Die BMW Group enthüllte am Freitag, dem 15. Mai 2026, am italienischen Comer See die Vision BMW ALPINA - die erste Designstudie seit dem Moment, als ALPINA im Januar 2026 vollwertiger Teil des Münchner Konzerns wurde. Statt eines elektrischen Neuanfangs knüpft sie ungewöhnlich konservativ an: ein Fünfmeter-Coupé mit V8-Motor und vier Auspuffendrohren.

Die Premiere auf dem Concorso d'Eleganza Villa d'Este ist kein Zufall - BMW enthüllt am italienischen Comer See in den letzten Jahren regelmäßig Designstudien. Diesmal ist der Unterschied jedoch wesentlich: Die Vision ALPINA verspricht keine Sammler-Kleinserie, sondern ein vollwertiges Serienmodell, das 2027 kommen wird.
Die Studie misst laut BMW Group-Pressemitteilung 5.200 Millimeter, ist breit, flach und hat ein langes, fallendes Coupédach. Unter der Haube steckt keine elektrische Einheit der Neue-Klasse-Plattform, wie man es 2026 hätte erwarten können, sondern ein V8-Verbrennungsmotor, abgestimmt auf den charakteristischen ALPINA-Sound. Die konkrete Leistung hat die BMW Group nicht veröffentlicht, auch Verbrauch oder Emissionen wurden nicht genannt.
Das charakteristische Merkmal bleibt die sogenannte Haifischnase - die nach vorne geneigte Maske, die ALPINA erstmals am B7 Ende der 70er Jahre verwendete. Die Designer haben sie diesmal als dreidimensionale Fläche um die Doppelnieren gestaltet und mit hinterleuchteter Grafik dekorativer Linien ergänzt, die unter einer dunklen metallischen Oberfläche verborgen ist. Die Räder messen 22 Zoll vorne und 23 Zoll hinten, das Design mit zwanzig Speichen ist bei ALPINA seit 1971 eine Konstante.

Das Concept kommt mit einem Comfort+-Modus - einer Fahrwerksabstimmung, die noch weicher ist als die eines Standard-BMW. Die Philosophie verweist auf Gründer Burkard Bovensiepen, der bei Langstreckenrennen in den 60er Jahren dem Fahrer mehr Polsterung im Sitz gab mit der Begründung, ein komfortablerer Fahrer sei ein schnellerer Fahrer. Dieses Prinzip trennt die Markenpositionierung heute vom scharf abgestimmten BMW M.
Laut Oliver Viellechner, Direktor von BMW ALPINA, soll die Marke die Lücke im Portfolio der BMW Group zwischen der 7er-Reihe beziehungsweise dem X7 und Rolls-Royce füllen, wo die BMW Group nach seiner Aussage Potenzial sieht, das auf sechzig Jahren ALPINA-Geschichte und deren weltweiter Community aufbaut. Diese Positionierung wurde bereits im März angedeutet, als wir darüber berichteten, wie BMW Alpina mit der 7er-Reihe und dem X7 beginnen und mit Bentley und Maybach konkurrieren will. Als Preisreferenz bietet heute nur das seriennahe Geschwisterangebot: BMW 7er startet in Tschechien ab 2.782.000 Kč, der Aston Martin DB12 Volante kostet 5.850.000 Kč. Die Serien-ALPINA auf Basis der 7er-Reihe wird sich voraussichtlich dazwischen bewegen.

Der Innenraum übernimmt das Panoramic iDrive-Infotainment der Serien-BMW einschließlich des Beifahrer-Displays, doch hier gibt BMW zu, wo ALPINA anders bleiben soll. Die Bedienelemente bestehen aus klarem Kristall, die Metallkomponenten haben satinierte und polierte Flächen in einer Facettentechnik, die von Uhren übernommen wurde. Das Leder stammt von Lieferanten aus dem Alpenraum, die Steppnähte kopieren das historische Ziermotiv der ALPINA "decorative lines". In der Mittelkonsole befinden sich Glasbecher mit einem eingravierten 20-Punkte-Motiv - gehalten von versteckten Magneten.
Das Schlüssel-Designelement - die sogenannte Speedline - setzt an der Vorderecke im Winkel von sechs Grad an, verläuft an der Seite entlang und umschlingt das Heck. In heutigen Standard-BMW findet man eine solche Geometrie kaum; es ist eine bewusste Rückkehr zu Schulen des Karosseriedesigns, bei denen die Form einen einzigen Hauptgedanken trägt.
BMW bestätigte in der Pressemitteilung, dass Kunden nächstes Jahr das erste Serienmodell der neuen Ära zu sehen bekommen. Es wird auf der aktuellen BMW 7er-Reihe basieren, aber eine unverwechselbare ALPINA sein. Gleichzeitig gab der Konzern bekannt, dass das Sondermodell BMW ALPINA XB7 Manufaktur in 120 Exemplaren für die Vereinigten Staaten und Kanada das Kapitel der ALPINA-Produktion in der bisher bekannten Form abschließt - Details haben wir im Text über den XB7 Manufaktur mit 631 PS zum Abschied aufgeschlüsselt.
Die Einstellung der eigenständigen Produktion im bayerischen Buchloe (wo ALPINA seit 1965 tätig war) war Teil der Vereinbarung, die die Familie Bovensiepenů 2022 mit BMW abschloss. Ab Januar 2026 übernimmt die BMW Group vollständig Entwicklung und Produktion - wie wir beschrieben haben, als ALPINA eine eigenständige Konzernsmarke wurde.
Die Vision BMW ALPINA bleibt eine Studie - das Serienfahrzeug für 2027 wird eine andere Karosserie erhalten und laut BMW Group von der 7er-Reihe inspiriert sein. Die Pressemitteilung enthält keine konkreten Angaben zur Markteinführung in Tschechien oder zum Preis. Eine eigenständige ALPINA hatten tschechische BMW-Händler bisher nicht im regulären Preiskatalog; die letzten Importe erfolgten über spezialisierte Partner in Deutschland. Mit dem Erscheinen des Serienfahrzeugs 2027 und seiner Einbindung in den regulären BMW-Vertrieb könnte sich das ändern, eine offizielle Bestätigung von BMW Group ČR liegt jedoch bisher nicht vor.
Die Vision ALPINA ist auf dem Concorso d'Eleganza Villa d'Este bis Sonntag, den 17. Mai 2026, zu sehen.