Der britische Automobiljournalist Greg Kable vom Magazin Autocar veröffentlichte über seinen Account auf X die ersten detaillierten Fotos des Volkswagen ID. UNYX 09 — einer fünf Meter langen Elektro-Limousine, die das zweite Modell aus der Kooperation zwischen Volkswagen Anhui und dem chinesischen Hersteller XPeng ist. Die Premiere fand am 21. April 2026 am Vorabend der Auto China in Peking statt. Volkswagen, das in China im vergangenen Jahr über 15 % seiner Verkäufe verloren hat, setzt alles auf die Partnerschaft, die dem Konzern die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber BYD, Xiaomi und Nio zurückbringen soll.
Mit einer Länge von über 5 Metern ist der UNYX 09 ein direkter Konkurrent des Mercedes EQS, des BMW i7 oder des BYD Han L. Im Design knüpft er an das SUV UNYX 08 an — geteilte Frontscheinwerfer mit zwei schmalen LED-Tagfahrleuchten, eine fließende Dachlinie, die in einen kurzen Heckabschnitt übergeht, sowie ein beleuchtetes Volkswagen-Logo am Heck. Charakteristisch sind schwarze Streifen, die sich von den vorderen Kotflügeln bis zu den Türen ziehen und die Seitenlinie optisch verlängern. Laut CarNewsChina verfügt die Limousine über einen in der B-Säule integrierten Face-ID-Sensor zur biometrischen Fahrererkennung.
Ein weniger schmeichelhaftes Detail: die versenkbaren Türgriffe. Versenkte Griffe sind in China zum Synonym für modernes EV-Design geworden, doch nach einer Reihe von Unfällen, darunter dem tödlichen Unfall des Xiaomi SU7 Ultra, bei dem die Insassen die Türen nach dem Aufprall nicht öffnen konnten, kündigte die chinesische Aufsichtsbehörde im März 2026 an, sie flächendeckend zu verbieten. Der UNYX 09 kommt in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt — Volkswagen bringt also ein Auto heraus, das noch vor dem Ende seines Lebenszyklus höchstwahrscheinlich einen Redesign der Türgriffe durchlaufen muss.

In Peking hat Volkswagen keine technischen Daten offiziell bekannt gegeben. Greg Kable bestätigt, dass die Antriebsspezifikationen weiterhin unter Verschluss sind. CarNewsChina erwartet jedoch, dass der UNYX 09 die Technik des kleineren SUV UNYX 08 übernimmt, das im vergangenen Jahr auf den Markt kam: zwei LFP-Batterievarianten (82 und 95 kWh) sowie zwei Antriebsversionen — Hinterradantrieb mit 230 kW (308 PS) und Allradantrieb mit bis zu 370 kW (496 PS). Diese Zahlen sind laut CarNewsChina jedoch vom UNYX 08 abgeleitet; Volkswagen hat sich dazu beim UNYX 09 bislang offiziell nicht geäußert. Das Assistenzsystem L2+ mit der Funktion Navigate On Autopilot (NOA) soll sowohl auf Autobahnen als auch im Stadtverkehr funktionieren.
| Angabe | UNYX 09 (offiziell) | UNYX 08 (wahrscheinliche Basis) |
|---|---|---|
| Länge | über 5 000 mm | 4 876 mm |
| Karosserie | Limousine (fünftürig) | SUV (fünftürig) |
| Batterie | nicht veröffentlicht | 82 kWh / 95 kWh LFP* |
| Leistung | nicht veröffentlicht | 230–370 kW (RWD/AWD)* |
| ADAS | L2 mit NOA für Stadt und Autobahn | L2 mit NOA |
| Verkaufsstart | H2 2026 (China) | 2025 (China, ab ca. 33 300 USD) |
Volkswagen und XPeng gaben ihre strategische Allianz im Juli 2023 bekannt, als der deutsche Konzern 700 Millionen US-Dollar in den chinesischen Hersteller investierte. Die Vereinbarung umfasst die Entwicklung einer gemeinsamen Elektronikarchitektur (CEA — China Electronic Architecture), die die Zahl der Steuergeräte im Fahrzeug um 30 % reduzieren soll. Die erste Frucht der Partnerschaft war das SUV UNYX 08, das in China seit dem vergangenen Jahr verkauft wird — laut CarNewsChina startet es bei 33 300 USD (umgerechnet rund 770 000 Kč, allerdings ohne europäische Zölle und Regulierung). Der UNYX 09 entstand laut Motor1 in nur 24 Monaten — ein Rekordtempo für die Automobilindustrie, das eher mit chinesischen Start-ups als mit europäischen Autoherstellern vergleichbar ist.
Parallel dazu stellte VW auch den ID. Aura T6 vor — einen mittelgroßen Crossover, der im Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen gebaut wird und ebenfalls die mit XPeng entwickelte CEA-Architektur sowie LiDAR-gestützte Assistenzsysteme von Carizon (einem Joint Venture von VW Group und Horizon Robotics) nutzt. UNYX und Aura sind zwei parallele Baureihen: UNYX aus dem Werk Volkswagen Anhui in Hefei, Aura aus FAW-Volkswagen in Changchun. Volkswagen plant, in China bis 2027 mehr als 20 neue Modelle mit elektrifiziertem Antrieb vorzustellen.

Die Marke Volkswagen lieferte laut den jüngsten von CarNewsChina veröffentlichten Daten im betrachteten Zeitraum 386 284 Fahrzeuge in China aus — ein Rückgang von 15,4 % gegenüber dem Vorjahr. Auf seinem einst wichtigsten Markt, wo VW jahrzehntelang mit Modellen wie dem Magotan (dem chinesischen Pendant zum Passat) und dem ID.4 dominierte, gerät der Konzern nun nicht nur durch BYD und Geely, sondern auch durch Xiaomi unter Druck, dessen Limousine SU7 sich innerhalb eines Jahres den Verkaufszahlen von Porsche in China angenähert hat. Die Verbrennermodelle von VW verlieren in China rasch Marktanteile, und die Elektromodelle der ID-Familie hinken der chinesischen Konkurrenz sowohl beim Preis als auch bei der Softwareausstattung hinterher.
Die Strategie „Wenn du sie nicht schlagen kannst, schließe dich ihnen an" ist unübersehbar: VW bringt weder eine eigene Plattform noch eigene Software mit, sondern übernimmt größtenteils das Know-how von XPeng — einem relativ jungen Player, der selbst eine Rentabilitätskrise durchlaufen hat und erst im vergangenen Jahr in die schwarzen Zahlen gerutscht ist. Das Risiko? Volkswagen gibt damit eine Schlüsselkompetenz (Elektronikarchitektur, ADAS, Infotainment) an einen externen Partner ab, von dem der Konzern in China nun vollständig abhängig ist.

Der Volkswagen ID. UNYX 09 ist ausschließlich für China bestimmt. Volkswagen hat keinen Grund, das Modell nach Europa zu importieren — hier gibt es bereits die eigene Premium-Limousine ID.7 auf der europäischen MEB-Plattform, die in den Niederlanden ab 43 990 EUR startet. Ein tschechischer Interessent für eine große Elektrolimousine aus dem Volkswagen-Konzern hat somit praktisch zwei Wege: den ID.7 direkt oder den Audi A6 e-tron aus Ingolstadt. Für kleinere Elektroautos bringt VW zudem den kommenden ID.3 Neo, der gerade in den Vorverkauf gestartet ist und eine Reichweite von 630 km bietet.
Es gibt jedoch ein von VW Anhui gebautes Fahrzeug, das nach Tschechien kommt: den Cupra Tavascan. Er ist das erste Auto aus China, das den zusätzlichen europäischen Zöllen entgeht, weil sich VW Anhui verpflichtet hat, die mit Brüssel vereinbarten Mindesteinfuhrpreise einzuhalten. Sollte Volkswagen irgendwann den UNYX 09 oder 08 nach Europa bringen wollen, könnte der Konzern denselben Weg wiederholen — bislang wurde jedoch nichts dergleichen angekündigt. Volkswagen Group selbst bleibt in Tschechien die Nummer eins unter den Importeuren, und die europäischen Kunden werden für den Konzern eher durch den ID.7 und den kommenden ID.4 GTX definiert als durch die gemeinsam mit XPeng entwickelten Modelle.
Wenn der UNYX 09 in China wirklich erfolgreich sein soll, dann in einem Segment, in dem ihm einheimische Favoriten wie der Xiaomi SU7 (ab ca. 215 900 Yuan, also rund 700 000 Kč), der Nio ET7 oder der BYD Han L EV gegenüberstehen. Greg Kable spielt in seinem Tweet auf die entscheidende Frage an: ob VW endlich gelernt hat, „Chinesisch zu sprechen". Die Antwort kommt bis Jahresende, wenn der UNYX 09 die ersten Kunden erreicht — und vor allem, wenn sich zeigt, ob das hinter XPeng verborgene deutsche Abzeichen die chinesischen Käufer in einer Welt überzeugen kann, in der Marken wie Mercedes oder BMW in den NEV-Rankings längst keine Rolle mehr spielen.