4x4 | el. Reichweite bis 81 km | 53.000 € |
In der Praxis zählen Diesel und Mildhybrid-Benziner zu den vernünftigsten Optionen; sie fahren auf Autobahn und Landstraße mit rund fünf bis sieben Litern. Die Plug-in-Hybride versprechen auf dem Papier mehr als 80 km elektrisch, die Realität ist aber deutlich bescheidener, wie wir weiter unten erklären. Wenn Sie das Auto regelmäßig laden und vor allem in der Stadt fahren, kann der xDrive25e auch unter drei Liter Benzin auf hundert Kilometer kommen. Ohne regelmäßiges Laden verschlechtert die schwere Batterie den Verbrauch allerdings eher.
Für Fahrer mit hoher Jahresfahrleistung, die unter X1-Kunden die Mehrheit bilden, bleibt der Diesel die logischste Wahl. Es ist kein Zufall, dass gerade der Diesel xDrive20d in Tschechien die meistverkaufte Version der ganzen Baureihe ist: Er kombiniert lange Reichweite, niedrigen Autobahnverbrauch und Allradantrieb, der auf verschneiten Skipisten ebenso nützlich ist wie auf schlammigen Zufahrten. Der Benziner sDrive18i ergibt dagegen als Stadt- und Vorstadtauto für jene Sinn, die weniger Kilometer fahren und keinen Diesel wollen.
Die Kabine ist der Bereich, in dem der X1 am meisten überrascht. Materialien, Passungen und Gesamteindruck wirken premium und eine Stufe über dem, was man vom günstigsten Modell der Marke erwarten würde. Die schwebende Mittelkonsole öffnete einen großen Stauraum unter der Armlehne, und vorne sitzt man bequem auf gut konturierten Sitzen mit ordentlichem Halt.

Praktikabilität ist eine Stärke. Die verschiebbaren Rücksitze bieten entweder ordentlich Kniefreiheit oder einen größeren Kofferraum, dessen Grundvolumen von 540 Litern (bei Plug-in-Hybriden rund 490 Liter) in der Klasse überdurchschnittlich ist. Hinten reisen dank des langen Radstands auch Erwachsene bequem, nur die Kopffreiheit hat das abfallende Dach leicht gekappt. Für eine Familie mit Kindern ist der X1 eines der nutzbarsten Autos seines Formats.
Das Armaturenbrett wird von einem gebogenen Panel dominiert, das ein 10,25-Zoll-Kombiinstrument und den 10,7-Zoll-Touchscreen des Infotainments verbindet. Grafisch sieht es hervorragend aus, und kabelloses Apple CarPlay sowie Android Auto funktionieren zuverlässig. Das Problem liegt in der Bedienung: BMW hat in dieser Generation nach und nach den beliebten iDrive-Drehregler und die meisten physischen Tasten inklusive Klimabedienung aufgegeben, sodass viele Funktionen in Touch-Menüs verschwanden. Für Fahrer, die an ältere, intuitivere BMW gewöhnt sind, ist das ein spürbarer Schritt zurück, und in den ersten Tagen gewöhnt man sich erst an die Logik des Systems.

Fairerweise muss man ergänzen, dass frühe Exemplare der dritten Generation aus den Jahren 2022 und 2023 noch mit der älteren Oberfläche samt Drehregler unterwegs waren. Die vollständig touchbasierte Bedienung ohne physische Abkürzung für die Klimaanlage betrifft vor allem neuere Fahrzeuge mit der neuesten iDrive-Version. Wenn Sie zu den Fahrern gehören, denen physische Tasten fehlen, sollten Sie das bei der Wahl eines konkreten Baujahrs bedenken.
In den Euro-NCAP-Crashtests erhielt der BMW X1 im Jahr 2022 volle fünf Sterne. Er punktet vor allem beim Insassenschutz: 86 % für Erwachsenenschutz, ausgezeichnete 89 % für Kinderschutz und 92 % für Assistenzsysteme, die zu den stärksten Seiten des Autos gehören. Etwas schwächer, aber immer noch solide sind 76 % für den Schutz ungeschützter Verkehrsteilnehmer. Automatische Notbremsung und weitere Assistenzsysteme fehlen nicht; der adaptive Tempomat ist Teil des Pakets Driving Assistant Professional.
Offizieller Euro-NCAP-Crashtest.
Für ein endgültiges Urteil zur Zuverlässigkeit ist die dritte Generation noch recht jung, die ersten Daten sehen aber günstig aus. Im deutschen TÜV-Report kommen die jüngsten Baujahre mit einer unterdurchschnittlichen Mängelquote von rund 4,2 Prozent durch die Hauptuntersuchung, was im Segment ein ordentliches Ergebnis ist. Auch die niederländische Verbraucherorganisation Consumentenbond bewertet den aktuellen X1 hoch, mit einer Besitzerzufriedenheit von rund 8,7 von zehn.
Das bedeutet aber keine Sorgenfreiheit. Fahrzeuge, die ungefähr zwischen 2023 und 2025 gebaut wurden, waren von einem Rückruf wegen des integrierten Bremssystems betroffen, bei dem der Ausfall des Bremskraftverstärkers drohte. Es handelte sich um ein sicherheitsrelevantes Thema, das im Service gelöst wurde; manche Besitzer klagten aber über längeres Warten auf Ersatzteile. Prüfen Sie beim Kauf eines Gebrauchten deshalb, ob der Rückruf erledigt wurde.
Ein professioneller Test dauert eine Woche, ein Besitzer lebt jahrelang mit dem Auto. Deshalb haben wir redaktionelle Dauertestwagen sowie Diskussionen und Bewertungen echter Besitzer auf Portalen wie Honest John, Parkers oder spezialisierten Besitzerforen durchgesehen. Das Bild ist überwiegend positiv, aber mit einigen wiederkehrenden Vorbehalten.
Ein eigenes Kapitel ist die elektrische Reichweite der Plug-in-Hybride. Während die Tabelle mehr als 80 Kilometer verspricht, melden Besitzer in der Praxis eher 60 bis 65 Kilometer im Sommer und nur etwas mehr als 50 Kilometer im Winter. Es bleibt ein brauchbarer Wert, der normales tägliches Pendeln abdeckt, aber rechnen Sie realistisch damit. Eine Schwäche bleibt auch das Fehlen schnellen Gleichstromladens, sodass Sie die Batterie vor allem zu Hause über Nacht füllen.
Auf dem tschechischen Markt startet der X1 laut Preisliste für 2026 bei 1 033 500 Kronen für den Basis-Benziner sDrive18i. Diesel und schwächere Benziner bleiben unter 1,3 Millionen, Plug-in-Hybride und xDrive-Versionen kratzen an der Grenze von 1,3 Millionen und mehr. Die umfangreiche Aufpreisliste kann den Preis dabei schnell nach oben treiben, sodass ein besser ausgestattetes Exemplar in der Praxis deutlich über dem Basispreis liegt.
Der X1 ist in Tschechien ein echter Bestseller seiner Klasse. Im Jahr 2025 kamen neues BMW X1 und iX1 zusammen auf rund 930 Zulassungen, was ihn zum zweitmeistverkauften Premium-Kompakt-SUV hinter dem Volvo XC40 (mehr als tausend Stück) und vor Audi Q3 (rund 850 Stück) sowie Mercedes GLA macht. Innerhalb der Baureihe dominiert klar der Diesel xDrive20d, Plug-in-Hybride machen nur einen kleineren Teil der Verkäufe aus. Es ist dabei zu einem großen Teil ein Firmenauto: Rund drei Viertel der neuen X1 gingen an Unternehmen und Leasinggesellschaften; unter den größten Abnehmern finden sich operative Leasinganbieter und Firmenflotten. Privatkunden sind in diesen Statistiken eher in der Minderheit, was viel über die Art des Autos und sein Hauptpublikum verrät.
Gerade der starke Flottenanteil macht den X1 auch im Markt für operatives Leasing beliebt. Dank guter Restwerte fallen die Monatsraten günstiger aus als bei Rivalen, die schneller an Wert verlieren, und Unternehmen schätzen die breite Motorenpalette, in der sowohl der sparsame Diesel als auch der Manager mit Wunsch nach Plug-in-Hybrid wegen steuerlicher Vorteile fündig wird. Privatinteressenten profitieren davon auf dem Gebrauchtwagenmarkt: Nach Ende der Leasingverträge kommen viele gepflegte drei- bis vierjährige Exemplare mit vollständiger Servicehistorie in den Handel.
| Parameter | BMW X1 | Audi Q3 | Volvo XC40 | Mercedes GLA |
|---|---|---|---|---|
| Preis ab | 42.700 € | 45.800 € | 42.500 € | 43.000 € |
| Basismotor | 100 kW (136 k) | 110 kW (150 k) | 120 kW (163 k) | 110 kW (150 k) |
| Verbrauch | ca. 6,0 l | ca. 6,0 l | ca. 6,0 l | ca. 6,0 l |
| Kofferraum | 540 l | 488 l | 452 l | 425 l |
| Länge | 4500 mm | 4531 mm | 4425 mm | 4412 mm |
Gegenüber den wichtigsten Rivalen hält der X1 seinen Vorsprung bei Platzangebot und Fahrdynamik, verliert aber beim Federungskomfort, wo Volvo XC40 und Audi Q3 gesetzter wirken. Den kompletten Vergleich von Parametern, Ausstattungen und Preisen finden Sie in unserem Vergleich BMW X1 vs Audi Q3 vs Volvo XC40 vs Mercedes GLA.
Wenn Sie ein geräumiges Premium-SUV suchen, das sich gut fährt, seinen Wert hält und vom sparsamen Diesel bis zum Plug-in-Hybrid einen Motor für praktisch jeden Geschmack bietet, ist der X1 eine der besten Entscheidungen in der Klasse, und der Grund für seinen Verkaufserfolg ist offensichtlich. Er dient hervorragend als Firmenwagen und als Familienauto, das Kinderwagen und Wochenendgepäck ohne Probleme schluckt.
Wenn Komfort und Ruhe für Sie aber an erster Stelle stehen, überlegen Sie zweimal bei der Radgröße und zahlen Sie für das adaptive Fahrwerk, sonst wird Sie die harte Federung mit der Zeit ermüden. Und wenn Sie physische Tasten lieben und nicht jede Kleinigkeit auf dem Touchscreen suchen wollen, probieren Sie die Bedienung vor dem Kauf aus oder greifen Sie zu einem älteren Baujahr mit klassischem Drehregler. Wer das Zögern der Doppelkupplung im Stop-and-go-Verkehr stört, sollte das Auto gerade im dichten Stadtverkehr testen, wo sich diese Eigenschaft am stärksten zeigt.