Um wie viel schneller wird die Škoda Octavia mit dem Basismotor 1.5 TSI, wenn man sie in Rennsport-Grün kleidet? Und macht es bei diesen 150 PS überhaupt Sinn, ein tiefergelegtes Sportfahrwerk zu wählen? Und wie hilft dem Fahrkomfort die DCC-Dämpfung? All das im Test des Dauerbrenners am tschechischen Autohimmel, der Škoda Octavia.

In den letzten Jahren haben wir die vierte Generation des Octavia bereits mit dem Ein-Liter-Motor, als Plug-in-Hybrid iV, in der RS-Version und auch mit dem legendären TDI, also dem Zwei-Liter-Diesel, getestet. Den benzinbetriebenen Ein-Liter-Dreizylinder gibt es inzwischen nicht mehr im Angebot, und als ich überlegte, welche Version ich diesmal ausprobieren möchte, griff ich zum aktuellen Basisantrieb. Das ist der 1.5 TSI mit 110 kW und Schaltgetriebe. Diesen Motor haben wir schon mehrmals getestet, allerdings – soweit ich mich erinnere – immer mit Automatikgetriebe. Zum Beispiel im Fabia Monte Carlo oder im VW T-Roc Cabrio. Auch die eTSI-Variante, also der Mild-Hybrid-Antrieb mit Automatikgetriebe, ist uns schon durch die Hände gegangen. Den hatten wir etwa im Golf Variant und vor Kurzem auch im Cupra Leon. Bei all diesen Autos störte mich, dass das Getriebe den Motor entweder im niedrigen Drehzahlbereich abwürgt oder ihn so hoch dreht, dass der Motor dort nicht mehr viel zu bieten hat. Das Schönste an diesem Motor ist der mittlere Drehzahlbereich. Deshalb verstecken wir uns diesmal nicht hinter einer Automatik und schicken den Motor mit dem Schaltgetriebe gezielt in diesen idealen Drehzahlbereich.

Diese Vierzylinder-Benzinmotoren mit 1,5 Liter Hubraum hatten wir in letzter Zeit auch in anderen Autos – etwa im MG HS, im Kia Sportage oder im SsangYong Torres. Und diese Motoren finde ich richtig gelungen. Leise, sparsam, kultiviert, leicht, sie werden schnell warm, können aber trotzdem ordentlich zupacken. Beim Motor aus dem VW-Konzern handelt es sich zudem um ein interessantes Aggregat, das zum Beispiel mit variabler Turbinengeometrie oder Zylinderabschaltung ausgestattet ist. Der Hersteller verspricht für den Octavia einen kombinierten Verbrauch von 5,3 Litern auf hundert Kilometer, 250 Nm Drehmoment und eine Beschleunigung von null auf hundert in 8,3 Sekunden. Für einen Basismotor ziemlich gute Werte. Also los geht's.

Zum Test kam die Combi-Variante in der schönen Farbe Mamba Green in der Ausstattungslinie Sportline. Die Sportline-Ausstattung bringt neben ein paar Extras auch Sportsitze mit integrierter Kopfstütze, LED-Matrix-Scheinwerfer und vor allem ein um 15 mm tiefergelegtes Fahrwerk mit sich. Manchem wird der „Missbrauch" dieser Farbe, die eigentlich den sportlichen Modellen der Marke vorbehalten war, vielleicht nicht gefallen. Wenn es nach mir ginge, würde mich die Farbe Race Blue am atmosphärischen Ein-Liter-Fabia, den wir vor ein paar Wochen hatten, oder am Leon Cupra mit 1.5 eTSI eher stören. Aber Sportlichkeit verkauft sich nun mal, und wer sich dagegenstemmt, schaut am Ende in die Röhre. Meinem Geschmack nach ist das innerhalb dieser Kategorie ein sehr ansehnliches Auto. Schlichtes Design kombiniert mit einer exotischen Farbe, ohne Chrom, nur mit schwarzen Akzenten. Eine Garantie für lang anhaltende Schönheit.


Also steigen wir ein. Die schönen Sportsitze mit integrierter Kopfstütze umschließen meinen Körper angenehm. Ich sehe zwei große Displays und ein gelungen gestaltetes Armaturenbrett. Das Einzige, was mir nicht so gut gefällt, ist die schwarze glänzende Leiste unter dem Display, auf die ich meine Hand stütze. Aber immerhin besser als der Stoffbezug im Enyaq. Ansonsten habe ich nichts zu beanstanden. Also los. Ich starte den Motor, den man praktisch nicht hört. Über die weiche Kupplung fahre ich los wie ein Gentleman. Der „träge" untere Drehzahlbereich ermöglicht mir sanftere Anfahrten als etwa der 1.0 Ecoboost im Ford Focus, bei dem der Dreizylinder die Kraft schlagartig auf die Straße bringt und man mit der Kupplung sehr vorsichtig sein muss. Eigentlich finde ich diesen „lahmen" unteren Bereich plötzlich ganz sympathisch. Doch von Anfang an stört mich etwas, das ich von Škoda-Modellen nicht kenne: die Schaltung. Dieses Gefühl, wie der Gang von selbst einrastet, das wir von anderen Modellen kennen, stellt sich hier irgendwie nicht ein. Beim Durchqueren der Mittelposition hakt der Schalthebel leicht, und die Schaltung ist nicht so, wie ich es erwartet hätte.

Mit den DCC-Dämpfern gleitet der Octavia über kleinere Unebenheiten recht angenehm hinweg. Ein wenig ist die Arbeit des Fahrwerks im Innenraum zu hören, obwohl der Octavia auf Winterreifen im vernünftigen Format 205/55 R17 unterwegs war. Diese Geräusche fallen aber eher wegen des sonst völlig ruhigen Innenraums auf. Ein klarer Vorteil ist, dass der leichte Motor an der Vorderachse den Dämpfern nicht viel abverlangt und das Auto schön mitschwingt (anders als beim Octavia TDI, wo es mich gestört hat, dass die Vorderseite anders schaukelt als die Hinterseite). Andererseits könnte ich mir das Auto auch gut ohne die DCC-Dämpfer vorstellen, denn deren Komfortmodus ist fast zu komfortabel, und der Sportmodus ist nicht sonderlich sportlich. Ohne DCC würden wir uns wohl irgendwo dazwischen bewegen.

Auch außerhalb der Stadt gefällt, wie komfortabel und leise die Fahrt ist. Auf der Autobahn schnurrt der Motor einfach nur knapp über 2.000 Umdrehungen, also bereits in dem Bereich, in dem ihm das maximale Drehmoment zur Verfügung steht, sodass Beschleunigen kein Problem darstellt. Wenn ich etwas mehr will, genügt ein Gang runter, schon sind wir bei rund 2.500 Umdrehungen, und dort setzt der schöne Durchzug ein, der mir an diesem Motor so gefällt. In dem Bereich von 2.500 bis 4.000 Umdrehungen ist die Dynamik völlig ausreichend. Gleichzeitig bleibt der Motor sehr leise. Vibrationen kennt er dank seiner Vierzylinder-Bauweise praktisch nicht, auch vom Auspuff ist nichts zu hören. Vielleicht ist der Motor eigentlich sogar zu leise. Wer sich am Motorklang orientieren möchte, ist hier ein wenig verloren.

Neben Laufruhe, Leichtigkeit und Durchzug punktet der Motor auch mit einem sehr guten Verbrauch. Auf der Autobahn kommt man mit 6,5 Litern aus, außerorts gerne auch einen Liter weniger. Das sind hervorragende Werte. Der Durchschnitt über die gesamte Testzeit lag bei 6,4 Litern, einschließlich einiger Dutzend zügiger gefahrener Kilometer. Da es sich nun mal um den Sportline mit tiefergelegtem Fahrwerk handelt: Ich bin schön gefahren, aber selbst in der härtesten Einstellung sind die Dämpfer schlicht zu weich. Das passt gut zu holprigen Straßen, aber dort neigt der Octavia wiederum etwas zum Springen, offenbar gerade wegen dieser Dämpfer und vor allem der weichen Federn, die die Räder nicht schnell genug zurück auf die Straße bringen.

Auf die Abschnitte darüber, wie viel Zeug und wie viele Personen in den Octavia passen, habe ich ganz bewusst verzichtet – darüber habe ich in vergangenen Tests schon genug geschwärmt. Wichtiger als das Kofferraumvolumen ist ohnehin das Hauptproblem dieser Generation, nämlich das Infotainment von Anfang an. Hier gab es diesmal jedoch fast keine Probleme. Abgesehen vom gelegentlichen Piepen der vorderen Sensoren beim Anfahren – aber das scheint mir bei praktisch allen VW-Modellen dieser Generation der Fall zu sein. Ansonsten habe ich keine größeren Probleme festgestellt. Allerdings hatte ich mein Handy per kabellosem SmartLink verbunden und konnte so das Infotainment-Menü ziemlich gut umgehen.

Was bleibt zum Schluss? Der 1.5 TSI mit Schaltgetriebe ist mehr als nur ein guter Basismotor. Er hat mich mit seiner Kultiviertheit, Laufruhe und seinem Verbrauch überzeugt. Der „lahme" untere Drehzahlbereich ist in Kombination mit dem Schaltgetriebe kein Nachteil – im Gegenteil. Er ermöglicht sehr angenehme Anfahrten, ohne dass der Turbo plötzlich 200 Nm hereinbläst und das Auto wie von Sinnen davonschießt. Im mittleren Drehzahlbereich hat mich der Motor dagegen mit Durchzug und Elastizität begeistert. Getrübt wird das Ganze von den langen Übersetzungen, die sich wiederum auf der Autobahn bewähren, wo der Motor bei nur 2.200 Umdrehungen läuft, leise bleibt und wenig Kraftstoff verbraucht. In dieser Farbe, auf diesem Fahrwerk und durchaus auch mit diesem Motor könnte ich mir den Octavia gut in meiner eigenen Garage vorstellen. Auf die DCC-Dämpfer und den Travel Assist 2.5 würde ich am Ende gerne verzichten.