Der XPeng G9 zählt zu den ambitioniertesten chinesischen Elektroautos, die je nach Europa gekommen sind. Das große Elektro-SUV auf 800-V-Architektur kombiniert ultraschnelles Laden, Luftfederung und ein Premium-Interieur mit Massagesitzen — und das zu einem Preis, der deutlich unter dem des BMW iX oder des Mercedes EQE SUV liegt. Nach der Analyse von 13 unabhängigen Tests aus Tschechien, Polen, Deutschland und Großbritannien erhält er eine Bewertung von 77 von 100. Das Laden ist rekordverdächtig, der Komfort überdurchschnittlich, doch hinter dem Lenkrad fehlt es an Emotionen.
XPeng ist ein chinesisches Technologieunternehmen, das sich seit 2014 der Elektromobilität widmet. Anders als traditionelle Autohersteller setzt man auf Softwareausstattung und eine eigene Ladeinfrastruktur. Der G9 ist das Flaggschiff der Marke — ein großes SUV der BMW-iX-Klasse, das in der aktualisierten Version (Facelift 2025) auch auf den tschechischen Markt gekommen ist. Das Design ist klar und aerodynamisch, aber nicht besonders markant — von vorne wirkt der G9 elegant, im Profil verschmilzt er jedoch mit zahlreichen anderen großen SUVs auf dem Markt.

Die Abmessungen von 4.891 × 1.937 × 1.680 mm und ein Radstand von 2.998 mm ordnen den G9 in die obere Mittelklasse ein — er ist länger als das Tesla Model Y, aber kürzer als der Mercedes EQE SUV. Mit einem Leergewicht von 2.210 kg gehört er zu den schwereren Modellen, was bei Elektro-SUVs mit großer Batterie jedoch üblich ist.
Die Luftfederung mit adaptiven Dämpfern ist eindeutig die stärkste Seite des Fahrverhaltens. Auf der Autobahn ist der G9 überraschend leise — sowohl Windgeräusche als auch Reifenabrollgeräusche werden besser gedämpft als bei vielen europäischen Konkurrenten. Der Modus Comfort Plus verwandelt den Wagen in ein schwebendes Wohnzimmer. Auf längeren Strecken durch Europa ist er eines der komfortabelsten Elektro-SUVs, die man heute kaufen kann.
Die Lenkung ist präzise und leichtgängig, doch es fehlt an Rückmeldung. Bei dynamischerer Fahrweise zeigt sich eine emotionale Leere — der G9 meistert Kurven souverän, vermittelt dem Fahrer aber kein Gefühl der Einbindung. Wie AutoWeek anmerkte, wirkt das Fahrerlebnis „künstlich und distanziert“. Andererseits lobt das polnische OTOMOTO das stabile Fahrverhalten und den niedrigen Energieverbrauch von rund 20 kWh/100 km im kombinierten Betrieb.
Die Leistung von 258 kW (351 PS) in der Basisversion Performance reicht für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 6 Sekunden. Die voll ausgestattete AWD-Performance-Version mit zwei Motoren bietet über 400 kW und beschleunigt in 3,9 Sekunden — das sind Werte von Sportwagen. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch auf 200 km/h begrenzt.
| Parameter | XPeng G9 Performance |
|---|---|
| Leistung | 258 kW (351 PS) |
| Drehmoment | 465 Nm |
| 0–100 km/h | 6,0 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 200 km/h |
| Batterie | 78 kWh (LFP) |
| Reichweite WLTP | 502 km |
| Verbrauch WLTP | 18,0 kWh/100 km |
| DC-Laden (10–80 %) | 12 Minuten (max. 445 kW) |
| AC-Laden | 11 kW, Type 2 |
| Antrieb | Heckantrieb |
Beim Laden hat der XPeng G9 in Europa keine Konkurrenz. Die 800-V-Architektur ermöglicht eine Spitzenladeleistung von bis zu 445 kW (bei der AWD-Performance-Version sogar 525 kW). In der Praxis bedeutet das ein Laden von 10 auf 80 % in 12 Minuten an einer entsprechend leistungsstarken Station. Ein tschechischer Test von EV Magazín ermittelte im Winterbetrieb 53 kWh in 10 Minuten — selbst bei Minusgraden bleibt die Ladekurve beeindruckend.
Der reale Verbrauch hängt von den Bedingungen ab. Im kombinierten Betrieb liegt er bei rund 18–20 kWh/100 km, auf der Autobahn im Winter steigt er jedoch auf 25–27 kWh/100 km. Das entspricht einer Reichweite von rund 300 km unter den schlechtesten Bedingungen. Die LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) ist widerstandsfähiger gegen Degradation und sicherer, aber empfindlicher gegenüber niedrigen Temperaturen als NMC-Zellen der Konkurrenz. Der G9 unterstützt V2L — er kann also externe Verbraucher direkt aus der Batterie speisen.

Der Innenraum ist das überzeugendste Argument für den G9. Die Materialqualität — Nappaleder, weiche Kunststoffe, Aluminiumdetails — entspricht europäischer Premiumqualität. Massagesitze sind für alle vier Hauptplätze verfügbar, was in dieser Preisklasse eine absolute Seltenheit ist. Das Panoramadach sorgt für einen hellen Innenraum, und die rahmenlosen Vordertüren verleihen einen Hauch von Luxus.

Das Dynaudio-Soundsystem mit 22 Lautsprechern und 2.150 W Leistung gehört zur absoluten Spitze des Segments. Auf langen Autobahnstrecken ist das Klangerlebnis vergleichbar mit dem, was Bang & Olufsen bei Audi oder Bowers & Wilkins bei BMW bieten. Der Kofferraum mit 660 Litern Volumen ist großzügig bemessen — größer als beim BMW iX (500 l) und beim Mercedes EQE SUV (520 l). Unter der vorderen Haube verbirgt sich zudem ein Frunk für Kleinigkeiten.
Der Platz im Fond ist ausreichend, angesichts der Fahrzeuglänge aber nicht überwältigend. Die Beinfreiheit fällt geringer aus als erwartet — die Batterie im Boden erhöht die Sitzposition, was den Platz unter den Oberschenkeln einschränkt.
XPeng ist ein Technologieunternehmen, und der G9 bestätigt das. Das Trio aus Displays (Fahrerdisplay, zentrales 15-Zoll-Display und Display vor dem Beifahrer) läuft auf Qualcomm- und Nvidia-Prozessoren. Das Infotainment reagiert flott und ohne Ruckler — ältere Versionen litten unter gelegentlichen Aussetzern, die aktualisierte Software ist jedoch stabil.
Problematisch ist allerdings, dass zu viele Funktionen im Touchscreen versteckt sind. Die Einstellung der Spiegel, der Lenkradhöhe und der Klimaanlage erfordert ein Touch-Menü — während der Fahrt frustrierend. Das ist ein wiederkehrender Kritikpunkt in allen Tests und die schwächste Seite der Benutzeroberfläche. Das System XNGP für teilautonomes Fahren (Level 2+) funktioniert auf Autobahnen solide, doch die Assistenzsysteme reagieren häufig zu aggressiv — Warnsignale bei Annäherung an die Fahrbahnmarkierungen sind störend und lassen sich nicht einfach abstellen.

Der XPeng G9 erhielt bei Euro-NCAP-Tests 5 Sterne (2023) mit einer Gesamtbewertung von 82 von 100. Der Schutz für erwachsene Insassen wie auch für Kinder liegt auf hohem Niveau, aktive Sicherheitssysteme (autonomes Bremsen, Spurhalteassistent, Fußgängererkennung) arbeiten zuverlässig. Die Karosseriestruktur profitiert von ultrahochfestem Stahl und strategisch platzierten Knautschzonen rund um die Batterie.
Der XPeng G9 ist auf dem europäischen Markt noch zu kurz vertreten, um über belastbare Zuverlässigkeitsdaten zu verfügen. In den Datenbanken von TÜV Report und Consumentenbond taucht er bislang nicht auf — für eine Zuverlässigkeitsbewertung ist es schlicht noch zu früh. Der Hersteller gewährt eine Standardgarantie von 5 Jahren / 120.000 km auf das Fahrzeug und 8 Jahren / 160.000 km auf die Batterie. Der Service in Tschechien läuft über ein Netz autorisierter Partner — dieses ist bislang sehr begrenzt. XPeng plant eine Produktion in Österreich (Magna Steyr in Graz), was die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und die Servicedeckung verbessern dürfte.
Eine offizielle tschechische Preisliste von XPeng gibt es bislang nicht — die Preise basieren auf der europäischen Preisliste. Der Basis-G9 Long Range mit Hinterradantrieb startet bei umgerechnet etwa 1.550.000 Kč. Die AWD-Performance-Version mit zwei Motoren und über 400 kW Leistung bewegt sich bei rund 1.800.000 Kč. Selbst die teuerste Variante ist um Hunderttausende Kronen günstiger als ein vergleichbar ausgestatteter BMW iX oder Mercedes EQE SUV.
Im Jahr 2025 wurden in Tschechien lediglich 3 neue XPeng G9 zugelassen — die Marke steckt auf dem tschechischen Markt noch in den Kinderschuhen. XPeng insgesamt kam 2025 in Tschechien auf nur 6 Zulassungen (3× G9, 3× G6). Von den drei gewerblichen G9-Zulassungen entfielen zwei auf Autohäuser (Auto Kora top und MACH MOTORS) — reale Kundenverkäufe gab es also nur in wenigen Stückzahlen. Ohne eigenes Händlernetz und Markenbekanntheit bleibt er vorerst ein Exot für Enthusiasten.

| XPeng G9 | Tesla Model Y | BMW iX | Mercedes EQE SUV | |
|---|---|---|---|---|
| Preis ab | 1.550.000 Kč* | 1.125.400 Kč | 2.147.600 Kč | 2.047.320 Kč |
| Leistung | 258 kW | 220 kW | 300 kW | 195 kW |
| Verbrauch | 18,0 kWh | 13,0 kWh | 17,0 kWh | 18,0 kWh |
| Kofferraum | 660 l | 822 l | 500 l | 520 l |
| DC-Laden | 445 kW | 250 kW | 200 kW | 170 kW |
| Reichweite WLTP | 502 km | 533 km | 577 km | 590 km |
Preislich bewegt sich der XPeng G9 zwischen dem Tesla Model Y und der deutschen Premiumkonkurrenz. Gegenüber dem BMW iX bietet er einen größeren Kofferraum, serienmäßige Massagesitze und mehr als die doppelte Ladeleistung. Gegenüber Tesla ist er geräumiger und luxuriöser, verbraucht jedoch mehr Energie und verfügt nicht über ein so dichtes Supercharger-Ladenetz. Der Mercedes EQE SUV bietet mehr Reichweite und Renommee, allerdings zu einem Preis von über 2 Millionen Kronen.
Der XPeng G9 wird in China seit 2022 und in Europa (Skandinavien, Baltikum, Benelux) seit 2024 verkauft. Die Verkaufszahlen sind niedrig, was die Stichprobengröße einschränkt — doch die chinesische Datenbank 车质网 und das europäische Trustpilot liefern wertvolle Erkenntnisse.
Ein dänischer Besitzer lobt auf Trustpilot den Fahrkomfort und die intelligenten Funktionen nach anderthalb Monaten täglicher Nutzung — die Reichweite bezeichnet er als „angemessen“, die Luftfederung als eine der besten Eigenschaften des Fahrzeugs. Eine estnische Rezension bestätigt, dass die 800-V-Ladearchitektur in der Praxis funktioniert: Die realen Ladeleistungen übersteigen an kompatiblen Stationen 400 kW.
Professionelle Tests sind sich einig über das Premiumgefühl des Innenraums — Massagesitze, Ambientebeleuchtung und ein 5.1-Soundsystem schaffen eine Atmosphäre, die mit dem BMW iX konkurrieren kann. Das Goodwood Festival of Speed hebt die Ruhe im Innenraum hervor sowie den geschmeidigen Fahrkomfort auf der Autobahn.
Chinesische Besitzer melden auf 车质网 Probleme mit den Sitzen (instabile Befestigung, ungewöhnliche Geräusche), Reifenvibrationen bei hoher Geschwindigkeit sowie Türgriffe, die sich nicht einziehen. Schwerwiegender sind Berichte über Ausfälle des Millimeterwellenradars, wodurch das Kollisionswarnsystem nicht mehr funktioniert — der Service schiebt das Problem auf eine „Verdeckung der Radarabdeckung“, was die Besitzer bestreiten. Mehr dazu in der Übersicht Probleme, die Besitzer chinesischer Autos weltweit melden.
Der adaptive Tempomat bremst unnötig aggressiv, wenn sich ein anderes Fahrzeug in die Spur einordnet, und die Luftfederung reagiert gelegentlich unangenehm auf scharfe Querfugen und Dehnungsfugen. In Dänemark beschreibt ein Kunde auf Trustpilot die Lieferung eines Neuwagens im Winter mit Sommerreifen — der Händler lehnte die Montage von Winterrädern ab, und der Kunde musste das Problem über einen Dritten lösen.
Das Servicenetz ist ebenso wie beim G6 ein zentraler Schwachpunkt. Auf Trustpilot wartet ein australischer Besitzer zwei Monate auf ein Panoramaglasdach, ohne jegliche Terminschätzung — der Vertriebspartner hat keine Ersatzteile auf Lager. In Dänemark meldet ein Besitzer eine sechsmonatige Wartezeit auf die Fahrzeuglieferung statt der versprochenen zwei Monate.
In China ist die Situation Standard, doch die Qualität der Servicekommunikation ist umstritten — Händlern zufolge wird laut Beschwerden empfohlen, „auf ein OTA-Update zu warten“, selbst bei Hardwaredefekten (Radar, Türgriffe), wobei wiederholter Komponentenaustausch das Problem nicht löst. Für den tschechischen Markt, wo XPeng bislang über keine Servicestruktur verfügt, ist das ein erhebliches Risiko.
Der XPeng G9 ist ein Auto für Technikbegeisterte, die ein Premium-SUV ohne Premiumpreis wollen. Wer regelmäßig längere Strecken fährt und es zu schätzen weiß, in 12 Minuten auf 80 % zu laden, findet hier derzeit die beste Wahl am Markt. Das Dynaudio-Soundsystem, Massagesitze für vier Personen und die Luftfederung schaffen einen Reisekomfort, der in dieser Preisklasse konkurrenzlos ist.
Wer Fahrspaß und emotionale Rückmeldung am Lenkrad sucht, sollte sich anderswo umsehen — etwa beim BMW iX. Und wer Wert auf ein etabliertes Servicenetz und die Sicherheit einer Marke mit Geschichte legt, dem kann XPeng in Tschechien diese Sicherheit bislang nicht bieten. Technologisch ist der G9 aber der Beweis, dass chinesische Elektroautos um die Spitzenplätze mitspielen — und den Preiskampf gewinnen.