Passt ein keineswegs beliebtes CVT-Getriebe zu einem günstigen Crossover von Dacia? Die Antwort lautet: durchaus ja. Vor einem Jahr hat der Dacia Sandero Stepway mit Schaltgetriebe und LPG-Antrieb bei uns einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Und so hat uns nur eine Woche nach dem Jogger das Sandero mit seinem Angebot eines Automatikgetriebes gelockt. Wir wollten herausfinden, wie es mit dem Dreizylinder-Ein-Liter-Turbomotor harmoniert. Man muss sagen, dass man für dieses Automatikgetriebe auf den LPG-Antrieb verzichten muss, sodass es am Ende durchaus eine Art Sophies Wahl sein kann. Ein sehr sparsames Auto mit Gasantrieb und Schaltgetriebe, oder mit Benzin ohne Schaltzwang? Da das Geld immer an erster Stelle steht, sei erwähnt, dass dieses “verkleidete” Sandero in “voller Ausstattung” 410 Tausend kostet. Das ist immer noch ein recht guter Preis, aber sicherlich nicht mehr völlig außerhalb der Reichweite der Konkurrenz.

Mit einer Länge von 4099 mm fällt der Sandero in die Kategorie der Kleinwagen und ist fast auf den Millimeter genau so lang wie die heimische Škoda Fabia. Mit der Fabia hat er außerdem gemeinsam, dass auch sie für ähnliches Geld mit Automatikgetriebe (in der DSG-Variante) erhältlich ist, wenn auch in der niedrigsten Ausstattung. Ein Vergleich dieser beiden Fahrzeuge bietet sich also durchaus an. Und so wird dieser Test ein Stück weit auch zu einem Duell zwischen diesen beiden Fahrzeugen. Das gleich teure Sandero ist zwar in der höchsten Ausstattung und zudem in der Stepway-Version, sodass es vielleicht auch mit dem Kamiq verglichen werden könnte, doch dieser ist deutlich teurer, sagen wir also, dass wir bei diesen Autos auf einen Anschaffungspreis von knapp über 16.600 € blicken.

Über den Sandero haben wir im letztjährigen Test schon einiges geschrieben, daher möchte ich die Leser bitten, auch dort vorbeizuschauen, damit ich mich hier nicht noch einmal über sein Platzangebot, sein Fahrverhalten, die Verarbeitung des Innenraums oder die cleveren Dachrelings auslassen muss. Im heutigen Test haben wir unter anderem die schöne Bronzefarbe verloren, die durch Weiß ersetzt wurde. Diese steht dem Sandero zwar durchaus gut, ordnet den Wagen aber unterbewusst in eine Flotte neben billigen weißen Kurierlieferwagen ein. Bei der Version 90 TCe haben wir außerdem 10 PS eingebüßt, über die der Motor beim Betrieb mit LPG verfügt. Dafür haben wir das CVT-Automatikgetriebe bekommen. Also ein Tausch.

Der Grund für die häufige Kritik an CVT-Getrieben ist nicht das Getriebe selbst, sondern seine übliche Kombination mit kleinen Saugmotoren. Deshalb ertönt unter der Motorhaube oft das Heulen eines hochgedrehten Saugmotors (etwa beim Toyota Yaris Cross). Hier aber nicht. Der Turbomotor muss nicht hochgedreht werden, und das Sandero versucht, angenehm niedrige Drehzahlen zu halten. Die Arbeit des Getriebes ist geschmeidig und vor allem im Eco-Modus geradezu samtig. Im Nicht-Eco-Modus reagiert der Motor etwas hastig auf das Gaspedal, und das Getriebe weiß dann kurzzeitig nicht recht, was es tun soll, und ruckt gelegentlich. Vor allem in der Stadt glättet der Eco-Modus diese Reaktionen. Man muss zwar etwas kräftiger aufs Gas treten, doch das Sandero reagiert dann schön geschmeidig. Das Getriebe versucht im Sandero in drei Modi zu arbeiten - sanfter Umgang mit dem Gas bedeutet konstante Drehzahlen um zweitausend. In diesem Modus brummt der Motor nur leise vor sich hin, und die Funktion des stufenlosen Getriebes stört überhaupt nicht. Drückt man das Gas etwas stärker, hält das Sandero die Drehzahl zwischen 3 und 4 Tausend und versucht, Gangstufen zu simulieren. Im dritten Modus, das heißt Vollgas, treibt es die Drehzahl dann auf 5 Tausend hoch und hält sie dort. Das ist nicht besonders angenehm und hat auf die Beschleunigung ohnehin nur geringen Einfluss. Das Getriebe kann aber glänzen, wenn wir das Sandero ins leichte Gelände schicken. Die hervorragend dosierbare Kraft und die Möglichkeit, langsam einen Berg hinaufzufahren, wobei man bei einem Schaltgetriebe die Kupplung ziemlich strapazieren würde, sind sicherlich ein Plus, falls Sie solches Gelände gelegentlich bewältigen müssen. Die erhöhte Bodenfreiheit ist natürlich ebenfalls ein Plus.

Und noch der versprochene Vergleich mit der Fabia - das DSG-Getriebe mit den Trockenkupplungen funktioniert dort ganz ordentlich, aber die Nagelprobe sind für es sanfte oder schnelle Anfahrten, sanftes Rückwärtsfahren oder das Vorrücken im Stau. Das sind die Momente, die der Fabia am wenigsten liegen. Diesem CVT hingegen liegen sie ausgezeichnet. Hier ist also ziemlich klar, dass das Sandero im Stadtverkehr sicherlich die etwas bessere Wahl ist. Außerorts ist es schon vergleichbar, dort wird umgekehrt das DSG erwachsener wirken. Erwachsener wirkt die Fabia auch im Fahrverhalten einschließlich der Geräuschkulisse, das steht außer Frage. Und auf der Autobahn wirkt die Fabia keineswegs wie ein kleines Auto und liegt ein gutes Stück vor unserer weißen Braut aus Rumänien.

Was den Antriebsstrang betrifft, so bedeutet die indirekte Kraftstoffeinspritzung, dass sich das Sandero auch für kürzere Strecken in der Stadt eignet. Eine solche Möglichkeit bietet bei der Fabia nur der Saugmotor MPI, der jedoch nicht in Kombination mit einem Automatikgetriebe erhältlich ist. Das Sandero bietet aus seinem Turboherzen relativ bescheidene 67 kW und 142 Nm, und das ist wirklich nicht viel. Erfreulich ist die große Bandbreite von 1750 bis 4500 Tausend Umdrehungen, in der dieses Drehmoment abrufbar ist. Die Fabia wird in dieser Hinsicht etwas besser sein und bietet 81 kW sowie vor allem 200 Nm, eine Beschleunigung in 9,6 Sekunden, während man beim Sandero insgesamt lange 14,2 Sekunden auf die Hundert warten muss. Hier hat die Fabia also theoretisch eindeutig die Nase vorn. Wo die Fabia nicht die Nase vorn hat, ist die erwähnte Feinfühligkeit der Getriebearbeit. Die Arbeit des DSG mit den Trockenkupplungen war für mich bei der Fabia eher eine Enttäuschung, während das CVT im Sandero eher eine positive Überraschung ist. Das war eigentlich der Hauptgrund, warum ich die Fabia in diesen Text “hineingezogen” habe. Für 420 Tausend können Sie eine Fabia bekommen, die in allen Modi erwachsener wirkt, aber bei der Ausstattung beschnitten ist und eine kompromissbehaftete Automatiklösung hat. Gefühlt ist der Motor recht lebendig, sicherlich lebendiger als bei der Fabia im Standardmodus, wo die Elektronik ihn hartnäckig unter 2 Tausend Umdrehungen hält. Im Sport-Modus, wo das Getriebe die Drehzahl über 2 Tausend hält, würde ich der Fabia schon die deutlich bessere Dynamik zutrauen.

Beim Verbrauch fällt das Sandero dann etwas zurück. Auch wenn die Fabia auch nicht wer weiß wie sparsam war, ist das Sandero durstiger. Das zeigt sich auch an den WLTP-Verbrauchswerten. 6,2–6,4 Liter beim Sandero gegenüber 5,5-6,1 Liter bei der Fabia. Diesmal bin ich dem WLTP-Verbrauch irgendwie überhaupt nicht nahegekommen. Unter 6,5 Liter auf hundert km zu kommen ist praktisch unmöglich - beim Sandero mit Schaltgetriebe fuhren wir außerorts mit 5,5, sodass der Anstieg bis zu einem Liter beträgt, was für manchen ein etwas hoher Preis für das Automatikgetriebe sein kann. Auf der Autobahn genehmigt sich das Sandero rund 7,5 Liter. Auch dieser Wert könnte niedriger sein, entspricht aber der Version mit Schaltgetriebe. Der gesamte kombinierte Verbrauch landete schließlich bei 7 Litern im entspannten Reisetempo und vorausschauender Fahrweise. Hier hätte ich etwas Sorge, dass er bei einem cholerischen Fahrer ohne Weiteres mit der Zahl 8 beginnen könnte, da der Motor häufig an seine Grenzen gehen wird. Diese 142 Nm sind wirklich nicht viel.

Wenn Sie auf ein Automatikgetriebe bestehen, machen Sie beim Sandero nichts falsch. Es ist ein ganz normales Auto, das ganz normal fährt und Ihnen gute Dienste leisten wird. Wenn Sie jedoch nicht auf dem Automatikgetriebe bestehen, können Sie 30 Tausend sparen und die Version mit Schaltgetriebe und LPG bekommen, die mit halben Kosten fährt. Das liegt bei Ihnen.